Kangerlussuaq
Vorlage:Hinweisbaustein Vorlage:Infobox Siedlung in Grönland
Kangerlussuaq [[[:Vorlage:IPA]]] (nach alter Rechtschreibung Kangerdlugssuaĸ; Vorlage:DaS) ist eine grönländische Siedlung im Distrikt Sisimiut in der Qeqqata Kommunia.
Geographie
Lage
Kangerlussuaq liegt am Ende des etwa 163 km langen gleichnamigen Fjords. Direkt neben dem Ort verbinden sich die beiden aus Richtung des nur 25 km entfernten Inlandeises kommenden Flüsse Akuliarusiarsuup Kuua im Ørkendalen und Qinnguata Kuussua im Sandflugtdalen und fließen in den Fjord. Direkt südlich von Kangerlussuaq liegt der See Tasersuatsiaq (Lake Ferguson), der südlich von der bergigen Region Ammalortup Nunaa umschlossen wird. Nördlich von Kangerlussuaq liegen die drei Bergregionen Tarajornitsut, Isunngua und Qarliissuit, während die beiden Flüsse die Region Akuliarusiarsuk umgeben.
Kangerlussuaq liegt ca. 50 km nördlich des Polarkreises und etwa 130 km vom offenen Meer entfernt und ist damit der mit Abstand am weitesten im Inland gelegene Ort Grönlands.<ref>Nunat Aqqi. Karte über die vom Grönländischen Ortsnamenausschuss offiziell anerkannten Ortsnamen. Oqaasileriffik.</ref>
Klima
Das Klima in Kangerlussuaq ist sehr trocken und deutlich kontinentaler als im etwa auf gleicher Höhe liegenden Sisimiut, was sich in kälteren Temperaturen im Winter und wärmeren im Sommer zeigt.
Im Jahr 2012 erwärmte sich die Luft im Gebiet so stark, dass die großen Schmelzwassermengen die Brücke über den Fluss in Kangerlussuaq wegrissen.<ref>Suzanne Goldenberg: Meltwater from Greenland glacier wipes out key crossing. The Guardian (25. Juli 2012).</ref> (→ Folgen der globalen Erwärmung in der Arktis)
Flora und Fauna
Die Umgebung um Kangerlussuaq ist kaum bewachsen, lediglich in den nahen Tälern findet man Weidengestrüpp. Die Fauna ist dafür sehr reichhaltig. Es kommen Moschusochsen, Rentiere, Polarfüchse und Polarhasen vor. Ebenso ausgeprägt ist die Vogelwelt: Hier leben Schneeammern, Polar-Birkenzeisige, Raben und Falken.<ref name="dsd"/>
Geschichte
Kangerlussuaq entstand durch die Errichtung der US-amerikanischen Militärbasis Bluie West Eight, die ab dem 7. Oktober 1941 in Betrieb war. Die USA traten im Dezember 1941 in den Zweiten Weltkrieg ein. Kurz nach dessen Ende brachte sowjetische Diktator Stalin zahlreiche mitteleuropäische Staaten unter die Kontrolle der UdSSR. Er band sie militärisch (Warschauer Pakt) und wirtschaftlich (Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe) an die UdSSR und schirmte den Ostblock durch den Eisernen Vorhang vom Westen ab. Der Kalte Krieg und ein Wettrüsten begannen. Beide Seiten forschten zum Beispiel an Interkontinentalraketen. Flugstrecken zwischen der UdSSR und den USA über die Arktis sind kürzer als solche in Ost-West-Richtung. Die USA und die NATO hatten deshalb ein Interesse an Frühwarn-Radarstationen rund um den nördlichen Polarkreis.
