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Graukresse

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Graukresse
Datei:20120922Berteroa incana1.jpg

Graukresse (Berteroa incana)

Systematik
Eurosiden II
Ordnung: Kreuzblütlerartige (Brassicales)
Familie: Kreuzblütler (Brassicaceae)
Tribus: Alysseae
Gattung: Graukressen (Berteroa)
Art: Graukresse
Wissenschaftlicher Name
Berteroa incana
(L.) DC.

Die Graukresse<ref name="FloraWeb" /> (Berteroa incana), auch Gewöhnliche Graukresse genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Graukressen (Berteroa) innerhalb der Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae). Das natürliche Verbreitungsgebiet liegt in Eurasien und sie ist in Nordamerika ein Neophyt. Auffallend ist die graugrünfilzige Behaarung, eine Anpassung, um Trockenheit zu überstehen.<ref name="Düll2005" />

Beschreibung

Datei:209 Berteroa incana.jpg
Illustration
Datei:Berteroa incana sl5.jpg
Habitus
Datei:Berteroa incana kz.jpg
Blütenstand mit vierzähligen Blüten und Früchten
Datei:Berteroa incana - hall kogelejarohi Valingul.jpg
Blütenstände
Datei:Berteroa incana sl4.jpg
Laubblatt-Unterseite mit Sternhaaren
Datei:Berteroa incana bein2 002 php.jpg
Samen
Datei:Berteroa incana - Syrphus ribesii - Tallinn.jpg
Blütenbesuch durch Syrphus ribesii

Vegetative Merkmale

Die Graukresse ist eine ein- oder zweijährige krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 20 bis 80, in seltenen Fällen auch bis zu 110 Zentimetern erreicht.<ref name="FoC2001" /> Sie ist graugrünfilzig mit Sternhaaren bedeckt.<ref name="Düll2005" /> Es wird ein einzelner oder einige wenige Stängel gebildet, die selbstständig aufrecht stehen und sich häufig verzweigen.

Die Grundblätter sind gestielt und die einfache Blattspreite ist bei einer Länge von meist 3,5 bis 8 (2,5 bis 10) Zentimetern verkehrt-lanzettlich mit welligem oder ganzrandigem Blattrand; zur Anthese sind sie meist verdorrt. Die Stängelblätter sind sitzend und ganzrandig mit spitzem oder stumpfem oberen Ende.<ref name="FoC2001" />

Generative Merkmale

Es werden schirmtraubige Blütenstände gebildet. Die zwittrigen Blüten sind vierzählig. Die Kelchblätter stehen aufrecht und sind 2 bis 2,5 Millimeter lang. Die vier weißen Kronblätter sind meist 5 bis 6,5 (4 bis 8) Millimeter lang<ref name="FoC2001" /> und tief gespalten.<ref name="Düll2005" /> Die Staubfäden sind weiß. Die Staubbeutel sind bei einer Länge von 0,5 bis 1 Millimetern länglich.<ref name="FoC2001" />

Die Schötchen sind bei einer Länge von meist 5 bis 8,5 Millimetern sowie einer Breite von 2,5 bis 4 Millimetern im Umriss länglich bis elliptisch.<ref name="FoC2001" />

Chromosomensatz

Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 8; es liegt Diploidie mit einer Chromosomenzahl von 2n = 16 vor.<ref name="FoC2001" /><ref name="FoNA2010" /><ref name="FloraWeb" />

Ökologie und Phänologie

An der Basis der Staubblätter wird Nektar abgesondert. Bestäuber sind Schwebfliegen, Bienen und Schmetterlinge.<ref name="Düll2005" />

Im nördlichen China blüht die Graukresse von Mai bis August und die Früchte reifen von Juni bis September.<ref name="FoC2001" /> Für Deutschland wird die Blütezeit mit Juni bis Oktober angegeben.<ref name="Rothmaler2021" />

Vorkommen

Ihr natürliches, eurasiatisches Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Südost-, Mittel- und Nordeuropa (Dänemark) über den Kaukasusraum, über Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Usbekistan und Sibirien bis zur Inneren Mongolei und den chinesischen Provinzen Gansu, Liaoning sowie Xinjiang.<ref name="FoC2001" /><ref name="GRIN" />

