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Ivo Pogorelich

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Ivo Pogorelich (2015)

Ivo Pogorelich (kroatisch: Ivo Pogorelić, serbisch: Иво Погорелић; * 20. Oktober 1958 in Belgrad, Jugoslawien) ist ein kroatischer Pianist. Er ist für seinen teils exzentrischen Spielstil bekannt, der ihm eine große, ihn fast kultisch verehrende Fangemeinde einbrachte, aber auch scharfe Kritik von Musikexperten hervorrief.<ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: Vorlage:Cite book/URL In: Slipped Disc, 12. April 2005 (english).Vorlage:Cite book/URL Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref><ref name="McCormick">Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref>

Pogorelich avancierte in den frühen 1980er-Jahren zu einem Star der Klassikszene. Seine Konzerte und unorthodoxen Werkinterpretationen spalteten das Publikum und die Musikkritiker seit Beginn seiner Karriere bis in die Gegenwart in Bewunderer seiner pianistischen Meisterschaft und Skeptiker seiner betont individualistischen Interpretationen.

Bekannt wurde er durch einen Eklat: Einige Juroren des 1980 ausgetragenen Internationalen Chopin-Wettbewerbs in Warschau distanzierten sich gegenüber der Presse von dem Jury-Entscheid, Pogorelich nicht für die Endrunde zuzulassen. Nikita Magaloff, der wie Martha Argerich und Paul Badura-Skoda zu den protestierenden Juroren gehörte, erklärte den ungewöhnlichen Schritt des Öffentlichmachens der Jury-Interna damit, dass Pogorelich auf „höchstem Niveau“ spiele, „wie das wohl kaum sonst jemand auf der Welt heute kann“.<ref name="DRK" />

Leben

Ausbildung

Ivo Pogorelich ist der Sohn eines Kontrabassisten; sein Bruder Lovro Pogorelich (* 1970) wurde ebenfalls Pianist.<ref name=":0" /><ref>Lovro Pogorelich Page - Curriculum Vitae. Abgerufen am 28. Oktober 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Er begann seine Ausbildung am Klavier mit sieben Jahren in Belgrad. Er setzte sie 1970 an der Zentralen Musikschule in Moskau als Schüler von Jewgeni Timakin fort<ref>Js: The soldierly aspects of making a comeback. In: The Comeback Blog. 9. Mai 2011, abgerufen am 20. Oktober 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> und wechselte anschließend an das Moskauer Tschaikowski-Konservatorium, um bei Wera Gornostajewa und Jewgeni Malinin weiter zu studieren.<ref>Teddy Hoersch: Ivo Pogorelich. Der Punker der Klassik? In: Keyboards, Heft 2/1987.</ref>

Ab Oktober 1976 wurde Pogorelich zusätzlich von Aliza Kezeradze unterrichtet.<ref>Bernhard Holland: Flamboyance and virtuosity are Pogorelich’s trademarks. The New York Times, 16. Februar 1986, abgerufen am 3. Juli 2015 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Pogorelich beschrieb die Begegnung mit Kezeradze als „Wendepunkt“ in seinem Leben,<ref name="CSM">Elizabeth Pond: Pianist Pogorelich. The Christian Science Monitor, 27. August 1981, abgerufen am 31. Oktober 2015 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)): „This was the turning point.“</ref> da er sich damals in einer künstlerischen „Sackgasse“ befunden,<ref name=":0">Haggai Hitron: Playing Himself to Tears. Haʾaretz, 9. März 2010, abgerufen am 31. Oktober 2015 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)): „When Aliza came into my life I was 17 and at a dead end with my piano studies.“</ref> aber durch sie neue Einblicke in die Ausdrucksmöglichkeiten des Klavierspiels bekommen habe.<ref name="JH">Heinz Josef Herbort: „Das Problem der heutigen Künstler: sie arbeiten nicht genug“. Ich möchte gern mein Publikum sein. In: Die Zeit, Nr. 21/1981</ref> Seine „Auffassung und seine Herangehensweise an das Klavier“ sei durch ihren Einfluss „komplett“ verändert worden.<ref>Daniel B. Wood: Ivo Pogorelich: dissolving controversy by caressing the piano. The Christian Science Monitor, 23. November 1984, abgerufen am 31. Oktober 2015 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)): „[…] my views and my approach to the piano.“</ref> Er weist der Pianistin, mit der er von 1980 bis zu ihrem Tod 1996 verheiratet war,<ref name="MB">"Ich bin das Produkt einer sehr strengen Erziehung" - WELT. 15. November 2011, abgerufen am 20. Oktober 2023.</ref> maßgeblich seine künstlerische „Weiterentwicklung und seinen beruflichen Erfolg zu“.<ref>Bernhard Holland: Flamboyance and virtuosity are Pogorelich’s trademarks. The New York Times, 16. Februar 1986, abgerufen am 3. Juli 2015 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)): „Mr. Pogorelich credits his subsequent development and success to her.“</ref>

Klavierwettbewerbe

Im Jahr 1978 gewann Pogorelich den Alessandro-Casagrande-Wettbewerb im italienischen Terni und 1980 den Internationalen Musikwettbewerb in Montreal. Im selben Jahr nahm er am Warschauer Chopin-Wettbewerb teil und wurde über Nacht bekannt. Als Wettbewerbsteilnehmer war er aufgrund der viermaligen Vergabe der höchsten, aber auch der viermaligen Vergabe der niedrigsten Punktzahl nicht über die dritte Runde hinausgekommen,<ref>Piano Sonata in B flat minor, Op. 35 mov. 3 Marche funèbre. Lento. Third stage, October 1980. In: YouTube. The Fryderyk Chopin Institute, 4. Dezember 2015, abgerufen am 16. Februar 2016 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Piano Sonata in B flat minor, Op. 35 mov. 1 Grave. Doppio movimento. Third stage, October 1980. In: YouTube. The Fryderyk Chopin Institute, 18. Dezember 2015, abgerufen am 16. Februar 2016 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> was einige der Juroren, darunter Magaloff und Badura-Skoda, zu öffentlichen Protesten veranlasste.<ref>Zdenko Antic: Yugoslav Pianist: the Man „Who Killed Chopin“. In: Open Society Archives at the Central European University. Radio Free Europe. Research and Analysis Department, 11. November 1980, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 2. April 2015; abgerufen am 24. März 2015 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Martha Argerich war derart erbost, dass sie die Wettbewerbs-Jury mit den Worten „Er ist ein Genie!“ verließ.<ref name="tito">Klaus Umbach: Ich will Spuren hinterlassen wie Tito. In: Der Spiegel. Nr. 29, 1981 (online).</ref> Sie protestierte durch die Niederlegung ihres Amtes gegen das Bewertungssystem, welches „konservativen Stil-Puristen die Möglichkeit gab, jemanden auszupunkten, der einen völlig modernen und neuen Zugang zur Musik Chopins erschloss“.<ref name="JH" /> Über diesen Skandal wurde weltweit in den Medien berichtet. Harold C. Schonberg, der Musikkritiker der New York Times, schloss sich wie andere Fachleute der Einschätzung der aufbegehrenden Jury-Mitglieder an und bemerkte zu Pogorelichs Wettbewerbsleistung anerkennend: „Er ignorierte die Partitur und machte alles falsch. […] er ist eindeutig ein Genie“.<ref>Douglas Kennedy: From wunderkind to guardian angel. In: The Independent. 19. Mai 1995, abgerufen am 10. Oktober 2015 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)): „He ignored the score and did everything wrong. Except for one thing: he’s clearly a genius.“</ref> Das Spiel des „brillant ausgestatteten Künstlers“, für den es keine technische Limitierung gebe, sei „voller architektonischer, dynamischer und rhythmischer Extreme“. Pogorelich, „in jeder Hinsicht unkonventionell“, habe die konservativen Jury-Mitglieder verschreckt, da er sich nicht an die Aufführtradition halte.<ref>Harold C. Schonberg: A virtuoso collection of New York recitals. The New York Times, 2. November 1984, abgerufen am 7. Juli 2017 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)): „Pogorelich is unconventional in every aspect.  […] his playing is full of architectural, dynamic and rhythmic extremes.  […] a brilliantly equipped performer“</ref>

