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Liudhard

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Datei:Liudhardmedaletreplica.jpg
Replik einer Gedenkmedaille zu Ehren Liudhards

Liudhard (auch Leudard, Letard oder Letald; † um 600) war ein fränkischer Bischof im späten 6. Jahrhundert.

Leben

Zu Liudhards Herkunft wurden keine Angaben überliefert. Auch das Bistum, dem er vorstand, ist unbekannt. Um 580 heiratete Bertha, die Tochter des merowingischen Frankenkönigs Charibert I. und der Ingoberga, den heidnischen Æthelberht I. von Kent.<ref>Gregor von Tours: Historia Francorum (Geschichte der Franken) 9,26</ref> Sie brachte Bischof Liudhard als ihren Kaplan mit nach England.<ref name=he1-25>Beda: HE 1,25</ref> Mit der Entsendung eines Bischofs war sicherlich eine Missionstätigkeit und die Weihe von Priestern beabsichtigt, doch wurde keine Christianisierung durch Liudhard überliefert.<ref name=nic108>Nicholas Brooks: Anglo-Saxon Myths: State and Church, 400-1066, Hambledon & London, 1998, ISBN 978-1852851545, S. 108.</ref> Möglicherweise fand er bei seiner Ankunft bereits eine romano-britannische christliche Gemeinde vor. Grabfunde im Umfeld der Kirche weisen auf Bekehrungen durch Liudhard hin.<ref>Barbara Yorke: The Conversion of Britain: Religion, Politics and Society in Britain, 600-800, Pearson, 2006, ISBN 978-0-582-77292-2, S. 122.</ref> Andererseits sollte er wohl auch als Diplomat für Chilperich I. von Neustrien am Hof in Canterbury tätig sein und pflegte Kontakte mit den Bischöfen des Frankenreiches.<ref name=nic73>Nicholas J. Higham: The convert kings: power and religious affiliation in early Anglo-Saxon England, Manchester University Press, 1997, ISBN 978-0719048289, S. 73.</ref> Eine aus römischer Zeit stammende Kirche wurde wieder aufgebaut und dem heiligen Martin von Tours, einem der Hauptpatrone der fränkischen Königsfamilie, geweiht.<ref>Beda: Historia Ecclesiastica 1,26. Dazu Nicholas Brooks: Anglo-Saxon Myths: State and Church, 400-1066, Hambledon & London, 1998, ISBN 978-1852851545, S. 95–96.</ref> Die St.-Martins-Kirche in Canterbury gehört heute zum Weltkulturerbe der UNESCO. Liudhard brachte fränkische Kultureinflüsse an den Hof Eormenrics und Æthelberhts in Canterbury.<ref>Nicholas J. Higham: The convert kings: power and religious affiliation in early Anglo-Saxon England, Manchester University Press, 1997, ISBN 978-0719048289, S. 87.</ref> Er starb vermutlich im Jahr 595<ref name=nic73/> oder um 600<ref name=sqpn/> und wurde in der Martinskapelle, dem Mausoleum der Abteikirche „Peter und Paul“, in Canterbury beigesetzt.<ref>John Godfrey: The Church in Anglo-Saxon England, Cambridge University Press, 2009, ISBN 978-0-52110-904-8, S. 90 und S. 167.</ref> Er wird als Heiliger verehrt. Sein Festtag ist der 24. Februar.<ref name=sqpn>Saint Liudhard bei Saints.SQPN.com</ref>

Wilhelm von Malmesbury, ein Geschichtsschreiber des 12. Jahrhunderts, berichtete, dass die Reliquien Liudhards während einer Dürre in einer Prozession umhergetragen wurden und es daraufhin heftig regnete.<ref>William of Malmesbury: The deeds of the bishops of England. Herausgegeben von David Prees. Boydell, 2002, ISBN 978-085115884-6, S. 7.</ref> Im 19. Jahrhundert wurde nahe der St.-Martins-Kirche der „Canterbury Hoard“ gefunden. Er enthielt neben anderen Objekten eine Gedenkmedaille zu Ehren Liudhards aus dem ausgehenden 6. Jahrhundert mit der Inschrift LEV·DΛR·DVS·EP(iscopu)S („Bischof Liudhard“).<ref>Philip Grierson, Mark Blackburn: Medieval European Coinage 1. The Early Middle Ages (5th-10th centuries), Cambridge University Press, Cambridge 2007 (Taschenbuch), ISBN 978-0521031776, S. 158–160.</ref> Es ist unbekannt, ob das Objekt ursprünglich als Münze gedacht war und sekundär als Medaillon verwendet wurde, doch wird es überwiegend als originäres Schmuckstück und Amulett angesehen.<ref>Barrie Cook, Gareth Williams (Hrsg.): Coinage and history in the North Sea world, c. AD 500–1200, Brill, 2006, ISBN 978-900414777-5, S. 15 und S. 165–166.</ref>

Quellen

Literatur

  • Nicholas J. Higham: The convert kings: power and religious affiliation in early Anglo-Saxon England. Manchester University Press, Manchester 1997, ISBN 978-0719048289.
  • Nicholas Brooks: Anglo-Saxon Myths: State and Church, 400–1066. Hambledon & London, 1998, ISBN 978-1852851545.

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

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