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Brandnarbenkrebs

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Datei:Marjolin ulcer.JPG
Arm eines Patienten mit Brandnarbenkrebs, der sich aus einer Brandnarbe entwickelt hat.
Datei:Marjolin ulcer 01.jpg
63-jähriger Patient mit 8×8 cm großem eiternden und ulzerierenden Brandnarbenkrebs der Kopfhaut. An dieser Stelle hatte er im Alter von fünf Jahren eine elektrische Verbrennung erlitten, die Zeit seines Lebens nie vollständig verheilte.<ref name="PMID16309562">R. E. Horch, G. B. Stark, J. P. Beier: Unusual explosive growth of a squamous cell carcinoma of the scalp after electrical burn injury and subsequent coverage by sequential free flap vascular connection–a case report. In: BMC Cancer. Band 5, 2005, S. 150, ISSN 1471-2407. doi:10.1186/1471-2407-5-150. PMID 16309562. PMC 1314891 (freier Volltext).</ref>

Als Brandnarbenkrebs, auch Brandnarbenkarzinom genannt, bezeichnet man einen nach Jahren oder Jahrzehnten aus Verbrennungsnarben entstehenden bösartigen Tumor (Malignom) der Haut (Hautkrebs). Das Brandnarbenkarzinom ist die häufigste Form eines Narbenkarzinoms. In der englischsprachigen Fachliteratur wird meist die Bezeichnung burn scar carcinoma verwendet.<ref>Peter Reuter: Springer Lexikon Medizin. Springer, Berlin u. a. 2004, ISBN 3-540-20412-1, S. 296.</ref>

Beschreibung

Brandnarbenkrebs ist eine seltene Spätfolge von Verbrennungen. Die Krebserkrankung kann vor allem dann entstehen, wenn die Brandnarben der Spontanheilung überlassen und nicht durch die Transplantation mit Spalthaut abgedeckt wurden.<ref name="lippert" /> Fälle von Brandnarbenkrebs nach einer Hauttransplantation zur Behandlung einer Verbrennung sind dagegen ausgesprochen selten.<ref name="PMID19349873" />

Histologie

In einer Analyse von 412 Fällen, aus 146 Veröffentlichungen von Brandnarbenkrebs im Zeitraum von 1923 bis 2004, handelte es sich in 71 % der Fälle um Plattenepithelkarzinome (Spinaliome). Wesentlich seltener waren Basaliome (12 %), maligne Melanome (6 %) und Sarkome (5 %). Andere, seltene Tumorarten fanden sich in 4 % der Fälle. Mischformen, wie Spinaliom-Melanom und Spinaliom-Basaliom, fanden sich zu je 1 %.<ref name="PMID15896501">A. Kowal-Vern, B. K. Criswell: Burn scar neoplasms: a literature review and statistical analysis. In: Burns. Band 31, Nummer 4, Juni 2005, S. 403–413, ISSN 0305-4179. doi:10.1016/j.burns.2005.02.015. PMID 15896501. (Review).</ref>

Inzidenz und Latenzzeit

In der Literatur werden für Brandnarbenkarzinome, nach entsprechenden Brandverletzungen, Häufigkeitswerte von 1 bis 2 % genannt.<ref name="lippert">Hans Lippert: Wundatlas: Kompendium der komplexen Wundbehandlung. 3. Auflage, Georg Thieme Verlag, 2012, ISBN 3-13-157473-9, S. 68. eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.</ref> Patienten mit Brandnarben haben, insgesamt betrachtet, ein nur geringfügig höheres Risiko an Hautkrebs zu erkranken als die Gesamtbevölkerung.<ref name="PMID21635634">S. C. Wallingford, C. M. Olsen u. a.: Skin cancer arising in scars: a systematic review. In: Dermatologic Surgery. Band 37, Nummer 9, September 2011, S. 1239–1244, ISSN 1524-4725. doi:10.1111/j.1524-4725.2011.02060.x. PMID 21635634. PMC 3447738 (freier Volltext). (Review).</ref> Hautkrebserkrankungen sind die mit Abstand häufigste Krebserkrankung beim Menschen.<ref>Rolf-Markus Szeimies, Axel Hauschild u. a. (Hrsg.): Tumoren der Haut. Georg Thieme Verlag, 2009, ISBN 3-13-158681-8, S. V. eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.</ref> Brandnarbenkarzinome haben an der Gesamtzahl der Hautkrebserkrankungen nur einen sehr geringen Anteil. Das Krebsregister erfasst von den Hautkrebsformen nur das maligne Melanom.<ref>Stiftung Warentest: Hautkrebs. vom 20. April 2012, abgerufen am 29. Dezember 2012</ref>