Die Warschauer Musikgesellschaft, eine Organisation zur Wahrung des Andenkens Chopins,<ref>Barbara H. Seemann: Die Fryderyk Chopin Gesellschaft. versus Polen, abgerufen am 31. Oktober 2015.</ref> arrangierte für Pogorelich nach seinem Ausscheiden aus dem regulären Wettbewerb ein Konzert, bei dem er von seinem zumeist jungen Publikum frenetisch bejubelt wurde.<ref name="LAT">Donna Perlmutter: Pogorelich: Pianist Does It His Way. Los Angeles Times, 17. Februar 1986, abgerufen am 31. Oktober 2015 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die polnischen Musikkritiker ehrten ihn im Anschluss an das Konzert mit dem Sonderpreis außerordentlich originelles Pianistentalent.<ref>Sabine Tomzig: Im Rolls-Royce zum Training. Hamburger Abendblatt, 15. Januar 1982, abgerufen am 31. Oktober 2015.</ref>

Im Februar 1981 nahm Pogorelich für die Deutsche Grammophon seine erste Schallplatte unter dem Namen Chopin Recital auf. Der Tonträger, beworben als Pogorelichs „Antwort auf Warschau“,<ref name="tito" /> wurde in Deutschland nach seiner Veröffentlichung innerhalb eines Monats 20.000 Mal verkauft.<ref name="CSM" /> Das Musiklabel nahm Pogorelich daraufhin unter Vertrag.<ref>Christophe Huss: Ivo Pogorelich, l’Icare du piano. Le Devoir, 2. Mai 2015, abgerufen am 31. Oktober 2015 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Jahre nach dem Chopin-Wettbewerb erläuterte Pogorelich, dass die Vorkommnisse in Warschau „magisch“ gewesen seien, er heute aber froh sei, die Zeit der Hysterie hinter sich zu haben. Sein Erfolg habe nichts mit Exzentrik, wie in der Presse oft fälschlich dargestellt, zu tun.<ref name="LAT" /> In Warschau sei seine „Einstellung und seine Haltung zu Chopins Musik“ von der Öffentlichkeit falsch interpretiert worden.<ref>Ted Weiner & Don Lee: Episode 65: The Strange Case of Ivo Pogorelich. In: Radio Chopin. WDAV Classical Public Radio, abgerufen am 31. Oktober 2015 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)): „In 1980 people wrongly interpreted my attitude and approach to Chopin’s music“</ref> Die Juryentscheidung habe ihm zu schaffen gemacht und demotiviert,<ref name="WV">Genius or Jest? The Warsaw Voice, 3. September 2008, abgerufen am 10. Oktober 2015 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> seine Herangehensweise an die großen Komponisten gewähre aber keinen Raum für Kompromisse, er versuche deren Intention so nahe wie möglich zu kommen.<ref>Controversial pianist Pogorelich makes comeback. In: YouTube. Agence France-Presse, 14. März 2015, abgerufen am 29. März 2015 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Pogorelich weist in Interviews und dem Dokumentarfilm Why Competitions zudem immer wieder auf die politische Dimension hin, die seiner Meinung nach dem Wettbewerbsentscheid von 1980 zugrunde liegt.<ref name="DT" /> Anlässlich eines Konzerts in Warschau im Jahr 2008 verlangte er demzufolge, „dass die Protokolle des damaligen Juryentscheides offengelegt werden“ sollen.<ref>Pianist Pogorelich will Warschau-Skandal neu aufrollen. Klassik.com, 21. August 2008, abgerufen am 31. Oktober 2015.</ref>

Karriere

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Ivo Pogorelich (2015)

