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Ali Laridschani

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Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 12. April 2026 um 16:35 Uhr durch imported>Khatschaturjan (Politische Laufbahn).
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Ali Laridschani (2025)
Unterschrift von Ali Laridschani

Ali Ardeschir Laridschani (auch Ali Laridjani bzw. Larijani; persisch على اردشیر لاریجانی [<templatestyles src="IPA/styles.css" />æˈliːe lɔːriːʤɔːˈniː]; * 3. Juni 1958 in Nadschaf, Königreich Irak;<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Ali Laridschani (Memento vom 23. Februar 2014 im Internet Archive)</ref> † 17. März 2026 in Teheran<ref>Iran’s national security council confirms death of its chief, Ali Larijani, Artikel von Patrick Wintour und Lorenzo Tondo vom 17. März 2026 in The Guardian, abgerufen am 17. März 2026.</ref>) war ein iranischer Politiker.

Laridschani war langjähriger Gefolgsmann Ali Chameneis, von 2005 bis 2007 Sekretär des Nationalen Sicherheitsrats und – durch die Machtverschiebung bei den iranischen Parlamentswahlen 2008<ref>Orla Ryan: Ahmadinejad rival elected as Iranian speaker. In: The Guardian. 28. Mai 2008, ISSN 0261-3077 (theguardian.com [abgerufen am 7. August 2025]).</ref> – von 2008 bis 2020 Sprecher des Parlaments bzw. Parlamentspräsident.

Für die Präsidentschaftswahlen in Iran 2021 und 2024 hatte er seine Kandidatur angekündigt, wurde aber nicht zugelassen. Im August 2025 wurde er erneut zum Sekretär des Sicherheitsrats ernannt.<ref>Alexander Eydlin, dpa, Reuters: Ali Laridschani: Iranischer Sicherheitsrat erhält neuen Generalsekretär. In: Die Zeit. 5. August 2025, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 7. August 2025]).</ref> Nach der Tötung von Ali Chamenei am 28. Februar 2026 galt er zeitweise als faktischer Führer des iranischen Machtapparats.<ref name="BBCKrise2026">Amir Azimi: Death of Ali Larijani deepens crisis at heart of Iran’s leadership. In: BBC News. 17. März 2026, abgerufen am 17. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref name="NYTLarijaniTod">Ravi Mattu: Ali Larijani, a Top Iranian Politician and Emissary, Is Dead at 67. In: The New York Times. 17. März 2026, abgerufen am 17. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Am 17. März 2026 wurde er bei einem israelischen Luftangriff nahe Teheran getötet; iranische Staatsmedien bestätigten seinen Tod am selben Tag.<ref name="BBCTod2026">David Gritten; Ghoncheh Habibiazad: Iranian security chief Ali Larijani killed in air strike. In: BBC News. 17. März 2026, abgerufen am 17. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref name="BBCKrise2026" />

Leben

Datei:Ali Larijani in childhood.jpg
Laridschani als Kind, 1965

Herkunft und Familie

Laridschani, Sohn des Großajatollah Haschem-Amoli (1899–1993), entstammte einer politisch einflussreichen Familie.<ref name="DWJanjevic2026">Darko Janjevic: Who is Ali Larijani, the unofficial strongman in Iran? In: Deutsche Welle. 4. März 2026, abgerufen am 4. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Schon sein Vater war ein enger Mitarbeiter von Ali Chamenei.<ref name=":0">Nepotism & the Larijani Dynasty. Abgerufen am 30. Januar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die Familie wurde als „Kennedys des Iran“ bezeichnet. Sein Bruder Sadegh Laridschani erreichte den Rang eines Ajatollah und leitete die iranische Justiz von 2009 bis 2019. Ein weiterer Bruder, Mohammad-Dschavad, ist außenpolitischer Funktionär und war Berater Chameneis. Noch vor dem Tod Chameneis kursierten Gerüchte, die Familie Laridschani versuche, einen ihrer Angehörigen als nächsten Obersten Führer zu positionieren.<ref name="DWJanjevic2026" /> Die Familie hatte Iran bereits in den 1930er Jahren im Konflikt mit der Pahlavi-Dynastie verlassen und war in den 1960er Jahren zurückgekehrt.<ref name="NYTLarijaniTod" /> Ali Laridschani war mit Farideh, der Tochter des Ajatollah Morteza Motahhari, verheiratet, und ein Cousin des ehemaligen Präsidentschaftskandidaten Ahmad Tavakkoli. Zunächst betrieb Laridschani in Qom religiöse Studien.<ref>Shmuel Bar et al.: IRANIAN NUCLEAR DECISION MAKING UNDER AHMADINEJAD. (PDF) Herzliya Conference, 2008, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 2. April 2012; abgerufen am 30. Januar 2026.</ref> Motahhari galt als sein Mentor, einer der führenden Theoretiker der Islamischen Revolution und enger Vertrauter Ruhollah Chomeinis.<ref name="Economist2026-02-26">Ali Larijani is an increasingly plausible heir in Iran. In: The Economist. 26. Februar 2026, abgerufen am 1. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Ausbildung

