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Joachim-Hermann Scharf

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Joachim-Hermann Scharf (* 7. November 1921 in Nebra (Unstrut); † 22. Juni 2014 ebenda) war ein deutscher Anatom und Biologe.<ref>Traueranzeige</ref>

Leben

Als Sohn eines Buch- und Kunsthändlers legte Joachim-Hermann Scharf 1940 sein Abitur an der humanistischen Klosterschule Roßleben ab. Am 20. Februar 1939 beantragte er die Aufnahme in die NSDAP und wurde zum 1. September desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 7.109.143).<ref>Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/36841658</ref><ref>Harry Waibel: Diener vieler Herren : Ehemalige NS-Funktionäre in der SBZ/DDR. Lang, Frankfurt am Main 2011, ISBN 978-3-631-63542-1, S. 283.</ref>

Nach Kriegsdienst und Verwundung begann er das Medizinstudium an der Universität Wien. Scharf beschäftigte sich bereits ab 1943 mit den Forschungen über die theoretische Biophysik von Bertalanffy.<ref name=":0">Elmar Peschke: The Anatomische Gesellschaft mourns an honorary fellow, Joachim-Hermann Scharf. In: Annals of Anatomy - Anatomischer Anzeiger. Band 196, Nr. 6, 1. Dezember 2014, ISSN 0940-9602, S. 373–375, doi:10.1016/j.aanat.2014.08.001 (sciencedirect.com [abgerufen am 8. März 2024]).</ref>

Er wechselte an die wiedergegründete Johannes Gutenberg-Universität Mainz, die ihn am 26. Mai 1950 mit „summa cum laude“ zum Dr. med. promovierte.<ref>Medizinische Dissertation: Die markhaltigen Ganglienzellen und ihre Beziehungen zu den myelogenetischen Theorien: Zugleich ein Beitrag zur Morphologie der opposito-bipolar-dineuritischen Ganglienzelle.</ref><ref name=":0" />

Seine berufliche Werdebahn begann Scharf als Assistent bei Max Watzka in der Mainzer Anatomie. Am 21. Februar 1953 wurde er im Fach Biologie zum Dr. rer. nat. promoviert, ebenfalls mit „summa cum laude“.<ref>Naturwissenschaftliche Dissertation: Die Beziehungen der Lipoide zu den perizellulären Strukturen der Ganglienzellen bei einigen Wirbellosen im Vergleich zu Wirbeltieren. Zeitschrift für Zellforschung und Mikroskopische Anatomie 6 (1953), S. 526–570. doi:10.1007/BF00344329</ref> Anschließend studierte er Physikochemie, Mathematik und Orientalistik. Am 3. Februar 1956 habilitierte er sich mit histochemischen Untersuchungen der Nervenfasern an der Medizinischen Fakultät in Mainz.<ref name=":0" /><ref>Habilitationsschrift, Teil 1: Fluoreszenz und Fluoreszenzpolarisation der Nervenfaser nach Färbung mit Phenyloxyfluoronen: Versuch einer Interpretation. Mikroskopie 9/10 (1956), S. 261–319. ISSN 0026-3702</ref><ref>Habilitationsschrift, Teil 2: Fluoreszenz und Fluoreszenzpolarisation der Nervenfaser nach Färbung mit Phenyloxyfluoronen: Versuch einer Interpretation. Mikroskopie 11/12 (1956), S. 349–397. ISSN 0026-3702</ref>

1956 wurden ihm Lehrstühle in Kanada, Venezuela und Jena angeboten. Er entschied sich für die Friedrich-Schiller-Universität Jena in der Deutschen Demokratischen Republik. In dieser Zeit kam es zum Kontakt mit Hermann Voss, mit dem er später gemeinsam die Zeitschrift „Acta histochemica“ herausgab. Zudem begann hier Werner Linß (späterer Ordinarius für Anatomie in Jena) seine Doktorarbeit (Thema: Histologische Untersuchungen an Papillarmuskeln junger und erwachsener Ratten und Katzen).<ref name=":1" />

1959 wechselte er an die heimatliche Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Es war die letzte Berufung eines „Westdeutschen“ an eine Universität der DDR. Scharf lehnte mehrere Rufe ab und war 28 Jahre lang Direktor der Hallenser Anatomie („anatomia hallensis“), welche von Forschern wie Johann Friedrich Meckel, Hermann Welcker und Wilhelm Roux geprägt worden ist<ref name=":0" />. Auch nach seiner Emeritierung in 1987 war er weiterhin im dortigen Institut tätig.

Werk

Joachim Hermann-Scharf gilt als einer der herausragenden Anatomen des 20. Jahrhunderts.

Durch seinen Lehrer Maximilian Watzka in Mainz wurde er zu histologischen Untersuchungen an den Nervenfasern angeleitet. Zu diesem Thema hat Scharf einen Beitrag in dem von von Moellendorf und Bargmann herausgegebenen Handbuch der Mikroskopischen Anatomie verfasst und die Hauptrede im Rahmen des 1. Europäischen Anatomenkongresses in Strassburg (1960) gehalten.<ref name=":0" />

Während seiner Tätigkeit an der Universität in Halle widmete sich Scharf besonders der Erforschung von (neuro-) endokrinen Drüsen.

Ungemein vielseitig gebildet, verfasste er 270 meist sehr umfangreiche Publikationen, die auch medizingeschichtliche Aspekte<ref>Joachim-Hermann Scharf: Die nomina anatomica im System der Wissenschaftssprache im Wandel der Zeiten. In: Verhandlungen der anatomischen Gesellschaft. Band 80, 1986, S. 27–73.</ref> umfassen und sich durch Exaktheit, Geist und Sprachdisziplin auszeichnen.

Weiterhin gab Scharf insgesamt 11 Fachzeitschriften (mit-)heraus: Mikroskopie, HOMO, Acta Histochemica, Zeitschrift für mikroskopische und anatomische Forschung, Morphologisches Jahrbuch, Nova Acta Leopoldina, Zoologisches Jahrbuch, Biometrische Zeitschrift, Acta Anatomica, Biologische Rundschau und Forschung und Lehre.<ref name=":0" />

Ganz wesentlich hat Scharf die Fachrichtung der „Histochemie“ als Spezialdisziplin der Anatomie, etwa durch die Verfassung von zahlreichen Nachrufen, zu prägen versucht.

Rezeption

Zu den Schülern von Joachim-Hermann Scharf gehört u. a. Werner Linß.<ref name=":1">Rosemarie Fröber: In memory of Univ.-Prof. Dr. med. habil. Werner Linß. In: Annals of Anatomy - Anatomischer Anzeiger. Band 243, 1. August 2022, ISSN 0940-9602, S. 151944, doi:10.1016/j.aanat.2022.151944 (sciencedirect.com [abgerufen am 7. März 2024]).</ref>

Ehrungen

Schriften

  • Sensible Ganglien. (= Handbuch der Mikroskopischen Anatomie des Menschen. Band IV). begründet von Wilhelm von Möllendorff) Berlin 1958.
  • Experimentelle Voraussetzungen und theoretische Grundlagen zu einer antithyreoidalen Therapie unter Vermeidung zusätzlicher strumigener Effekte. Leipzig 1963.
  • mit Johannes Adam und Helmut Enke: Methoden der statistischen Analyse in Medizin und Biologie. Berlin 1977.
  • Anfänge von systematischer Anatomie und Teratologie im alten Babylon. Berlin 1988, ISBN 3-05-500481-7.
  • Anfänge von systematischer Anatomie und Teratologie im alten Babylon. Berlin 1988 (= Sitzungsberichte der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, mathematisch-naturwissenschaftliche Klasse. Band 120, Heft 3).

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

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