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Wie ein wilder Stier

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Wie ein wilder Stier (Originaltitel Raging Bull) ist ein hauptsächlich in Schwarz-Weiß gedrehtes US-amerikanisches Boxerdrama von Martin Scorsese über Aufstieg und Niedergang des Boxers Jake LaMotta.

Während das Werk bei seiner Premiere 1980 wegen Sprache und Gewaltdarstellung auch kritisch kommentiert wurde, zählt Wie ein wilder Stier heute zu den angesehensten Filmen des amerikanischen Kinos. So tauchte der Film nicht nur 1992 auf Platz zwei der Regisseur-Liste des Sight & Sound auf, sondern auch auf dem vierten Platz der 2007er Liste des American Film Institute. 1990 wurde er ins National Film Registry aufgenommen und wurde ferner von wichtigen Kritikern wie Roger Ebert als einer der besten Filme der 1980er Jahre und überhaupt bezeichnet.<ref name="ebert">rogerebert.com</ref>

Handlung

„That’s entertainment“. Mit diesen Worten bereitet sich der ehemalige Boxer Jake LaMotta 1964 auf einen Auftritt als Entertainer vor.

1941: Jake LaMotta und sein Bruder Joey haben sich zum Ziel gesetzt, dass Jake Weltmeister im Mittelgewicht werden soll. Sie leben im rauen Stadtteil Bronx in New York.

Jake lernt durch Joey an einem Swimmingpool die minderjährige Vickie kennen und geht eine Beziehung mit ihr ein. Seine Ehe mit Irma ist zu diesem Zeitpunkt bereits zerrüttet. Nach endlosen Streitereien mit ihr lässt er sich schließlich von Irma scheiden und heiratet 1945 Vickie.

In der Bronx hat der örtliche Mafiaboss Tommy Como beträchtlichen Einfluss. Como kontrolliert auch die Boxkämpfe im Mittelgewicht, weshalb Joey Jake dazu drängt, mit der Mafia ein Zweckbündnis einzugehen: Jake macht bei dem Wettbetrug mit und bekommt den Kampf um den Weltmeistertitel, nachdem er im November 1947 weisungsgemäss den Kampf gegen Billy Fox verloren hat.

Am 15. Juni 1949 gewinnt er gegen Marcel Cerdan durch einen technischen K. o. und erringt dadurch den Weltmeistertitel im Mittelgewicht. Die Verteidigung des Titels fällt ihm jedoch schwer, da er sich in der Vorbereitungszeit gehen lässt und zunehmend Fett ansetzt. Jake entwickelt eine krankhafte und unbegründete Eifersucht betreffend Vickie und glaubt, sie betrüge ihn. Als diese ihm entnervt an den Kopf wirft, sie habe Verhältnisse mit seinem Bruder und der halben Nachbarschaft, fühlt sich Jake in seinem Misstrauen bestätigt. Er verprügelt Joey und schlägt Vickie nieder. Die Versöhnung mit seinem Bruder scheitert. Schließlich verliert er 1951 seinen Weltmeistertitel gegen Sugar Ray Robinson. In diesem Kampf nimmt er die Schläge des Gegners am Rande der Bewusstlosigkeit und ohne Deckung hin.

Nach dem Ende seiner Karriere als Boxer zieht Jake – mittlerweile schwer übergewichtig – nach Florida und wird Besitzer einer Bar, in der er auch als Conférencier mit schlüpfrigen Ansagen auftritt. Vickie lässt sich von ihm scheiden. Da Minderjährige in seiner Bar verkehren und er diese mit anderen Männern verkuppelt, landet Jake im Gefängnis. Der Tiefpunkt seines Lebens ist erreicht. Nach dem Verbüßen seiner Strafe versöhnt sich Jake mit seinem Bruder. Jake wird Entertainer – eine Art Stand-up-Comedian. Bei der Vorbereitung auf einen Auftritt rezitiert Jake die berühmte Rede Marlon Brandos aus der Taxi-Szene des Filmklassikers Die Faust im Nacken.

