Helmut Hubacher
Helmut Hubacher (* 15. April 1926 in Krauchthal, Kanton Bern; † 19. August 2020 in Pruntrut<ref>Ehemaliger SP-Präsident Helmut Hubacher gestorben. Schweizer Radio und Fernsehen, 20. August 2020, abgerufen am 20. August 2020.
Helmut Hubacher ist tot – der frühere SP-Parteipräsident wurde 94. watson.ch, 20. August 2020, abgerufen am 20. August 2020.</ref>) war ein Schweizer Politiker (SP), Autor und Kolumnist. Von 1975 bis 1990 war er SP-Präsident und gehörte von 1963 bis 1997 dem Nationalrat an.
Beruf und Karriere
Helmut Hubacher absolvierte eine Lehre bei der SBB und engagierte sich politisch als Jungsozialist sowie ab 1953 als Gewerkschaftssekretär. Von 1956 bis 1968 war er Mitglied des Grossen Rates von Basel-Stadt. 1963 rutschte er als erster Ersatzmann in den Nationalrat, dem er während 34 Jahren bis 1997 angehörte.
1963 wurde Hubacher Chefredaktor der Basler Arbeiter-Zeitung, die unter seiner Führung noch im selben Jahr in Die AZ Abend-Zeitung umbenannt wurde.<ref>Ernst Bollinger: Basler Arbeiter-Zeitung. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 27. März 2009, abgerufen am 27. Oktober 2019.</ref> Bis kurz vor seinem Tod publizierte er meinungsbildende Texte.<ref name="Nachruf">Rudolf Strahm: Nachruf Helmut Hubacher. In: Weltwoche. 35.20, S. 41.</ref>
Hubacher prägte jahrzehntelang die Schweizer Politik mit. Von 1975 bis 1990 amtierte er als Präsident der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz (SP). Rudolf Strahm attestierte ihm Schlagfertigkeit und eine klare und verständliche Sprache. Zudem habe Hubacher den linken und den rechten Flügel der Partei integriert. Nur «Unheimliche Patrioten» hätten ihn als «Nestbeschmutzer» ausgegrenzt. Hubacher hatte dank eines Whistleblowers unter anderem die Affäre um das von der Schweiz beschaffte Radarsystem Florida losgetreten.<ref name="Nachruf" /><ref>Hubacher und der Maulwurf. In: Neue Zürcher Zeitung. 11. Juli 2016 (nzz.ch)</ref> Das Parlament lehnte jedoch eine Aufhebung seiner Immunität ab.
Auch der von ihm angeführte offizielle Besuch einer Delegation der SP Schweiz in der DDR im Jahr 1982, anlässlich welchem er Erich Honecker traf, sorgte für Kritik.<ref>Erwin Bischof: Honeckers Handschlag: Beziehungen Schweiz – DDR 1960–1990, Demokratie oder Diktatur. Interforum, Bern 2010, ISBN 978-3-03302338-3, S. 77 ff.</ref> Hubacher hat sich nie vom Besuch in der ostdeutschen Diktatur distanziert, was nach wie vor zum Anlass für Kritik genommen wird.<ref>Paola Carega: "Die politische Linke war auf einem Auge blind". In: Swissinfo. 6. April 2010, abgerufen am 31. Oktober 2019.</ref><ref>Hubachers Hochseilakt in Ostberlin. In: Neue Zürcher Zeitung. 23. März 2010, abgerufen am 7. Juli 2020.</ref> Neben der Affäre um das Florida-System mit seinem Zitat aus einem Bericht («es sei nicht sicher, ob man auf dem ‹Floarida›-Radarschirm je einmal ‹eine Wolke von einem Flugzeug werde unterscheiden können›») machte er auch auf Missstände im Beschaffungswesen beim Bau des Schweizer Panzers 68 aufmerksam. Trotz seiner Kritik bekannte sich Hubacher jedoch stets zur Landesverteidigung. Hubacher positionierte die Sozialdemokratische Partei als moderne linke Volkspartei.<ref name="interview_nzz">Marc Tribelhorn, Heidi Gmür, Marc Tribelhorn, Heidi Gmür: «Ich wollte nie jedermanns Darling sein». In: Neue Zürcher Zeitung. 27. März 2018, ISSN 0376-6829 (nzz.ch [abgerufen am 7. Juli 2020]).</ref>
