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Yersinia enterocolitica

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Yersinia enterocolitica
Datei:Yersinia enterocolitica (BAP).jpg

Yersinia enterocolitica auf Blutagar

Systematik
Abteilung: Proteobacteria
Klasse: Gammaproteobacteria
Ordnung: Enterobacterales
Familie: Enterobacteriaceae
Gattung: Yersinia
Art: Yersinia enterocolitica
Wissenschaftlicher Name
Yersinia enterocolitica
(Schleifstein & Coleman 1939)
Frederiksen 1964

Yersinia enterocolitica ist zusammen mit Y. pseudotuberculosis der Erreger der Yersiniose und wird daher in der Humanmedizin zu den enteropathogenen Yersinien gezählt.<ref>Michael Rolle: Medizinische Mikrobiologie, Infektions- und Seuchenlehre. Georg Thieme Verlag, 2007, ISBN 978-3-8304-1060-7, S. 454.</ref>

Geschichte

1934 wurde in den Vereinigten Staaten von Amerika erstmals der Verdacht geäußert, dass das aus dem Abszess eines Bauernhofbewohners isolierte Bakterium eine noch unbekannte neue Spezies darstellen könnte. Es wurde unter dem Namen Flavobacterium pseudomallei beschrieben. 1939 fiel das Isolat in die Hände von Schleifstein und Coleman, die im New York State Department of Health tätig waren. Sie schlugen den Namen Bacterium enterocoliticum vor und leisteten bei der Charakterisierung Vorarbeit für die Bekämpfung eines großen Ausbruchs 1976 in Holland Patent (New York) Jahrzehnte später. Die heute gültige taxonomische Einordnung als Yersinia enterocolitica erfolgte durch Frederiksen im Jahre 1964, nachdem die Gattung Yersinia 1944 etabliert wurde.<ref>E J Bottone: Yersinia enterocolitica: the charisma continues. In: Clinical Microbiology Reviews. Band 10, Nr. 2, 1997, ISSN 0893-8512, S. 257–276, doi:10.1128/CMR.10.2.257-276.1997, PMID 9105754, PMC 172919 (freier Volltext).</ref>

Eigenschaften

Datei:Yersinia enterocolitica flagella CDC 2154.jpg
Flagellenfärbung von Yersinia enterocolitica
Datei:Yersinia enterocolitica Gram CDC 2153.jpg
Yersinia enterocolitica in der Gram-Färbung

Yersinia enterocolitica ist ein alkalistabiles, gramnegatives, kokkoid bis pleomorphes Stäbchen, das fakultativ anaerob wächst und weder Kapseln noch Sporen bildet. Es ist Oxidase negativ und Katalase positiv und zählt zu den psychrophilen Bakterien mit einer Wachstumstemperatur zwischen −1,3 °C und +44 °C (optimal bei 28 und 29 °C). Eine Besonderheit ist, dass die Beweglichkeit abhängig von der Temperatur ist. So ist Yersinia enterocolitica von +22 bis 28 °C peritrich begeißelt, ab +35-37 °C wird es unbeweglich und verliert die Geißel. Wachstum findet bei einem pH-Wert von 4,2 bis 9,0 statt. Aufgrund der Ureaseaktivität hat das Bakterium eine gewisse Säuretoleranz, da durch den Abbau von Harnstoff zu Ammoniak der pH-Wert des Cytoplasmas erhöht wird.<ref>Carmen Lampert: Entwicklung eines Selektivnährbodens für den Nachweis von Yersinia enterocolitica. LMU, München 2006, S. 6, doi:10.5282/edoc.5377, urn:nbn:de:bvb:19-53777.</ref>

