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Parastou Forouhar

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Datei:Parastou Forouhar, Museum Gunzenhauser.jpg
Parastou Forouhar, 2025 (am Eingang des Museums Gunzenhauser)
Datei:Written Room, Parastou Forouhar, ©ICI-photo credit-Marc Domage.jpg
Written Room, Installation der Künstlerin Parastou Forouhar während der Ausstellung „Lettres Ouvertes: de la Calligraphie au Street-Art“, die 2016 im ICI Paris gezeigt wurde

Parastou Forouhar, auch Parastu Foruhar (persisch {پرستو فروهر <phonos file="Far-parastou-forouhar.ogg">anhören</phonos>/?; * 1962 in Teheran) ist eine iranische Künstlerin und Aktivistin.

Seit 1991 lebt sie in Deutschland im Exil und entschied sich zu bleiben. Ihre Eltern waren die Oppositionellen Dariush und Parwaneh Forouhar, die 1998 in ihrem eigenen Haus in Iran vom iranischen Geheimdienst ermordet wurden.<ref name="STER">Iranerinnen im Exil. „Straßen voller Wut und Hoffnung“: So erlebte die Künstlerin Parastou Forouhar das Teheran dieser Tage. In: Der Stern, abgerufen am 10. Juni 2023.</ref>

Biografie

Parastou Forouhar studierte von 1984 bis 1990 Kunst an der Universität Teheran. Für die Tochter von intellektuellen Dissidenten waren die schwierigen Bedingungen in ihrem Heimatland der Grund dafür, 1991 mit ihren beiden kleinen Söhnen nach Deutschland zu ziehen. An der Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main absolvierte sie ein Aufbaustudium, bei dem sie unter anderem bei Adam Jankowski studierte. Seit 1992 lebte sie zunächst in Offenbach am Main und mittlerweile in Göppingen.<ref name="STER" />

Die Eltern von Parastou Forouhar wurden am 21. November 1998 in ihrem Haus in Teheran brutal im Zuge der sogenannten Kettenmorde<ref>Natalie Amiri: Zwischen den Welten. Von Macht und Ohnmacht im Iran. Aufbau, Berlin 2021, ISBN 978-3-351-03880-9; Taschenbuchausgabe ebenda 2022, ISBN 978-3-7466-4030-3, S. 56.</ref> von Agenten des iranischen Geheimdienstes ermordet.<ref name="STER" /> Dariush Forouhar gehörte als Arbeitsminister zum weltlichen Kabinett von Premierminister Mehdi Bazargan. Beide gehörten zu den führenden oppositionellen Politikern in der Islamischen Republik Iran.<ref>Personalien: Parastou Forouhar. In: Der Spiegel. Band 47, 22. November 2010 (spiegel.de [abgerufen am 19. September 2017]).</ref> Das Verfahren wurde von den Behörden verschleppt und letztendlich zu einem unabgeschlossenen Ende gebracht.<ref>DW Deutsch: Die iranische Künstlerin Parastou Forouhar - Kultur.21 auf YouTube, 24. Januar 2010, abgerufen am 19. September 2017 (Laufzeit: 6:02 min).</ref>

Jedes Jahr reist die Künstlerin, die das Erbe der politischen Opposition ihrer Eltern fortführt, im November nach Teheran, um im Elternhaus einen Gedenktag für die Ermordeten abzuhalten; die Reisen sind regelmäßig mit Verhören bei der Ein- und Ausreise verbunden, ihr Elternhaus dient zugleich als persönlicher Erinnerungsort und politisches Mahnmal.<ref name="TAZ2025">Katrin Bettina Müller: Deutsch-iranische Künstlerin Forouhar: Wie sie das Unaushaltbare aushaltbar macht. In: taz.de. 25. September 2025, abgerufen am 26. September 2025.</ref> Im September 2022 übernahm sie die Schirmherrschaft der „Tage des Exils“; ihre Erfahrungen als Geflüchtete und Exilantin prägen ihre Perspektive auf gesellschaftliche Entwicklungen in Deutschland.<ref name="TAZ2025" />

Seit dem Sommersemester 2019 nimmt Forouhar für fünf Jahre eine Professur für eine Klasse für Bildende Kunst an der Kunsthochschule Mainz der Johannes Gutenberg-Universität Mainz wahr.<ref>Professur für Parastou Forouhar an der Kunsthochschule Mainz. In: www.kunstforum.de. 26. November 2018, abgerufen am 30. November 2018.</ref>

Wirken als Künstlerin

Parastou Forouhar setzt als Konzeptkünstlerin alle Medien von der Zeichnung über die Fotografie bis zu computeranimierten Bildsequenzen ein, um ihre Themen, etwa die Situation von Frauen in der Gesellschaft – speziell auch in muslimischen Gesellschaften – oder der Folter als systematisches, bildfüllendes „Ornament“, zu reflektieren und zu veranschaulichen.<ref>Sven Siedenberg: Parastou Forouhar: Die Waffen der Kunst. In: Die Zeit. 16. März 2015, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 19. September 2017]).</ref>

Seit 2009 treten in ihrem Werk gezeichnete Schmetterlinge als Serie auf, die an die Grüne Bewegung im Iran anknüpfen; die filigranen, symmetrisch gemusterten Flügel setzen sich bei näherer Betrachtung aus fallenden, trauernden oder stürzenden Körpern zusammen – als „Archiv“ von Aufstand, Widerstand und Repression.<ref name="TAZ2025" /> Beispiele daraus sind die Serien Papillon Collection I/II (u. a. Women of the revolution street, 2019–2023).<ref name="TAZ2025" />