Von der vollständigen Heilung der ursächlichen Verbrennung bis zur Erstdiagnose eines Brandnarbenkarzinoms vergehen üblicherweise mehrere Jahre beziehungsweise Jahrzehnte. In der Literatur sind Latenzzeiten von 3 bis 60 Jahre beschrieben.<ref name="weinzweig" /> Das mittlere Alter der Patienten bei der Diagnose Brandnarbenkarzinom liegt bei 50 Jahren. Die ursächliche Verbrennung hatten die Patienten bei einem Durchschnittsalter von 20 Jahren. Die mittlere Latenzzeit liegt bei 31 Jahren. Bei etwa 5 % der Fälle bildet sich der Tumor zu einem Zeitpunkt einer noch bestehenden, nicht verheilten Brandverletzung.<ref name="PMID15896501" />

Behandlung

Ein Brandnarbenkarzinom wird üblicherweise chirurgisch per Inzision entfernt. Dabei wird mit einem Sicherheitsabstand von mindestens 20 mm in das umliegende gesunde Gewebe geschnitten.<ref name="lippert" /> Speziell die Plattenepithelkarzinome sind hochaggressiv, so dass eine möglichst tiefgreifende, radikale Resektion notwendig ist.<ref name="weinzweig">J. A. Petro, Z. Niazi: Burn Reconstruction. In: Jeffrey Weinzweig: Plastic Surgery Secrets Plus. Kapitel 103, Elsevier Health Sciences, 2010, ISBN 0-323-08590-3 eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.</ref> In den Fällen, in denen eine lokale Inzision nicht mehr möglich ist, kann – wenn durchführbar – eine Amputation indiziert sein.<ref name="lippert" />

Die Rezidivrate liegt bei etwa 16 %. In 22 % der Fälle finden sich Metastasen in den umliegenden Lymphknoten.<ref name="PMID15896501" /> Die Notwendigkeit der Entfernung des Wächterlymphknotens wird kontrovers diskutiert.<ref name="lippert" />

Die Mortalitätsrate beim Brandnarbenkarzinom liegt bei etwa 21 %.<ref name="PMID15896501" />

Abgrenzung

Vom Brandnarbenkrebs ist der Hitzekrebs zu unterscheiden. Beim Hitzekrebs entstehen keine Brandnarben, sondern über ein chronisches Erythema ab igne (Buschke-Hitzemelanose) – nach einer ebenfalls sehr langen Latenzzeit – Plattenepithelkarzinome. Ein Beispiel für Hitzekrebs ist der Kangri-Krebs.<ref name="PMID20101335">M. A. Teli, N. A. Khan u. a.: Recurrence pattern in squamous cell carcinoma of skin of lower extremities and abdominal wall (Kangri cancer) in Kashmir valley of Indian subcontinent: impact of various treatment modalities. In: Indian journal of dermatology. Band 54, Nummer 4, 2009, S. 342–346, ISSN 1998-3611. doi:10.4103/0019-5154.57610. PMID 20101335. PMC 2807710 (freier Volltext).</ref><ref name="PMID19932909">I. Wani: Kangri cancer. In: Surgery. Band 147, Nummer 4, April 2010, S. 586–588, ISSN 1532-7361. doi:10.1016/j.surg.2009.10.025. PMID 19932909.</ref>

Medizingeschichte

Datei:Jean-Nicolas Marjolin 2.jpg
Jean-Nicolas Marjolin
Datei:Caesar H. Hawkins.jpg
Caesar Hawkins (1874)

Die ersten Beschreibungen von Krebstumoren, die sich nach Verbrennungen gebildet haben, stammen aus dem 1. Jahrhundert nach Christus.<ref name="PMID11761388">C. Ozek, R. Cankayali u. a.: Marjolin's ulcers arising in burn scars. In: The Journal of burn care & rehabilitation. Band 22, Nummer 6, 2001, S. 384–389, ISSN 0273-8481. PMID 11761388.</ref><ref name="PMID19349873" />

