Jean-Claude Trichet
Jean-Claude Trichet (* 20. Dezember 1942 in Lyon) ist ein französischer Finanzexperte und -politiker. Von November 2003 bis Oktober 2011 war er Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB).
Leben
Jean-Claude Trichet war ältestes der drei Kinder eines aus der Bretagne stammenden Universitätsdozenten.<ref name="Munzinger">Jean-Claude Trichet im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)</ref> Der Vater starb, als Jean-Claude 16 Jahre alt war.<ref>Jean-Claude Trichet – Monsieur Euro ganz nah. In: Die Welt vom 20. Juni 2010.</ref>
Trichet besuchte in Paris das Lycée Fénelon und das Lycée Condorcet.<ref name="Munzinger" /> Nach dem Baccalauréat absolvierte er die École des Mines de Nancy, eine Bergbauakademie in Lothringen, die er 1964 als Diplom-Bergbauingenieur (Diplôme ingénieur civil des Mines) abschloss.<ref name="EZB_CV"> <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Lebenslauf ( vom 14. Juni 2009 im Internet Archive) auf der Website der Europäischen Zentralbank</ref> Im Anschluss daran erlangte er im Jahre 1966 an der Universität von Paris den Master-Grad in Ökonomie ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) sowie am Institut d’études politiques de Paris (Sciences Po Paris) ein Diplom in Politikwissenschaft. Nach ersten Berufserfahrungen als Ingenieur in der freien Wirtschaft besuchte er von 1969 bis 1971 die Elitehochschule École nationale d’administration (ENA).<ref name="EZB_CV" />
1971 kam er in die Abteilung Wirtschaftsprüfung ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) des Wirtschafts- und Finanzministerium Frankreichs. 1974 zunächst Referent in der Generalinspektion für Finanzen, wechselte er ein Jahr später, 1975, ins Schatzamt ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) – der Steuerungszentrale der französischen Geldpolitik. 1976 wurde er Generalsekretär des Interministeriellen Ausschusses für die Verbesserung der industriellen Strukturen ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), CIASI).
1978 wurde er Berater des damaligen Wirtschafts- und Finanzministers René Monory und noch im selben Jahr Berater des damaligen Präsidenten Valéry Giscard d’Estaing für die Bereiche Industrie-, Energie- und Forschungspolitik. Als Giscard d’Estaing in der Präsidentschaftswahl des Jahres 1981 gegen François Mitterrand verlor, ging Trichet wieder ins Schatzamt zurück.<ref>EZA (EuroZoneAdvisors) Report 542 vom 24. Juni 2003</ref><ref name="Whoswho_de">Vorlage:Whoswho</ref><ref> <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Group of Thirty/Mitglieder-Bios/Jean-Claude Trichet ( vom 25. Mai 2009 im Internet Archive)</ref> Dort war er Leiter des Entwicklungshilfebüros, Stellvertretender Direktor der Abteilung Bilaterale Angelegenheiten, Leiter der Abteilung Internationale Angelegenheiten, Vorsitzender des Pariser Clubs – Umschuldung und Schuldenerlass von zahlungsunfähigen Staaten.
1987 wurde Trichet Leiter des Schatzamtes ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)). Er hielt dieses Amt unter wechselnden – auch sozialistischen – Premierministern bis 1993, als er vom damaligen Premierminister Édouard Balladur zum Chef ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) der französischen Zentralbank ernannt wurde. In dieser Tätigkeit forcierte er Privatisierungen und war maßgeblich an der Vorbereitung der Euro-Einführung im Zuge der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion beteiligt.<ref name="EZB_CV" /><ref>Lebenslauf von Jean-Claude Trichet. In: Wirtschaftswoche vom 6. November 2003</ref><ref>EZB-Präsident Trichet erhält internationale Ehrung. Focus Online, 4. Dezember 2010</ref>
Im Herbst 1997 schlug Frankreich Jean-Claude Trichet als zukünftigen Präsidenten der (zu diesem Zeitpunkt) noch nicht etablierten Europäischen Zentralbank (EZB) vor. Um die Besetzung des prestigeträchtigen Amtes entspann sich dann eine Konkurrenz mit dem niederländischen Präsidenten des Europäischen Währungsinstituts (EWI) (dem Vorläufer der EZB) Wim Duisenberg, der von der großen Mehrheit der EU-Staaten favorisiert wurde. Im Mai 1998 einigten sich die Staats- und Regierungschefs der EU auf einen Kompromiss: Duisenberg wurde zum ersten Präsidenten der EZB nominiert, allerdings unter der Auflage, die regulär achtjährige Amtszeit nicht voll auszuschöpfen, um die Funktion vorzeitig – bereits 2003 – an Trichet abzutreten.<ref>Europa. Mit germanischer Färbung. In: Der Spiegel vom 10. November 1997</ref><ref name="SZ">Trichet wartet seit Jahren auf den EZB-Chefposten. In: Süddeutsche Zeitung vom 15. Juli 2003</ref><ref name="Whoswho_de" />
Während seiner Zeit im französischen Schatzamt war Trichet auch zuständig für Staatsunternehmen, unter anderem für die (mittlerweile privatisierte) Großbank Crédit Lyonnais, die Frankreich, wegen ihrer fehlgeschlagenen Expansionsgeschäfte, im Jahre 1992 den größten Bankenskandal der Nachkriegsgeschichte bescherte. Ab 2000 ermittelten die Behörden gegen Trichet wegen des Verdachts, er habe Milliarden-Tricks der damaligen Bankspitze bewusst verschleiert. Januar/Februar 2003 wurde gegen Trichet und andere Angeklagte vor einem Pariser Strafgericht der Prozess eröffnet. Am 18. Juni 2003 verkündeten die Richter Trichets Freispruch.<ref name="SZ" />
Am 1. November 2003 trat Jean-Claude Trichet das Amt des Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) an.<ref>Trichet zum neuen Zentralbankpräsidenten ernannt. In: Süddeutsche Zeitung vom 16. Oktober 2003</ref><ref>Europäische Zentralbank. Duisenberg tritt ab – Trichet übernimmt. In: Süddeutsche Zeitung vom 27. Oktober 2003</ref>
In der Finanzkrise ab 2007 stellte Trichet den Banken US-Dollar zur Verfügung und nahm dafür auf Euro lautende Wertpapiere als Sicherheit an, um die Lage auf dem Geldmarkt zu entspannen.<ref>Banken buhlen um Dollar-Kredite der EZB. In: Financial Times Deutschland am 11. September 2008.</ref> Außerdem leitete er im Rahmen einer expansiven Geldpolitik eine dauerhafte Niedrigzinspolitik der EZB ein. Er verantwortete in der Euro-Schuldenkrise auch den Aufkauf von Staatsanleihen hoch verschuldeter Euro-Staaten durch die EZB.
Trichets achtjährige Amtszeit endete am 31. Oktober 2011 mitten in der Staatsschuldenkrise im Euroraum. Sein Nachfolger als Präsident der EZB wurde Mario Draghi.<ref>Draghi wird EZB-Präsident, In: Die Zeit, Zugriff am 24. Juni 2011</ref>
Jean-Claude Trichet sitzt im Vorstand der G30.<ref> <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Archivlink ( vom 29. September 2014 im Internet Archive)</ref> Seit April 2012 ist er Vorsitzender des Verwaltungsrates der Brüsseler Denkfabrik BRUEGEL.<ref>Neuer Verwaltungsratsvorsitzender des Think Tanks Bruegel: Jean-Claude Trichet. Europäische Bewegung Deutschland, abgerufen am 18. April 2012.</ref> Des Weiteren ist er European Chairman der Trilateralen Kommission und ein Berater für den transatlantischen Think-Tank European Horizons.<ref>Leadership. In: European Horizons. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 11. März 2018; abgerufen am 10. März 2018.</ref>
Privates
1965 heiratete Jean-Claude Trichet die Diplomatin und Übersetzerin Aline Rybalka, deren Eltern aus der Ukraine nach Frankreich eingewandert waren. Das Paar bekam zwei Kinder – Pierre-Alexis (Marketing-Direktor beim Telekommunikationsunternehmen Orange) und Jean-Nicolas, Musiker und Produzent elektronischer Musik.<ref>Jean-Claude Trichet in der Notable Names Database (englisch)</ref><ref name="Whoswho_de" /> Trichet lebt mit seiner Familie in Paris.
Auszeichnungen
- Bundesverdienstkreuz (Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland)
- Commandeur de l’Ordre national de la Légion d’honneur (Kommandeur der französischen Ehrenlegion)
- Officier de l’Ordre national du Mérite
- European Banker of the Year 2007<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />European Banker of the Year ( vom 11. November 2011 im Internet Archive) in: Maleki Group, abgerufen am 7. Dezember 2010</ref>
- Orden von Oranien-Nassau (Großkreuz) 2011
- Karlspreis 2011<ref>Jean-Claude Trichet erhält den Karlspreis. In: Tages-Anzeiger vom 4. Dezember 2010</ref><ref> <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Rede des Karlspreis-Trägers Jean-Claude Trichet – PDF ( vom 9. Juni 2011 im Internet Archive)</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Begründung des Direktoriums der Gesellschaft für die Verleihung des Internationalen Karlspreises zu Aachen an den Präsidenten der Europäischen Zentralbank Dr. h.c. Jean-Claude Trichet ( vom 10. Dezember 2010 im Internet Archive)</ref>
- Weltwirtschaftlicher Preis (2011)
- Großes Goldenes Ehrenzeichen am Bande für Verdienste um die Republik Österreich (2011)<ref>Aufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952 (PDF; 6,9 MB)</ref>
- Hessischer Verdienstorden (2011)
- Ehrenhaftes Mitglied des Europäischen Verdienstordens (2026)<ref>Präsidentin Metsola gibt erste Preisträger des Europäischen Verdienstordens bekannt. Pressemitteilung des Europäischen Parlaments. 10. März 2026, abgerufen am 12. März 2026.</ref>
Preise
- „Policy maker of the Year“, The International Economy magazine (1991)
- „Zerilli Marimo“ der Académie des sciences morales et politiques (1999)
- „Pico della Mirandola“ (2002)
- Prix franco-allemand de la Culture / Deutsch-Französischer Kulturpreis (2006)
- „Policy maker of the Year“, The International Economy magazine (2007)
- Ludwig-Erhard-Gedenkmünze in Gold (2007)<ref> <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Wirtschaftsrat der CDU – Gedenkmünze L. Erhard ( vom 11. November 2010 im Internet Archive)</ref>
- „Person of the Year“, Financial Times (2007)
- „European Banker of the Year 2007“, der Journalistenvereinigung „The Group of 20+1“ (2008)<ref>Trichet zum Banker des Jahres 2007 gekürt. In: Handelsblatt vom 27. Mai 2008</ref>
- „Central Banker of the Year“, The Banker (2008)
- „Central Bank Governor of the Year“, Euromoney (2008)
- Ehrendoktortitel mehrerer Universitäten
Literatur
- Jean-Claude Trichet in: Internationales Biographisches Archiv 39/2011 vom 27. September 2011, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
Weblinks
Einzelnachweise
<references />
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1950: Richard Coudenhove-Kalergi | 1951: Hendrik Brugmans | 1952: Alcide De Gasperi | 1953: Jean Monnet | 1954: Konrad Adenauer | 1956: Winston Churchill | 1957: Paul-Henri Spaak | 1958: Robert Schuman | 1959: George C. Marshall | 1960: Joseph Bech | 1961: Walter Hallstein | 1963: Edward Heath | 1964: Antonio Segni | 1966: Jens Otto Krag | 1967: Joseph Luns | 1969: Europäische Kommission | 1970: François Seydoux de Clausonne | 1972: Roy Jenkins | 1973: Salvador de Madariaga | 1976: Leo Tindemans | 1977: Walter Scheel | 1978: Konstantinos Karamanlis | 1979: Emilio Colombo | 1981: Simone Veil | 1982: Juan Carlos I. | 1984: Karl Carstens | 1986: Das Volk von Luxemburg | 1987: Henry Kissinger | 1988: François Mitterrand und Kohl | 1989: Frère Roger | 1990: Gyula Horn | 1991: Václav Havel | 1992: Jacques Delors | 1993: Felipe González | 1994: Gro Harlem Brundtland | 1995: Franz Vranitzky | 1996: Beatrix (Niederlande) | 1997: Roman Herzog | 1998: Bronisław Geremek | 1999: Tony Blair | 2000: Bill Clinton | 2001: György Konrád | 2002: Euro | 2003: Valéry Giscard d’Estaing | 2004: Pat Cox | 2004 Außerordentlicher Karlspreis: Johannes Paul II. | 2005: Carlo Azeglio Ciampi | 2006: Jean-Claude Juncker | 2007: Javier Solana | 2008: Angela Merkel | 2009: Andrea Riccardi | 2010: Donald Tusk | 2011: Jean-Claude Trichet | 2012: Wolfgang Schäuble | 2013: Dalia Grybauskaitė | 2014: Herman Van Rompuy | 2015: Martin Schulz | 2016: Franziskus | 2017: Timothy Garton Ash | 2018: Emmanuel Macron | 2019: António Guterres | 2020: Klaus Johannis | 2022: Maryja Kalesnikawa, Weranika Zepkala, Swjatlana Zichanouskaja | 2023: Ukrainisches Volk, Wolodymyr Selenskyj | 2024: Pinchas Goldschmidt, jüdische Gemeinschaften in Europa | 2025: Ursula von der Leyen | 2026: Mario Draghi Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Siehe auch“ ist nicht vorhanden.
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Wim Duisenberg (1998–2003) | Jean-Claude Trichet (2003–2011) | Mario Draghi (2011–2019) | Christine Lagarde (seit 2019)
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Trichet, Jean-Claude |
| KURZBESCHREIBUNG | französischer Finanzexperte und Präsident der Europäischen Zentralbank |
| GEBURTSDATUM | 20. Dezember 1942 |
| GEBURTSORT | Lyon |
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- Präsident der Europäischen Zentralbank
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- Träger des französischen Nationalverdienstordens (Offizier)
- Träger des Ordens von Oranien-Nassau (Großkreuz)
- Träger des Ordens des Infanten Dom Henrique (Großkreuz)
- Träger des Großen Goldenen Ehrenzeichens am Bande für Verdienste um die Republik Österreich
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- Mitglied der Ehrenlegion (Kommandeur)
- Mitglied der Académie des sciences morales et politiques
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- Franzose
- Geboren 1942
- Mann
- Mitglied des Europäischen Verdienstordens (Ehrenhaftes Mitglied)