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Nickelskutterudit

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Nickelskutterudit
Datei:Nickelskutterudite-254589.jpg
Nickelskutterudit aus dem Grubenschacht 366 bei Alberoda, Schlema-Hartenstein, Erzgebirge, Sachsen (Sichtfeld 8 cm)
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Nummer

2007 s.p.<ref name="IMA-Liste" />

IMA-Symbol

Nskt<ref name="Warr" />

Andere Namen
  • Arsennickel
  • Dienerit<ref name="HandbookofmineralogyDienerite" />
  • Nickel-Biarseniet<ref name="Breithaupt" />
  • Nickel-Skutterudit (bis 2008)<ref name="IMA-Tidyingup" />
  • Weißnickelkies<ref name="Breithaupt" />
Chemische Formel (Ni,Co,Fe)As3<ref name="IMA-Liste" />
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Sulfide und Sulfosalze
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

II/C.12
II/D.29-020

2.EC.05
02.12.17.02
Ähnliche Minerale Skutterudit
Kristallographische Daten
Kristallsystem kubisch
Kristallklasse; Symbol disdodekaedrisch; 2/m3
Raumgruppe Im3 (Nr. 204)Vorlage:Raumgruppe/204<ref name="StrunzNickel" />
Gitterparameter a = 8,28 Å<ref name="StrunzNickel" />
Formeleinheiten Z = 8<ref name="StrunzNickel" />
Häufige Kristallflächen {001}, {111}, selten auch {011}<ref name="Handbookofmineralogy" />
Zwillingsbildung Sechslinge nach {112}<ref name="Handbookofmineralogy" />
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 5,5 bis 6
Dichte (g/cm3) gemessen: 6,5; berechnet: [5,07 bis 6,90]<ref name="Handbookofmineralogy" />
Spaltbarkeit deutlich nach {001} und {111}<ref name="Handbookofmineralogy" />
Bruch; Tenazität muschelig bis uneben; spröde
Farbe zinnweiß bis hellstahlgrau; grau oder buntfarbig anlaufend
Strichfarbe schwarz
Transparenz undurchsichtig
Glanz Metallglanz

Nickelskutterudit (auch Arsennickel), bis 2008 auch Nickel-Skutterudit geschrieben,<ref name="IMA-Tidyingup" /> ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ mit der chemischen Zusammensetzung (Ni,Co,Fe)As3<ref name="IMA-Liste" /> und damit chemisch gesehen ein Nickelarsenid. Da Nickelskutterudit allerdings nah mit Skutterudit (CoAs3) verwandt ist und mit diesem eine lückenlose Mischkristall-Reihe bildet, kommt er in der Natur fast immer mit einem gewissen Anteil an Cobalt in der Verbindung vor. Auch Eisen ist aufgrund seines ähnlichen Ionenradius in der Lage, Nickel bzw. Cobalt in der Formel zu ersetzen. Daher wird die Formel für Nickelskutterudit allgemein auch mit (Ni,Co)As2–3<ref name="Handbookofmineralogy" /> oder (Ni,Co,Fe)As3-x<ref name="StrunzNickel" /> angegeben.

Nickelskutterudit kristallisiert im kubischen Kristallsystem und entwickelt nur selten idiomorphe Kristalle mit kubischem Habitus oder kubischen Kombinationen. Meist findet er sich in Form von stängeligen, nierigen oder körnigen bis massigen Mineral-Aggregaten. Auch netzartige, skelettförmige Aggregate mit verdrehten (gestrickten) und deformierten Kristallen sind bekannt.<ref name="Handbookofmineralogy" /><ref name="Klockmann" /> Das Mineral ist in jeder Form undurchsichtig (opak).

Die Farbe von frischem Nickelskutterudit variiert zwischen Zinnweiß und einem hellen Silber- oder Stahlgrau. Sichtbare Kristallflächen weisen einen metallischen Glanz auf. Nach einiger Zeit läuft das Mineral allerdings grau bis schwärzlich oder auch buntfarbig an. Oftmals sind Nickelskutterudit-Funde auch mit grünem Annabergit (Nickelblüte) oder rotem Erythrin (Kobaltblüte) bedeckt.

Etymologie und Geschichte

Datei:Nickelskutterudite-Quartz-206081.jpg
Nickelskutterudit auf Quarz aus dem Landkreis Schneeberg, Erzgebirge, Sachsen (Größe: 5 cm × 4 cm × 2 cm)

Erstmals entdeckt wurde Nickelskutterudit im Grubenrevier Schneeberg im sächsischen Erzgebirge und beschrieben 1845 durch August Breithaupt, der das Mineral allerdings als Nickel-Biarseniet, Weißnickelkies bzw. Chloanthit bezeichnete.<ref name="Breithaupt" /> Diese Bezeichnungen wurden allerdings 1892 durch E. Waller und Alfred Joseph Moses (1859–1920) verworfen, die bei ihren Analysen einerseits die nahe Verwandtschaft zum Skutterudit und andererseits einen überwiegenden Anteil an Nickel in der Zusammensetzung feststellten. Sie wählten daher die Bezeichnung Nickelskutterudit, die auch von nachfolgenden Forschern übernommen wurde.<ref name="WallerMoses" />

1921 beschrieb O. Hackl ein Mineral, das nahe Radstadt in Salzburg gefunden wurde und gab ihm zu Ehren des österreichischen Paläontologen und Finder des Minerals Karl Diener (1862–1928) den Namen Dienerit. Da allerdings nur einziger Kristall gefunden wurde und das Typ-Material zudem verloren ging,<ref name="HandbookofmineralogyDienerite" /> konnte die chemische Analyse nicht überprüft werden. Dienerit wurde daher 2006 von der International Mineralogical Association (IMA) als fragwürdiges Mineral diskreditiert und als möglicherweise mit Nickelskutterudit identisch eingestuft.<ref name="IMA-2006" /> Nachdem 2019 eine genauere Analyse anhand eines Neotyps des Minerals vorlag, wurde dem bei der IMA eingereichten Antrag auf „Revalidierung von Dienerit“ (IMA 19-E) entsprochen und dessen Neudefinition anerkannt.<ref name="Miyawaki-et-al-2019" /> Dienerit seitdem in der „Liste der Minerale und Mineralnamen“ der IMA unter der Summenanerkennung „IMA 2019 s.p.“ (special procedure) geführt.<ref name="IMA-Liste" />

Klassifikation

Die strukturelle Klassifikation der International Mineralogical Association (IMA) zählt den Nickelskutterudit zur Gruppe der nicht stöchiometrischen Quadrupelperowskite mit unbesetzter A-Position in der Perowskit-Supergruppe. Hier bildet er zusammen mit Skutterudit, Kieftit und Ferroskutterudit die Skutterudit-Untergruppe.<ref name="Mitchell et al. 2017" />

Bereits in der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte Nickelskutterudit zur Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort zur Abteilung der „Sulfide mit M : S < 1 : 1“, wo er zusammen mit Skutterudit sowie den inzwischen als Varietäten von Nickelskutterudit diskreditierten Chathamit und Chloanthit die „Skutterudit-Reihe“ mit der Systemnummer II/C.12 bildete.

Im zuletzt 2018 überarbeiteten und aktualisierten Lapis-Mineralienverzeichnis nach Stefan Weiß, das sich im Aufbau noch nach dieser alten Form der Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, erhielt das Mineral die System- und Mineral-Nr. II/D.29-020. In der Lapis-Systematik entspricht dies ebenfalls der Abteilung „Sulfide mit dem Stoffmengenverhältnis Metall : S,Se,Te < 1 : 1“, wo Nickelskutterudit zusammen mit Ferroskutterudit, Gaotaiit, Iridisit (diskreditiert), Kieftit und Skutterudit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer II/D.29 bildet.<ref name="Lapis" />

Die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte<ref name="IMA-Liste-2009" /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Nickelskutterudit dagegen in die Abteilung der „Metallsulfide mit M : S ≤ 1 : 2“ ein. Diese ist zudem weiter unterteilt nach dem genauen Stoffmengenverhältnis bzw. den in der Verbindung vorherrschenden Metallen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „M : S = 1 : >2“ zu finden ist, wo es zusammen mit Ferroskutterudit, Kieftit und Skutterudit die „Skutteruditgruppe“ mit der Systemnummer 2.EC.05 bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Nickelskutterudit in die Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort in die Abteilung der „Sulfidminerale“ ein. Hier ist er zusammen mit Skutterudit, Kieftit und Ferroskutterudit in der „Skutteruditreihe“ mit der Systemnummer 02.12.17 innerhalb der Unterabteilung der „Sulfide – einschließlich Seleniden und Telluriden – mit der Zusammensetzung AmBnXp, mit (m+n):p=1:2“ zu finden.

Kristallstruktur

Nickelskutterudit kristallisiert kubisch in der Raumgruppe Im3 (Raumgruppen-Nr. 204)Vorlage:Raumgruppe/204 mit dem Gitterparameter a = 8,28 Å sowie 8 Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />

Eigenschaften

Wird eine Probe von Nickelskutterudit z. B. mit einem Geologenhammer angeschlagen, macht sich starker Arsengeruch bemerkbar.<ref name="Klockmann" />

Auf Holzkohle gelegt und vor ein Lötrohr gehalten, schmilzt das Mineral zu einer spröden, grauschwarzen und magnetischen Kugel.<ref name="Klockmann" />

Modifikationen und Varietäten

Datei:Nickelskutterudite (Chloanthite)-191736.jpg
Chloanthit aus der Region Cobalt-Gowganda, Timiskaming District, Ontario, Kanada (Größe: 5,4 cm × 4,1 cm)

Chloanthit ist die Bezeichnung für die arsenarme Varietät des Nickelskutterudit, wird allerdings nach wie vor gelegentlich als Synonym für den Nickelskutterudit selbst verwendet.