In vielen Zeichnungen, Fotografien und Installationen zitiert Forouhar ornamentale und repetitive Muster. Diese stellen einerseits Bezüge zu traditionellen Kunstformen im Iran her, wirken andererseits beklemmend und einengend; die wiederholte Struktur spiegelt die Erfahrung von Ausbruchsversuchen und deren Scheitern im System wider.<ref name="TAZ2025" />

Zu den Arbeiten, in denen die Ambivalenz von Sichtbarkeit und Verhüllung thematisiert wird, zählt die vierteilige Fotoarbeit Freitag (2003), in der unter dunklen Stoffbahnen Körperfragmente nur minimal sichtbar werden; ebenso Papierbahnen voller Augen, die zu Ketten und Gittern verschränkt sind und zwischen Verführung, Überwachung und Exklusion changieren.<ref name="TAZ2025" />

Im Kontext des Gabriele Münter Preis für das Jahr 2025 entwickelte Forouhar zudem ein interaktives Setting mit Windrädchen, die Besucherinnen und Besucher durch Anpusten in Bewegung versetzen; auf den Flügeln sind starre Figuren gezeichnet – ein bewusstes Aufeinandertreffen von Lebendigem und Erstarrtem und zugleich eine Referenz an kleine Stillleben Gabriele Münters.<ref name="TAZ2025" />

Forouhar betont 2025 die anhaltende Kraft der Bewegung Frau, Leben, Freiheit: Zwar habe diese das System nicht vollständig verändert, doch Frauen eroberten sich ihre Präsenz im öffentlichen Raum zurück; jede unverschleierte Frau im Alltag wirke „wie eine Parole gegen das System“.<ref name="TAZ2025" />

Eine gänzlich anders geartete Arbeit der Künstlerin sind ihre Schrifträume, die persische Zeichen des Unsinns oder ohne Bedeutung aneinanderfügen.<ref>Parastou Forouhar Beautiful and Sad. 20. März 2013, abgerufen am 19. September 2017 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Durch die raumgreifende Bemalung verändern sich die Räume selbst. Parastou Forouhars Schrifträume (Written Rooms) sind in der Universität von Toledo (2014)<ref>El Greco 2014: Body Letter. 19. Oktober 2014, abgerufen am 19. September 2017.</ref> und neuerdings im Institut des Cultures d’Islam (ICI) in Paris<ref>Lettres Ouvertes : de la calligraphie au street art. In: institut-cultures-islam.org. 30. November 2021, abgerufen am 19. September 2017 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> zu sehen.

In unregelmäßigen Abständen kuratiert die Künstlerin eigene Ausstellungen, etwa „Omid* Gemeinsam grenzenlos“ für die Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt,<ref>BS Anne Frank. Abgeschlossene Projekte: Omid* Gemeinsam grenzenlos. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 20. September 2017; abgerufen am 19. September 2017.</ref> oder als Co-Kuratorin für die Teheran-Nummer der Reihe Treibsand für zeitgenössische Kunst.<ref>Home. Abgerufen am 19. September 2017 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Anfang Februar 2025 wurde Forouhar aus insgesamt 1.299 Bewerberinnen für den mit 20.000 Euro dotierten Gabriele Münter Preis ausgewählt.<ref>Kulturstaatsministerin Roth gratuliert Parastou Forouhar zum Gabriele Münter Preis 2025. BPA, 11. Februar 2025, abgerufen am 11. Februar 2025.</ref>

Preise und Auszeichnungen

Ausstellungen

Film

  • Tod in Teheran – Auftragsmord im Namen Gottes von Thomas Giefer mit Parastou Forouhar (Con Voi Film 2004 für ARD)

„Der Film rekonstruiert die Details dieses politisch und religiös motivierten Mordes, begleitet Parastou Forouhar bei ihrer Suche nach Wahrheit und Gerechtigkeit und verfolgt die Spuren des Verbrechens bis ins Machtzentrum des islamischen Gottesstaats…“

Auszug WDR-Pressetext

Schriften

Literatur

  • Christopher de Bellaigue: Im Rosengarten der Märtyrer. Ein Porträt des Iran. Aus dem Englischen von Sigrid Langhaeuser, Verlag C. H. Beck, München 2006 (engl. Originalausgabe: London 2004), ISBN 3-406-54374-X, S. 257–268 und 299–305.
  • Werner Meyer, Melanie Ardjah (Hrsg.): Parastou Forouhar. Im Zeichen des Ornaments. Kunsthalle Göppingen, 2018, ISBN 978-3-947317-05-9 (Ausstellungskatalog).
  • Christian Kaufmann, Sonja Müller: Written room / Parastou Forouhar – Maria 2 Körper / Silke Wiegand. Frauenreferat Frankfurt, Frankfurt 2019, DNB 1195553293 (Ausstellungskatalog).
  • Susanne Winder: Das Ornament als Denkfigur. Ornamentale Strukturen im künstlerischen Werk von Parastou Forouhar. transcript, Bielefeld 2021, ISBN 978-3-8376-5819-4 (Dissertation).

Weblinks

Einzelnachweise

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