Eugen Wipf
Eugen Wipf (* 12. Dezember 1916<ref>Vincenz Oertle: Endstation Algerien: Schweizer Fremdenlegionäre. Dreizehn Lebensbilder der 1950er Jahre. 2007.</ref> in Dorf am Irchel, Kanton Zürich;<ref name="Pütz">Albert Pütz: Das SS-Sonderlager/KZ Hinzert 1940–1945. Das Anklageverfahren gegen Paul Sporrenberg: eine juristische Dokumentation. 1998, S. 116.</ref> † 31. August 1948 in Zürich)<ref name="Pütz" /> war ein Schweizer Funktionshäftling im SS-Sonderlager Hinzert.
Leben
Im Dezember 1916 wurde Wipf als Sohn eines Kleinbauern in der Gemeinde Dorf am Irchel geboren.<ref name="Pütz 114">Albert Pütz: Das SS-Sonderlager/KZ Hinzert 1940–1945. Das Anklageverfahren gegen Paul Sporrenberg: eine juristische Dokumentation. 1998, S. 114.</ref> Nach zwei Jahren Sekundarschule war er im Kanton Neuenburg als Stallknecht tätig.<ref>Vincenz Oertle: «Sollte ich aus Russland nicht zurückkehren …» Schweizer Freiwillige an deutscher Seite 1939–1945: eine Quellensuche. 1997, S. 346.</ref> Danach begann er im Alter von 16,5 Jahren eine Lehre zum Schmied,<ref name="Pütz 114" /> brach diese jedoch ab. Wipf schlug sich nun als Handlanger durch.<ref>Linus Reichlin: Kriegsverbrecher Wipf, Eugen. Schweizer in der Waffen-SS, in deutschen Fabriken und an den Schreibtischen des Dritten Reiches. 1994, S. 7.</ref> Nach seiner Militärdienstzeit trat er 1936 in den Grenzschutz ein und wurde später wegen Trunkenheit in Arrest genommen. Er konnte aus der Haft entweichen und passierte nach Beginn des Zweiten Weltkrieges im August 1940 die Schweizer Grenze zum Deutschen Reich.
Nachdem Wipf mehrmals straffällig geworden war, wurde er im November 1941 als «unerwünschter Ausländer und Asozialer» im SS-Sonderlager Hinzert im Hunsrück interniert. Dort wurde er im Januar 1942 von der Lagerleitung als Stubenältester eingesetzt. Von Herbst 1943 bis zum 6. Juni 1944 war er Oberkapo.<ref>Wolfgang Benz, Barbara Distel (Hrsg.): Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Band 5: Hinzert, Auschwitz, Neuengamme. C. H. Beck, München 2007, ISBN 978-3-406-52965-8.</ref> Danach wurde er in die Waffen-SS zur SS-Sondereinheit Dirlewanger übernommen<ref>Vincenz Oertle: «Sollte ich aus Russland nicht zurückkehren …» Schweizer Freiwillige an deutscher Seite 1939–1945: eine Quellensuche. 1997.</ref>, wo er den Rang eines Unterscharführers erreichte.
Kurz vor Kriegsende wurde er beim Grenzübertritt in die Schweiz im Mai 1945 festgenommen und später inhaftiert. Für mehrere Morde und Gewalttaten gegen Häftlinge verantwortlich gemacht, wurde er von einem Zürcher Schwurgericht am 6. Juli 1948<ref name="Pütz" /> zu einer lebenslangen Zuchthausstrafe, abzüglich 331 Tage Untersuchungshaft, und zu 8 Jahren Ehrverlust verurteilt.<ref>Wolfgang Benz, Barbara Distel, Angelika Königseder, Verena Walter: Terror im Westen. Nationalsozialistische Lager in den Niederlanden, Belgien und Luxemburg 1940–1945. Metropol, Berlin 2004, ISBN 3-936411-53-0.</ref> Wipf starb kurz nach der Urteilsverkündung im Universitätsspital Zürich.<ref name="Pütz" /> Todesursache war eine Blutkrankheit.
Literatur
- Linus Reichlin: Kriegsverbrecher Wipf, Eugen. Schweizer in der Waffen-SS, in deutschen Fabriken und an den Schreibtischen des Dritten Reiches. Weltwoche, Zürich 1994, ISBN 3-85504-155-5.
Weblinks
- Literatur von und über Eugen Wipf im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Volker Schneider: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Oberkapo Wipf «… ein Scheusal in Menschengestalt» ( vom 3. Juli 2017 im Internet Archive) (Onlinepublikation; PDF; 3,7 MB)
- Marc Tribelhorn: Folter und Mord im Nazi-Konzentrationslager. Sadist Wipf. In: Neue Zürcher Zeitung. 3. Juli 2017
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Wipf, Eugen |
| KURZBESCHREIBUNG | Schweizer Funktionshäftling |
| GEBURTSDATUM | 12. Dezember 1916 |
| GEBURTSORT | Dorf am Irchel |
| STERBEDATUM | 31. August 1948 |
| STERBEORT | Zürich |