Laridschani erwarb dann einen Abschluss in Mathematik und Informatik sowie einen Master und eine Promotion in westlicher Philosophie an der Universität Teheran.<ref name="DWJanjevic2026" /> Seine akademische Schwerpunktsetzung, einschließlich der Dissertation von 1995, lag auf Immanuel Kant.<ref name="DWJanjevic2026" /> Eine Ahmadineschad-nahe Quelle behauptete in den 2000er Jahren, die Dissertation sei zunächst abgelehnt und eigentlich von Bediensteten der Madschles verfasst worden.<ref name=":0" /> Er war Philosophieprofessor.<ref name="Economist2026-02-26" />

Politische Laufbahn

An der islamischen Revolution war er noch kaum beteiligt, trat 1981 aber den Revolutionswächtern (englisch IRGC) bei und stieg in deren Führungskorps auf. In den frühen Jahren des Iran-Irak-Kriegs diente er als Kommandeur.<ref name="DWJanjevic2026" /> Später fungierte er innerhalb des Systems auch als Verbindungsmann zwischen den Revolutionsgarden und dem Parlament.<ref name="NYTLarijaniTod" /> Anschließend besetzte er verschiedene Posten in der Ministerialbürokratie.<ref name=":0" /><ref>https://www.rand.org/content/dam/rand/pubs/monographs/2008/RAND_MG821.pdf.</ref> Aus dem aktiven Dienst beim IRGC schied er 1993 als Brigadegeneral aus.<ref>M. Mahtab Alam Rizvi: Evaluating the Political and Economic Role of the IRGC. In: Strategic Analysis. Band 36, Nr. 4, Juli 2012, ISSN 0970-0161, S. 584–596, doi:10.1080/09700161.2012.689528 (tandfonline.com [abgerufen am 3. Februar 2026]).</ref>

Unter Präsident Ali Akbar Haschemi Rafsandschani war er Kulturminister. Er wurde bereits in seinen mittleren Dreißigern Kulturminister und nutzte dabei Kriegsbiografie und Familiennetzwerke als politisches Kapital. Von 1994 bis 2004 leitete er die staatliche Rundfunkanstalt IRIB.<ref name="DWJanjevic2026" /> Nach dem Ende seiner Amtszeit bei IRIB wurde er 2004 Sicherheitsberater Chameneis.<ref name="BBCTod2026" /> Laridschani war Gegner der Reformpolitik des damaligen Präsidenten Mohammad Chatami. In seiner Zeit als Fernsehchef habe er nur konservative Stimmen zu Wort kommen lassen, kritisierten iranische Reformpolitiker.<ref>Spiegel Online, Hasnain Kazim, 17. Juni 2009: Ajatollahs, Philosophen und ein Milliardär. 5. Teil: Konservativer mit Zukunft – Ali Laridschani.</ref> Er nutzte die IRIB als Propagandainstrument der Regierung und verantwortete unter anderem die Ausstrahlung der Sendereihe Hoviat (Identität), die regimekritische Intellektuelle als vom Westen finanzierte Verräter brandmarkte.<ref name="DWJanjevic2026" /> In dieser Phase wurden auch erzwungene Geständnisse im Staatsfernsehen ausgestrahlt und Reformkräfte gezielt verfolgt und eingeschüchtert.<ref name="Economist2026-02-26" /> Bei der Präsidentenwahl im Juni 2005 hatte er als Kandidat der Konservativen knapp sechs Prozent der Stimmen bekommen.<ref name="DWJanjevic2026" />