1954 begann der kommerzielle Luftbetrieb auf der Militärbasis durch SAS Scandinavian Airlines, die mit Zwischenlandung in Kangerlussuaq die erste Flugverbindung zwischen Europa und der nordamerikanischen Westküste anboten. 1967 wurde eine Flugverbindung nach Kopenhagen eingerichtet. Am 30. September 1992, nach dem Ende des Kaltren Krieges und der Auflösung der Sowjetunion, wurde die Militärbasis an die grönländische Regierung übergeben.<ref name="dsd">Rasmus Ole Rasmussen: Kangerlussuaq. Den Store Danske.</ref><ref>Vorlage:Literatur</ref>
Seit 1971 wurden von Kangerlussuaq auch Höhenforschungsraketen der Typen Nike Apache, Petrel, Nike Tomahawk, Black Brant, Terrier Malemute, Taurus Orion und Taurus Nike Tomahawk zur Untersuchung der Hochatmosphäre von Kangerlussuaq bei Vorlage:Coordinate mit Gipfelhöhen von bis zu 816 Kilometern gestartet.<ref>Vorlage:Astronautix</ref>
Eingemeindungen
Wie Pituffik heute noch, war Kangerlussuaq gemeindefreies Gebiet, bis der Ort zum 1. Januar 2002 in die Gemeinde Sisimiut eingemeindet wurde.<ref>Jens Fog Jensen, Inge Bisgaard, Jens Heinrich: Anlæg fra Den Kolde Krig i Grønland. 2013. S. 15.</ref>
Bevölkerungsentwicklung
Die Bevölkerungszahl von Kangerlussuaq war in den letzten 40 Jahren starken Veränderungen ausgesetzt. Von den 729 Einwohnern im Jahr 1978 waren 1992 nur noch 404 übrig, was einem Rückgang von 45 % entspricht. Mit der Verstaatlichung des Flughafens und dem damit einhergehenden Abzug der US-Amerikaner im Jahr 1992 ging die Bevölkerungszahl im nächsten Jahr schlagartig um weitere 28 % zurück. Seitdem ist die Einwohnerzahl wieder gestiegen und bewegt sich heute bei etwa 500 Personen, womit Kangerlussuaq vor Kullorsuaq das größte Dorf Grönlands ist.<ref>Einwohnerzahl Kangerlussuaq seit 1977. Grønlands Statistik.</ref>
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Der Tourismus bietet in Kangerlussuaq eine Vielzahl an Möglichkeiten: Man kann in den umliegenden Bergen wandern, mit dem Kajak durch den Fjord fahren, Polarlichter beobachten oder zum nahen Inlandeis fahren.<ref>Kangerlussuaq. visitgreenland.com.</ref>
Museen
Außerdem befindet sich hier mit dem Kangerlussuaq-Museum das zweitgrößte Museum Grönlands, das vor allem die Luftfahrtgeschichte Grönlands thematisiert.<ref name="dsd"/>
Sport
Der Golfplatz „Sondie Arctic Desert Golf Course“ gilt als nördlichster dauerhaft angelegter 18-Loch-Golfplatz der Welt. Er wurde 1986 von Piloten der Greenlandair entworfen und ist seit 1990 nutzbar. Der Platz nutzt das natürliche Gelände, das überwiegend aus angeschwemmtem sandigen Geschiebemergel besteht.<ref>Andrew C. Revkin: Kangerlussuaq Journal; Golf Under a Handicap: Icy Cold Is Par for the Course. The New York Times (25. Mai 2004).</ref><ref>Vorlage:Internetquelle</ref>
Im August 2021 fand an der Grenze zum Inlandeis bei Kangerlussuaq ein Rennen der Extreme E statt. Die Motorserie zeigte die negativen Folgen des Klimawandels auf und machte auf das Schmelzen der Polkappen in Grönland aufmerksam.<ref>Extreme E in Grönland: CUPRA kämpft um Podestplatzierung. Motosport XL (26. August 2021).</ref><ref>Vorlage:Internetquelle</ref>
Wirtschaft und Infrastruktur
Die Ökonomie von Kangerlussuaq konzentriert sich fast vollständig auf den Flughafen. Neben Einkünften aus dem Tourismus existiert in Kangerlussuaq lediglich noch eine nur zeitweise in Betrieb befindliche Moschusochsenschlachterei.<ref name="plan">Kangerlussuaq. Kommunalplan der Qeqqata Kommunia (2018–2022).</ref> Außerdem gilt Kangerlussuaq als das Forschungs- und Testzentrum von Grönland.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>