Verursachte Krankheiten

Y. enterocolitica kann abhängig von Alter, Immunstatus u. a. unterschiedliche Erkrankungen hervorrufen:

Bei Tieren verursacht Y. enterocolitica die

Vorkommen

Y. enterocolitica findet sich weltweit in tierischen Reservoiren, v. a. in Schweinen. Infektionen finden sich daher häufig nach dem Genuss von nicht ausreichend erhitzten tierischen Produkten, so z. B. rohem Schweinefleisch und Milch.<ref>Johannes Krämer: Lebensmittel-Mikrobiologie. 6. Auflage. UTB, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-8252-3607-6.</ref> So findet man Yersinia enterocolitica in Schlachthäusern für Schweine.<ref name="food hygiene"/> Insbesondere die Tonsillen der Schweine sind oft hoch belastet.<ref>Inge Van Damme, Ihab Habib, Lieven De Zutter: Yersinia enterocolitica in slaughter pig tonsils: Enumeration and detection by enrichment versus direct plating culture. In: Food Microbiology. Band 27, Nr. 1, 2010, ISSN 0740-0020, S. 158–161, doi:10.1016/j.fm.2009.09.011.</ref> Zudem kommt Yersinia enterocolitica auch in Vakuum verpacktem Rindfleisch, Muscheln, Austern und Eiscreme vor. Zudem kann es in ungechlortem Brunnenwasser auftreten.<ref name="food hygiene">G. K. Morris, J. C. Feeley: Yersinia enterocolitica : a review of its role in food hygiene. In: Bulletin of the World Health Organization. Band 54, Nr. 1, 1976, ISSN 0042-9686, S. 79–85, PMID 1087589.</ref> Die Pasteurisation kann Yersinia enterocolitica eigentlich nicht überstehen. Wenn die Keimzahl in Rohmilch jedoch sehr hoch ist, kann Yersinia enterocolitica auch im pasteurisierten Endprodukt nachgewiesen werden.<ref>B. Swaminathan, M. C. Harmon, I. J. Mehlman: A Review: Yersinia enterocolitica*. In: Journal of Applied Bacteriology. Band 52, Nr. 2, 1982, ISSN 1365-2672, S. 151–183, doi:10.1111/j.1365-2672.1982.tb04838.x.</ref> Die höchste Mortalität zeigt sich in Fällen, bei denen die Infektion über Blutkonserven erfolgt.<ref name="rsc">Muhammad Shoaib, Aamir Shehzad, Husnain Raza, Sobia Niazi, Imran Mahmood Khan, Wasim Akhtar, Waseem Safdar, Zhouping Wang: A comprehensive review on the prevalence, pathogenesis and detection of Yersinia enterocolitica. In: RSC Advances. Band 9, Nr. 70, 2019, S. 41010–41021, doi:10.1039/C9RA06988G.</ref>

Epidemiologie

Yersinia enterocolitica kommt weltweit vor. Die meisten Infektionen werden in den kühleren Klimazonen der nördlichen Hemisphäre verzeichnet. Dort zählen sie zu den dritthäufigsten durch Bakterien verursachten Durchfallerkrankungen.<ref>Dieter Adam, H. W. Doerr, H. Link, H. Lode: Die Infektiologie. Springer-Verlag, 2013, ISBN 978-3-642-18577-9, S. 492.</ref> Die Übertragung erfolgt durch direkte Erreger-Aufnahme, die Inkubationszeit beträgt nur wenige Tage.<ref>Monika Dülligen: Hygiene und medizinische Mikrobiologie. Schattauer Verlag, 2013, ISBN 978-3-7945-2888-2, S. 49.</ref> Patienten mit erblich bedingter Hämochromatose sind empfänglicher für eine Infektion, da Yersinia enterocolitica siderophil ist.<ref>Mark W. Jones, Ivy Godana, Gilles J. Hoilat, Jeffrey G. Deppen: StatPearls. StatPearls Publishing, Treasure Island (FL) 2020, Pseudoappendicitis, PMID 29763121.</ref>

Diagnostik

Der Erreger-Nachweis erfolgt durch Anzucht aus Stuhl, Biopsien oder Blut. Hierzu wird meistens der Selektivagar CIN (Cefsoludin-Irgasan-Novobiocin-Agar) eingesetzt auf dem Yersinien innerhalb 1–2 Tagen zu roten bullaugenförmigen Kolonien heranwachsen.<ref>D. A. Schiemann: Synthesis of a selective agar medium for Yersinia enterocolitica. In: Canadian Journal of Microbiology. Band 25, Nr. 11, 1979, ISSN 0008-4166, S. 1298–1304, doi:10.1139/m79-205.</ref> Die Identifizierung erfolgt mithilfe der großen bunten Reihe, molekularbiologisch mittels PCR<ref>Wim J. B. Wannet, Michiel Reessink, Henk A. Brunings, Henny M. E. Maas: Detection of Pathogenic Yersinia enterocolitica by a Rapid and Sensitive Duplex PCR Assay. In: Journal of Clinical Microbiology. Band 39, Nr. 12, 2001, ISSN 0095-1137, S. 4483–4486, doi:10.1128/JCM.39.12.4483-4486.2001, PMID 11724866.</ref> oder mittels MALDI-TOF MS.<ref>Roger Stephan, Nicole Cernela, Dominik Ziegler, Valentin Pflüger, Mauro Tonolla, Damiana Ravasi, Maria Fredriksson-Ahomaa, Herbert Hächler: Rapid species specific identification and subtyping of Yersinia enterocolitica by MALDI-TOF Mass spectrometry. In: Journal of Microbiological Methods. Band 87, Nr. 2, 2011, ISSN 0167-7012, S. 150–153, doi:10.1016/j.mimet.2011.08.016.</ref> Alternativ kann die Identifikation mittels FTIR-Spektrometer erfolgen.<ref>Andrea Elisabeth Kuhm, Daniel Suter, Richard Felleisen, Jörg Rau: Identification of Yersinia enterocolitica at the Species and Subspecies Levels by Fourier Transform Infrared Spectroscopy. In: Applied and Environmental Microbiology. Band 75, Nr. 18, 2009, ISSN 0099-2240, S. 5809–5813, doi:10.1128/AEM.00206-09, PMID 19617388.</ref> Serologische Nachweise können aktuelle sowie länger zurückliegende Infektionen sichern. Beim Nachweis einer akuten Infektion durch das Labor besteht eine namentliche Meldepflicht an das zuständige Gesundheitsamt nach § 7 Infektionsschutzgesetz.

Weblinks

Commons: Yersinia enterocolitica – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Yersinien

Einzelnachweise

<references />

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