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Aenigmatit

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Aenigmatit
Datei:Aenigmatite - Mineralogisches Museum Bonn1.jpg
Aenigmatitkristall aus dem Sodalith-Syenit von Kangerlussuaq, Grönland
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Nummer

1967 s.p.<ref name="IMA-Liste">Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

IMA-Symbol

Aen<ref name="Warr"></ref>

Chemische Formel Na2(Fe2+4Ti)Fe2+[O2|Si6O18]<ref name="StrunzNickel" />
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Silikate und Germanate – Ketten- und Bandsilikate
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

VIII/D.07
VIII/F.14-020

9.DH.45
69.02.01a.01
Ähnliche Minerale basaltische Hornblende, Rhönit
Kristallographische Daten
Kristallsystem Triklin
Kristallklasse; Symbol triklin-pinakoidal; 1<ref name="Webmineral" />
Raumgruppe P1 (Nr. 2)Vorlage:Raumgruppe/2<ref name="StrunzNickel" />
Gitterparameter a = 10,41 Å; b = 10,81 Å; c = 8,93 Å
α = 104,9°; β = 96,9°; γ = 125,3°<ref name="StrunzNickel" />
Formeleinheiten Z = 2<ref name="StrunzNickel" />
Zwillingsbildung Rotationszwillinge nach (011) oder [010] (pseudomonokline Zelle), polysynthetische Zwillinge<ref name="Handbookofmineralogy" />
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 5,5<ref name="Handbookofmineralogy" />
Dichte (g/cm3) gemessen: 3,81; berechnet: 3,84<ref name="Handbookofmineralogy" />
Spaltbarkeit gut nach {010} und {100},<ref name="Handbookofmineralogy" /> Spaltwinkel von ~66° wichtiger Unterschied zu den Amphibolen
Bruch; Tenazität uneben bis muschelig; spröde
Farbe samtschwarz
Strichfarbe rotbraun
Transparenz durchscheinend bis undurchsichtig
Glanz Glasglanz, Fettglanz
Kristalloptik
Brechungsindizes nα 1,780 bis 1,800<ref name="Mindat" />
nβ 1,800 bis 1,820<ref name="Mindat" />
nγ 1,870 bis 1,900<ref name="Mindat" />
Doppelbrechung δ 0,090 bis 0,100<ref name="Mindat" />
Optischer Charakter zweiachsig positiv
Achsenwinkel 2V = gemessen: 27 bis 55°; berechnet: 56 bis 60°<ref name="Mindat" />
Pleochroismus stark (absorbiert alle Farben außer rot): X = gelbbraun; Y = rotbraun; Z = dunkelbraun bis schwarz
Weitere Eigenschaften
Chemisches Verhalten von Salzsäure (HCl) angegriffen
Besondere Merkmale optische Achsenebene und Zwillingsnaht halbieren in etwa den stumpfen Winkel der Spaltrisse

Das Mineral Aenigmatit ist ein relativ selten vorkommendes Kettensilikat aus der Mineralklasse der Silikate. Es kristallisiert im triklinen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Na2(Fe2+4Ti)Fe2+[O2|Si6O18]<ref name="StrunzNickel" /> und entwickelt meist kurze, prismatische Kristalle von schwarzer Farbe bei rotbrauner Strichfarbe. Dünne Lamellen sind bräunlich durchscheinend.

Mit Wilkinsonit bildet Aenigmatit eine Mischreihe.

Etymologie und Geschichte

Erstmals beschrieben wurde Aenigmatit und dessen Typlokalität, die Ilimaussaq-Intrusion in der Umgebung des Kangerlussuaq-Fjords in Südwestgrönland, 1865 von August Breithaupt (1791–1873). Er benannte das Mineral nach {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value), um damit auf seine ursprünglich ungeklärte chemische Zusammensetzung hinzuweisen.

Typmaterial des Minerals wird in der geowissenschaftlichen Sammlungen der TU Bergakademie Freiberg unter den Sammlungs-Nr. 28614, 29166 und 29167 aufbewahrt. Es handelt sich dabei um eine Kleinstufe und Material in Röhrchen.<ref name="UniHamburg-Typmineralkatalog" />

Klassifikation

Bereits in der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Aenigmatit zur Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ und dort zur Abteilung der „Ketten- und Bandsilikate (Inosilikate)“, wo er als Namensgeber die „Aenigmatit-Gruppe“ mit der System-Nr. VIII/D.07 und den weiteren Mitgliedern Deerit, Hainit, Howieit, Magbasit, Rhönit und Tinaksit bildete.

Im Lapis-Mineralienverzeichnis nach Stefan Weiß, das sich aus Rücksicht auf private Sammler und institutionelle Sammlungen noch nach dieser Form der Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, erhielt das Mineral die System- und Mineral-Nr. VIII/F.14-20. In der „Lapis-Systematik“ entspricht dies ebenfalls der Abteilung „Ketten- und Bandsilikate“, wo Aenigmatit zusammen mit Addibischoffit, Dorrit, Høgtuvait, Khesinit, Krinovit, Kuratit, Makarochkinit, Rhönit, Serendibit, Warkit, Welshit und Wilkinsonit die „Aenigmatit-Gruppe“ bildet (Stand 2018).<ref name="Lapis" />

Auch die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) bis 2009 aktualisierte<ref name="IMA-Liste-2009" /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Aenigmatit in die Abteilung der „Ketten- und Bandsilikate“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der Struktur der Ketten, so dass das Mineral entsprechend seiner Kristallstruktur in der Unterabteilung „Ketten- und Bandsilikate mit 4-periodischen Einfachketten, Si4O12“ zu finden ist, wo es zusammen mit Baykovit, Dorrit, Høgtuvait, Khmaralith, Krinovit, Makarochkinit, Rhönit, Sapphirin, Serendibit, Welshit und Wilkinsonit die unbenannte Gruppe 9.DH.45 bildet.

