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Nephroblastom

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Klassifikation nach ICD-10
C64 Bösartige Neubildung der Niere, ausgenommen Nierenbecken
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ICD-10 online (WHO-Version 2019)

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Das Nephroblastom (auch Wilms-Tumor, nach Max Wilms, deutscher Chirurg, 1867–1918<ref>M. Wilms: Die Mischgeschwülste. Leipzig 1899.</ref>) ist der am häufigsten auftretende bösartige Nierentumor im Kindesalter. Er geht von embryonalen Geweberesten der Niere, dem sogenannten metanephrogenen Blastem, aus. Im Normalfall verschwindet dieses Gewebe spätestens bis zur 36. Schwangerschaftswoche.

Epidemiologie

Die Inzidenz der Erkrankung beträgt 1 von 100.000 Kindern mit einem Alter unter 15 Lebensjahren. Der Häufigkeitsgipfel befindet sich zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr, das mediale Erkrankungsalter liegt bei 3,5 Jahren. Je nach Quelle sind Mädchen häufiger betroffen<ref name="S1">S1-Leitlinie 025/004: Nephroblastom (Wilms-Tumor), abgelaufen, in Überarbeitung. (PDF) AWMF, Juni 2016, abgerufen am 7. Januar 2024.</ref>, oder beide Geschlechter in etwa gleich häufig betroffen<ref name="Urologielehrbuch">Wilms-Tumor oder Nephroblastom. In: Urologielehrbuch.de. Abgerufen am 10. Oktober 2020.</ref>.

Von Bedeutung sind unter anderem das Wilms-Tumor-Gen WT-1 auf Chromosom 11p13, WT-2 auf 11p15 sowie der Wnt-Signalweg.<ref>M. S. Kim, S. K. Yoon, F. Bollig, J. Kitagaki, W. Hur, N. J. Whye, Y. P. Wu, M. N. Rivera, J. Y. Park, H. S. Kim, K. Malik, D. W. Bell, C. Englert, A. O. Perantoni, S. B. Lee: A novel Wilms tumor 1 (WT1) target gene negatively regulates the WNT signaling pathway. In: J Biol Chem., 7. Mai 2010, 285(19), S. 14585–14593. doi:10.1074/jbc.M109.094334. Epub 2010 Mar 10.</ref> Zudem kann die Mutation des p53-Gens zur Entstehung beitragen.<ref name="Urologielehrbuch" />

Das WT-1-Genprodukt reguliert die Expression verschiedener Gene in der embryonalen Nierenentwicklung<ref name="Urologielehrbuch" /> und spielt vermutlich auch bei der Entwicklung des Herzens eine Rolle.

Ein beidseitiges Tumorauftreten wird in 5 % der Fälle beobachtet und kann auf eine familiäre Tumorerkrankung zurückzuführen sein. Es wird vermutet, dass dabei v. a. ein Ausfall von Tumorsuppressorgenen zur Tumorentstehung führt. Aufgrund des diploiden Chromosomensatzes müssen somit beide Genkopien betroffen sein. Bei familiärer Häufung erfolgt die Vererbung einer Mutation, wodurch dann bereits eine weitere Mutation des zweiten Chromosoms zum kompletten Funktionsverlust des Genproduktes führen kann.<ref name="Urologielehrbuch" />

Auftreten im Rahmen von Syndromen und anderen Erkrankungen

Bei einigen Syndromen kommt es vermehrt zu Nephroblastomen, z. B. bei folgenden:

  • WAGR-Syndrom (50% Auftretenswahrscheinlichkeit eines Wilms Tumors, WT1-Mutation)<ref name="Urologielehrbuch" />
  • Fanconi-Anämie D1 (20% Auftretenswahrscheinlichkeit eines Wilms Tumors)<ref name="Urologielehrbuch" />
  • Beckwith-Wiedemann Syndrom (4–10% Auftretenswahrscheinlichkeit eines Wilms Tumors, WT2-Mutation)<ref name="Urologielehrbuch" />
  • Hufeisenniere (2–7 fach erhöhtes Risiko)<ref name="Urologielehrbuch" />
  • Perlman-Syndrom<ref name="Urologielehrbuch" />
  • Denys-Drash Syndrom (WT1-Mutation)<ref name="Urologielehrbuch" />

