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Franz von Holstein

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Franz von Holstein (1874)

Friedrich Franz von Holstein (* 16. Februar 1826 in Braunschweig; † 22. Mai 1878 in Leipzig) war ein deutscher Komponist.

Leben

Er war der Sohn des aus alter mecklenburgischer Adelsfamilie stammenden herzoglich braunschweigischen Oberst und Kriegsrats Werner von Holstein (1784–1857) und dessen Ehefrau Alwine Engelbrecht.<ref name="Hergemöller"> Bernd-Ulrich Hergemöller, Mann für Mann. Biographisches Lexikon zur Geschichte von Freundesliebe und männlicher Sexualität im deutschen Sprachraum, MännerschwarmSkript-Verlag, Hamburg 1998, ISBN 3-928983-65-2. Überarbeitete Taschenbuchausgabe: Suhrkamp, Frankfurt 2001, ISBN 3-518-39766-4. S. 371 f.</ref> Als strenger Soldat und Aristokrat verlangte der Vater unerbittlich von seinem Sohn – trotz dem früh erwachenden musikalischen Talent – dass dieser ebenfalls die Militärlaufbahn einzuschlagen habe. Mit 16 Jahren trat er in das Braunschweiger Kadettenhaus ein. Sein Lehrer Wolfgang Robert Griepenkerl unterstützte ihn, auch seiner musikalischen Neigung gerecht zu werden.<ref>Fürstenau, Moritz, "Holstein, Friedrich Franz von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 13 (1881), S. 1–2 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11942911X.html#adbcontent </ref>

Am 6. Oktober 1845 trat Holstein als Sekondeleutnant in das Infanterie-Regiment ein und nahm 1848/49 am Feldzug gegen Dänemark teil. Als Premierleutnant folgte ab 18. März 1850 seine Verwendung als Adjutant des 2. Landwehr-Bataillons, bis Holstein schließlich am 11. März 1853 seinen Abschied nahm.

Bereits während seiner Offiziersausbildung komponierte er die Oper Zwei Nächte in Venedig sowie Lieder und Balladen. 1853 kam er nach Leipzig, wo er bei Moritz Hauptmann Kontrapunkt studierte und Klavierunterricht bei Ignaz Moscheles hatte. 1854 lernte er die Leipziger Sängerin, Philanthropin und Mäzenatin Hedwig Salomon (1822–1897), Tochter des Stadtrats Rudolf Julius Salomon kennen. Sie unterstützte ihn durch eine anonyme Geldspende, sodass er sein Kompositionsstudium fortführen konnte. Sie heirateten am 4. September 1855 in der Nikolaikirche. Nun konnte von Holstein finanziell abgesichert seinen kompositorischen Intensionen nachgehen. Nach Aufenthalten des Ehepaar Holstein in Rom, Berlin und Paris übernahm Franz von Holstein 1859 in Leipzig die Leitung der Bach-Gesellschaft und war Gründungsmitglied des Bach-Vereins. Im Jahr 1866 vollendete er seine Oper Der Haideschacht, für die Hedwig zunächst eine Privataufführung organisierte, bei der sie, ihre Schwester Elisabeth Seeburg (1817–1888) und Livia Frege Solopartien sangen. Neben drei Opern schrieb er zwei Ouvertüren, eine Kantate, kammermusikalische Werke und Klavierstücke und hatte einen hervorragenden Ruf als Liedkomponist.

Holstein unterhielt enge, zum Teil schwärmerische Freundschaften zu Intellektuellen und Künstlern, u. a. zu Albert von Zahn, Wilhelm Henzen und Heinrich Bulthaupt und maß diesen Freundschaften einen großen Wert zu. Der Versuch, den damals 19-jährigen Schauspieler Joseph Kainz 1877 zu adoptieren, scheiterte am Einspruch von dessen Eltern.<ref name=":0">In het Panhuis, Erwin: War Franz von Holstein tatsächlich homosexuell? In: queer.de. Februar 2026, abgerufen im Februar 2026.</ref> Mit seinem ersten Kompositionslehrer, dem anfangs schwärmerisch verehrten Organisten Karl Richter, blieb er lebenslang in Kontakt.

