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Acker-Hellerkraut

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Acker-Hellerkraut
Datei:Acker-Hellerkraut Thlaspi arvense 5 11.jpg

Acker-Hellerkraut (Thlaspi arvense)

Systematik
Rosiden
Eurosiden II
Ordnung: Kreuzblütlerartige (Brassicales)
Familie: Kreuzblütler (Brassicaceae)
Gattung: Hellerkräuter (Thlaspi)
Art: Acker-Hellerkraut
Wissenschaftlicher Name
Thlaspi arvense
L.

Das Acker-Hellerkraut<ref name="FloraWeb" /> (Thlaspi arvense), auch als Acker-Täschelkraut, Acker-Pfennigkraut oder Ackertäschel bezeichnet, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Hellerkräuter (Thlaspi) innerhalb der Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae).<ref name="Euro+Med" /><ref name="Brassibase" />

Beschreibung

Vorlage:Hinweisbaustein

Datei:206 Thlaspi arvense.jpg
Illustration
Datei:Thlaspi arvense20100426 14.jpg
Blüte im Detail
Datei:Thlaspi arvense sl1.jpg
Fruchtstand mit Schötchen
Datei:Thlaspi arvense 15-p.bot-thlas.arve-50.jpg
Schötchen und Samen
Datei:Thlaspi arvense20100622 28.jpg
Samen

Vegetative Merkmale

Das Acker-Hellerkraut wächst meist als einjährige krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 10 bis 40 Zentimetern. Alle oberirdischen Pflanzenteile sind kahl, gelbgrün und riechen beim Zerreiben deutlich nach Knoblauch. Der aufrechte Stängel ist meist verzweigt und kantig.

Die Laubblätter, mit Ausnahme der untersten, sind sitzend und pfeilförmig stängelumfassend. Die Blattspreiten sind länglich bis schmal-verkehrt-eiförmig, ganzrandig oder gezähnt.

Generative Merkmale

Das Acker-Hellerkraut blüht vorwiegend von April bis Juni, gelegentlich auch bis September. In einem anfangs schirmtraubigen, später durch deutliche Streckung der Blütenstandsachse bis zur Fruchtreife, traubigen Blütenstand stehen viele Blüten zusammen.

Die zwittrige Blüte ist vierzählig mit doppelter Blütenhülle. Die vier Kelchblätter sind bei einer Länge von 2 bis 2,5 Millimetern elliptisch. Die vier weißen Kronblätter sind bei einer Länge von 3 bis 5 Millimetern länglich-keilförmig mit gerundetem bis schwach ausgerandetem oberem Ende. Es sind sechs Staubblätter vorhanden.

Der 7 bis 15 Millimeter lange Fruchtstiel ist fast waagerecht abstehend. Die Schötchen sind bei einer Länge von 12 bis 18 Millimeter fast kreisrund und ringsum breit geflügelt. Sie sind stark abgeflacht und besitzen am oberen Ende einen tiefen, sehr schmalen Einschnitt. Der Griffel ist nur 0,3 bis 0,5 Millimeter lang. Pro Samenfach enthält das Schötchen vier bis sieben Samen. Die dunkelbraune Samen sind bogig gerieft und bei einer Länge von 1,5 bis 2 Millimetern ellipsoid.<ref name="Markgraf1958" />

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 14.<ref name="Oberdorfer2001" />

Ökologie

Vorlage:Hinweisbaustein Das Acker-Hellerkraut ist eine einjährige, sommer- oder winterannuelle Pflanzenart, die bis 50 Zentimeter tief wurzelt<ref name="Oberdorfer2001" /> und vielleicht deshalb relativ unempfindlich gegen Herbizide ist. Beim Zerreiben entweicht den Laubblättern ein leichter Geruch nach Lauch.

Die Blüten sind homogame bis vorweibliche „Nektar führende Scheibenblumen“. Der Insektenbesuch ist spärlich. Meist erfolgt spontane Selbstbestäubung. Typisch ist, dass an den langen Blüten-/Fruchtständen oben neue Blüten angelegt werden, während unten die ersten Früchte bereits reif sind.

Fruchtreife ist von Mai bis November. Die breit gesäumten rundlichen Schötchen dienen als Windfang. Die Ausbreitung der Diasporen erfolgt als Wind- und Tierstreuer sowie als Regenballist. Menschenausbreitung vollzieht sich bei der Trittausbreitung des Samen mit Ackererde und durch ihre Verschleppung mit Erntegeräten. Die Samen sind reich an fettem Öl und bis über 30 Jahre keimfähig.

Vorkommen

Thlaspi arvense ist in weiten Teilen Europas und von Westasien bis Ostasien und auf dem indischen Subkontinent verbreitet.<ref name="GRIN" /> Es gibt Fundortangaben für Österreich, Liechtenstein, die Schweiz, Italien, Monaco, Frankreich, Andorra, Spanien, Gibraltar, Portugal, Luxemburg, Belgien, die Niederlande, das Vereinigte Königreich, Dänemark, Schweden, Estland, Lettland, Litauen, Russland, die Ukraine, die Krim, Moldawien, Ungarn, Slowenien, Kroatien, Serbien, Kosovo, Bosnien und Herzegowina, Montenegro, Rumänien, Albanien, Bulgarien, Nordmazedonien, Griechenland, Inseln in der östlichen Ägäis und die Türkei.<ref name="Euro+Med" /> Als Neophyt kommt es auch in der Neuen Welt, in Afrika, Australien und Neuseeland vor.<ref name="GRIN" /> In Mitteleuropa kommt es verbreitet und häufig vor. In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist das Acker-Hellerkraut verbreitet und häufig; wobei es in Deutschland ein Neophyt ist. In den Allgäuer Alpen steigt sie im Kleinwalsertal nahe der Bergstation der Kanzelwandbahn bis zu 1940 Meter auf.<ref name="Dörr-Lippert2001" />

Das Acker-Hellerkraut wächst in Ackerunkrautgesellschaften, aber auch in Ruderalfluren und auf Schuttplätzen. Es gedeiht meist auf nährstoffreichen, humosen, insbesondere lehmigen Böden. Es ist in Mitteleuropa eine Charakterart des Fumario-Euphorbion-Verbands, kommt wenn auch seltener in Pflanzengesellschaften des Verbands Sisymbrion oder der Klasse Secalietea vor.<ref name="Oberdorfer2001" />

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 3w (mäßig feucht aber mäßig wechselnd), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 3+ (unter-montan und ober-kollin), Nährstoffzahl N = 4 (nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental).<ref name="InfoFlora" />

Taxonomie

Die Erstveröffentlichung von Thlaspi arvense erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus II, S. 646.<ref name="Euro+Med" /><ref name="Brassibase" />

Namensherkunft

Der Name „Hellerkraut“ bzw. „Pfennigkraut“ leitet sich von den rundlichen Schötchen ab, die an kleine Münzen erinnern.

Verwendung und Inhaltsstoffe

Acker-Hellerkraut ist gekocht oder roh essbar. Es hat einen bitteren Geschmack, der durch Dünsten abgeschwächt werden kann. Bei übermäßiger Verfütterung an Legehühner entstehen Graseier.<ref name="Großfeld2013" />

Frische grüne Pflanzenteile und die Samen enthalten Sinigrin, bei dessen enzymatischer Spaltung ein ätherisches Öl mit Allylisothiocyanat und Allylthiocyanat entsteht.<ref name="Markgraf1958" />

Literatur

  • Henning Haeupler, Thomas Muer: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands (= Die Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Band 2). Herausgegeben vom Bundesamt für Naturschutz. Ulmer, Stuttgart 2000, ISBN 3-8001-3364-4.
  • Wolfgang Adler, Karl Oswald, Raimund Fischer: Exkursionsflora von Österreich. Hrsg.: Manfred A. Fischer. Ulmer, Stuttgart/Wien 1994, ISBN 3-8001-3461-6.
  • August Binz, Christian Heitz: Schul- und Exkursionsflora für die Schweiz. Schwabe & Co. AG, Basel 1986, ISBN 3-7965-0832-4.
  • Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora. Ulmer Verlag, Stuttgart 1990, ISBN 3-8001-3454-3.
  • Christian August Friedrich Garcke: Illustrierte Flora. Verlag Paul Parey, 1972, ISBN 3-489-68034-0.
  • Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. Die häufigsten mitteleuropäischen Arten im Portrait. 7., korrigierte und erweiterte Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01424-1.

Einzelnachweise

<references> <ref name="GRIN"> Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="InfoFlora"> Thlaspi arvense L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="FloraWeb"> Thlaspi arvense L., Acker-Hellerkraut. auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="Großfeld2013"> J. Großfeld: Handbuch der Eierkunde. Springer-Verlag, 2013, ISBN 978-3-642-91633-5, S. 54. </ref> <ref name="Oberdorfer2001"> Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Stuttgart, Verlag Eugen Ulmer, 2001, ISBN 3-8001-3131-5. S. 448. </ref> <ref name="Dörr-Lippert2001"> Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 1, IHW, Eching 2001, ISBN 3-930167-50-6, S. 614. </ref> <ref name="Markgraf1958"> Friedrich Markgraf: Familie Cruciferae. S. 366–367. In: Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 2. Auflage, Band IV, Teil 1, Verlag Carl Hanser, München 1958. </ref> <ref name="Euro+Med"> Karol Marhold, 2011+: Brassicaceae. Datenblatt Thlaspi arvense In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. </ref> <ref name="Brassibase"> M. A. Koch et al.: Datenblatt Thlaspi arvense bei BrassiBase - Tools and biological resources to study characters and traits in the Brassicaceae der Uni Heidelberg. </ref> </references>

Weblinks

Commons: Acker-Hellerkraut (Thlaspi arvense) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien