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Mimik

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Datei:Max und Moritz (Busch) 012.png
Die aufgeschreckte Miene der Witwe Bolte – Wilhelm Busch 1865:
Max und Moritz
Datei:Ekel orig.jpg
Mimik: Ekel
Datei:Anger Controlls Him.jpg
Mimik: Zorn
Datei:08.29 副總統參訪「臺紅茶業文化館」 (50281460847).jpg
Lächeln und grinsen

Als die Mimik (auch die Miene oder das Mienenspiel) werden die sichtbaren Bewegungen der Gesichtsoberfläche bezeichnet. In den meisten Fällen entsteht ein Gesamteindruck aus einzelnen mimischen Facetten, da die einzelnen Bewegungen der Gesichtsmuskulatur in Sekundenbruchteilen ablaufen. Die Mimik ist ein Teil des Ausdrucksverhaltens des Menschen sowie dazu befähigter Tiere. Sie ist beim Menschen zusammen mit anderen Verhaltensweisen und Handlungen wie der Gestik ein wichtiger Bestandteil der nonverbalen Kommunikation.

Der Gesichtsausdruck beruht im Wesentlichen auf der Kontraktion der mimischen Muskulatur und wird besonders durch Augen und Mund als die beweglichsten Teile des Gesichts hervorgebracht. Es gibt etwa dreitausend Variationen.<ref>youtube.com</ref>

Nähere Bestimmung

Mimik besitzt in folgenden Bereichen eine besondere Bedeutung:

  1. sie ist Ausdruck von einer bestimmten Emotionalität, manchmal auch Intentionalität und wird so zu einer grundlegenden, jedoch oft unwillkürlichen Art von Kommunikation
  2. sie hat Ausdrucks- und Appellfunktion, ist somit erste Mitteilungsform zwischen Kind und Eltern
  3. sie gibt Aufschluss über individuelle Eigenheiten eines Menschen aufgrund seiner personenspezifischen Bewegung (Eigendynamik).

Mimische Kommunikation und Interaktion ist sozial bedeutsamer, als es die auffälligere und besser dokumentierbare Sprache vermuten lässt.

Beispiele aus dem europäischen Kulturkreis

In europäischen Kulturen bedeutet etwa

  1. die Stirn zu runzeln: Tadel, Nachdenklichkeit bezüglich des Gesagten,
  2. die Unterlippe vor zu schieben und (verstärkend) die Augen zu verdrehen: Ungläubigkeit bzw. Skepsis,
  3. die Augenbrauen heben: Erstaunen
  4. einseitig zu feixen: Spott,
  5. die Nase zu rümpfen und die Nasenlöcher zu blähen: Abscheu bzw. Ekel,
  6. jemanden unverwandt anzustarren (ggf. mit<ref>Duden | Amtsmiene | Rechtschreibung, Bedeutung, Definition, Herkunft. Abgerufen am 18. Juni 2022.</ref> dem Erfolg, dass er den Blick abwendet, umgangssprachlich: ihn ‚niederzustarren‘): Demütigung oder gar Drohung
  7. die Züge „versteinern“ zu lassen: Ablehnung, Erhöhung der sozialen Distanz
  8. (in sehr traditionellen katholischen Milieus etwa Südeuropas) vor Altären die Augen so sehr nach oben zu richten, dass man nur noch das Weiße sieht: Anbetung (daher die Redensart „jemanden anhimmeln“).
  9. jemanden (mehr oder weniger lächelnd) angrinsen, daher die Redensart Gute Miene (zu bösem Spiel) machen.
  10. sich die Haare raufen: Ausdruck von starker Verzweiflung oder Ratlosigkeit

Wortumfeld

Etymologisch stammt Mimik ab von {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) „den Mimen betreffend, nach Art eines Mimen“. Das langsam veraltende Mime steht für Schauspieler. Daher ist verständlich, dass das Verb mimen gelegentlich auch synonym zu Theater spielen verwendet wird. Umgangssprachlich wird es synonym für eine schauspielerisch überhöhte Darstellung verwandt. Beispiel: „Er mimt, krank zu sein“ (im Sinne von: „Er tut so, als ob er krank wäre“).

Andere Beispiele sind die sogenannte "Engelsmiene" und die "Unschuldsmiene", damit will man seine Schuld oder sein Schuldbewusstsein nicht zeigen. Die sogenannten "Trauermiene" zeigt Bekümmernis.<ref>Duden | Trauermiene | Rechtschreibung, Bedeutung, Definition, Herkunft. Abgerufen am 18. Juni 2022.</ref> Von einer sogenannten "Amtsmiene" spricht man meist spöttisch, wenn eine Amtsperson einen übertrieben strengen Gesichtsausdruck zeigt.

Nah verwandt mit der Mimik ist die Gestik, bei der die Hände die zentrale Rolle spielen.

Mimik ist in manchen Vereinen ein Höhepunkt der Jahres-Festivitäten, in der für die Mitglieder Ereignisse aus dem Vereinsleben karikiert und pantomimisch überhöht werden.

Film und Theater

Wesentliche Überlegungen zur Mimik gehen auf Béla Balázs, den ersten Filmtheoretiker der Weimarer Republik, und dessen epochales Werk Der sichtbare Mensch (1924) zurück.

Siehe auch

Literatur

  • Petra Löffler: Affektbilder. Eine Mediengeschichte der Mimik. Transcript, Bielefeld 2004, ISBN 3-89942-267-8.
  • James A. Russell, Jose Miguel Fernandez-Dols (Hrsg.): The Psychology of Facial Expression. Cambridge University Press, Cambridge 1997, ISBN 0-521-58796-4.
  • D. Perrett: Representations of facial expressions since Darwin. In: Evolutionary Human Sciences. Band 4, e22, 2022, S. 1–16. doi:10.1017/ehs.2022.10.
  • Detlef Kießling, Sabine Stannat: Anatomie am Lebenden. Verlag Jungjohann, Heidelberg 1981, ISBN 3-88454-104-8, S. 12 (Mimische Muskulatur) und 13–14 (Mienenspiel).

Weblinks

Wiktionary: Gesichtsausdruck – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wiktionary: Mimik – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Commons: Facial expressions – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

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