Laridschani wurde unter der Regierung Mahmud Ahmadineschad zum Chefunterhändler bei den Atomverhandlungen mit der EU ernannt. Er löste am 18. August 2005 den als gemäßigt geltenden Hassan Rohani ab. Unter seiner Verhandlungsführung konnte kein Durchbruch im Streit um das iranische Atomprogramm erzielt werden,<ref>Iran Erklärung des Auswärtigen Amtes vom 28. September 2007.</ref> da er sich zwar in der Wortwahl jedoch nicht in der Sache von der Linie des Präsidenten unterschied.<ref>Spiegel online vom 20. Oktober 2007.</ref> Laridschani befürwortete später stets ein Atomabkommen und beschleunigte als Parlamentspräsident die Zustimmung des Parlaments zum Wiener Atomabkommen von 2015.<ref name="Economist2026-02-26" /> Auch nach seiner Ablösung blieb er in zentrale außenpolitische Dossiers eingebunden und führte unter anderem Gespräche mit Russland und China sowie Missionen gegenüber Oman und Katar.<ref name="NYTLarijaniTod" /> Am 20. Oktober 2007 wurde sein angeblich schon länger beabsichtigter Rücktritt als Chefunterhändler in den Atomgesprächen mit der EU-3 von Regierungssprecher Gholam-Hossein Elham bekannt gegeben, sein Nachfolger wurde Said Dschalili. Diplomaten deuten dies als einen Sieg der Hardliner um Präsident Ahmadineschad, zu dessen Kritiker sich Laridschani entwickelt hatte.<ref>Diplomatisch abgetreten, Tagesspiegel vom 21. Oktober 2007.</ref>

Nach seinen Angaben vom 7. Dezember 2007, anlässlich der Veröffentlichung des Geheimdienstberichts der US-Regierung, war der Iran „niemals“ bestrebt, in den Besitz von Atomwaffen zu gelangen. „Die in dem jüngst veröffentlichten US-Geheimdienstbericht enthaltene Formulierung, Teheran habe sein Atomwaffenprogramm 2003 eingestellt, sei schlichtweg eine ‚Lüge‘.“<ref>Larijani: Iran wollte niemals Atomwaffen herstellen. In: derStandard.at. 15. Dezember 2007, abgerufen am 6. Dezember 2017.</ref>

Durch die Wahl zum Parlamentspräsidenten im Mai 2008 galt Laridschani als neuer starker Mann Teherans, dem als ausgewiesenem Gegner Mahmud Ahmadineschads Chancen bei der nächsten Präsidentenwahl eingeräumt wurden.<ref>dw-world vom 27. Mai 2008.</ref> Im Zusammenhang mit der umstrittenen Wiederwahl Ahmadineschads 2009 kritisierte Laridschani das Vorgehen von Hardlinern, die Manipulationen zur Absicherung des Wahlausgangs betrieben hätten.<ref name="Economist2026-02-26" />

Datei:Msc 2007-Sunday, 09.00 - 11.00 Uhr -Zwez006 Larijani (cropped).jpg
Laridschani auf der Münchner Sicherheitskonferenz (2009)

Am 6. Februar 2009 sorgte er auf der Münchner Sicherheitskonferenz für Irritationen. Zur Frage des Holocaust sagte er: Er sei „doch etwas überrascht, wie sensibel Sie reagieren.“ In westlichen Ländern dürfe Mohammed ungestraft beschimpft werden, im Iran seien den Holocaust bestreitende Aussagen nicht strafbar. Es gebe da eben „unterschiedliche Sichtweisen“. Er sei kein Historiker: „Ich bin Politiker, ich möchte jetzt nicht über das Thema sprechen.“<ref>Sebastian Fischer: Iran weist Dialog-Angebot brüsk zurück. In: Spiegel Online, 6. Februar 2009.</ref> In einem Spiegel Online gegebenen Interview bezeichnete Laridschani den Holocaust als „historisches Ereignis“, das nicht das Problem des Iran wäre.<ref>Georg Mascolo, Gerhard Spörl, Sebastian Fischer: „Die Großmächte müssen akzeptieren – auch auf unserer Seite gibt es Vernunft“ In: Spiegel Online, 8. Februar 2009 (Interview).</ref> In einem Interview mit Euronews verglich Laridschani die iranischen Atomaktivitäten mit den japanischen und bestand auf einer friedlichen Nutzung der Atomenergie durch den Iran.<ref name="euronews">Euronews, 23. Juli 2010: Interview mit Ali Laridschani: Niemand kann verurteilt werden, bevor er etwas getan hat.</ref>

Ende Mai 2012 wurde Laridschani zum zweiten Mal zum Parlamentspräsidenten gewählt. Er gewann die Wahl mit 173 von 275 Stimmen gegen den ebenfalls Ahmadineschad-kritischen Gholam Ali Haddad-Adel, auf den 100 Stimmen entfielen.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Ahmadinedschad-Kritiker ist neuer Parlamentspräsident (Memento vom 30. Mai 2012 im Internet Archive) bei tagesschau.de, 28. Mai 2012 (abgerufen am 28. Mai 2012).</ref>

