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Trabrennbahn Karlshorst

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Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 6. Juli 2025 um 20:48 Uhr durch imported>Qwertz1894 (Nach dem Zweiten Weltkrieg bis Ende der 1990er Jahre).
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Datei:Berlin Trabrennbahn Karlshorst 09-2017 img2.jpg
Nordeingang zum Gelände der Trabrennbahn

Die Trabrennbahn Karlshorst ist eine historische 37 Hektar große Anlage für Pferderennen im Ortsteil Karlshorst des Berliner Bezirks Lichtenberg. Sie liegt an der Treskowallee in der Nähe des S-Bahnhofs Karlshorst. Die Rennbahn ist nach dem Vorwerk Karlshorst die älteste Ansiedlung auf dem Gebiet des heutigen Karlshorst. Sie wird vom Pferdesportpark Berlin-Karlshorst e. V. als Pferdesportpark, Sport- und Veranstaltungsstätte betrieben.

Geschichte

Datei:BPK00257- Fürstenhof an der Rennbahn Karlshorst.jpg
Trabrennbahn (hier noch als Hindernisrennbahn) und Hotel „Fürstenhaus“ (1899)
Datei:Gedenktafel Treskowallee 159 (Karlh) Trabrennbahn Karlshorst.jpg
Gedenktafel, Treskowallee 159, in Berlin-Karlshorst
Datei:Bundesarchiv Bild 146-1971-071-45, Besucher der Pferderennbahn, Berlin-Karlshorst.jpg
Besucher auf der Pferderennbahn in Karlshorst (1910)

19. Jahrhundert bis April 1945

Auf dem nahen Vorwerk Carlshorst wurde schon seit 1862 nach dem Vorbild einer englischen Steeplechase das traditionsreiche Große Preußische Armee-Jagd-Rennen durchgeführt. Dahinter stand die Initiative des späteren Generals der Kavallerie und damaligen Flügeladjutanten von König Wilhelm von Preußen Alfred Bonaventura von Rauch zusammen mit Rittmeister Christian Prinz zu Schleswig-Holstein und Leutnant Ottokar Graf von Wilamowitz-Moellendorff. Die hierfür genutzte Rennbahn diente auch als Ausweichparcours für die in Westend vorhandene Hindernisbahn. So fand in Karlshorst 1884 das erste öffentliche Pferderennen statt.<ref name="BZtg-Reiter">Neue Pferde für die Trabrennbahn - Die Reiterstaffel des Bundes könnte das Überleben der Anlage in Karlshorst sichern. In: Berliner Zeitung, 25./26. April 2009.</ref>

Die eigentliche Rennbahn Karlshorst entstand gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf einem etwa 1,2 Quadratkilometer großen Gelände, das der Gutsbesitzer Sigismund von Treskow im Jahr 1893 für 500.000 Mark an den Verein für Hindernisrennen verkaufte.<ref>Rennbahn Karlshorst (1854-1893) auf www.treskowpage.com</ref> Der Verein musste wegen eines auslaufenden Pachtvertrages seine Rennbahn in Westend aufgeben.<ref>Die 4 Pferderennbahnen von Charlottenburg auf www.flanieren-in-berlin.de</ref> Nach Plänen der Architekten Johannes Lange (Hochbauten), Rudolph Jürgens (Landschaftsanlagen) und Martin Haller (sporttechnische Gestaltung) entstand 1893/1894 die Galopprennbahn für Hindernis- oder Jagdrennen mit Holztribünen, Restauration, Ställen und Trainierbahnen, die am 9. Mai 1894 eröffnet wurde.<ref>Ralf Schmiedecke: Berlin-Lichtenberg im Wandel der Zeit. Sutton Verlag, Erfurt 2017, S. 92.</ref> Im Jahr 1895 wurde der Bahnhof Carlshorst in Betrieb genommen und eigens für die Rennbahnbesucher ein sechsgleisiger Kopfbahnhof neben dem Vorortbahnsteig errichtet (unter Denkmalschutz).<ref>Baudenkmal Rennbahnhof</ref> 1935 wurde die von Heinrich Straumer entworfene Tribüne mit 2300 Sitzplätzen eingeweiht.

