Drittes Geschlecht
Als drittes Geschlecht werden Personen bezeichnet oder bezeichnen sich Personen selbst, die sich nicht in das binäre Geschlechtssystem „männlich“ und „weiblich“ einordnen lassen wollen.
Begriff und Definitionen
Das „dritte Geschlecht“ gilt mittlerweile als Variante der nichtbinären Geschlechtsidentitäten. Die Begrifflichkeiten sind nicht deckungsgleich, da „nichtbinär“ unter anderem auch Personen bezeichnet, welche die Zuschreibung eines Geschlechts und damit die Bezeichnung „drittes Geschlecht“ für sich ablehnen (genderfluid, genderqueer, neutrois). In einigen Gesellschaften gibt es neben „Mann“ und „Frau“ andere Bezeichnungen für spezielle Gruppen von Personen, die von dieser Einteilung abweichen, teils im biologischen Sinne als intergeschlechtlich, teils als eigene Geschlechtsidentität.
Die Bezeichnung erhielt eine Verbreitung im deutschen Sprachraum durch den Schriftsteller Ernst von Wolzogen mit seinem Roman Das dritte Geschlecht (1899), in dem er eine bisexuelle Frau beschreibt, also eine sexuelle Orientierung. Hierbei ist das Geschlecht im biologischen Sinn festgelegt, aber es besteht eine davon abweichende Geschlechtsidentität. Vertreter der modernen Queer-Theorie und der Transgeschlechtlichkeit-Bewegung benutzen die Bezeichnung „drittes Geschlecht“ im Sinne einer queeren Identität.
In Deutschland gibt es Personen mit juristisch unbestimmten Geschlechtsmerkmalen. Die Internationale Klassifikation der Krankheiten ICD-10-GM-2014 der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nennt in Kapitel XVII (Angeborene Fehlbildungen, Deformitäten und Chromosomenanomalien) auch angeborene Fehlbildungen der Genitalorgane, insbesondere ein „unbestimmtes Geschlecht und Pseudohermaphroditismus“. Außerdem gibt es Fälle von Störungen der Geschlechtsentwicklung oder geschlechtsspezifischen Abweichungen. Gesellschaftspolitisch werden diese Themen kontrovers diskutiert.
Geschichte
In Platons Symposion erzählt der Komödiendichter Aristophanes von den Kugelmenschen. Manche Kugelmenschen waren rein männlich, andere rein weiblich, wiederum andere – die andrógynoi – hatten eine männliche und eine weibliche Hälfte. Die rein männlichen Kugelmenschen stammten ursprünglich von der Sonne ab, die rein weiblichen von der Erde, die androgynen vom Mond.<ref>Platon: Symposion 189d–190b. Siehe dazu Bernd Manuwald: Die Rede des Aristophanes (189a1–193e2). In: Christoph Horn (Hrsg.): Platon: Symposion, Berlin 2012, S. 89–104, hier: 93 f.</ref>
In der europäischen Kulturgeschichte erhielten Gesangskastraten die falsche Benennung homines tertii generis (Menschen des dritten Geschlechts).<ref>Paul Münch: homines tertii generis. (PDF; 185 kB).</ref> In seiner autobiografischen Dichtung Frutti del mondo schreibt der Kastrat Filippo Balatris im Jahr 1735: „… obwohl ich doch ein Neutrum bin, ein Hauptwort mit dem Artikel ‚das‘.“<ref>Linda Maria Koldau: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Ille cum, tu sine – Der Kampf um die Männlichkeit bei den Kastraten des 18. Jahrhunderts. ( vom 6. Januar 2007 im Internet Archive) 2. Tagung AIM Gender, S. 4 (PDF; 82 kB; 17 Seiten).</ref>
