Lineare Funktion
Unter einer linearen Funktion versteht man oft (insbesondere in der Schulmathematik) eine Funktion <math>f\colon\R\to\R</math>, die sich in der Form
- <math>f(x) = m\cdot x+n</math>
mit <math>m, n \in \R</math> schreiben lässt.<ref>Duden (Hrsg.): Basiswissen Schule Mathematik. 4. Auflage. 2010, ISBN 978-3-411-71504-6, S. 180.</ref><ref>Bärbel Barzel, Matthias Glade, Marcel Klinger: Algebra und Funktionen: Fachlich und fachdidaktisch. 1. Auflage. Springer, Berlin, Heidelberg 2021, ISBN 978-3-662-61392-4, S. 118.</ref> Es handelt sich um eine Polynomfunktion höchstens ersten Grades. Der Graph einer linearen Funktion ist eine Gerade, wodurch sich der Name ableitet (von {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) ‚(gerade) Linie‘).
Eine lineare Funktion im oben beschriebenen Sinne ist keine lineare Abbildung im Sinne der linearen Algebra, da die Linearitätsbedingung im Allgemeinen nicht erfüllt ist. Vielmehr handelt es sich um eine affine Abbildung, weshalb man auch von einer affin-linearen Funktion<ref>Tilo Arens, Frank Hettlich, Christian Karpfinger, Ulrich Kockelkorn, Klaus Lichtenegger, Hellmuth Stachel: Mathematik. 5. Auflage. Springer, 2022, ISBN 978-3-662-64388-4, S. 104.</ref> spricht. Um eine lineare Abbildung im Sinne der linearen Algebra handelt es sich nur im Spezialfall <math>n=0</math>, also <math>f(x) = mx.</math> Solche Funktionen werden auch als homogene lineare Funktion oder Proportionalität bezeichnet. In Anlehnung an diese Bezeichnung wird die Funktion für den Fall <math>n \ne 0</math> auch linear-inhomogene Funktion genannt.
Lineare Funktionen gehören zu den grundlegenden Funktionen in der Mathematik. Sie sind stetig und differenzierbar. Viele Probleme lassen sich mithilfe linearer Funktionen leichter lösen; daher versucht man oft, komplizierte Zusammenhänge durch lineare Funktionen zu approximieren.
Graph
Der Graph einer linearen Funktion ist eine Gerade. In kartesischen Koordinaten <math>(x|y)</math> gilt
- <math>y = m\cdot x + n</math>
mit reellen Zahlen <math>m</math> und <math>n,</math> wobei <math>x</math> (die Abszisse) die unabhängige und <math>y</math> (die Ordinate) die abhängige Variable ist. Die Bezeichnung der beiden Konstanten mit <math>m</math> und <math>n</math> ist beliebig, in der Literatur finden sich zahlreiche andere Bezeichnungsweisen.
Diese Darstellung bezeichnet man auch als die Normalform einer linearen Funktion. Ihre zwei Parameter lassen sich wie folgt interpretieren:
- Die Zahl <math>m</math> gibt die Steigung der Geraden an.
- Die Zahl <math>n</math> ist der y-Achsen- oder Ordinatenabschnitt, die Inhomogenität oder die Verschiebungskonstante.
Der Graph einer linearen Funktion verläuft nie parallel zur <math>y</math>-Achse, da damit einem <math>x</math>-Wert mehr als ein <math>y</math>-Wert zugeordnet wäre, was in Widerspruch zur definitorisch geforderten (Rechts-)Eindeutigkeit einer Funktion stünde.
Bestimmung des Funktionsterms aus zwei Punkten
Es wird vorausgesetzt, dass die Punkte <math>(x_1|y_1)</math> und <math>(x_2|y_2)</math> auf dem Graphen der linearen Funktion <math>f</math> liegen und voneinander verschieden sind.
Die Steigung <math>m</math> lässt sich berechnen mit
- <math>m = \frac{y_2 - y_1}{x_2 - x_1}.</math>
Der y-Achsenabschnitt <math>n</math> ergibt sich mit
- <math>n = y_1 - m \cdot x_1</math> oder <math>n = y_2 - m \cdot x_2.</math>
Der gesuchte Funktionsterm <math>f(x)</math> ist also gegeben durch
- <math>f(x) = \frac{y_2 - y_1}{x_2 - x_1} \cdot x + \left(y_1 - \frac{y_2 - y_1}{x_2 - x_1} \cdot x_1\right)</math>
oder kürzer durch
- <math>f(x) = \frac{y_2 - y_1}{x_2 - x_1} \cdot (x - x_1) + y_1.</math>
Zusammenfassung
Funktionsgleichung
- Eine Funktion <math>f</math> mit <math>f(x)=mx+n</math> heißt lineare Funktion. Im Fall <math>m \neq 0</math> wird „ganzrationale Funktion 1. Grades“ oder „Polynom 1. Grades“ als Bezeichnung verwendet.
- Die graphische Darstellung des Funktionsgraphen ist eine Gerade.
Achsenschnittpunkte
- Schnittpunkt <math>P</math> mit der <math>x</math>-Achse: <math>P(x_P|0)\Rightarrow f(x_P)=0</math>
- Schnittpunkt <math>Q</math> mit der <math>y</math>-Achse: <math>Q(0|y_Q)\Rightarrow y_Q=f(0)</math>
Steigung
Die Steigung <math>\tan\alpha</math> des Graphen einer linearen Funktion <math>f</math> lässt sich wegen <math>\tan\alpha = m</math> vom Koeffizienten in der Funktionsgleichung <math>f(x)=mx+n</math> ablesen.