Auf dem Gelände befindet sich ein Denkmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen 97 Herrenreiter (Amateur-Rennreiter) und 20 Berufsreiter der Rennbahn, das von Willibald Fritsch entworfen und 1925 in Anwesenheit von Reichspräsident Paul von Hindenburg eingeweiht wurde.<ref>Rennreiterdenkmal. In: bildhauerei-in-berlin.de. Abgerufen am 4. Mai 2022.</ref> Unweit des Denkmals erinnert eine im Boden eingelassene Granittafel an König Midas, ein erfolgreiches Rennpferd vom Anfang der 1920er Jahre.<ref>König Midas. In: www.gedenktafeln-in-berlin.de. Abgerufen am 4. Mai 2022.</ref>

Datei:Karlshorst, Reiterdenkmal.JPG
Reiterdenkmal von Willibald Fritsch (1925)

Nach dem Zweiten Weltkrieg bis Ende der 1990er Jahre

Da die Trabrennbahn Mariendorf 1945 noch nicht wieder zur Verfügung stand, fand das erste Nachkriegs-Trabrennen in Berlin am 1. Juli 1945 mit etwa 50.000 Besuchern in Karlshorst statt.<ref>Wieder Trabrennen in Berlin. In: Berliner Zeitung, 24. Juni 1945, S. 4; online</ref> Die Anlage wurde danach auf Anordnung des sowjetischen Stadtkommandanten Generaloberst Bersarin zur Trabrennbahn umgebaut und flächenmäßig etwa auf das Doppelte vergrößert. Das erste Geläuf war eine Grasnarbe über 1600 m, später mit Schotter als Untergrund. In den Jahren 1984/1985 wurde die Bahn zum heutigen Zustand mit 1200 m internationalem Geläuf umgebaut.<ref name="history tours">Trabrennbahn. In: karlshorst-history.tours. Abgerufen am 4. Mai 2022.</ref> Während der deutschen Teilung war dies die einzige Trabrennbahn in der DDR. Sie wurde vom Volkseigenen Betrieb Trabergestüte und Trabrennbahn betrieben, der zuletzt Teil des Kombinats Tierzucht war.<ref name="BZtg-Reiter" /> Während des ganzen Jahres fanden zweimal wöchentlich Rennen statt.

Nach der Wiedervereinigung verpachtete die Treuhandanstalt die Reitsportanlage Karlshorst an den Trabrennverein Mariendorf (TVM), der bereits die Trabrennbahn Mariendorf verwaltete. Dadurch gab es vier Renntage pro Woche, zwei auf jeder Bahn.

Seit den 2000er Jahren

Durch den wirtschaftlichen Niedergang des Pferderennsports Anfang der 2000er Jahre zog sich der TVM zurück. Im Jahr 2004 wurde das Rennbahngelände Karlshorst zum Verkauf ausgeschrieben. Nachdem die TLG Immobilien, eine Nachfolgeeinrichtung der Treuhandanstalt, das Areal geteilt hatte, konnte die eine Hälfte an den neu gegründeten Pferdesportpark Berlin-Karlshorst e. V. und die andere Hälfte als Bauland verkauft werden. Das Bauland entstand durch Abriss einiger Stallgebäude, des Casinos und der Reithalle und ist inzwischen weitestgehend mit Ein- und Mehrfamilienhäusern bebaut, die den Siedlungsbereich Carlsgarten bilden.<ref>Berlin-Karlshorst: 72 Einfamilienhäuser und 50 Reihenhäuser auf www.helma-wohnungsbau.de</ref>