In Deutschland ist sie in den östlichen Teilen Brandenburgs, Mecklenburg-Vorpommerns, Sachsens und Bayerns heimisch. In vielen Gebieten, beispielsweise im übrigen West- und Süddeutschland,<ref name="FloraWeb" /> den Niederlanden, Belgien, Frankreich, dem Vereinigten Königreich, Irland, Norwegen, Schweden, Island und weiten Gebieten Nordamerikas ist sie ein Neophyt.<ref name="FoC2001" /><ref name="FoNA2010" /><ref name="CABI" /><ref name="Warwick2006" /> In Nordamerika sollte diese Invasive Art bekämpft werden.<ref name="InvasiveOrg" /><ref name="Parkinson2017" />

In Mitteleuropa wächst sie in der collinen bis montanen Höhenstufe auf sandigen und steinigen, trockenen Ruderalflächen und an Wegrändern.<ref name="Düll2005" /><ref name="ExFÖLS" /> Berteroa incana ist in Mitteleuropa eine Charakterart des Berteroetum incanae aus dem Verband Dauco-Melilotion, kommt aber auch in stickstoffbeeinflussten Pflanzengesellschaften der Klassen Sedo-Scleranthetea oder Agropyretea vor. Man findet sie oft zusammen mit der Dach-Trespe (Bromus tectorum) oder Arten der Gattung Nachtkerzen (Oenothera).<ref name="Oberdorfer2001" /> Die Graukresse steigt im Engadin bis zu einer Höhenlage von 1700 Meter auf.<ref name="Markgraf1958" />

In Österreich tritt die Graukresse im pannonischen Gebiet sehr häufig auf, sonst zerstreut bis selten.<ref name="ExFÖLS" />

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 1+ (trocken), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 4 (kollin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental).<ref name="InfoFlora" />

Systematik

Die Erstveröffentlichung dieser Art erfolgte 1753 Carl von Linné unter dem Basionym Alyssum incanum in Species Plantarum, Tomus II, Seite 650.<ref name="SpPl" /> Wegen der grauen Behaarung wählte Linné das Artepitheton incana, das „grau“ bedeutet.<ref name="Düll2005" /> Robert Brown stellte sie als Farsetia incana <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) R.Br. zur Gattung Farsetia. Augustin Pyrame de Candolle stellte sie 1821 in Regni Vegetabilis Systema Naturale ... Band 2, Seite 291 als Berteroa incana <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) DC. in die Gattung Berteroa.<ref name="DC1821" /><ref name="FoC2001" /><ref name="FoNA2010" />

Die Art Berteroa incana gehört zur Gattung Berteroa aus Tribus Alysseae innerhalb der Familie der Brassicaceae.<ref name="GRIN" />

Trivialnamen

Als weitere Bezeichnung für die Graukresse ist für Schlesien auch der Name weiße Wegekresse belegt.<ref name="Pritzel-Jessen1882" />

Verwendung

Das aus den Samen gewonnene „Kresseöl“ wird lokal als Speiseöl oder als technisches Öl genutzt.<ref name="Düll2011" />

Inhaltsstoffe und Toxizität

Graukresse weist einen mäßigen Gehalt an antioxidativ wirksamen Polyphenolen auf, darunter hauptsächlich Isoquercetin, Quercetin, Sinapinsäure und Ferulasäure.<ref>Oana Ungureanu, Florentina Gatea, Ana Maria Seciu, Eugenia Dumitra Teodor, Isabela Madalina Nicorescu, Gabriel Lucian Radu: A bioanalytical approach of chemical composition, bioactivity and cytotoxicity of Berteroa incana L. herb. In: Natural Product Research. Band 32, Nr. 23, 2. Dezember 2018, S. 2791–2796, doi:10.1080/14786419.2017.1380014.</ref> Wie für Kreuzblütler typisch enthält die Graukresse Senfölglycoside, die auch für den hohen Schwefelgehalt der Pflanzen verantwortlich sind. Der Schwefelgehalt in Graukresse ist selbst für Kreuzblütler ungewöhnlich hoch.<ref name="Warwick2006" /><ref name="Warwick2006">S. I. Warwick, A. Francis: The Biology of Invasive Alien Plants in Canada. 6. Berteroa incana (L.) DC. In: Canadian Journal of Plant Science. Band 86, Nr. 4, 10. Oktober 2006, S. 1297–1309, doi:10.4141/P06-030.</ref> Konkret wurden in den Samen die Senfölglycoside Glucoberteroin und Glucoalyssin nachgewiesen.<ref name="Markgraf1958" /><ref name="Warwick2006" /> Einer anderen Studie zufolge enthält die Pflanze die Senfölglycoside Glucoberteroin, Sinalbin und Glucotropaeolin.<ref>Anders Kjær, Ivan Larsen, Rolf Gmelin, Harald Prydz: isoThiocyanates. XIV. 5-Methylthiopentyl isoThiocyanate, a New Mustard Oil Present in Nature as a Glucoside (Glucoberteroin). In: Acta Chemica Scandinavica. Band 9, 1955, S. 1311–1316, doi:10.3891/acta.chem.scand.09-1311.</ref>