Die Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Aenigmatit ebenfalls in die Klasse der „Silikate und Germanate“, dort allerdings in die bereits feiner unterteilte Abteilung der „Kettensilikate: Ketten mit Seitenzweigen oder Schleifen“ ein. Hier ist er als Namensgeber der Gruppe „Aenigmatit und verwandte Arten (Aenigmatit-Untergruppe)“ mit der System-Nr. 69.02.01a und den weiteren Mitgliedern Dorrit, Høgtuvait, Krinovit, Rhönit, Serendibit, Welshit, Wilkinsonit und Makarochkinit innerhalb der Unterabteilung „Kettensilikate: Ketten mit Seitenzweigen oder Schleifen mit P>2“ zu finden.

Kristallstruktur

Aenigmatit kristallisiert triklin in der Raumgruppe P1 (Raumgruppen-Nr. 2)Vorlage:Raumgruppe/2 mit den Gitterparametern a = 10,41 Å; b = 10,81 Å; c = 8,93 Å; α = 104,9°; β = 96,9° und γ = 125,3° sowie 2 Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />

Modifikationen und Varietäten

Bisher sind keine weiteren Modifikationen der Verbindung Na2(Fe2+4Ti)Fe2+[O2|Si6O18] bekannt.

Als Cossyrit wird eine eisenhaltige Varietät von Aenigmatit mit zusätzlichen Ti- und Fe3+-Ionen bezeichnet.<ref name="Lapis" />

Bildung und Fundorte

Datei:Aenigmatite-749482.jpg
Aenigmatitkristall auf Sanidin vom Água de Pau, São Miguel, Azoren (Sichtfeld 4,84 mm)

Aenigmatit bildet sich gewöhnlich in hellen, Natrium-betonten (alkalinen) Magmagesteinen. Darunter zu nennen wären:

Vergesellschaftet ist Aenigmatit vor allem mit Aegirin, Arfvedsonit und Riebeckit, aber auch Albit, Anorthoklas, Astrophyllit, Augit, Fayalit, Hedenbergit, und Ilmenit können hinzutreten.

Als eher seltene Mineralbildung kann Aenigmatit an verschiedenen Fundorten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er aber wenig verbreitet. Weltweit sind bisher rund 170 Fundorte für Aenigmatit dokumentiert (Stand 2020).<ref name="MindatAnzahl" /> Neben seiner Typlokalität Ilimaussaq fand sich das Mineral in Grönland noch bei Igaliku, Nunarssuit und Quagdlimiut des Bezirks Kitaa sowie bei Kangerlussuaq und der Kialineq Bay im Bezirk Tunu.

Weitere Fundorte sind Tasmanien in Australien, die nördlichen und südwestlichen Regionen von Kamerun, mehrere Regionen von Kanada, Mianning in China, Pantelleria in Italien, die japanische Insel Honshū, die Halbinsel Ampasindava von Madagaskar, das mongolische Altaigebirge, bei Aris in der namibischen Region Khomas, auf Neuseeland, die nigrische Region Agadez, Kangwŏn-do in Nordkorea, mehrere Regionen der norwegischen Provinzen Telemark und Vestfold, die Azoren in Portugal, mehrere Regionen der russischen Halbinsel Kola, die zu St. Helena, Ascension und Tristan da Cunha gehörende Insel Ascension, Gyeongsangbuk-do in Südkorea, in Südjemen, am Ngorongoro-Krater in Tansania, Strathclyde in Großbritannien, die Ukraine, Mecsek in Ungarn sowie mehrere Regionen in den Vereinigten Staaten.<ref name="Fundorte" />

Siehe auch

Literatur

  • Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien-Enzyklopädie (= Dörfler Natur). Edition Dörfler im Nebel-Verlag, Eggolsheim 2002, ISBN 978-3-89555-076-8, S. 241.
  • Friedrich Klockmann: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. Hrsg.: Paul Ramdohr, Hugo Strunz. 16. Auflage. Enke, Stuttgart 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 730 (Erstausgabe: 1891).

Weblinks

Einzelnachweise

<references> <ref name="Handbookofmineralogy"> Aenigmatite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (handbookofmineralogy.org [PDF; 73 kB; abgerufen am 13. Januar 2020]). </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Aenigmatit beim Mineralienatlas und bei Mindat, abgerufen am 13. Januar 2020. </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Lapis"> Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9. </ref> <ref name="Mindat"> Aenigmatite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 13. Januar 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="MindatAnzahl"> Localities for Aenigmatite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 13. Januar 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="StrunzNickel"> Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 643. </ref> <ref name="UniHamburg-Typmineralkatalog"> Typmineralkatalog – Aenigmatit. In: typmineral.uni-hamburg.de. Universität Hamburg, 8. Dezember 2017, abgerufen am 13. Januar 2020. </ref> <ref name="Webmineral"> David Barthelmy: Aenigmatite Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 13. Januar 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> </references>