Aus den Koordinaten zweier Punkte der Geraden wird sie so berechnet:
- <math>\tan\alpha = \frac{f(x_2)-f(x_1)} {x_2-x_1} = \frac{y_2-y_1} {x_2-x_1} = \frac{\Delta y} {\Delta x}</math>
Funktionsgleichung aufstellen
- Die Steigung <math>m</math> und ein Punkt <math>P_1(x_1|y_1),</math> der auf der Geraden liegt, seien bekannt.
- Ansatz: <math>f(x) = mx + n</math>
- <math>P_1(x_1|y_1) \quad \Rightarrow \quad f(x_1) = y_1 \quad \Rightarrow \quad mx_1 + n = y_1 \quad \Rightarrow \quad n = y_1 - mx_1</math>
- Die Koordinaten zweier Punkte <math>P_1(x_1|y_1)</math> und <math>P_2(x_2|y_2),</math> die auf der Geraden liegen, seien bekannt.
- Zuerst wird der Steigungsfaktor <math>m=\frac{y_2-y_1} {x_2-x_1}</math> berechnet, dann damit <math>n</math>:
- <math>P_1(x_1|y_1) \quad \Rightarrow \quad f(x_1) = y_1 \quad \Rightarrow \quad mx_1 + n = y_1 \quad \Rightarrow \quad n = y_1 - mx_1</math>
- oder
- <math>P_2(x_2|y_2) \quad \Rightarrow \quad f(x_2) = y_2 \quad \Rightarrow \quad mx_2 + n = y_2 \quad \Rightarrow \quad n = y_2 - mx_2</math>
Schnittpunkt zweier Geraden
Schneiden sich zwei durch <math>f(x)</math> und <math>g(x)</math> beschriebene Geraden, so muss im Schnittpunkt die Bedingung
- <math>f(x)=g(x)</math>
erfüllt sein. Die Lösung <math>x_S</math> dieser Gleichung ist die <math>x</math>-Koordinate des Schnittpunktes und <math>y_S=f(x_S)=g(x_S)</math> seine <math>y</math>-Koordinate.
Orthogonale Geraden
- Für die Steigungen <math>m_1</math> und <math>m_2</math> zweier senkrecht aufeinander stehender Geraden <math>g_1</math> und <math>g_2</math> gilt:
- <math>m_1 \cdot m_2=-1</math>
- <math>m_1=-\frac{1} {m_2}</math>
- <math>m_2=-\frac{1} {m_1}</math>
Ableitung und Stammfunktion
Die Ableitung einer linearen Funktion <math>f\left(x\right)=mx+n</math> ist <math>f'\left(x\right)=m</math>, also eine konstante Funktion.
Stammfunktionen von <math>f</math> haben die Gestalt <math>F(x)=\frac{m}{2}x^2+nx+c</math>. Für <math>m \neq 0</math> handelt es sich um quadratische Funktionen, für <math>m=0</math> um lineare Funktionen.
Verhalten im Unendlichen
Ist der Steigungsparameter <math>m</math> einer linearen Funktion <math>f(x)</math> positiv, so gilt <math>\lim_{x \to -\infty} f(x) = -\infty</math> und <math>\lim_{x \to \infty} f(x) = \infty</math>. Ist <math>m</math> negativ, so gilt umgekehrt <math>\lim_{x \to -\infty} f(x) = \infty</math> und <math>\lim_{x \to \infty} f(x) = -\infty</math>. Beim Sonderfall <math>m=0</math> liegt eine konstante Funktion vor und es gilt <math>\lim_{x \to -\infty} f(x) = \lim_{x \to \infty} f(x) = n</math>.
Lineare Funktionen mehrerer Veränderlicher
Eine (affin) lineare Funktion zweier Veränderlicher <math>x</math> und <math>y</math> ist eine Funktion <math>f\colon\R^2\to\R</math>, die sich in der Form
- <math>f(x,y)=ax+by+c</math>
mit <math>a,b,c \in \mathbb R</math> schreiben lässt. Es handelt sich um eine bivariate Polynomfunktion höchstens ersten Grades. Der Graph linearen Funktion zweier Veränderlicher ist eine Ebene.
Allgemein ist eine (affin) lineare Funktion mehrerer Veränderlicher <math>x_1, \ldots x_n</math> eine Funktion <math>f\colon\R^n\to\R</math>, die sich in der Form
- <math>f(x_1,\ldots, x_n)=a_1 x_1+\cdots + a_n x_n + c</math>
mit <math>a_1 , \ldots , a_n, c \in \mathbb R</math> schreiben lässt.<ref>Steffen Timmann: Repetitorium der Analysis Teil 2. 2. Auflage. Binomi-Verlag, Hannover 2006, ISBN 978-3-923923-52-6, S. 38.</ref> Der Graph einer solchen Funktion ist eine Hyperebene.
Weblinks
Literatur
- Manfred Leppig: Lernstufen Mathematik. Girardet 1981, ISBN 3-7736-2005-5, S. 61–74.
Einzelnachweise
<references />