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Hafer

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Hafer
Datei:AvenaFatua2.jpg

Flug-Hafer (Avena fatua), Blütenstand

Systematik
Monokotyledonen
Commeliniden
Ordnung: Süßgrasartige (Poales)
Familie: Süßgräser (Poaceae)
Unterfamilie: Pooideae
Gattung: Hafer
Wissenschaftlicher Name
Avena
L.

Hafer (Avena) ist eine Pflanzengattung in der Familie der Süßgräser (Poaceae). Eine Art, der Saat-Hafer, wird als Getreide angebaut und wie dessen Samen umgangssprachlich ebenfalls „Hafer“ (mittelhochdeutsch und regional auch Haber<ref>Duden | Haber | Rechtschreibung, Bedeutung, Definition, Herkunft. Abgerufen am 23. Juni 2023.</ref>) genannt. Die etwa 25 Arten sind von Makaronesien über Nordwestafrika und Spanien durch den Mittelmeerraum bis Vorderasien und im nordöstlichen Afrika verbreitet.

Beschreibung

Datei:Illustration Avena sativa0.jpg
Illustration des Saat-Hafers (Avena sativa)
Datei:Avena-sterilis-fruits1.jpg
Fruchtendes Ährchen des Tauben Hafers (Avena sterilis)

Vegetative Merkmale

Die Haferarten sind einjährige krautige Pflanzen. Der Halm ist hohl und rundlich. Im Gegensatz zu anderen Nutzgetreidearten fehlen dem Hafer die Blattöhrchen. Die Blatthäutchen (Ligula) sind schmal bis mittelgroß, fransig und gezähnt.

Generative Merkmale

Die Haferarten sind Rispengräser. Der im Gegensatz zur Ähre als Rispe gebildete Fruchtstand unterscheidet den Hafer von anderen Getreidearten und ist daher in der Systematik weit entfernt von diesen. Das Tausendkorngewicht liegt bei 27–48 Gramm.

Systematik und Verbreitung

Die Gattung Avena (zu lateinisch avena ‚Hafer‘, insbesondere Saat-Hafer<ref>Vgl. Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 160 („Avena […] haver“ = Avena sativa L.; in Circa instans auch synonym mit „Egilops“ – vgl. Gemeine Akelei).</ref>) wurde 1753 durch Carl von Linné aufgestellt. Synonyme für Avena L. sind Preissia <templatestyles src="Person/styles.css" />Corda, Anelytrum <templatestyles src="Person/styles.css" />Hack.<ref name="WCSP" />

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Gattung Avena reicht von Makaronesien über Nordwestafrika und Spanien durch den Mittelmeerraum bis Vorderasien und das nordöstliche Afrika. Die meisten biologischen Arten kommen in Südspanien und Nordwestafrika vor.<ref name="WCSP" />

In der Gattung Avena gibt es etwa 25 Arten:<ref name="WCSP" />

  • Avena abyssinica <templatestyles src="Person/styles.css" />Hochst.: Sie kommt in Äthiopien, Eritrea sowie Dschibuti vor.<ref name="WCSP" />
  • Avena aemulans <templatestyles src="Person/styles.css" />Nevski: Sie kommt im europäischen Russland vor.<ref name="WCSP" />
  • Avena agadiriana <templatestyles src="Person/styles.css" />B.R.Baum & G.Fedak: Sie kommt nur im westlichen Marokko vor.<ref name="WCSP" />
  • Avena atlantica <templatestyles src="Person/styles.css" />B.R.Baum & G.Fedak: Sie kommt nur im westlichen Marokko vor.<ref name="WCSP" />
  • Bart-Hafer (Avena barbata <templatestyles src="Person/styles.css" />Pott ex Link): Er ist von Nordafrika und den Mittelmeerraum bis Zentralasien und dem westlichen Himalaja weitverbreitet und ist in der Neuen Welt, Südafrika und Australien ein Neophyt.<ref name="WCSP" /> Er kommt in der Schweiz am Genfersee eingebürgert vor.<ref name="Schmeil und Fitschen2024" />
  • Kurz-Hafer (Avena brevis <templatestyles src="Person/styles.css" />Roth, Syn.: Avena nuda subsp. brevis <templatestyles src="Person/styles.css" />(Roth) Mansf.): Sie kommt auf den Kanaren, Azoren und Madeira vor und wurde in Spanien, Portugal, Frankreich und Großbritannien, seltener in Mitteleuropa kultiviert. In Mitteleuropa wurden unbeständige Vorkommen beobachtet in Belgien, den Niederlanden, in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und im Burgenland.<ref name="Schmeil und Fitschen2024" />
  • Mittelmeer-Hafer (Avena byzantina <templatestyles src="Person/styles.css" />K.Koch): Er ist in Nordwestafrika, im Mittelmeerraum und in Vorderasien bis zum Iran verbreitet.
  • Avena canariensis <templatestyles src="Person/styles.css" />B.R.Baum, Rajhathy & D.R.Sampson: Sie kommt in Lanzarote und Fuerteventura vor.<ref name="WCSP" />
  • Avena chinensis <templatestyles src="Person/styles.css" />(Fisch. ex Roem. & Schult.) Metzg.: Sie kommt in Mitteleuropa in Kultur vor.<ref name="WCSP" />
  • Avena clauda <templatestyles src="Person/styles.css" />Durieu: Sie kommt von der östlichen Balkanhalbinsel bis West- und Zentralasien und in Nordwestafrika vor.<ref name="WCSP" />
  • Avena eriantha <templatestyles src="Person/styles.css" />Durieu: Sie kommt von Nordafrika bis Zentralasien und Afghanistan und in Griechenland vor.<ref name="WCSP" />
  • Flug-Hafer (Avena fatua <templatestyles src="Person/styles.css" />L.): Er kommt in den gemäßigten Gebieten Eurasiens, in Nordafrika und Makaronesien vor. In Südafrika, Nordamerika, Mexiko, Südamerika, Australien und Neuseeland ist er ein Neophyt.<ref name="WCSP" />
  • Avena longiglumis <templatestyles src="Person/styles.css" />Durieu: Sie kommt im Mittelmeerraum vor.<ref name="WCSP" />
  • Avena maroccana <templatestyles src="Person/styles.css" />Gand.: Sie kommt in Marokko vor.<ref name="WCSP" />
  • Avena murphyi <templatestyles src="Person/styles.css" />Ladiz.: Sie kommt im südwestlichen Spanien und in Marokko vor.<ref name="WCSP" />
  • Nackt-Hafer (Avena nuda <templatestyles src="Person/styles.css" />L.): Er wird von Portugal bis Großbritannien und Deutschland angebaut und ist in Nord-, Mittel- sowie Osteuropa ein Unkraut im Getreide.
  • Avena prostrata <templatestyles src="Person/styles.css" />Ladiz.: Sie kommt in der Region Murcia im südöstlichen Spanien und in Marokko vor.<ref name="WCSP" />
  • Saat-Hafer (Avena sativa <templatestyles src="Person/styles.css" />L.), auch „Echter Hafer“ genannt, nur in Kultur bekannt. Stammt wahrscheinlich aus Westasien.<ref name="WCSP" />
  • Avena saxatilis <templatestyles src="Person/styles.css" />(Lojac.) Rocha Afonso: Sie kommt nur auf den Inseln Lipari, Marettimo und Linosa vor.<ref name="WCSP" />
  • Tauber Hafer (Avena sterilis <templatestyles src="Person/styles.css" />L.): Die zwei Unterarten kommen vom Mittelmeerraum bis Kenia und dem westlichen Himalaja und auf den Kanaren vor:<ref name="WCSP" />
    • Avena sterilis subsp. ludoviciana <templatestyles src="Person/styles.css" />(Durieu) Gillet & Magne: Sie kommt vom Mittelmeerraum bis Zentralasien und dem westlichen Himalaja und auf den Kanaren vor.<ref name="WCSP" />
    • Avena sterilis subsp. sterilis: Sie kommt vom Mittelmeerraum bis Pakistan und Kenia vor.<ref name="WCSP" />
  • Sand-Hafer (Avena strigosa <templatestyles src="Person/styles.css" />Schreb., Syn.: Avena nuda subsp. strigosa <templatestyles src="Person/styles.css" />(Schreb.) Mansf.<ref name="Schmeil und Fitschen2024" />): Er kommt in Südwesteuropa<ref name="WCSP" /> vor und wird sonst in Europa, seltener in Nord-, Mittel- und Osteuropa angebaut.
  • Avena vaviloviana <templatestyles src="Person/styles.css" />(Malzev) Mordv.: Sie kommt in Eritrea und Äthiopien vor.<ref name="WCSP" />
  • Avena ventricosa <templatestyles src="Person/styles.css" />Balansa: Sie kommt von Nordafrika bis zum Iran und Saudi-Arabien vor.<ref name="WCSP" />
  • Avena volgensis <templatestyles src="Person/styles.css" />(Vavilov) Nevski: Sie kommt im europäischen Russland vor.<ref name="WCSP" />

Nutzung

Saat-Hafer wird vor allem als Tierfutter sowie als Nahrungsmittel in Form von Haferflocken verwendet. Für die Verwendung in der Medizin werden verschiedene Extrakte aus Hafer gewonnen. Ein aus Hafer hergestelltes Getränk („Hafermilch“) kommt als Ersatz für Kuhmilch zum Einsatz.

Wilde Hafersorten wurden schon vor 32.000 Jahren zu Mehl (Hafermehl, von mittelhochdeutsch habermël, Mehl von Avena sativa<ref>Jürgen Martin: Die ‚Ulmer Wundarznei‘. Einleitung – Text – Glossar zu einem Denkmal deutscher Fachprosa des 15. Jahrhunderts. Königshausen & Neumann, Würzburg 1991 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen. Band 52), ISBN 3-88479-801-4 (zugleich Medizinische Dissertation Würzburg 1990), S. 135 (Haber, Habermël).</ref>) verarbeitet.<ref>Rossella Lorenzi: Oldest Flour Ground 32,000 Years Ago. 22. September 2015, abgerufen am 23. Juni 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Marta Mariotti Lippi, Bruno Foggi, Biancamaria Aranguren, Annamaria Ronchitelli, Anna Revedin: Multistep food plant processing at Grotta Paglicci (Southern Italy) around 32,600 cal B.P. In: Proceedings of the National Academy of Sciences. Band 112, Nr. 39, 29. September 2015, ISSN 0027-8424, S. 12075–12080, doi:10.1073/pnas.1505213112, PMID 26351674 (pnas.org [abgerufen am 23. Juni 2023]).</ref> Die dem modernen Saathafer am nächsten verwandte Sorte ist Avena sterilis, die aus dem Fruchtbaren Halbmond stammt. Seit etwa 1000 v. Chr. wurde Hafer in Europa angebaut, jedoch hauptsächlich als Tiernahrung verwendet. Später wurde Hafer zu einem Grundnahrungsmittel der Menschen in kälteren Klimazonen wie in Deutschland, Skandinavien, Irland und Schottland. Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Siehe auch“ ist nicht vorhanden.

Literatur

  • information.medien.agrar e. V. (Hrsg.): Pflanzen in der Landwirtschaft. 2004, PDF-Datei.
  • Wilfried Seibel (Hrsg.): Warenkunde Getreide – Inhaltsstoffe, Analytik, Reinigung, Trocknung, Lagerung, Vermarktung, Verarbeitung. Agrimedia, Bergen/Dumme 2005, ISBN 3-86037-257-2.
  • Walter Erhardt, Erich Götz, Nils Bödeker, Siegmund Seybold: Der große Zander. Enzyklopädie der Pflanzennamen. Band 2. Arten und Sorten. Eugen Ulmer, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-8001-5406-7.
  • Maria da Luz de Oliveira Tavares Monteiro da Rocha Afonso: Avena L. In:
  • Hans Joachim Conert: Avena. In:

Weblinks

Wiktionary: Hafer – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Commons: Hafer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references> <ref name="WCSP">Vorlage:WCSP</ref> <ref name="Schmeil und Fitschen2024">Michael Koltzenburg: Avena. In: Schmeil-Fitschen: Die Flora Deutschlands und angrenzender Länder. 98. Auflage. Verlag Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2024. ISBN 978-3-494-01943-7. S. 271.</ref> </references>

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