Tumorstadien nach SIOP (Société Internationale d’Oncologie Pédiatrique)

Stadieneinteilung nach SIOP (S1-Leitlinie, Stand 06/2016, nächste Überarbeitung 06/2021)<ref name="S1" />
Stadium Ausbreitung des Tumors Bemerkung
I Der Tumor ist auf die Niere begrenzt. Der Tumor kann vollständig entfernt werden.
II Der Tumor hat die Nierenkapsel durchbrochen. Lymphknoten sind nicht befallen. Der Tumor kann vollständig entfernt werden. Z. B. auch Zustand nach Biopsie.
III Befall regionaler Lymphknoten, aber keine hämatogene Metastasierung.
IV Fernmetastasen vorhanden (v. a. Lunge, Leber, Knochen, Gehirn)
V Bilaterales Nephroblastom

Symptome

Das Hauptsymptom stellt eine schmerzlose Schwellung dar. Selten können auch Hämaturie (blutiger Urin), Schmerzen oder ein Hypertonus auftreten. 10 % der betroffenen Kinder sind bei Diagnosestellung symptomlos (Zufallsbefund).<ref name="S1" /> Mit dem Nephroblastom assoziierte Anomalien sind des Weiteren die Aniridie (eine Hypoplasie der Regenbogenhaut), eine Hemihypertrophie (Vergrößerung einer Körperhälfte) und urogenitale Fehlbildungen. Hämaturie wird nur in 5–10 % der Fälle beobachtet.

Diagnostik

Datei:Wilms Tumor CTScan.ogv
Wilms Tumor CTScan.OGG CT-Scan eines 11 cm großen Nephroblastoms, rechte Niere, 13 Monate alter Patient.

Es sind keine spezifischen Tumormarker bekannt. Eine Bestimmung des WT-1-Keimbahnstatus kann erfolgen.<ref name="S1" />

Es wird die primäre Diagnostik mittels Sonografie empfohlen. Je nach Situation kann u. a. weiterhin erfolgen: MR-Angiografie, CT zur Detektion von Lungenmetastasen, Dopplersonografie abführender Venen, Echokardiografie.<ref name="S1" />

Differenzialdiagnosen

Histopathologie

In der Regel bestehen Nephroblastome aus weichem Tumorgewebe, welches bis zur Entdeckung schon 500 Gramm bis ein Kilogramm wiegen kann. Nicht selten wächst der Tumor zapfenförmig innerhalb der Nierenvenen. Metastasen finden sich vorwiegend in den regionalen Lymphknoten und in der Lunge. Unter dem Mikroskop finden sich kleine blastäre Zellen mit geringem Anteil von Zytoplasma. Daneben können aber auch epitheliale und stromale Ausdifferenzierungen auftreten.

Datei:Wilms tumor.jpg
Pathologisches Präparat eines Nephroblastoms.

Therapie

Die Therapie besteht aus kombinierter chirurgischer Entfernung des Tumors, Chemotherapie und Bestrahlung. Das genaue Therapieschema ist vom Tumorstadium (Staging) und der Tumorhistologie (Grading) abhängig. Die Deutsche Krebsgesellschaft und die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie geben zu den aktuellen diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen eine Leitlinie entsprechend dem allgemein anerkannten Stand der Wissenschaft heraus.

Prognose

Die Prognose der Erkrankung ist bei leitliniengerechter Therapie gut. Sie ist abhängig vom Stadium der Erkrankung und der histologischen Subtypisierung, 90 % der Patienten werden langfristig geheilt. Es sollte sowohl eine Verlaufsdiagnostik als auch eine strukturierte Nachsorge erfolgen.<ref name="S1" />

Siehe auch

  • Nephroblastomatose, eine Präkanzerose, aus der sich in 50 % ein Nephroblastom entwickeln kann.<ref>P. Reimer, P. M. Parizel, F.-A. Stichnoth (Herausgeber): Clinical MR Imaging. A Practical Approach. Springer, 2. Auflage 2006, ISBN 3-540-31530-6, S. 542</ref>
  • S1-Leitlinie zum Nephroblastom von 06/2016<ref name="S1" />

Literatur

Weblinks

Commons: Nephroblastom – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

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