Zum Inhalt springen

Bertha (Kent)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 4. Oktober 2024 um 13:26 Uhr durch imported>ElisabethMe (growthexperiments-addlink-summary-summary:1|1|0).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)

Bertha (auch Berta oder Bercta; * um 561/562; † zwischen 601 und 616/618<ref name="kirby25" />) war die Tochter des merowingischen Frankenkönigs Charibert I. und der Ingoberga. Bertha gilt als Heilige.

Leben

Datei:Queen Bertha - geograph.org.uk - 1450143.jpg
Modernes Standbild Berthas in Lady Wootton’s Gardens (Canterbury)

Um 580 heiratete die christliche Bertha den heidnischen Æthelberht I. von Kent. Gregor von Tours nannte Æthelberht in diesem Zusammenhang filius regis („Sohn des Königs“),<ref>Gregor von Tours: Historia Francorum (Geschichte der Franken) 9,26</ref> woraus Historiker schließen, dass sein Vater Eormenric zu dieser Zeit noch lebte und Æthelberht noch nicht König war. Während einige ein frühes Datum um 560 für Eormenrics Tod annehmen, gehen andere eher von der Zeit um 585/590 aus. Entsprechend unklar ist, ob der Heide Eormenric Gelegenheit hatte, auf die Brautwahl seines Sohnes Einfluss zu nehmen.<ref name="enc501">Simon Keynes: Kings of Kent. In: Lapidge et al. (Hrsg.): The Blackwell Encyclopaedia of Anglo-Saxon England. Wiley-Blackwell, Oxford u. a. 2001, ISBN 0-631-22492-0, S. 501–502.</ref> Æthelberht blieb zunächst Heide, war aber in religiöser Hinsicht tolerant und hinderte Bertha nicht an der Ausübung ihres Glaubens.<ref name="enc13">S. E. Kelly: Æthelberht. In: Michael Lapidge et al. (Hrsg.): The Blackwell Encyclopaedia of Anglo-Saxon England. Wiley-Blackwell, Oxford u. a. 2001, ISBN 0-631-22492-0, S. 13</ref> Aus dieser Ehe ging der Sohn Eadbald und vermutlich auch die Tochter Æthelburg hervor.<ref name="kirby25">D. P. Kirby: The Earliest English Kings. Routledge, 2000, ISBN 0-415-24211-8, S. 25–26.</ref> Der christlichen Legende nach soll auch Eadburh, Äbtissin von Liming, ihre Tochter gewesen sein.<ref name="dnb"></ref>

Sie brachte Bischof Liudhard als ihren Kaplan mit nach England<ref name="he1-25">Beda: HE 1,25</ref> und ließ in Canterbury eine Kirche wieder aufbauen, die aus der Zeit der römischen Besetzung datierte. Diese widmete sie dem heiligen Martin von Tours, einem der Hauptpatrone der fränkischen Königsfamilie;<ref>Beda: HE 1,26</ref> die heutige St Martin’s Church in Canterbury steht noch an der gleichen Stelle.

Augustinus landete 597 auf der Isle of Thanet. Der Einfluss von Bertha mag Æthelberht veranlasst haben, die Missionare, die Papst Gregor I. aus Rom sandte, willkommen zu heißen.<ref name="he1-25" /> Papst Gregor I. tadelte Bertha im Jahr 601 in einem Brief, sie würde die Bekehrung ihres Gatten vernachlässigen, was nahelegt, dass dessen Taufe nicht vor 601 geschehen sein kann.<ref>Ekkart Sauser: Ethelbert. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 18, Bautz, Herzberg 2001, ISBN 3-88309-086-7, Sp. 391–392.</ref> Im selben Brief (Gregor I., Ep XI,35) wurde sie jedoch für ihre Unterstützung von Augustinus’ Mission auch gelobt.<ref name="bbkl">Friedrich Wilhelm Bautz: Bertha, Königin von Kent. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 1, Bautz, Hamm 1975. 2., unveränderte Auflage. Hamm 1990, ISBN 3-88309-013-1, Sp. 549–549.</ref>

Bertha starb zwischen 601 und 616/618<ref name="kirby25" /> und wurde in der Martinskapelle, dem Mausoleum der Abteikirche „Peter und Paul“ von Canterbury, beigesetzt. Æthelberht wurde nach seinem Tod 616/618 an ihrer Seite beigesetzt.<ref name="enc13" />

Verehrung

Bertha wurde bald nach ihrem Tod als Heilige verehrt,<ref>St. Bertha in Catholic Online</ref> wenngleich es keine Belege für einen Kult um sie gibt.<ref>Bertha, Queen of Kent in Catholic Encyclopedia</ref> Ihr Festtag ist der 4. Juli.<ref name="bbkl" />

Quellen

Literatur

  • Michael Lapidge et al. (Hrsg.): The Blackwell Encyclopaedia of Anglo-Saxon England. Wiley-Blackwell, Oxford u. a. 2001, ISBN 0-631-22492-0.
  • Friedrich Wilhelm BautzBertha, Königin von Kent. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 1, Bautz, Hamm 1975. 2., unveränderte Auflage. Hamm 1990, ISBN 3-88309-013-1, Sp. 549–549.
  • Nicholas J. Higham: The convert kings: power and religious affiliation in early Anglo-Saxon England. Manchester University Press, 1997, ISBN 978-0-7190-4828-9, insbes. King Æthelberht: conversion in context. S. 53 ff.
  • D. P. Kirby: The Earliest English Kings. Routledge, 2000, ISBN 0-415-24211-8, insbes. The Reign of Æthelberht, S. 24 ff.

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Hinweisbaustein