Théophile Gautiers Roman Mademoiselle de Maupin (1835) handelt von einer bisexuellen Sängerin, die an der Pariser Oper in Männerrollen auftritt. Die Protagonistin erkennt die – im Vergleich zu Frauen – größeren Entfaltungsmöglichkeiten der Männer. Sie verkleidet sich als Mann und hat Liebeserlebnisse mit Männern und Frauen. Ihre Erlebnisse fasst die Sängerin in dem Satz zusammen: Je suis d’un troisième sexe à part qui n’a pas encore de nom.<ref>Théophile Gautier: Mademoiselle de Maupin (französisch).</ref> In der deutschen Übersetzung lautet der Satz: „Ich gehöre einem dritten, besonderen Geschlecht an, das noch keinen Namen hat.“<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Quellenangabe zu Oskar Sahlberg. ( des Vorlage:IconExternal vom 25. Dezember 2007 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. In: schwulencity.de. Abgerufen am 10. Mai 2014.</ref>
Die österreichische Schriftstellerin Elsa Asenijeff bezeichnete in ihrer 1898 erschienenen Schrift Aufruhr der Weiber und das Dritte Geschlecht „emancipierte Weiber“, welche angeblich danach streben, wie ein Mann zu leben, als hors-sexe (außerhalb des Geschlechts) oder als das dritte Geschlecht.<ref>Elsa Asenijeff: Aufruhr der Weiber und das Dritte Geschlecht. Österreichische Nationalbibliothek, Wien 1898 (online mit PDF-Download).</ref>
Ernst von Wolzogen zeichnete in seinem 1899 erschienenen satirischen<ref>projekt-gutenberg.org</ref> Roman Das dritte Geschlecht, der in München spielt, mit der Protagonistin Claire de Vries das Bild der studierenden Geliebten, die sich der traditionellen Rolle als Ehefrau und Mutter verweigert.
Die Schriftstellerin und Philosophin Simone de Beauvoir (1908–1986) bezeichnete Frauen nach der Menopause, in der sie die Empfängnisfähigkeit verlieren und die Sexualität dann zeugungslos wird, als ein „drittes Geschlecht“.
Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden. Liste dritter Geschlechter
In verschiedenen zeitgenössischen Philosophieströmungen – vor allem feministischer Prägung – wird Geschlecht nicht als durch biologische Bedingungen vorgegebene ontologische oder „natürliche“ Tatsache gesehen, sondern als ein soziokulturell geprägtes Konstrukt. Von der Gender-Forschung werden auch die Geschlechter-Zweiteilung und die Heteronormativität kritisch untersucht. In diesem Zusammenhang wurde gegen Ende des 20. Jahrhunderts die Bezeichnung „drittes Geschlecht“ durch Vertreter der Queer-Theorie und der Transgeschlechtlichkeit-Bewegung wiederentdeckt. Die queere oder nichtbinäre Geschlechtsidentität wird ab den 2010er-Jahren vergleichbar zu einem dritten Geschlecht betrachtet, statt ausgegrenzt zu werden als transgeschlechtlich oder intergeschlechtlich (vergleiche Ethnologische Aspekte von Geschlechtsidentität). In einigen Kulturen ist ein drittes soziales Geschlecht neben „männlich“ und „weiblich“ sozial anerkannt und in teils jahrhundertealte Traditionen eingebunden.<ref name="UNFE LGBT">Siehe auch die Liste von UN Free & Equal im Eintrag „LGBT/LGBTI“: Definitions. In: UNFE.org. Ohne Datum, abgerufen am 22. Januar 2020 (englisch); Zitat: „[…] different cultures use different terms to describe people who have same-sex relationships or who exhibit non-binary gender identities (such as hijra, meti, lala, skesana, motsoalle, mithli, kuchu, kawein, travesty, muxé, fa’afafine, fakaleiti, hamjensgara and two-spirit)“.</ref> Nachfolgend sind einige Beispiele für dritte Geschlechter aufgelistet. Bei einigen von ihnen ist jedoch umstritten, ob es sich wirklich um dritte Geschlechter handelt, oder diese vielmehr in einer binären Geschlechterordnung verharren.
- Amarete – Bolivien: Ort mit zehn sozialen Geschlechtern (Kombinationen von Mann/Frau)
- Bakla – Philippinen: Cross-Gender-Männer
- Batscha Poschi – Afghanistan: „die, welche wie Jungen angezogen sind“ und einen fehlenden Mann und Ernährer im Haushalt ersetzen sollen (siehe auch Bacha bazi: Kinderprostitution)<ref>Anna Fischhaber: „bacha posh“ in Afghanistan: Ein falscher Sohn ist besser als keiner. In: Süddeutsche Zeitung. 12. März 2015, abgerufen am 15. März 2020.
Video von faz: „Batscha Poschi“ in Afghanistan: Wenn Töchter Söhne werden müssen auf YouTube, 23. April 2018, abgerufen am 15. März 2020 (1:14 Minuten).</ref> - Bissu, Makkunrai, Calabai – Sulawesi: drei von fünf sozialen Geschlechtern bei der Volksgruppe der Bugis
- Burrnesha – Albanien: „eingeschworene Jungfrau“; Frauen, die eine männliche soziale Rolle übernehmen, um einen fehlenden Mann und Ernährer im Haushalt zu ersetzen
- Chanith – Oman, arabische Halbinsel: Transpersonen, die männliche Geschlechterrollen ablehnen
- Faʻafafine – Samoa: Erziehung eines männlichen Kindes zur Frau
- Fakaleiti – Tonga: Cross-Gender-Männer
- Femminiello – Italien: Im traditionellen Neapel eine Geschlechterrolle für homosexuelle Männer mit weiblichem Geschlechtsausdruck<ref>Jeff Matthews: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />The „Femminiello“ in Neapolitan Culture. ( vom 15. Mai 2011 im Internet Archive) In: umuc.edu: Around Naples Encyclopedia. November 2009 (englisch).</ref><ref>Bufi Fulvio: Presa Ketty, boss «femminiello» Comandava i pusher di Gomorra. In: Corriere della Sera. 13. Februar 2009, S. 19 (italienische Tageszeitung; <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />online auf corriere.it ( vom 14. September 2015 im Internet Archive)); Zitat: “{{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)”</ref>
- Galloi – Antike: transgeschlechtliche Priester(innen) der Göttin Kybele
- Hijra – Indien, Pakistan und Bangladesch: offiziell als drittes Geschlecht anerkannte Transpersonen im kultischen Dienst der Muttergöttin Bahuchara Mata
- Kathoey – Thailand: Ladyman, Ladyboy oder Shemale, und andersherum die Tom (teilweise „drittes Geschlecht“)<ref>Céline Grünhagen: Transgender in Thailand: Die religiöse und gesellschaftspolitische Bewertung der Kathoeys. In: Edith Franke, Katja Triplett (Hrsg.): Religion und Politik im gegenwärtigen Asien: Konvergenzen und Divergenzen. Lit, Berlin/Münster 2013, ISBN 978-3-643-12279-7, S. 67–84, hier S. 71–74 (englisch; Seitenansichten in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref><ref>Peter A. Jackson: Bangkok’s Early Twenty-First-Century Queer Boom. In: Queer Bangkok: 21st Century Markets, Media, and Rights. Hong Kong University Press, Hongkong 2011, ISBN 978-988-8083-04-6, S. 37 (englisch).</ref><ref>Megan Sinnott: Toms and Dees: Transgender Identity and Female Same-Sex Relationships in Thailand. S. 5–7 und 26 (englisch).</ref>
- Māhū – Hawaii und Französisch-Polynesien: Cross-Gender-Männer<ref name="Perkins 1994">Roberta Perkins: Like a Lady in Polynesia: The Māhū of Tahiti, the Fa'a Fafine in Samoa, the Fakaleiti in Tonga and More. In: Polare Edition 3. März 1994 (englisch; <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Review-Version vom September 2015 auf gendercentre.org.au ( vom 24. September 2015 im Internet Archive)).</ref><ref name="Uni-Hawaii genders">University of Hawaiʻi at Mānoa: Gender Identity and Sexual Identity in the Pacific and Hawai'i: Introduction. 5. November 2019, abgerufen am 10. November 2019 (englisch; ausführliche Materialien).</ref>
- Meti, Kothi – Nepal: als drittes Geschlecht angesehene Transfrauen
- Muxe/Marimacha – Südmexiko: sozial akzeptierte Trans-Rollen
- Sekrata – Madagaskar: Jungen, die „zart und weiblich“ sind und einvernehmlich in der Frauenrolle aufwachsen bei den Ethnien der Sakalava und Merina (Hova)<ref name="Hirschfeld 1901:577–579">Magnus Hirschfeld: Sonderbare Menschenkinder in Madagaskar. In: Derselbe: Jahrbuch für sexuelle Zwischenstufen mit besonderer Berücksichtigung der Homosexualität. Jahrgang 3. Max Spohr, Leipzig 1901, S. 577–579 (online auf archive.org).</ref><ref name="Bloch 1933:46,53–54">Iwan Bloch: Anthropological Studies on the Strange Sexual Practices of All Races and All Ages. 1933. Neuauflage: University Press of the Pacific, Honolulu 2001, ISBN 0-89875-471-2, S. 46 und 53–54 (englisch: Seitenvorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref><ref name="Perkins 1995:4–6">Roberta Perkins: Cross-Dressing Magic: Intersexuals and Feminine Husbands. In: Polare 9. Oktober 1995, S. 4–6 (englisch; australische transgender Soziologin; <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />PDF: 407 , 33 Seiten ( des Vorlage:IconExternal vom 24. April 2018 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. auf gendercentre.org.au).</ref><ref name="Zheliaa 2015-11-11">Zheliaa: Sekrata. In: Rampages.us. 11. November 2015, abgerufen am 13. April 2020 (englisch; Blogbeitrag).</ref>
- Travesti – Selbstbezeichnung für Personen aus dem lateinamerikanischen Raume, denen bei der Geburt das männliche Geschlecht zugewiesen wurde und die eine weibliche Geschlechtsidentität entwickeln.
- Two-Spirit – Nordamerika: ein drittes Geschlecht bei indigenen Völkern
- X-gender – Japan: Selbstbezeichnung einer Geschlechtlichkeit außerhalb der zwei Kategorien Mann/Frau
Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden. Staaten mit rechtlicher Anerkennung einer dritten Geschlechtsoption
Von folgenden Staaten wird ein „unbestimmtes“ Geschlecht rechtlich anerkannt und kann in Reisepässen als Geschlechtsmerkmal eingetragen werden, meist als X:<ref name="DB 2017-11-08">Ines Eisele: Intersexualität: Viele Länder kennen drittes Geschlecht. In: Deutsche Welle. 8. November 2017, abgerufen am 28. November 2019.</ref>
- Argentinien (2012)<ref>Goethe-Institut Chile: Politiken des Ich: Identität und Geschlecht in Argentinien. In: Goethe.de. Juni 2015, abgerufen am 25. Juli 2021 (übersetzt von Inka Marter).</ref><ref name="EURONEWS 2021-07-22" />
- Australien (2003)
- Bangladesch (2013)
- Chile (2018)<ref>Meldung: Durchbruch: Freie Geschlechtswahl in Chile. In: Queer.de. 13. September 2018, abgerufen am 26. Juli 2021.</ref>
- Dänemark
- Deutschland (2018): „divers“ (seit 2013 auch leerer Eintrag möglich)
- Indien (2014)<ref name="DB 2017-11-08" />
- Island (2019)<ref>Helena Werhahn: Namensgebung in Island: Nicht mehr nur Sohn und Tochter. In: taz.de. 4. Juli 2019, abgerufen am 28. November 2019.</ref>
- Kanada (2017)<ref>Rebecca Joseph: Canadian Passports to have ‘X’ gender starting Aug. 31. In: Global News. 24. August 2017, abgerufen am 10. November 2019 (englisch).</ref><ref>Mattha Busby: Canada introduces gender-neutral “X” option on passports. In: The Guardian. 31. August 2017, abgerufen am 10. November 2019 (englisch).</ref>
- Kenia (2014)<ref name="DB 2017-11-08" />
- Kolumbien (2022):
X<ref name="MAENNER 2022-03-07">Sabine Hannakampf: Kolumbien wird divers. In: Maenner.Media. 7. März 2022, abgerufen am 8. März 2022 („Kolumbiens Verfassungsgericht hat die Aufnahme der Kategorie ‚nicht-binär‘ in kolumbianischen Ausweisdokumenten angeordnet“).</ref> - Malta (2015)
- Nepal (2015)
- Neuseeland (2012)
- Niederlande (2018)<ref>Meldung: Niederlande vereinfachen Personenstands- und Vornamensänderung. Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität (dgti). 11. April 2019, abgerufen am 10. November 2019; Zitat: „Leonne Zeegers hatte sich im Oktober 2018 in einem langen Gerichtsprozess den ersten niederländischen Reisepass mit der Angabe x erstritten.“</ref><ref>Gerichtlich zuerkannte Angabe für eine erwachsene nichtbinäre transidente Person: „Geschlecht konnte nicht festgestellt werden“ in der Meldung: Rechtbank oordeelt dat de tijd rijp is voor erkenning van een derde gender. In: rechtspraak.nl. 28. Mai 2018, abgerufen am 10. November 2019 (niederländisch; „Gericht urteilt, dass die Zeit für ein drittes Geschlecht reif ist“).</ref>
- Österreich (2018): „divers“ (auch leerer Eintrag möglich)
- Pakistan (2009)
- Spanien (2021)<ref name="EURONEWS 2021-07-22">Meldung (CNN): Argentinien führt nicht-binären Ausweis ein. In: Euronews. 22. Juli 2021, abgerufen am 23. Juli 2021; Zitat: „In Spanien wurde das Gesetz vor kurzem geändert. Hier sind für eine Geschlechtsänderung nur zwei Erklärungen im Abstand von drei Monaten vor dem Standesamt ausreichen – ohne eine medizinische Diagnose und eine zwei Jahre dauernde Hormonbehandlung, die bisher vorgeschrieben sind.“.</ref>
- Uruguay (2018)<ref>Offizieller uruguayischer Gesetzestext: Ley integral para personas trans. Uruguayisches Ministerium für soziale Entwicklung, 26. Oktober 2018 (spanisch; PDF: 4 MB, 10 Seiten auf presidencia.gub.uy).</ref>
- USA: 26 der 56 Bundesstaaten und Territorien inkl. D.C. (Stand: November 2021)<ref name="LGBTmap.org">Movement Advancement Project (MAP): USA: Identity Document Laws and Policies. In: LGBTmap.org. Stand: 10. November 2021, abgerufen am 14. November 2021 (englisch; detaillierte Übersicht aller US-Bundesstaaten und -Territorien zu Einträgen in Führerschein oder Geburtsurkunde).</ref>
Im Oktober 2021 stellt die Bundesverwaltung den ersten geschlechtsneutralen Reisepass für eine nichtbinäre Person aus und erlaubt ab jetzt die freie Geschlechtswahl.<ref name="STERN 2021-10-27">Meldung (AP): X statt M oder F: USA stellen ersten geschlechtsneutralen Reisepass aus. In: Stern.de. 27. Oktober 2021, abgerufen am 14. November 2021.</ref><ref name="TAGESSPIEGEL 2021-10-27">Farangies Ghafoor: Geschlechtervielfalt auf Reisedokumenten: USA stellen ersten Pass für Nicht-Binäre aus. In: Der Tagesspiegel. 27. Oktober 2021, abgerufen am 14. November 2021.</ref>
Beispiele für den rechtlichen Umgang mit Menschen ohne eindeutige Geschlechtszuordnung Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden.
Deutschland
Personen mit dem Geschlechtseintrag „divers“ bilden seit Ende 2018 im deutschen Recht – neben denjenigen, deren Geschlecht personenstandsrechtlich offengelassen wurde (eingeführt Ende 2013) – eine eigene Geschlechtsoption, die gesetzlich so umschrieben wird, dass diese Personen „weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zugeordnet“ sind (vergleiche Nichtbinäre Geschlechtsidentität). Diversgeschlechtliche Menschen können ein „X“ als Geschlechtsangabe im Reisepass erhalten.<ref name="PStG-22">PStG § 22 In: gesetze-im-internet.de. Bundesamt für Justiz (gültig ab 22. Dezember 2018).</ref> Laut einer Umfrage des Bundesinnenministeriums unter den 16 Bundesländern haben bis Ende September 2020 insgesamt 413 Personen den Eintrag „divers“ erhalten, darunter 394 nach eigener Wahl und 19 Neugeborene.<ref name="WELT 2021-02-02">Laura Sophia Jung: Intergeschlechtlichkeit: So viele Menschen haben die dritte Geschlechtsoption genutzt. In: Die Welt. 2. Februar 2021, abgerufen am 2. Februar 2021.</ref>
Österreich
In Österreich gelten seit Anfang 2019 ähnliche Bestimmungen wie in Deutschland.<ref>Verfassungsgerichtshof: Intersexuelle Personen haben Recht auf adäquate Bezeichnung im Personenstandsregister. In: vfgh.gv.at. 29. Juni 2018, abgerufen am 10. September 2020.</ref><ref>Paul Haller, Luan Pertl, Tinou Ponzer: Geschlechtsbezeichnung „divers“: Alex Jürgen und die dritte Option. In: Der Standard. 14. Mai 2019, abgerufen am 10. September 2020.</ref><ref>Meldung: Drittes Geschlecht: VfGH ordnet Eintragung in Urkunden an. In: news.ORF.at. 29. Juni 2018, abgerufen am 10. November 2019.</ref> Per Erlass des Innenministeriums im September 2020 sind neben männlich und weiblich folgende Eintragungen im Zentralen Personenstandsregister (ZPR) möglich:<ref>Meldung: Drittes Geschlecht: Neuer Erlass für Dokumente. In: ORF.at. 9. September 2020, abgerufen am 10. September 2020.</ref>
- divers
- inter
- offen
- kein Eintrag
Die Anzeige der Geburt mit der Festlegung der Bezeichnung erfolgt grundsätzlich durch eine Hebamme oder einen Arzt oder eine Ärztin. Falls zu einem späteren Zeitpunkt eine Änderung der Geschlechtszuordnung vorgenommen werden soll, ist ein Fachgutachten notwendig.<ref>Meldung: Drittes Geschlecht: Neuer Erlass für Dokumenteneinträge fertig. In: TT.com. 10. September 2020, abgerufen am 10. September 2020.</ref>
Malta
Auf der Insel Malta wird seit 2015 nach den Änderungen durch das Gesetz Gender Identity, Gender Expression and Sex Characteristics Act gemäß Artikel 278 des Zivilgesetzbuches die Angabe des Geschlechts eines Kindes im Geburtseintrag zurückgestellt, bis die Identität des Geschlechts des Minderjährigen geklärt ist. Nach § 9 (2) des Gesetzes wird eine ausländische Geschlechtsangabe auch dann anerkannt, wenn sie nicht „weiblich“ oder „männlich“ lautet; auch das Fehlen einer Geschlechtsangabe wird nach dieser Bestimmung anerkannt.<ref>Marie Louisecoleiro Preca, President: ACT No. XI of 2015. 14. April 2015 (englisch; PDF: 680 kB, 12 Seiten auf tgeu.org).</ref>
Künstlerische Rezeption
Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden. Belletristik
- Isaac Asimov: Lunatico oder die nächste Welt. 1972, ISBN 3-453-06591-3 – Science-Fiction-Roman über den Kontakt der Menschen mit dreigeschlechtlichen Aliens
- Iain M. Banks: Das Spiel Azad. Heyne, München 1990, ISBN 3-453-04275-1 – Science-Fiction-Roman von 1988 über eine humanoide Rasse, die das – dominante – dritte Geschlecht „Apex“ kennt
- Octavia E. Butler: Xenogenesis-Trilogie. Heyne, München 1987–1989 – Band 1 bis 3: Die Genhändler. 1999, ISBN 3-453-14897-5; außerirdische Rasse, die das dritte Geschlecht „Ooloi“ kennt
- Jeffrey Eugenides: Middlesex. Rowohlt, Reinbek 2003, ISBN 3-498-01670-9 (2002 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneter Roman, dessen Hauptfigur intergeschlechtlich ist).
Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden. Film und Fernsehen
- XXY, argentinisches Film-Drama 2007 von Lucía Puenzo – ähnliches Thema wie der US-amerikanische Roman Middlesex
- Star-Trek-Universum – hier treten einige außerirdische Spezies auf, die vom zweifachen Geschlechtssystem abweichen:<ref>Wiki-Eintrag: Geschlecht. In: Memory Alpha. 1. Februar 2021, abgerufen am 2. Februar 2021.</ref> So hat die in Star Trek: Raumschiff Voyager auftretende Spezies 8472 fünf Geschlechter. Auch die Spezies der Rigelianer, die in verschiedenen Serien vorkommt, hat mehrere Geschlechter (vier oder fünf).<ref>Wiki-Eintrag: Rigelianer. In: Memory Alpha. 1. Februar 2021, abgerufen am 2. Februar 2021.</ref> Bei Star Trek: Enterprise tritt die Spezies der Vissianer auf, bei ihr gibt es als drittes Geschlecht den Cogenitor.<ref>Wiki-Eintrag: Vissianischer Cogenitor. In: Memory Alpha. 1. Februar 2021, abgerufen am 2. Februar 2021.</ref> In der Serie Star Trek: Discovery tritt mit Adira Tal erstmals ein nichtbinärer Mensch auf, dargestellt von Blu del Barrio.<ref>Wiki-Eintrag: Adira Tal. In: Memory Alpha. Abgerufen am 29. März 2021.</ref><ref>Meldung (Reuters): Premiere im Serienuniversum: “Star Trek” führt Trans-Figur und nichtbinären Charakter ein. In: Der Spiegel. 3. September 2020.</ref>
Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Siehe auch“ ist nicht vorhanden.
Siehe auch
- Hermaphroditismus (Zwittertum: biologischer Zustand von doppeltgeschlechtlichen Individuen)
Literatur
- Elsa Asenijeff: Aufruhr der Weiber und das Dritte Geschlecht. Friedrich, Leipzig 1898.
- Ute Scherb: Ich stehe in der Sonne und fühle, wie meine Flügel wachsen. Studentinnen und Wissenschaftlerinnen an der Freiburger Universität von 1900 bis zur Gegenwart. Helmer, Königstein/Taunus 2002, ISBN 3-89741-117-2 (Besprechung).
Weblinks
- Hans-Otto Burschel: Familienrecht: Das dritte Geschlecht. In: Beck-Blog. 8. November 2017.
- Fabienne Rzitki: Das dritte Geschlecht: Mann, Frau, Zwitter – „Unter Hitler wäre ich ins KZ gekommen“. In: Focus Online. 1. November 2013.
- Jean-Claude Kuner: Mann? Frau? Berdache! Über Indianer und Geschlechtervielfalt. In: Deutschlandfunk Kultur. 30. Juni 2007.
- Peer Bruch: Hijras: Das dritte Geschlecht. In: Südasien-Informationsnetz. 23. Januar 2006.
- Amara Wilhelm: GALVA-108: Gay and Lesbian Vaishnava Association. In: Galva108.org. 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value), das dritte Geschlecht in Indien und weltweit).
Historisch:
- Franziska Gräfin zu Reventlow: Viragines oder Hetären. In: Zeno.org/Literatur. 1899 (Erstdruck in: Zürcher Diskußionen, herausgegeben von Oskar Panizza, Jahrgang 2, Nr. 22, 1899).
Einzelnachweise
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