Ursula Koch (Politikerin)
Ursula Koch (* 1. Juli 1941 als Ursula Pomeranz in Zürich; heimatberechtigt ebenda) ist eine bis im Jahr 2000 aktive Schweizer Politikerin (SP).
Leben
Ursula Koch wurde 1941 in Zürich in eine staatenlose jüdische Familie geboren. Sie wuchs in Stäfa auf, studierte Chemie an der Universität Zürich und wurde 1976 promoviert.<ref>SP-Präsidentin Ursula Koch zurückgetreten. Abgerufen am 18. Januar 2021.</ref> In ihrer Forschungstätigkeit beschäftigte sie sich mit katalytischen sowie photochemischen Cyclisierungsreaktionen.<ref>Koch-Pomeranz, Ursula, Hansen, Hansürgen, Schmid, Hans: Die durch Silberionen katalysierte Umlagerung von Propargyl-phenyläther. In: Helvetica Chimica Acta. Band 56, Nr. 8, 1973, doi:10.1002/hlca.19730560838.</ref><ref>Koch-Pomeranz, Ursula, Hansen, Hans-Jürgen, Schmid, Hans: Photochemical Cyclization of Allylated Anisole and N-Alkyl Aniline Derivatives. In: Helvetica Chimica Acta. Band 58, Nr. 1, 1975, S. 178, doi:10.1002/hlca.19750580122.</ref><ref>Koch-Pomeranz, Ursula, Schmid, Hans, Hansen, Hans-Jürgen: Photochemische Cyclisierung von o-, m-, p-Allylanisolen und o-Allylanilinen. In: Helvetica Chimica Acta. Band 60, Nr. 3, 1977, S. 768, doi:10.1002/hlca.19770600309.</ref>
1981 nahm Koch an einer Sendung der österreichischen Fernseh-Diskussionsrunde Club 2 mit dem Titel «Strahlende Zukunft» teil. Dabei referierte der ungarisch-amerikanische Physiker Edward Teller – der als „Vater der Wasserstoffbombe“ geladen war – so technokratisch und kalt über die Explosionswirkung der damals vieldiskutierten Neutronenbombe auf Menschen, dass Koch während der Live-Diskussion stumm zu weinen begann. Der Spiegel bezeichnete Tellers Auftreten später als das eines «düsteren Jahve».<ref>Immer ein Seiltanz. In: Der Spiegel. 20/1982, 17. Mai 1982, S. 257.</ref> Nach späteren Angaben eines der Redaktoren war Koch extra als Gast eingeladen worden, weil sie als stabil im Angesicht von Tellers Ausführungen eingeschätzt worden war, auch wenn «Schreckliches käme».<ref>«Wovon redn ma heut?» In: derStandard.at. 12. März 2008</ref>
Ursula Koch heiratete im Jahr 2000 ihren langjährigen Lebenspartner.<ref>Jan Strobel: Was macht eigentlich… Ursula Koch, Alt-Stadträtin, Tagblatt der Stadt Zürich, 12. Februar 2013, abgerufen am 13. Dezember 2014.</ref>
Nach ihrem Rückzug aus der Politik 2000 entzog sie sich der Öffentlichkeit so vollständig, dass Journalisten bisweilen darüber rätselten, ob sie noch lebte.<ref name=":0">Francesca Prader: 25 Jahre später: Ursula Kochs Vermächtnis und ihr unerwartetes Lebenszeichen. In: NZZ. 14. November 2025, abgerufen am 14. November 2025.</ref> 2019 erteilte sie ein Interview, das die Grundlage einer 2025 erschienenen politischen Biografie bildete.<ref name=":0" /><ref>Iseli, Regula; Koch, Philippe; Mühlebach, Simon; Hegger, Lena: Zürich lebenswert umbauen: Konflikte, Macht und Wandel in der Ära Ursula Koch (1986 - 1998). Edition Hochparterre, 2025, ISBN 978-3-909928-99-6.</ref>
Politik
Von 1979 bis 1986 gehörte Koch dem Zürcher Kantonsrat an. Von 1986 bis 1998 war sie Zürcher Stadträtin und Vorsteherin des Hochbaudepartements. Dabei widersetzte sie sich der Öffnung der früheren Industriezonen für Büronutzungen. Sie verkündete bei ihrem Amtsantritt: «Die Stadt ist gebaut. Sie muss nicht neu-, sondern umgebaut werden.»<ref>Bauen in Zürich zwischen Utopie und Resignation Vortrag vom Mittwoch, den 16. März 1988 anlässlich der SIA Hauptversammlung in Zürich. (PDF; 378 kB) Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 22. Oktober 2013; abgerufen am 19. Oktober 2013.</ref>