Posthum wurde Holsteins sexuelle Orientierung Gegenstand der Diskussion. Ausgelöst wurde diese durch zwei Artikel des Musikwissenschaftlers und Aktivisten der frühen Homosexuellenbewegung, Richard Meienreis, in Publikationen von Magnus von Hirschfeld aus den Jahren 1908 und 1923, teilweise gestützt durch Aussagen Wilhelm Henzens. Meienreis greift in der zweiten Publikation vor allem die von Heinrich Bulthaupt verfasste Biographie Holsteins an und kritisiert, dass Bulthaupt, den er ebenfalls als Homosexuellen kategorisiert, von Holsteins „urnischer Veranlagung nicht nur nichts verlauten läßt, sondern alle Spuren davon geflissentlich verwischt.“<ref name=":0" /> Bulthaupt selber schreibt im Zusammenhang mit seiner Biographie 1895 in einem Brief an Hedwig von Holstein sehr unspezifisch von einem „leisen Schleier, den ich über das Bild gehängt“.<ref></ref>

In den publizierten Briefen mit Bulthaupt thematisieren beide Freunde wiederholt ihr Bedürfnis nach einem "intimen geistigen Verkehr". Holsteins Operntexte und die darin thematisierten Beziehungsmuster (geschwisterliche Liebe, Freundesliebe) bedürfen noch einer genaueren textkritischen Untersuchung. Insbesondere der „Haideschacht“ spiegelt nach Aussage des Komponisten inneres Erleben wider.<ref></ref>

Erhaltene Briefe und Tagebücher aus dem Nachlass Hedwig von Holsteins zeigen, dass seine Frau an engen Freundschaften ihres Mannes keinen Anstoß nahm, diese beförderte und in ihr Leben integrierte. Mit Bulthaupt blieb sie auch nach dem Tode ihres Mannes zeitlebens in freundschaftlichem Kontakt.<ref></ref>

Holstein wurde auf dem Neuen Johannisfriedhof (jetzt Lapidarium Alter Johannisfriedhof) in Leipzig beigesetzt. In Leipzig errichtete seine Frau Hedwig die Holstein-Stiftung, eine Stiftung zur Unterstützung unbemittelter Musikschüler.

Werke

Ehrung

  • 1907 wurde im Leipziger Stadtteil Reudnitz die Holsteinstraße nach ihm benannt.

Literatur

  • Bernd-Ulrich Hergemöller, Mann für Mann. Biographisches Lexikon zur Geschichte von Freundesliebe und männlicher Sexualität im deutschen Sprachraum, MännerschwarmSkript-Verlag, Hamburg 1998, ISBN 3-928983-65-2. Überarbeitete Taschenbuchausgabe: Suhrkamp, Frankfurt 2001, ISBN 3-518-39766-4. S. 371 f.
  • Peter Ackermann: Zwischen Musikdrama und Spieloper. Franz von Holsteins musikalische Bühnenwerke. In: Deutsche Oper zwischen Wagner und Strauss. S. Döhring (Hrsg.), Chemnitz 1998. S. 37–46.
  • Moritz FürstenauHolstein, Friedrich Franz von. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 13, Duncker & Humblot, Leipzig 1881, S. 1 f.
  • Gerhart Glaser: Franz von Holstein. Ein Dichterkomponist des 19. Jahrhunderts. Leipzig 1930. (Dissertation)
  • Hedwig von Holstein: Eine Glückliche (aus ihren Briefen und Tagebuchblättern). Verlag Haessel, Leipzig 1901, Nachdruck Kessinger Publishing 20110, ISBN 978-1-161-30711-5 (Digitalisat der Ausgabe von 1901)
  • von Kortzfleisch: Geschichte des Herzoglich Braunschweigischen Infanterie-Regiments und seiner Stammtruppen 1809–1867. Druck und Verlag von Albert Limbach. Braunschweig 1896. S. 429.
  • Michael Märker, Willi Kahl: Holstein, Franz von. In: Ludwig Finscher (Hrsg.): Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Zweite Ausgabe, Personenteil, Band 8 (Gribenski – Hilverding). Bärenreiter/Metzler, Kassel u. a. 2002, ISBN 3-7618-1118-7 (Online-Ausgabe, für Vollzugriff Abonnement erforderlich)

Weblinks

Commons: Franz von Holstein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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