Das verbliebene Areal von circa 37 ha wird engagiert vom Verein betreut. Die Erfolge der Arbeit zeigten sich in steigenden Besucherzahlen, in steigenden Wettumsätzen und dem Auftreten von Sponsoren. Das Konzept war von Anfang an „volksnah“ und auf die Masse der Besucher ausgerichtet. So kann man zum Beispiel für wenig Geld Anteile an Rennpferden erwerben und so zu einem Bruchteil der Kosten Mitbesitzer werden. Es existiert eine Fahrschule für Traber, in der jedermann Unterricht nehmen kann. Neben den regelmäßigen wöchentlichen Renntagen gab es im Herbst 2007 eine Großveranstaltung mit über 30 römischen Kampfwagen, Legionären und Ben Hur. Das wichtigste Rennen im Jahr ist das Bersarin-Erinnerungsrennen. Der Verein setzt alle Kraft daran, die Trabrennbahn auch für Großveranstaltungen attraktiv zu machen. Hierfür sind unter anderem die Deutsch-Russischen Festtage ein Vorzeigeprojekt geworden, das im Jahr 2008 mehr als 110.000 Besucher hatte.

Datei:Berlin Trabrennbahn Karlshorst 09-2017 img1.jpg
Tribüne der Trabrennbahn

Eine dauerhafte Sicherung des Rennbetriebs durch Ansiedlung der Berliner Polizeireiterstaffel in Karlshorst bahnte sich 2009 an, als ein Mietvertrag mit der Bundespolizei konkret verhandelt wurde. Kurzfristig ist der mögliche Standort für die Reiterstaffel jedoch nach Stahnsdorf verlegt worden,<ref>Reiterstaffel der Bundespolizei zieht nach Stahnsdorf. In: Der Tagesspiegel, 12. Oktober 2010, abgerufen am 22. März 2012</ref> und das denkmalgeschützte Karlshorster Gelände hat seitdem mit großen finanziellen Problemen zu kämpfen. Der weitere Betrieb der Rennbahn wurde auch durch französische Trabrennfreunde gesichert: Ein französischer Wettanbieter investierte in die Rennen am Mittwoch, die live im französischen Fernsehen übertragen wurden.<ref>Trabrennbahn Karlshorst behauptet sich als Anziehungspunkt für Pferdesportliebhaber. In: Berliner Woche, Ausgabe Lichtenberg, 18. April 2016, abgerufen am 25. April 2016</ref> Die Mittwochsrennen wurden jedoch 2020 eingestellt.<ref>Schwerer Schlag für die Trabrennbahn Karlshorst. In: Der Tagesspiegel. 15. Januar 2020, abgerufen am 28. Oktober 2020</ref>

Ein im März 2011 angestoßenes Wirtschaftsförderungsprojekt, zu je 50 Prozent aus Mitteln des EU-Fonds für regionale Entwicklung und der Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der regionalen Struktur (mit jährlich etwa 100.000 Euro) finanziert, soll nun den Pferdesportpark auf eine breite Basis stellen, um den langfristigen Erhalt zu sichern. Die Gewinnung von Investoren, die infrastrukturelle Entwicklung des Geländes samt dem Bau einer Reithalle, eines Pferdehofs, eines Jugendhotels mit möglichst autarker Energieversorgung durch eine Biogasanlage stehen auf der Agenda des Projektteams.<ref>Mehr als eine Trabrennbahn. Bezirk hat große Pläne für den Pferdesportpark Karlshorst. In: Berliner Woche. Ausgabe Lichtenberg, 21. März 2012.</ref>

2016 erwarb die Stiftung Rehabilitationszentrum Berlin-Ost ein ca. 100.000 m² großes bis dahin brachliegendes Teilstück der Anlage. Dort wurde 2019 das bundesweit größte Pferdesport- und Reittherapiezentrum fertiggestellt. Neben Ställen für 90 Pferde mit verschiedensten Auslauf- und Weideflächen entstanden Reithallen und Außenreitplätze für Therapie-, Freizeit- und Sportangebote.<ref>Richtfest: Inklusives Pferdesport- und Reittherapiezentrum Berlin-Karlshorst. Pressemitteilung des Bezirksamts Lichtenberg, 25. Oktober 2018 (berlin.de).</ref><ref>Berlin-Karlshorst: Reittherapiezentrum jetzt offiziell eröffnet. In: Berliner Abendblatt. 7. November 2019 (abendblatt-berlin.de).</ref>

Denkmal- und Naturschutz

Die Trabrennbahn Karlshorst steht als Ensemble unter Denkmalschutz, darunter die Eingangsbauten, die Tribüne, der Zielrichterturm, der Rundstall und das Waagegebäude sowie das Reiterdenkmal.<ref>Baudenkmal Trabrennbahn Karlshorst. In: Denkmaldatenbank Berlin. Abgerufen am 21. Januar 2022.</ref>

Der südliche Teil der Anlage grenzt an die Wuhlheide und ist als besonders geschütztes Biotop registriert.<ref>Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen: Biotoptypen: Gesetzlich geschützte Biotope (Umweltatlas). In: Geoportal Berlin. Abgerufen am 20. Januar 2022.</ref> Hier befindet sich ein Moorgebiet.<ref>Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen: Moorgebiete und Bodentypen (Umweltatlas). In: Geoportal Berlin. Abgerufen am 27. Januar 2022.</ref> Der nördliche Teil ist als Biotop mit dem Biotopstatus „extrem hoch“ ausgewiesen.<ref>Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen: Biotoptypen: Biotopwerte (Umweltatlas). In: Geoportal Berlin. Abgerufen am 20. Januar 2022.</ref>

Zukunftspläne

Im Jahr 2020 wurde ein städtebauliches Konzept zur Entwicklung des Geländes der Trabrennbahn durch den Bezirk, den Eigentümer und das Planungsbüro vorgestellt.<ref>Trabrennbahn Karlshorst. Städtebauliches Konzept. auf mein.berlin.de</ref> Danach soll der Trabrenn- und Pferdesport am Standort gesichert und eine zusätzliche Sportfläche innerhalb des Geläufs angelegt werden. Auf dem Gelände sollen vier- und fünfgeschossige Wohnhäuser mit 500 Wohnungen und 44.000 m² Gewerbeflächen entstehen.<ref>Projektvorstellung. Städtebauliches Konzept Trabrennbahn Berlin-Karlshorst. (PDF; 2,8 MB)</ref>

Die Pläne stoßen unter vielen Einwohnern Karlshorsts auf Widerstand.<ref>Bedroht: Trabrennbahn Karlshorst. In: karlshorst.de. Abgerufen am 18. September 2021.</ref> Die Zukunft des Geländes ist weiterhin ungeklärt (Stand: 2025).<ref>Großvorhaben auf der Kippe. In: Berliner Woche, Ausgabe Lichtenberg. 29. März 2025, S. 1, 3, abgerufen am 29. März 2025.</ref>

Veranstaltungen

Film

Siehe auch

Literatur

  • Gerd von Ende: Berliner Pferderennsport. Sutton Verlag, Erfurt 2007, ISBN 978-3-86680-088-5.
  • Gerd von Ende: Berliner Rennfieber – Galopp und Trab zu 150 Jahren Hoppegartener Turf. Verlag tredition, Hamburg, 2018, S. 159–161.
  • Michael Laschke: Die Baumeister : Architekten der Rennbahn Karlshorst. Kulturring in Berlin, Berlin 2009, ISBN 978-3-9812995-0-2. (Heft 3 der Karlshorster Beiträge zur Geschichte und Kultur)
  • Die Rennbahnanlagen in Carlshorst bei Berlin. In: Deutsche Bauzeitung. Jg. 30, Nr. 88 (31. Oktober 1896), S. 549–553 und Nr. 90 (7. November 1896), S. 561–562.(PDF)
  • Michael Laschke/Walter Fauck: Die Rennbahn. Von der Treskowschen Rennbahn zum Pferdesportpark, Kulturring Berlin, ISBN 978-3-9814590-7-4
  • 100 Jahre Trabrennen in Karlshorst. In: Berlin-Kalender 1997, Hrsg. Luisenstädtischer Bildungsverein, 1997, ISBN 3-89542-089-1. S. 122–123.

Weblinks

Commons: Trabrennbahn Karlshorst – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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Legende: e ehemalig (abgegangen), h historisch (außer Betrieb); – S Sandbahn, Gr Grasbahn (und immer, wenn nichts anderes angegeben)

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Koordinaten: 52° 28′ 35″ N, 13° 31′ 29″ O

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