Chathamit gilt als eisenhaltige Untervarietät des Chloanthit.<ref name="MindatChamthamite" />

Bildung und Fundorte

Datei:Nickelskutterudite-385134.jpg
Nickelskutterudit aus der St Johannes Mine bei Wolkenstein, Kreis Marienberg, Erzgebirge, Sachsen, Deutschland (Sichtfeld: 7 mm)

Nickelskutterudit bildet sich in mittelgradigen Hydrothermal-Adern, wo er unter anderem mit Arsenopyrit, Baryt, Bismut, Calcit, Quarz, gediegen Silber, Siderit und anderen Mineralen vergesellschaftet findet.

Als eher seltene Mineralbildung kann Nickelskutterudit an verschiedenen Fundorten zum Teil reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er aber wenig verbreitet. Als bekannt gelten bisher gelten bisher rund 200 Fundorte (Stand 2024).<ref name="Mindat-Anzahl" /> Neben seiner Typlokalität Schneeberg trat das Mineral in Deutschland noch an vielen weiteren Orten im sächsischen Erzgebirge sowie an mehreren Orten im Schwarzwald in Baden-Württemberg; bei Wölsendorf in Bayern; an mehreren Orten im Odenwald und Richelsdorf, der Grube Hilfe Gottes und der Lochborner Kupfergrube bei Bieber in Hessen; an vielen Orten im Harz von Niedersachsen bis Sachsen-Anhalt; bei Iserlohn, Ramsbeck und der Grube Ostwig in Nordrhein-Westfalen; an mehreren Fundstätten bei Imsbach, am Landsberg bei Obermoschel, Rockenhausen, Schutzbach und Bürdenbach in Rheinland-Pfalz und in Thüringen bei Bad Lobenstein, Ronneburg und Kamsdorf auf.

In Österreich fand sich Nickelskutterudit am Hüttenberger Erzberg und dem Kerschdorfgraben nahe der Gemeinde Sankt Stefan im Gailtal in Kärnten; in der Uranmine bei Forstau, im Schwarzleograben bei Hütten/Leogang und im Annastollen bei Mitterberg (nahe St. Johann im Pongau) in Salzburg und in den Schladminger Tauern in der Steiermark.

In der Schweiz konnte das Mineral bisher nur bei Böttstein und Kaisten im Kanton Aargau gefunden werden.

Weitere Fundorte liegen in Argentinien, Australien, Frankreich, Iran, Italien, Japan, Kanada, Marokko, Polen, Portugal, Russland, Schweden, Simbabwe, Slowakei, Spanien, Südafrika, Südkorea, Tschechien, im Vereinigten Königreich (Großbritannien) und den Vereinigten Staaten (USA).<ref name="Fundorte" />

Verwendung

Nickelskutterudit dient als Erz zur Gewinnung von Nickel, Arsen und arseniger Säure.

Siehe auch

Literatur

  • Walter Schumann: Der große BLV Steine- und Mineralienführer. 7. Auflage. BLV Buchverlag, München 2007, ISBN 978-3-8354-0212-6, S. 114 (Chloanthit, Weißnickelkies).

Weblinks

  • Nickelskutterudit. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung;
  • Nickelskutterudite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy; (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
  • Nickelskutterudite search results. In: rruff.info. Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF); (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
  • David Barthelmy: Nickelskutterudite Mineral Data. In: webmineral.com. (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).

Einzelnachweise

<references> <ref name="Breithaupt"> </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Nickelskutterudit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 5. Dezember 2022. </ref> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="HandbookofmineralogyDienerite"> </ref> <ref name="IMA-2006"> </ref> <ref name="IMA-Liste"> Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: January 2025. (PDF; 3,8 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Januar 2025, abgerufen am 12. Februar 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Tidyingup"> Ernst A. J. Burke: Tidying up Mineral Names: an IMA-CNMNC Scheme for Suffixes, Hyphens and Diacritical marks. In: Mineralogical Record. Band 39, Nr. 2, März 2008, S. 133 (cnmnc.units.it [PDF; 2,8 MB; abgerufen am 17. April 2024]). </ref> <ref name="Klockmann"> </ref> <ref name="Lapis"> </ref> <ref name="MindatChamthamite"> Chamthamite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 5. Dezember 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Mindat-Anzahl"> Localities for Nickelskutterudite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 5. Dezember 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Mitchell et al. 2017"> </ref> <ref name="Miyawaki-et-al-2019"> </ref> <ref name="StrunzNickel"> </ref> <ref name="WallerMoses"> </ref> <ref name="Warr"> </ref> </references>