Öffentliche Einrichtungen
Die Wasserversorgung in Kangerlussuaq erfolgt über den Tasersuatsiaq. Ein Dieselkraftwerk produziert Strom. Es wäre möglich, ein Wasserkraftwerk zu bauen. Die meisten Gebäude in Kangerlussuaq sind an ein Abwassernetz angeschlossen. Müll wird im Ort verbrannt.<ref name="plan"/>
Aufgrund des geringen Anteils an Senioren existiert zurzeit kein Altenheim im Ort.<ref name="plan"/>
Bildung
Kangerlussuaq hat einen Kindergarten und eine Volksschule. 2011 wurde eine Sommerschule eröffnet.<ref name="plan"/>
Verkehr
Luftfahrt
Der Flughafen Kangerlussuaq war bis November 2024 der wichtigste Flughafen Grönlands. Über ihn wurde fast der gesamte Luftverkehr nach Europa abgewickelt, wobei die wichtigste Flugverbindung die zum Flughafen Kopenhagen war. Von Kangerlussuaq aus werden auch die Flüge zu den Regionalflughäfen Grönlands durchgeführt.<ref name="plan" /> Nachdem der Flughafen Nuuk zu einem internationalen Flughafen ausgebaut wurde, sollen ab dem 28. November 2024 nur noch saisonal Flüge von Kangerlussuaq nach Kopenhagen angeboten werden. Der Flughafen Kangerlussuaq bleibt ein Regionalflughafen, wobei auch hier geplant wird, einzelne Verbindungen einzustellen.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>
Ein Luftfrachtzentrum soll errichtet werden, um Kangerlussuaq verstärkt für den Luftfrachtverkehr zu nutzen.<ref name="plan" />
Straßenanbindung
Kangerlussuaq zeichnet sich durch ein ausgeprägtes Straßensystem aus, das auch aus dem Ort herausführt, was höchst untypisch für Grönland ist. Alle Straßen entsprechen dem amerikanischen Standard.
Eine 35 km lange Schotterpiste führt von Kangerlussuaq aus bis an das Inlandeis. Sie wurde von Volkswagen angelegt, das zum Schutz vor Wirtschaftsspionage von 1999 bis 2004 ein auf dem Inlandeis errichtetes Testgelände betrieb.<ref>Finn Knudstrup, Thorkil Sevelsted: Grønland får testbane til VW. Berlingske (24. Oktober 1999).</ref><ref name="tpc">Justin Barnes: The Arctic Circle Road: The Road to Freedom? The Polar Connection (30. November 2020).</ref> Da Kangerlussuaq nicht direkt am Wasser liegt, führt eine weitere Straße an den etwa zehn Kilometer südwestlich liegenden Hafen, der Camp Lloyd oder Kellyville genannt wird.<ref name="dsd"/> Nachdem schon früher erwogen wurde, eine Straße zwischen Kangerlussuaq und Sisimiut zu errichten, wurde im Juli 2020 der Bau der Straße begonnen. Sie wäre die erste, die zwei bewohnte Orte in Grönland miteinander verbindet.<ref name="tpc"/>
Öffentlicher Personennahverkehr
In Kangerlussuaq existiert eine barrierefreie Busverbindung.<ref name="plan"/><ref>Vorlage:Internetquelle</ref>
Schifffahrt
Der Hafen liegt in einem Bereich, wo das Wasser nicht sonderlich tief ist. Obwohl Kangerlussuaq ein wichtiger Hafen für Kreuzfahrtschiffe ist, kann folglich nicht direkt dort angelegt werden. Es existieren zwei potentielle Standorte für einen neuen Hafen, die fünf bzw. zehn Kilometer südwestlich des bisherigen Hafens liegen und auch für größere Schiffe zugänglich sein sollen.<ref name="plan"/>
Fernwanderweg
Zudem ist der Ort der Anfangspunkt (häufigere Gehrichtung) oder Endpunkt des mehr als 160 km langen und nur für erfahrene und gut vorbereitete Trekker geeigneten Arctic Circle Trails, der zwischen Kangerlussuaq und Sisimiut den westgrönländischen Küstenstreifen an seiner breitesten Stelle durchläuft.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>
Weblinks
Einzelnachweise
<references/>