In der Neuzeit beschrieb der Franzose Jean-Nicolas Marjolin 1828 in der ersten Ausgabe des Dictionnaire de Medécine<ref>J. N. Marjolin: Ulcère. In: J. N. Marjolin: Dictionnaire de medecine 1828, S. 31.</ref> als Erster den „warzenartigen Ulcus“, allerdings nicht die maligne Transformation des Ulcus zum Karzinom. Die Transformation wurde erstmals von dem britischen Chirurgen Caesar Hawkins (1798–1884) beschrieben.<ref name="PMID21259256">A. Sharma, R. A. Schwartz, K. G. Swan: Marjolin's warty ulcer. In: Journal of Surgical Oncology. Band 103, Nummer 2, Februar 2011, S. 193–195, ISSN 1096-9098. doi:10.1002/jso.21783. PMID 21259256. (Review).</ref> Andere Quellen nennen den irischen Chirurgen Robert William Smith (1807–1873), der 1850 den Zusammenhang zwischen Narbengewebe, Ulcus und Metastasierung beschrieb<ref>R. W. Smith: Observations upon the warty ulcer of Marjolin. In: Dublin quart J med Sci. Band 9, 1850, S. 257–274.</ref><ref name="PMID14071961">A. H. Cruickshank, E. Gaskell: Jean-Nicolas Marjolin: Destined to be Forgotten? In: Medical history. Band 7, Oktober 1963, S. 383–384, ISSN 0025-7273. PMID 14071961. PMC 1034876 (freier Volltext).</ref>

Der Begriff Marjolin-Ulcus wurde 1903 von John Chalmers DaCosta (1863–1933) geprägt<ref>J. C. DaCosta: Carcinomatous changes in an area of chronic ulceration or Marjolin's ulcer. In: Annals of Surgery. Band 37, 1903, S. 496–502.</ref> und umfasst neben dem Brandnarbenkarzinom auch andere Narbenkarzinome. In den meisten Fällen (ca. 90 %)<ref name="PMID22336561">P. L. Chalya, J. B. Mabula u. a.: Marjolin's ulcers at a university teaching hospital in Northwestern Tanzania: a retrospective review of 56 cases. In: World journal of surgical oncology. Band 10, 2012, S. 38, ISSN 1477-7819. doi:10.1186/1477-7819-10-38. PMID 22336561. PMC 3292918 (freier Volltext).</ref> handelt es sich beim Marjolin-Ulcus um ein Brandnarbenkarzinom.<ref name="PMID16309562" /> In einigen Publikationen wird der Begriff Marjolin-Ulcus synonym zum Brandnarbenkarzinom verwendet.<ref name="PMID20438387">C. Y. Huang, C. H. Feng u. a.: Burn scar carcinoma. In: Journal of Dermatological Treatment. Band 21, Nummer 6, November 2010, S. 350–356, ISSN 1471-1753. doi:10.3109/09546630903386580. PMID 20438387.</ref><ref name="PMID19349873">L. G. Schnell, R. R. Danks: Massive Marjolin's ulcer in a burn graft site 46 years later. In: Journal of burn care & research. Band 30, Nummer 3, 2009, S. 533–535, ISSN 1559-047X. doi:10.1097/BCR.0b013e3181a28fa7. PMID 19349873.</ref>

Weiterführende Literatur

  • K. D. Jashnani, V. M. Dhume, N. K. Bahal: Epithelioid sarcoma and squamous cell carcinoma arising in a burn scar. In: Indian journal of dermatology. Band 56, Nummer 5, 2011, S. 585–586, ISSN 1998-3611. doi:10.4103/0019-5154.87164. PMID 22121287. PMC 3221232 (freier Volltext).
  • H. Kikuchi, T. Nishida u. a.: Three cases of malignant melanoma arising on burn scars. In: The Journal of Dermatology. Band 30, Nummer 8, 2003, S. 617–624, ISSN 0385-2407. PMID 12928532. (Review).
  • P. M. Spring, J. N. Myers u. a.: Malignant melanoma arising within a burn scar case report and review of the literature. In: The Annals of otology, rhinology, and laryngology. Band 110, Nummer 4, 2001, S. 369–376, ISSN 0003-4894. PMID 11307915.
  • M. D. Alconchel, C. Olivares, R. Alvarez: Squamous cell carcinoma, malignant melanoma and malignant fibrous histiocytoma arising in burn scars. In: British Journal of Dermatology. Band 137, Nummer 5, 1997, S. 793–798, ISSN 0007-0963. PMID 9415244. (Review).
  • S. Castanares: Malignant degeneration in burn scars. In: California medicine. Band 94, 1961, S. 175–177, ISSN 0008-1264. PMID 13691372. PMC 1575778 (freier Volltext).
  • N. Treves, G. T. Pack: The development of cancer in burn scars. In: Surg Gynecol Obstet. Band 51, 1930, S. 749–782.

Einzelnachweise

<references />

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