Von 1979 bis 1986 war Ursula Koch auch Geschäftsführerin der «Schweizerischen Energiestiftung» (SES) und in dieser Eigenschaft auch Präsidentin des Initiativkomitees «Für eine Zukunft ohne weitere Atomkraftwerke» und «Für eine sichere, sparsame und umweltgerechte Energieversorgung». Beide Initiativen wurden am 23. September 1984 mit knapper Mehrheit vom Volk und mit deutlicher Mehrheit von den Ständen abgelehnt.<ref>Fünf nach zwölf na und? Weltuntergangsgespräch 1983. Abgerufen am 9. November 2021</ref><ref>Eidgenössische Volksinitiative für eine Zukunft ohne weitere Atomkraftwerke - Initiative für eine Zukunft ohne weitere Atomkraftwerke im Wortlaut - Initiative für eine sichere, sparsame und umweltgerechte Energieversorgung im Wortlaut - Stimmergebnis</ref><ref>Übernahme des Archivs der Schweizerischen Energiestiftung (SES) durch das Schweizerische Sozialarchiv. Abgerufen am 9. November 2021</ref>
Im Juni 1997 setzte sich Koch gegen den vom Parteiestablishment favorisierten Andrea Hämmerle durch und wurde als erste Frau zur Präsidentin der Sozialdemokratischen Partei gewählt, in Nachfolge von Peter Bodenmann.<ref>SP-Präsidentin Ursula Koch zurückgetreten. In: swissinfo.ch. 15. April 2000, abgerufen am 26. April 2019.</ref> Bei den Wahlen im Herbst 1999 wurde sie in den Nationalrat gewählt.
Am 15. April 2000 gab sie das SP-Präsidium und ihren Nationalratssitz aufgrund massiven parteiinternen Drucks und aus gesundheitlichen Gründen ab.
Werke
- Ursula Koch-Pomeranz: 1. Photochemische Cyclisierung von Allyl-anisolen und C-Allyl-anilinen; 2. Die durch Silberionen katalysierte Umlagerung von Propargylphenyläthern. Dissertation, Universität Zürich, 1976.
- Ursula Koch-Pomeranz, Hans-Jürgen Hansen, Hans Schmid: Die durch Silberionen katalysierte Umlagerung von Propargyl-phenyläther. In: Helvetica Chimica Acta, 56(8), 1973, S. 2981.
- Ursula Koch-Pomeranz, Hans-Jürgen Hansen, Hans Schmid: Photochemical Cyclization of Allylated Anisole and N-Alkyl Aniline Derivatives. In: Helvetica Chimica Acta, 58(1), 1975, S. 178.
- Ursula Koch-Pomeranz, Hans Schmid, Hans-Jürgen Hansen: Photochemische Cyclisierung von o-, m-, p-Allylanisolen und o-Allylanilinen. In: Helvetica Chimica Acta, 60(3), 1977, S. 768.
- Michael Kohn, Ursula Koch: Titanic oder Arche Noah. Gespräche zu Energie, Technik und Gesellschaft. Hrsg. von Patrizia N. Franchini und Suzanne Kappeler. Rauhreif-Verlag, Zürich 1987, ISBN 3-907764-07-2.
Literatur
- Ursula Koch im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
Weblinks
- Ursula Koch auf der Website der Bundesversammlung
- Bestand Ursula Koch im Schweizerischen Sozialarchiv, Zürich
- Seit 20 Jahren fehlt von Ursula Koch jede Spur. Die Geschichte einer Reizfigur der Schweiz Politik. In: NZZ am Sonntag, 28. März 2020. (6-teiliger Podcast dazu)
Einzelnachweise
<references />
Alexander Reichel | Albert Steck | Eugen Wullschleger | Wilhelm Fürholz | Karl Zgraggen | Paul Brandt | Otto Lang | Joseph Albisser | Gottfried Reimann | Eduard Kessler | Hans (Johann) Näher | Fritz Studer | Emil Klöti | Jakob Gschwend | Gustav Müller | Ernst Reinhard | Hans Oprecht | Walther Bringolf | Fritz Grütter | Arthur Schmid junior | Helmut Hubacher | Peter Bodenmann | Ursula Koch | Christiane Brunner | Hans-Jürg Fehr | Christian Levrat | Cédric Wermuth und Mattea Meyer (Copräsidium)
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Koch, Ursula |
| ALTERNATIVNAMEN | Koch-Pomeranz, Ursula; Pomeranz, Ursula (Geburtsname) |
| KURZBESCHREIBUNG | Schweizer Politikerin (SP) |
| GEBURTSDATUM | 1. Juli 1941 |
| GEBURTSORT | Zürich |