Laridschani galt als gut vernetzter Politiker mit wechselnden Allianzen und politischen Zugehörigkeiten. Manche Beobachter sahen in ihm bereits einen Politiker der rechten Mitte, andere einen Befürworter der islamischen Theokratie.<ref>Iran’s Election Coalitions | The Iran Primer. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 29. Februar 2016; abgerufen am 3. Februar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>'National dialogue' initiative indicates shifting political sands in Iran - AL-Monitor: The Middle Eastʼs leading independent news source since 2012. Abgerufen am 3. Februar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Zunächst konservativer „Prinzipalist“, wandte er sich nach der Jahrtausendwende allmählich moderateren Positionen zu und trat gelegentlich auch mit Reformern in Verbindung.<ref>A realignment of Iran’s political factions underway as elections loom. In: The Guardian. 11. Dezember 2015, ISSN 0261-3077 (theguardian.com [abgerufen am 3. Februar 2026]).</ref><ref>Ein Auftrag für Ali Larijani. 20. August 2025, abgerufen am 4. Februar 2026.</ref> Obwohl er dem konservativen Lager zugerechnet wurde, wurde er von Teilen der Hardliner nie vollständig akzeptiert.<ref name="DWJanjevic2026" /> Laridschani verfügte über Einfluss in unterschiedlichen Machtzentren und leitete zeitweise das Freitagsgebet in Vertretung Chameneis.<ref name="Economist2026-02-26" />

2020 wurde Laridschani mit der Aufsicht über ein strategisches 25-Jahres-Kooperationsabkommen Irans mit China betraut, das 2021 finalisiert wurde. Im Zusammenhang mit dem Abkommen wurden Investitionen Chinas in Irans Energiesektor in Höhe von rund 400 Milliarden US-Dollar in Aussicht gestellt.<ref name="DWJanjevic2026" /> Im Gegenzug sagte Iran langfristige Lieferungen verbilligten Öls zu und das Abkommen galt als wichtige Entlastung für die unter Sanktionen stehende iranische Wirtschaft.<ref name="NYTLarijaniTod" />

Bei der Präsidentschaftswahl im Iran 2021 sowie 2024 wurde er nicht als Kandidat zugelassen. Der Wächterrat aus sechs vom Obersten Führer ernannten Klerikern und sechs vom Parlament bestätigten Juristen nannte für die Nichtzulassung 2021 keine Gründe. Gemutmaßt wurden unter anderem familiäre Auslandsbezüge sowie die innerkonservative Konkurrenz um die Präsidentschaft. Sadegh Laridschani kritisierte die Entscheidung öffentlich und verwies auf „falsche Informationen“ der Geheimdienste als Grundlage der Bewertung. Als weiterer Hintergrund galt, dass Laridschani Präsident Ebrahim Raisi und Angehörige der Revolutionsgarde kritisiert hatte und sich zugleich nicht an öffentlichen Angriffen auf unter Hausarrest stehende Oppositionspolitiker beteiligt hatte.<ref name="DWJanjevic2026" />

Obwohl seine politische Karriere westlichen Beobachtern damit faktisch beendet schien,<ref>Joaquin Matamis: What Goes Around, Comes Around: What Larijani’s Election Disqualification Revealed About Iranian Politics • Stimson Center. In: Stimson Center. 26. Juni 2024, abgerufen am 22. Januar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Monika Bollinger: Ein Hardliner auf dem Weg zur Macht. Der Spiegel, 31. Mai 2021, abgerufen am 18. Juni 2021.</ref> nahm er infolge des Israelisch-iranischen Krieges 2025 eine wichtige Rolle ein und wurde erneut Sekretär des Sicherheitsrates.<ref>Ray Furlong: After The 12-Day War, Iran Turns To Veteran Politician Ali Larijani. In: Radio Free Europe/Radio Liberty. 6. August 2025 (rferl.org [abgerufen am 22. Januar 2026]).</ref> Bereits vor dem offenen Krieg hatte Chamenei ihn damit beauftragt, für den Fall eines großangelegten israelisch-amerikanischen Angriffs und der Tötung der Führungsspitze ein Überlebensszenario für die Islamische Republik auszuarbeiten.<ref name="BBCTod2026" /><ref name="NYTLarijaniTod" /> Nach dem militärischen Scheitern der libanesischen Hisbollah und weiterer schiitischer Stellvertreterorganisationen hatte Chamenei Laridschani bereits mit der Koordinierung der Beziehungen zu Akteuren in Libanon und Jemen beauftragt, was als Signal gegen die Generäle der Revolutionsgarde gedeutet wurde.<ref name="Economist2026-02-26" />

Laridschani wurde als Schlüsselfigur bei der Niederschlagung der Proteste im Iran 2025/2026 angesehen und war Ziel von US-Sanktionen.<ref>Stuttgarter Zeitung: Wegen Vorgehen gegen Protestanten: USA verhängt neue Sanktionen gegen iranische Politiker und Unternehmen. Abgerufen am 22. Januar 2026.</ref> Chamenei machte ihn im Januar 2026 de facto zum führenden Koordinator des Regimes, um die landesweiten Proteste niederzuschlagen und den inneren Dissens einzudämmen.<ref name="NYTLarijaniTod" /> Zuletzt verantwortete er zugleich den Krieg gegen Israel und die USA, die Niederschlagung der inneren Unruhen sowie das Atomprogramm mitsamt den festgefahrenen indirekten Gesprächen mit Washington.<ref name="BBCKrise2026" /> Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump sanktionierte ihn nach den Massakern im Januar 2026 namentlich.<ref name="Economist2026-02-26" />

Irankrieg 2026

Während der Eröffnungsphase des Irankriegs 2026 wurden bei einem Luftangriff große Teile der iranischen Führungsstruktur getötet. In der entstehenden Machtlücke trat Laridschani als ranghöchster Sicherheitsfunktionär öffentlich hervor und wurde als maßgebliche Figur der Krisensteuerung wahrgenommen. Rund 24 Stunden nach dem Angriff wandte er sich im Staatsfernsehen und in sozialen Medien an die Öffentlichkeit und drohte den Vereinigten Staaten und Israel mit Vergeltung. Zugleich wurde Laridschani trotz der Rhetorik international auch als pragmatischer Verhandler wahrgenommen, der über Jahre Kontakte und Verhandlungserfahrung unter anderem gegenüber Russland, China und den Vereinigten Staaten aufgebaut hatte.<ref name="DWJanjevic2026" /> Chameneis Sohn Mojtaba Chamenei wurde in der Folge zwar als Nachfolger aufgebaut, blieb seit Kriegsbeginn jedoch weitgehend aus der Öffentlichkeit verschwunden, sodass Laridschani im Regierungslager öffentlich noch stärker hervortrat.<ref name="BBCTod2026" /><ref name="BBCKrise2026" /> In den letzten Kriegswochen reagierte er regelmäßig in sozialen Medien auf Äußerungen Donald Trumps und war zuletzt am 13. März 2026 bei einer staatlich organisierten Quds-Tag-Kundgebung in Teheran öffentlich zu sehen.<ref name="BBCTod2026" /><ref name="NYTLarijaniTod" />

Eine Tochter Laridschanis, Fatemeh, war als Ärztin am Krebsforschungsinstitut der Emory University in Atlanta beschäftigt. Nach einer öffentlichen Kampagne wurde sie Anfang 2026 entlassen.<ref>Emory University sacks daughter of Iran’s top security official Larijani. 24. Januar 2026, abgerufen am 19. Februar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Laridschani hatte weitere Verwandte im Westen, darunter einen im Vereinigten Königreich tätigen Wissenschaftler, was von Hardlinern als politisch problematisch betrachtet wurde.<ref name="Economist2026-02-26" />

Am 17. März 2026 teilte das israelische Verteidigungsministerium mit, Laridschani sei bei einem gezielten nächtlichen Luftangriff getötet worden.<ref>Iran-Krieg: Israel: Wichtiger iranischer Funktionär Laridschani getötet | FAZ. 17. März 2026, abgerufen am 17. März 2026.</ref> Wenig später bestätigten iranische Staatsmedien seinen Tod.<ref name="BBCTod2026" /><ref name="BBCKrise2026" /> Er war damit der ranghöchste iranische Funktionär, der seit Chameneis Tötung am 28. Februar 2026 ums Leben kam.<ref name="BBCTod2026" /> Sein Tod galt als weitere Zuspitzung der Führungskrise der Islamischen Republik und als möglicher Machtgewinn militärischer Akteure zulasten der politischen Koordination im Zentrum des Regimes.<ref name="BBCKrise2026" /><ref name="NYTLarijaniTod" />

Weblinks

Commons: Ali Laridschani – Sammlung von Bildern und Videos

Einzelnachweise

<references />

<templatestyles src="BoxenVerschmelzen/styles.css" />

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