In größeren Mengen, also wenn die Pflanze mindestens 30 % der Nahrung ausmacht, wirkt es toxisch auf Pferde. Dabei zeigt sich insbesondere eine hämolytische Wirkung, die auch zum Tode führen kann.<ref name="Parkinson2017">Hilary Parkinson, Jane Mangold: Biology, Ecology and Management of Hoary Alyssum (Berteroa incana L.). In: MSU Extension | Montana State University. 2017, abgerufen am 20. Oktober 2024.</ref>

Quellen

Literatur

Einzelnachweise

<references> <ref name="GRIN"> Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="FloraWeb"> Berteroa incana (L.) DC., Graukresse. auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="InfoFlora"> Berteroa incana (L.) DC. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="Oberdorfer2001"> </ref> <ref name="Düll2005"> </ref> <ref name="ExFÖLS"> </ref> <ref name="Düll2011"> </ref> <ref name="SpPl"> Carl von Linné: Species Plantarum. Band 2, Lars Salvius, Stockholm 1753, S. 650 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3Dhttp%3A%2F%2Fwww.biodiversitylibrary.org%2Fopenurl%3Fpid%3Dtitle%3A669%26volume%3D2%26issue%3D%26spage%3D650%26date%3D1753~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D). </ref> <ref name="DC1821"> Augustin Pyrame de Candolle: Regni vegetabilis systema naturale, sive Ordines, genera et species plantarum secundum methodi naturalis normas digestarum et descriptarum. Band 2. Treuffel & Würtz, Paris 1821, S. 291 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3Dhttp%3A%2F%2Fwww.biodiversitylibrary.org%2Fpage%2F39512133~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D). </ref> <ref name="Pritzel-Jessen1882"> Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, S. 23, eingescannt. </ref> <ref name="FoC2001"> Tai-yien Cheo, Lianli Lu, Guang Yang, Ihsan Al-Shehbaz, Vladimir Dorofeev: Berteroa. In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven (Hrsg.): Flora of China, Volume 8: Brassicaceae through Saxifragaceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis, 2001, ISBN 0-915279-93-2 Berteroa incana (Linnaeus) de Candolle. S. 65 - textgleich online wie gedrucktes Werk. </ref> <ref name="FoNA2010"> Ihsan A. Al-Shehbaz: Berteroa. In: Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico, Volume 7: Magnoliophyta: Salicaceae to Brassicaceae, Oxford University Press, New York und Oxford, 2010, ISBN 978-0-19-531822-7. Berteroa incana (Linnaeus) de Candolle. S. 253 - textgleich online wie gedrucktes Werk. </ref> <ref name="Markgraf1958"> Friedrich Markgraf: Familie Cruciferae. In: Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 2. Auflage, Band IV, Teil 1, S. 292–293. Verlag Carl Hanser, München 1958. </ref> <ref name="Rothmaler2021"> Frank Müller, Christiane M. Ritz, Erik Welk, Karsten Wesche (Hrsg.): Gefäßpflanzen: Grundband (= Rothmaler – Exkursionsflora von Deutschland. Begründet von Werner Rothmaler †. Band 2). 22. Auflage. Springer Spektrum, Berlin 2021, ISBN 978-3-662-61010-7, S. 551. </ref> <ref name="CABI"> Datenblatt Berteroa incana bei CABI Compendium, November 2021. </ref> <ref name="InvasiveOrg"> Steckbrief mit Fotos von Hoary False Madwort - Berteroa incana (L.) DC. Weed of the Week PDF. </ref> </references>

Weblinks

Commons: Graukresse (Berteroa incana) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien