Johann Friedrich Meckel der Jüngere
Johann Friedrich Meckel der Jüngere, genannt auch der Zweite oder der Enkel<ref>Gisela Kirchhoff: Martin Münz, Professor der Anatomie in Würzburg (1829–1849). Zugleich ein Beitrag zur Geschichte des Theatrum anatomicum. Würzburg 1964 (= Mainfränkische Hefte. Band 42), S. 16.</ref> (* 17. Oktober 1781 in Halle; † 31. Oktober 1833 ebenda) war ein deutscher Anatom und Hochschullehrer. Er war insbesondere Embryologe, förderte die vergleichende Anatomie und gilt als einer der Begründer der Teratologie.
Leben
Meckel besuchte die Domschule in Magdeburg (Reifeprüfung 1798) und studierte an der Universität Halle Medizin, besonders Arzneikunde bei Kurt Sprengel (1766–1833) sowie Anatomie bei Johann Christian Reil und seinem Vater Philipp Friedrich Theodor Meckel (1756–1803) sowie Sprachen (später übersetzte er aus dem Englischen, Italienischen, Französischen und Lateinischen). Sein Großvater war Johann Friedrich Meckel der Ältere (1724–1774). Seine Mutter war Johanna Charlotta Lauer († 1782),<ref>Rüdiger Schultka und Josef N. Neumann: Anatomie und anatomische Sammlungen im 18. Jahrhundert, Berlin 2007, S. 40 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.)</ref> eine Tochter des Hallenser Kaufmanns Johann Jacob Lauer (1723–1772) und eine Cousine des 1790 nobilitierten Adolf Julius Lauer (1755–1831).<ref>Hans-Georg Schede: Caroline Schede. Eine Geschichte des privaten Lebens in der Goethezeit, Berlin 2018, S. 56, (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.), vgl. S. 395 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.) und S. 154 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.)</ref> Seine Stiefmutter Therese Christiane Catharine Luise war die Tochter des Theologen Carl Tobias Jetzke.
1801/02 verbrachte er zwei Semester an der Universität Göttingen, wo er vor allem Anatomie und Anthropologie bei Johann Friedrich Blumenbach sowie Entbindungskunst studierte. 1802 wurde er an der Universität Halle mit einer Dissertation über angeborene Herzfehler ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) zum Doktor der Medizin promoviert. Eine Studienreise führte ihn nach Würzburg und Wien, die Nachricht vom Tod des Vaters zwang ihn 1803 zur Rückkehr (entsprechend dem letzten Willen des Vaters skelettierte er dessen Leichnam und stellte ihn in der familieneigenen Sammlung auf). Nach der Regelung des Nachlasses reiste er nach Paris, um sich bei dem Anatomen Georges Cuvier weiterzubilden (dessen {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) er ab 1809 ins Deutsche übertrug).
1805 wurde Meckel auf Betreiben Reils zum außerordentlichen Professor der Universität Halle ernannt, er kehrte jedoch erst zur Wiedereröffnung unter französischer Herrschaft 1808 zurück nach Halle, wo in seinem Haus Napoleon Quartier bezogen hatte.<ref>Barbara I. Tshisuaka: Meckel, Johann Friedrich d. J. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 901.</ref> Noch im selben Jahr folgte in Halle die Ernennung zum Ordinarius für Anatomie, pathologische Anatomie, Chirurgie und Geburtshilfe. Ab 1810 lehrte er überwiegend Anatomie. Geehrt wurde Meckel, der unter anderem vom russischen Zarenhaus zu Rate gezogen wurde, mit dem Roten Adlerorden 3. Klasse, dem Eisernen Kreuz, dem Russischen Wladimir-Orden 4. Klasse sowie der Aufnahme in die Leopoldina im Jahr 1828. 1820 wurde er zum auswärtigen Mitglied der Bayerischen<ref>Mitgliedseintrag von Johann Friedrich (der Jüngere) Meckel bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 27. November 2025.</ref> und 1830 der Göttinger Akademie der Wissenschaften gewählt.<ref>Holger Krahnke: Die Mitglieder der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen 1751–2001 (= Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Philologisch-Historische Klasse. Folge 3, Bd. 246 = Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, Mathematisch-Physikalische Klasse. Folge 3, Bd. 50). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2001, ISBN 3-525-82516-1, S. 163.</ref> 1829 wurde er korrespondierendes Mitglied der Académie des sciences.<ref>Verzeichnis der Mitglieder seit 1666: Buchstabe M. Académie des sciences, abgerufen am 21. Januar 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
1967 wurden Meckels Gebeine exhumiert und in seine 1836 von der Witwe für 25.000 Taler an die Universität verkaufte anatomische Sammlung eingegliedert.
Wissenschaftliche Leistungen
Meckel publizierte vor allem über Abnormitäten und gilt zusammen mit Étienne Geoffroy Saint-Hilaire als Begründer der Teratologie, der wissenschaftlichen Lehre von den Missbildungen (u. a. Beschreibung einer Fehlbildung des menschlichen Embryos – Meckel-Syndrom – und der häufigsten Abnormität des Magen-Darm-Traktes, des Meckel-Divertikels). Durch diese Forschungen und Studien zur Entwicklung von Embryonen (u. a. klärte er die Epigenese des Huhnes im Ei und die Herausbildung des menschlichen Unterkiefers aus einem Knorpel, dem Meckel-Knorpel) widerlegte Meckel die gängige Auffassung der Präformationslehre, nach der im Ei bereits der Körper „eingeschachtelt“ wäre und sich während der Reife lediglich „entfalte“.
In seinem System der vergleichenden Anatomie (1821) wird über dem Umstand der Entstehung neuer Arten reflektiert. Hierzu werden von ihm vier Mechanismen aufgeführt: a) das häufige Auftreten von Urzeugung; b) ein innerer Veränderungstrieb; c) der direkte Einfluss der Umgebung; und d) die Hybridisierung.<ref>J. F. Meckel: System der vergleichenden Anatomie. Volume 1 bis 6 Renger, 1821</ref> Er nimmt einen natürlichen Prozesses bei der Artentstehung an, ferner vertritt er einige Jean-Baptiste de Lamarck nahestehende Positionen.<ref>Ernst Mayr: Die Entwicklung der biologischen Gedankenwelt. Springer, 1984, S. 309</ref>
Darüber hinaus baute er die väterliche Sammlung (Meckelsche Sammlung) aus und veröffentlichte maßgebliche zusammenfassende Schriften für sein Fachgebiet (u. a. Handbuch der pathologischen Anatomie, vier Bände, 1812–1820; Beiträge zur vergleichenden Anatomie, zwei Bände, 1808 und 1812; System der vergleichenden Anatomie, sechs Bände, 1821–1831). Ab 1815 gab er Reils Archiv für Physiologie mit heraus.
Schriften
- System der vergleichenden Anatomie. 6 Bände, 1821–1833
- 2. Teil, Band 1: Digitalisat, Rengersche Buchhandlung 1824
- 2. Teil, Band 2: Digitalisat, Rengersche Buchhandlung 1825
- 3. Teil: Digitalisat, Rengersche Buchhandlung 1825
- 4. Teil: Digitalisat, Rengersche Buchhandlung 1829
- 5. Teil: Digitalisat, Rengersche Buchhandlung 1831
- 6. Teil: Digitalisat Verlag des Waisenhauses, 1833
- Beyträge zur vergleichenden Anatomie Band 1, Teil 1 1808 (Digitalisat)
- Handbuch der pathologischen Anatomie. 3 Teile in 2 Bänden. Carl Heinrich Reclam, Halle/Leipzig 1812–1818 (Band 1: Digitalisat, Band 2: Digitalisat)
- Abhandlungen aus der menschlichen und vergleichenden Anatomie und Physiologie. Hemmerde und Schwetschke, 1806.
- Handbuch der menschlichen Anatomie. Halle/Leipzig 1815–1820.
Literatur
- Sabine Schwarz: Die anatomische Privatsammlung der Anatomenfamilie Meckel unter besonderer Berücksichtigung ihres präparationstechnischen Profils. Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Halle 2000. (Dissertation) urn:nbn:de:gbv:3-000001156
- Rudolf Beneke: Johann Friedrich Meckel der Jüngere. Max Niemeyer Verlag, Halle (Saale) 1934, urn:nbn:de:bsz:14-db-id18595327804.
- Michael Viebig und Rüdiger Schultka: Die Anatomen Meckel. Zur Genealogie einer halleschen Ärztefamilie In: Zeitschrift für Heimatforschung. Beiheft 5, Verlag André Gursky, Halle 1998.
- Helmke Schierhorn, Johann Friedrich Meckel d. J. als Begründer der wissenschaftlichen Teratologie. In: Leopoldina-Archiv. MM 1324 Meckel (Manuskript).
- Nikolaus Rüdinger: Meckel von Hemsbach, Johann Friedrich. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 21, Duncker & Humblot, Leipzig 1885, S. 159–162.
- Eberhard J. Wormer: Meckel v. Hemsbach, Johann Friedrich d. J. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 16. Duncker & Humblot, Berlin 1990, ISBN 3-428-00197-4, S. Vorlage:VonBis (deutsche-biographie.de).
- Luminita Göbbel, Rüdiger Schultka, Lennart Olsson: Collecting and dissecting nature: Meckel’s Zootomical Museum at the University of Halle, Germany. In: Annals of the History and Philosophy of Biology. Band 12, 2007, S. 97–114 (uni-goettingen.de [PDF]).
Weblinks
- Literatur von und über Johann Friedrich Meckel der Jüngere im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Eintrag zu Johann Friedrich Meckel der Jüngere im Catalogus Professorum Halensis
- Eintrag zu Johann Friedrich Meckel im Archiv der Royal Society, London
- Ole Daniel Enersen: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Johann Friedrich Meckel, the Younger ( vom 20. Januar 2025 im Internet Archive) bei whonamedit.com
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Meckel, Johann Friedrich der Jüngere |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Anatom und Begründer der Teratologie |
| GEBURTSDATUM | 17. Oktober 1781 |
| GEBURTSORT | Halle (Saale) |
| STERBEDATUM | 31. Oktober 1833 |
| STERBEORT | Halle (Saale) |
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- Hochschullehrer (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg)
- Mitglied der Leopoldina (19. Jahrhundert)
- Auswärtiges Mitglied der Royal Society
- Mitglied der Niedersächsischen Akademie der Wissenschaften zu Göttingen
- Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften
- Korrespondierendes Mitglied der Académie des sciences
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- Träger des Ordens des Heiligen Wladimir
- Geboren 1781
- Gestorben 1833
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- Absolvent der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg