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Ambrox

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Strukturformel
Strukturformel von (−)-Ambrox
Strukturformel von (−)-Ambrox
Allgemeines
Name Ambrox
Andere Namen
  • (3aR,5aS,9aS,9bR)-3a,6,6,9a-Tetramethyl-dodecahydronaphto[2,1-b]furan
  • 1,5,5,9-Tetramethyl-13-oxatricyclo-[8.3.0.0.(4.9)]tridecan Vorlage:CASRN
  • (−)-Ambrox
  • (−)-Ambroxan
  • (−)-Ambroxid
Summenformel C16H28O
Kurzbeschreibung

kristalliner Feststoff mit charakteristischem Geruch<ref name="firmenich">Firmenich: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Ambrox® Super (Memento vom 2. Januar 2022 im Internet Archive), abgerufen am 2. Januar 2022.</ref>

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer
EG-Nummer 229-861-2
ECHA-InfoCard 100.027.147
PubChem 10857465
ChemSpider 9032756
Wikidata [[:d:Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)|Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)]]
Eigenschaften
Molare Masse 236,39 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Dichte

0,939 g·cm−3 [(−)-Ambrox]<ref name="cb">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check bei ChemBlinkVorlage:Abrufdatum</ref>

Schmelzpunkt

73–75 °C [760 mm Hg, (−)-Ambrox]<ref name="goodscents">Eintrag zu Ambroxan bei thegoodscentscompany.com, abgerufen am 17. Juni 2017.</ref>

Siedepunkt

120 °C [1,4 mm Hg, (−)-Ambrox]<ref name="goodscents" />

Löslichkeit
  • wenig löslich in Wasser [2,4 mg·l−1, (−)-Ambrox]<ref name="goodscents" />
  • löslich in Ethanol [(−)-Ambrox]<ref name="goodscents" />
Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung<ref name="Sigma">Datenblatt Vorlage:Linktext-Check bei Sigma-AldrichVorlage:Abrufdatum (PDF).</ref>
keine GHS-Piktogramme

H- und P-Sätze H: keine H-Sätze
P: keine P-Sätze<ref name="Sigma" />
Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa).

Ambrox (auch Ambroxan) ist eine trizyklische, sesquiterpenoide chemische Verbindung<ref>Eintrag zu Ambrox. In: Römpp Online. Georg Thieme VerlagVorlage:Abrufdatum</ref>. Sie wurde als einer der Stoffe identifiziert, die für den charakteristischen Geruch der grauen Ambra verantwortlich sind, einem der wertvollsten tierischen Duftstoffe neben Zibet und Moschus.<ref>G. Ohloff: The Fragrance of Ambergris. In: Ernst T. Theimer: Fragrance chemistry: the science of the sense of smell. Academic Press, New York, 1982, ISBN 0-12-685850-0.</ref>

Vorkommen

Datei:Salvia sclarea3.jpg
Muskatellersalbei (Salvia sclarea)

Ambrox entsteht durch die Reaktion von Ambrein (Hauptbestandteil der grauen Ambra, einer wachsartigen Substanz aus dem Verdauungstrakt von Pottwalen) mit Luftsauerstoff. Als Zersetzungsprodukt von (Labdan-)Diterpenen kann Ambrox in geringen Mengen auch in folgenden Quellen vorkommen:

Gewinnung und Darstellung

Zur Gewinnung von Ambrox wird Ambrein nicht mehr verwendet, es wird als Ausgangsstoff durch Sclareol aus Salvia sclarea ersetzt. Durch die Publikation der ersten Partialsynthese im Jahre 1950 von der Firma Firmenich wurde eine alternative Ambrox-Quelle gefunden. Schlüsselschritt der technischen Synthese ist der oxidative Abbau der Seitenkette mit Chromtrioxid CrO3. Die anschließende Reduktion des Lactons mit Lithiumaluminiumhydrid führt zum Diol, welches in Gegenwart von Säuren zum gewünschten Ether cyclisiert. Als Nebenprodukt kann das thermodynamisch stabilere 9b-epi-Ambrox entstehen. Die Reaktion ist im industriellen Maßstab mit einer Ausbeute von 54 % durchführbar.<ref name="Schäfer">B. Schäfer: Chemie in unserer Zeit. 2011, 45, 374–388; doi:10.1002/ciuz.201100557.</ref>

Nach dem Auslaufen des Patentes Anfang der 1980er Jahre wurden weitere, technisch realisierbare Syntheserouten veröffentlicht. Eine Abbaureaktion von Sclareol mittels Natriumperiodat (anstelle von Kaliumpermanganat) wurde im Arbeitskreis von Sir Derek H. R. Barton publiziert und zum Patent angemeldet.<ref>Patent US4970163: Process for producing diol and lactone and microorganisms capable of same. Angemeldet am 28. September 1989, veröffentlicht am 13. November 1990, Erfinder: Mohamad I. Farbood, James A. Morris, Arthur E. Downey..</ref>

Synthese von Ambrox ausgehend von Sclareol

Obwohl die Syntheseschritte verhältnismäßig einfach und sicher durchgeführt werden können, liegt der große Nachteil in diesen Synthesen in der fluktuierenden Versorgungslage und somit stark variierenden Preisen von Sclareol.<ref>G. Ohloff, W. Giersch, W. Pickenhagen, A. Furrer und B. Frei: Significance of the geminal dimethyl group in the odor principle of Ambrox®. In: Helvetica Chimica Acta. 1985, 68, 2022–2029, doi:10.1002/hlca.19850680726.</ref>

Als Alternative zu Sclareol kann auch (+)-cis-Abienol zur Herstellung von Ambrox verwendet werden. (+)-cis-Abienol gewinnt man aus Kanadabalsam.<ref name="Schäfer" />

Synthese von Ambrox ausgehend aus (+)-cis-Abienol

Mittels Ozonolyse von (+)-cis-Abienol und anschließender reduktiven Aufarbeitung, erhält man ein Diol, welches mit Tosylchlorid in Pyridin mit exzellenten Ausbeuten zu Ambrox cyclisiert werden kann.<ref>A. F. Barrero, E. J. Alvarez-Manzaneda, J. Altarejos, S. Salido und J. M. Ramos: Synthesis of Ambrox® from (−)-sclareol and (+)-cis-abienol. In: Tetrahedron. 1993, 49; 45, 10405–10412, doi:10.1016/S0040-4020(01)80567-6.</ref> Neben dieser synthetisch betrachtet besonders geschickten Abbaureaktion, kann Ambrox auch noch ausgehend von einer Reihe anderer Naturstoffe [(−)-Drimenol<ref>H. Akita, M. Nozawa, A. Mitsuda und H. Ohsawa: A convenient synthesis of (+)-albicanol based on enzymatic function: Total syntheses of (+)-albicanyl acetate, (−)-albicanyl 3,4-dihydroxycinnamate, (−)-drimenol, (−)-drimenin and (−)-ambrox. In: Tetrahedron: Asymmetry. 2000, 11, S. 1375–1388, doi:10.1016/s0957-4166(00)00076-8.</ref>, (−)-Thujon<ref>J. P. Kutney, C. Cirera: The chemistry of thujone. XX. New enantioselective syntheses of Ambrox and epi-Ambrox. In: Canadian Journal of Chemistry. 75 (8), 1997, S. 1136, doi:10.1139/v97-136.</ref> oder auch (+)-Carvon<ref>A. A. Verstqen-Haaksma, H. J. Swarts, B. J. M. Jansen und A. de Groot: Total synthesis of (−)-Ambrox® from S-(+)-carvone. In: Tetrahedron. 1994, 50; 33, 10095-10106, doi:10.1016/S0040-4020(01)89625-3.</ref>] gewonnen werden.

Verwendung und Eigenschaften

Ambrox ist ein schon seit dem Altertum bekannter Duftstoff, der bei der Parfüm­herstellung verwendet wird.

Die unterschiedlichen Stereoisomere von Ambrox haben einen vergleichbaren Duft, unterscheiden sich aber in ihren Geruchsschwellen.<ref>G. Fráter, J. A. Bajgrowicz, P. Kraft: Fragrance Chemistry. In: Tetrahedron. 1998, 54; 27, 7633–7703.</ref>

Einige Stereoisomere von Ambrox
Einige Stereoisomere von Ambrox
Isomer Geruchsschwelle in ppb
(−)-Ambrox 0,3
3a-epi-(−)-Ambrox 34
9b-epi-(−)-Ambrox 0,15
(+)-Ambrox 2,4

Die Weltjahresproduktion für Ambrox und Analoga liegt bei etwas mehr als 30 Tonnen.<ref>C. Allemann: Synthesis and Application of an Electronically Chiral Mimic of CpFe. Dissertation, No. 1369, Université de Fribourg (Suisse), 2011, urn:nbn:ch:rero-002-101591.</ref>

Handelsnamen

Einzelnachweise

<references />