Hintergrund

Jake LaMotta Robert De Niro Christian Brückner
Joey La Motta Joe Pesci Hartmut Neugebauer
Vickie La Motta Cathy Moriarty Angelika Bender
Salvy Batts Frank Vincent Herbert Weicker
Tommy Como Nicholas Colasanto Wolf Ackva
Irma Lori Anne Flax Marion Hartmann
Patsy Frank Adonis Leo Bardischewski
Mario Mario Gallo Arnim André
Guido Joseph Bono Thomas Rau
Komiker Bernie Allen Erik Schumann

De Niro setzte sich selbst für die Entstehung des Films ein, da er von der Figur des Jake LaMotta fasziniert war. Gegen den anfänglichen Widerstand von Regisseur Martin Scorsese, der von sich selbst meinte, kein Sportfan zu sein und auch Boxen für langweilig hielt,<ref name="Biskind p378">Biskind, Peter Easy Riders, Raging Bulls 1998, Seite 378.</ref> setzte sich De Niro am Ende mit seiner Idee durch.<ref name="Friedman p115">Friedman Lawrence S. The Cinema of Martin Scorsese, 1997, Seite 115.</ref> Auch die Drehbucharbeiten gingen nicht ganz reibungslos vonstatten. So war es diesmal De Niro, dem die Mitarbeit von Mardik Martin nicht recht war.<ref name="Biskind pp384-385">Biskind, Peter Easy Riders, Raging Bulls Seite 384–385</ref> Erst als Paul Schrader hinzugezogen wurde, gingen die Arbeiten voran.<ref name="Biskind p379">Biskind, Peter Easy Riders, Raging Bulls 1998, Seite 379.</ref> Scorsese und De Niro verbrachten zweieinhalb Wochen auf der Insel Saint Martin, um das Drehbuch und den Inhalt des Films umfassend neu aufzubauen.<ref name="Biskind p389">Biskind, Peter, Easy Riders, Raging Bulls, 1998, Seite 389.</ref>

Die Rollen besetzte Scorsese teilweise mit Schauspielern, die damals noch wenig bekannt waren. Unter anderem wurde für die Rolle von LaMottas Bruder Joey Joe Pesci ausgewählt.<ref name="Evans p65">Evans, Mike The Making of Raging Bull, Seite 65.</ref> Der damals ebenfalls noch unbekannte Schauspieler John Turturro hat im Film als Gast des Clubs Webster Hall einen Kurzauftritt.

Für die fachliche Beratung stand Jake LaMotta selbst zur Verfügung und begleitete das Boxtraining von De Niro. LaMotta bescheinigte De Niro einiges an Talent in Sachen Boxen.<ref name="Total Film pp180-181" />

Die Dreharbeiten für den Film begannen damit, dass Scorsese einige 8-mm-Farbaufnahmen drehte, in denen De Niro in einem Ring boxte. Dabei kam zutage, dass die Farbe der Handschuhe zu Jake LaMottas aktiven Zeiten nur kastanienbraun oder sogar schwarz gewesen waren. Scorsese beschloss, dies als einen der Gründe zu nutzen, den Film in Schwarzweiß zu drehen.<ref name="Total Film pp180-181">Total Film, The 100 greatest films of all time, Seite 180–181.</ref> Des Weiteren bestand Scorsese darauf, die Kamera direkt im Boxring zu platzieren, um die passenden Effekte einzufangen. De Niro musste derweil sein Gewicht von 66 auf 97 kg bringen, um der Rolle gerecht zu werden.<ref name="Baxter pp196-201">Baxter, John De Niro A Biography Seite 196–201.</ref>

Als musikalische Unterlegung des Vor- und Abspanns wurde das Intermezzo der italienischen Oper Cavalleria rusticana verwendet.

Die deutsche Synchronfassung entstand im Jahre 1980 nach Dialogbuch und Dialogregie von Ivar Combrinck.<ref>Wie ein wilder Stier. In: Deutsche Synchronkartei. Abgerufen am 8. Februar 2021.</ref>

Paula Petrella, Erbin von Frank Petrello, dessen Werke angeblich Quellen für den Film waren, reichte 2009 eine Urheberrechtsverletzung ein. Im Jahr 2014 entschied der Oberste Gerichtshof zunächst gegen Metro-Goldwyn-Mayer und wies den Fall an die Vorinstanz zurück.<ref>Der Oberste Gerichtshof erlaubt der „Raging Bull“-Erbin, MGM auf Urheberrechtsschäden zu verklagen bei hollywoodreporter.com, abgerufen am 27. Januar 2023.</ref> MGM einigte sich 2015 mit Petrella.<ref>Ein am Freitag vor Gericht angekündigter Deal beendet einen Kampf, der mehr als zwei Jahrzehnte gedauert hat. bei web.archive.org., abgerufen am 27. Januar 2023.</ref>

Historische Ungenauigkeiten

In der ersten Kampfszene Jake La Motta gegen Jimmy Reeves gewinnt Jimmy Reeves einstimmig. In Wahrheit endete der Kampf aber mit einer SD (Split Decision), sprich einer 2 zu 1 Wertung für Jimmy Reeves.<ref>boxrec.com Motta gegen Reeves bei boxrec.com</ref>

Rezeption

Kritik

Quelle Bewertung
Rotten Tomatoes (Tomatometer) Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 273: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)<ref name="rotten tomatoes">Wie ein wilder Stier. In: Rotten Tomatoes. Fandango, abgerufen Format invalid (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value), aggregiert aus Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 273: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) Kritiken).</ref>
Metacritic (Metascore) Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 273: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)<ref name="metacritic">Wie ein wilder Stier. In: Metacritic. Abgerufen Format invalid (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value), aggregiert aus Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 273: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) Kritiken).</ref>
AllMovie SternsymbolSternsymbolSternsymbolSternsymbolSternsymbol<ref>Vorlage:AllMovie</ref>
Lexikon des internationalen Films SternsymbolSternsymbolSternsymbolSternsymbolSternsymbol<ref name="ldif" />
Roger Ebert SternsymbolSternsymbolSternsymbolSternsymbol<ref name="ebert" />
They Shoot Pictures, Don’t They? #35<ref name="tspdt" />

Wie ein wilder Stier gilt als Meisterwerk, was sich auch in den Auswertungen US-amerikanischer Aggregatoren widerspiegelt. So erfasst Rotten Tomatoes fast ausschließlich wohlwollende Besprechungen und ordnet den Film damit als „Verbrieft Frisch“ ein.<ref name="rotten tomatoes" /> Metacritic ermittelt aus den vorliegenden Bewertungen „Einhelliges Lob“.<ref name="metacritic" />

„Meisterhafte filmische Biografie des ehemaligen Boxweltmeisters im Mittelgewicht Jake La Motta. Regisseur Scorsese nimmt die zwischen 1941 und 1964 in Episoden verlaufende Geschichte zum Anlaß für die psychologische Studie eines selbstzerstörerischen und gewalttätigen Menschen, beschreibt dabei aber auch das soziale Umfeld, ‚Little Italy‘, das italienische Einwandererviertel von New York. Vor allem durch die kompromißlos harten Kampfszenen und die brillante Interpretation Robert de Niros erreicht der Film eine beklemmende Intensität.“

Lexikon des internationalen Films<ref name="ldif">Wie ein wilder Stier. In: Lexikon des internationalen Films. Filmdienst, abgerufen am 26. April 2017.</ref>

In der Zeit schrieb Hans-Christoph Blumenberg, der „düstere Film“ handele von einem „kaputten Macho“. Begleitet werde die „langsame Selbstzerstörung“ von „grandioser Schicksalsmusik“ und ungeschönten Milieustudien.<ref>Hans-Christoph Blumenberg: Gegenschuß. Texte über Filmemacher und Filme 1980–1983 (= Fischer Cinema. Nr. 3692). 7.–8. Tsd. Auflage. Fischer Taschenbuchverlag, Frankfurt am Main 1984, ISBN 3-596-23692-4, Zeit der Niederschläge, S. 126–129 (zuerst in: Die Zeit, Nr. 13 vom 20. März 1981).</ref>

Wie ein wilder Stier zählt wohl zu Scorseses gründlichsten Ausarbeitungen einer Thematik, die ihn in vielen seiner Filme beschäftigt: bestimmte Formen von Maskulinität und damit assoziierte männliche Werte. Von all dem hat Jake La Motta auch eine eigene Vorstellung, und an dieser hält er verzweifelt fest, selbst als er von einem gefeierten Boxchampion zu einem fetten, eher relativ erfolgreichen Stand-Up Comedian degeneriert.“

– <templatestyles src="Person/styles.css" />Katharina Stumm: Critic.de<ref>Kurzkritik auf Critic.de</ref>

Anerkennung bei Umfragen

Bei einer Umfrage unter Filmkritikern wurde Wie ein wilder Stier zum besten Film der 80er-Jahre erklärt.<ref>Filme, Oscars und Millionen. Axel Springer SE, 18. September 2009, abgerufen am 2. Dezember 2018.</ref> Im November 2002 wurde der Film bei einer anderen Umfrage – dieses Mal ging es um den besten Film des letzten Vierteljahrhunderts – von 50 britischen Filmkritikern und -autoren auf den zweiten Platz gewählt hinter Francis Ford Coppolas Vietnam-Kriegsfilm Apocalypse Now.<ref>Apocalypse Now voted best movie. BBC News, 8. November 2002, abgerufen am 2. Dezember 2018 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

In beiden vom American Film Institute herausgegebenen Listen der 100 besten amerikanischen Filme aller Zeiten ist Wie ein wilder Stier vertreten: In der Ausgabe 1998 auf Position 24 und in der Ausgabe 2007 auf Platz 4. Und im Jahr 2008 führte der Film ihre Top 10 Sportfilme aller Zeiten an.<ref>Top 10 Sports. American Film Institut, abgerufen am 2. Dezember 2018 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Des Weiteren erreichte er Platz 51 der besten 100 Thriller aller Zeiten, die das American Film Institute ebenfalls zusammenstellte.

Insgesamt listet They Shoot Pictures, Don’t They? Wie ein wilder Stier unter den 100 angesehensten Werken der Filmgeschichte.<ref name="tspdt">The 1,000 Greatest Films (by Ranking). In: They Shoot Pictures, Don’t They? 2025, abgerufen am 17. Oktober 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Der Publikumszuspruch ist ebenfalls ungebrochen. So setzen ihn die Nutzer der Filmdatenbank IMDb auf Platz 178 ihrer Top 250 beliebtesten Filme.<ref>Top 250 Movies. In: IMDb. Amazon, abgerufen am 17. Oktober 2025 (Wertung SternsymbolSternsymbolSternsymbolSternsymbolSternsymbolSternsymbolSternsymbolSternsymbolSternsymbolSternsymbol).</ref>

Auszeichnungen

Der Film erhielt folgende Auszeichnungen und Nominierungen:

Oscarverleihung 1981

Golden Globe Awards 1981

Weiterführende Informationen

Literatur

  • Dana Poppenberg, Gerhard Poppenberg: Martin Scorsese. Einführung in seine Filme und Filmästhetik. Paderborn 2018, ISBN 978-3-7705-5766-0, S. 93–99.
  • Jay Glennie: Raging Bull. The Making Of. Coattail Publications, Chelmsford 2021.

Weblinks

Belege

<references />

Vorlage:Klappleiste/Anfang Wer klopft denn da an meine Tür? | Die Faust der Rebellen | Hexenkessel | Alice lebt hier nicht mehr | Taxi Driver | New York, New York | Wie ein wilder Stier | The King of Comedy | Die Zeit nach Mitternacht | Die Farbe des Geldes | Die letzte Versuchung Christi | New Yorker Geschichten | GoodFellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia | Kap der Angst | Zeit der Unschuld | Casino | Kundun | Bringing Out the Dead – Nächte der Erinnerung | Gangs of New York | Aviator | Departed – Unter Feinden | Shutter Island | Hugo Cabret | The Wolf of Wall Street | Silence | The Irishman | Killers of the Flower Moon Vorlage:Klappleiste/Ende

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