Ab 1991 lebte er im aktiven Ruhestand und schrieb Bücher sowie eine wöchentliche Kolumne für die Basler Zeitung (BaZ) sowie von 2019 bis 2020 die zweiwöchentliche Kolumne «Der Alte» für den Blick.<ref>Helmut Hubacher: Kolumne «Der Alte» Ich liebe die Schweiz. In: Blick.ch, 26. Juni 2020.</ref> In der BaZ setzte er sich dabei kritisch mit der Schweizer Politlandschaft auseinander.<ref>Helmut Hubacher: Wird es ruhiger ohne «Blocher-Zeitung»? In: Basler Zeitung. 12. April 2018, ISSN 1420-3006 (bazonline.ch [abgerufen am 12. Februar 2019]).</ref><ref>Sozialdemokrat Helmut Hubacher würdigt Somm. In: Basler Zeitung. Abgerufen am 12. Februar 2019.</ref> Aufgrund eines Hirntumors musste Hubacher seine BaZ-Kolumne im Juni 2020 nach 22 Jahren beenden und kündigte seinen Rückzug aus der Öffentlichkeit an.<ref>Philipp Loser: Sein letztes Mal. In: Basler Zeitung, 27. Juni 2020 (Paywall, bazonline.ch).</ref> Er nutzte die verbleibende Zeit noch zur Vorbereitung seiner an das Schweizer Sozialarchiv übergehenden Dokumente.<ref name="Nachruf" />
Privates
Helmut Hubacher war seit 1949 mit seiner Frau Gret, geborene Hungerbühler, verheiratet, sie hatten drei Kinder und wohnten im Dorf Courtemaîche im Kanton Jura.<ref>Helmut Hubacher: Das letzte Mal. In: Basler Zeitung, 27. Juni 2020 (Paywall, bazonline.ch).</ref><ref name="interview_nzz" /> Sie hatten sich bei den Jungsozialisten in Basel kennengelernt. Seine Texte schrieb Hubacher auf der Schreibmaschine – das Internet nutzte er nicht.<ref name="interview_nzz" />
Werke
- Aktenzeichen EMD – Notizen aus dem Bundeshaus. Z-Verlag, Basel 1989, ISBN 3-85990-099-4.
- Tatort Bundeshaus. Zytglogge, Gümligen 1994, ISBN 3-7296-0491-0.
- Wohlfahrt oder Talfahrt – eine verunsicherte Schweiz. Zytglogge-Verlag, Gümligen 1997, ISBN 3-7296-0538-0.
- Ogi – Macht und Ohnmacht. Opinio, Basel 2001, ISBN 3-03999-000-4.
- Aktenzeichen CH – Micheline, Moritz, Merz & Co. Zytglogge Oberhofen am Thunersee 2004, ISBN 3-7296-0685-9.
- Schaubühne Bern – Bundesräte und andere Solisten. Zytglogge, Oberhofen am Thunersee 2007, ISBN 978-3-7296-0732-3.
- Geschichten à la carte – Kolumnen und Anekdoten. Zytglogge, Oberhofen am Thunersee 2010, ISBN 978-3-7296-0806-1. Mit Vorwort von Peter Bichsel.
- Hubachers Blocher. Zytglogge, Oberhofen am Thunersee 2014, ISBN 978-3-7296-0880-1.<ref>Philipp Loser: Helmut Hubachers Abrechnung. In: Tages-Anzeiger. 25. Mai 2014, <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />tagesanzeiger.ch ( vom 12. September 2014 im Internet Archive).</ref>
- Das Wort zum Montag – Kolumnen. Zytglogge, Basel 2015, ISBN 978-3-7296-0902-0. Mit einem Vorwort von Frank A. Meyer.
- Das habe ich gerne gemacht. Politische und persönliche Erinnerungen. Zytglogge, Basel 2016, ISBN 978-3-7296-0932-7.
Literatur
- Hadrien Buclin: Vents contraires. Le Parti socialiste suisse face aux crises économiques et à l'essor du néolibéralisme (1973-1995), Neuchâtel, Alphil, 2024.
- Bernard Degen: Hubacher, Helmut. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
- Philipp Loser: Das Störgeräusch. In: Tages-Anzeiger, 20. August 2020 (Nachruf tagesanzeiger.ch).
Weblinks
- Vorlage:Helveticat-GND
- Literatur von und über Helmut Hubacher im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Helmut Hubacher auf der Website der Bundesversammlung
- Helmut Hubacher: «Der Willy Brandt der Schweizer Sozialdemokratie», Artikel auf OnlineReports vom 17. Dezember 1997
Einzelnachweise
<references />
Alexander Reichel | Albert Steck | Eugen Wullschleger | Wilhelm Fürholz | Karl Zgraggen | Paul Brandt | Otto Lang | Joseph Albisser | Gottfried Reimann | Eduard Kessler | Hans (Johann) Näher | Fritz Studer | Emil Klöti | Jakob Gschwend | Gustav Müller | Ernst Reinhard | Hans Oprecht | Walther Bringolf | Fritz Grütter | Arthur Schmid junior | Helmut Hubacher | Peter Bodenmann | Ursula Koch | Christiane Brunner | Hans-Jürg Fehr | Christian Levrat | Cédric Wermuth und Mattea Meyer (Copräsidium)
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Hubacher, Helmut |
| KURZBESCHREIBUNG | Schweizer Politiker (SP), Autor und Kolumnist |
| GEBURTSDATUM | 15. April 1926 |
| GEBURTSORT | Krauchthal, Schweiz |
| STERBEDATUM | 19. August 2020 |
| STERBEORT | Pruntrut |