Die Berichterstattung zum Chopin-Wettbewerb 1980, Pogorelichs erste Plattenaufnahme und die veröffentlichten Pressefotos, auf denen er mehr einem „New-Wave-Rocker“ als einem Musiker des klassischen Genres ähnlich sah,<ref>Donna Perlmutter: Pogorelich: Pianist Does It His Way. Los Angeles Times, 17. Februar 1986, abgerufen am 1. November 2015 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)): „[…] resembles a new-wave rocker more than a classical artist.“</ref> erzeugten Interesse weit über das Stammpublikum klassischer Klaviermusik hinaus. Joachim Kaiser erläuterte, ein klassikfernes Publikum „zum Kauf von Konzertkarten zu animieren“, war in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts „nur drei seriöse[n] Pianisten“ vorbehalten: „Wladimir Horowitz, Friedrich Gulda und – Ivo Pogorelich“.<ref name="JK">Joachim Kaiser: Große Pianisten in unserer Zeit. Piper Verlag, München 2017, ISBN 978-3-492-97735-7. (E-Book)</ref> Das Medienecho auf die Konzerte war außergewöhnlich enthusiastisch.<ref>Sabine Tomzig: Debüt in Hamburg bejubelt. Hamburger Abendblatt, 12. Januar 1982, abgerufen am 10. Oktober 2015.</ref><ref>Hans Josef Herbort: Senkrechtstarter als Philosoph. In: Die Zeit, Nr. 5/1984</ref> Der junge Pianist, dem eine „Aura aus eleganter Verträumtheit und Hochmut“ zugesprochen wurde, konnte in Folge „fabelhafte Honorare verlangen“ und „mit stets ausverkauften Sälen rechnen“.<ref name="JK" /> Pogorelich beschränkte sich auf ein kleines Repertoire. Kaiser verortete dies in seinem „penible[n] Sinn für die Verantwortung gegenüber großer Musik“. Pogorelich wende „sich nur mit originellen Interpretationen an die Öffentlichkeit“.<ref name="JK" />

Die Berichterstattung konzentrierte sich aber nicht nur auf die musikalische Leistung. In einer Zusammenfassung des Spiegels zu den Pressestimmen der frühen 1980er Jahre wird eine Fokussierung auf Pogorelichs äußere Attribute deutlich. Zudem wurden Vergleiche zu Prominenten anderer Genres, darunter Kinski, Wilde und Nurejew bemüht.<ref name="tito" /> Der Independent bezeichnete ihn als „Mick Jagger der klassischen Konzertbühne“.<ref>Douglas Kennedy: From wunderkind to guardian angel. The Independent, 19. Mai 1995, abgerufen am 10. Oktober 2015 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)): „[…] the Mick Jagger of the concert platform.“</ref> Pogorelich wurde durch solche Medienzuschreibungen zum ersten „Popstar der Klassikszene“ stilisiert.<ref name="KU" /> Pogorelich unterstützte diese Zuschreibung durch provokante Aussagen: „Ich bin der Pianist, über den am meisten geschrieben wird, ich bekomme eine Rezension, wenn ich meinen Flügel abstaube“ und indem er neue, für einen klassischen Musiker ungewöhnliche Wege der Öffentlichkeitsarbeit beschritt.<ref>Anthony Tommasini: A Moody Dionysus of the Piano. The New York Times, 1. Juni 2006, abgerufen am 9. Juli 2017 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)): „I am the most written-about pianist in the world, […] I get a review when I clean the dust off my piano.“</ref> Er ließ sich u. a. als Model für Herrenmode in den Zeitschriften Esquire, Vogue und Égoïste abbilden und trat regelmäßig im Fernsehen als Talk-Gast auf.<ref name="LAT" /> In Deutschland war er bei Bio’s Bahnhof, in der tele-illustrierten und Willemsens Woche zu sehen. In Großbritannien widmete ihm Don Featherstone eine Folge der South Bank Show und zeigte Pogorelich in häuslicher Umgebung auf seinem Schloss in Schottland zusammen mit Aliza Kazeradze bei der Erarbeitung einer Partitur. Nach Pogorelichs Auftritt in Los Angeles auf der Hollywood Bowl 1985 vor 25.000 Zuschauern gab es Gerüchte über eine Filmrolle,<ref name="KUm" /> die er an der Seite von Bo Derek und Josep Carreras übernehmen wolle. Durch seine Nähe zur internationalen High Society, dem Jetset und Geldadel berichtete nicht nur das Feuilleton. In den 1980er Jahren war Pogorelich in allen Medien bis hin zum Boulevard präsent. Dadurch erreichte er eine Bekanntheit, wie sie in dieser Breite noch keinem klassischen Musiker zuteilgeworden war. Pogorelich äußerte dazu, dass öffentliche Aufmerksamkeit für einen Pianisten nicht unwichtig sei und er selbst an seinem Image, exzentrisch und arrogant, in jungen Jahren wie an „einem Spielzeug gebastelt“ habe. Durch eine negative Attribution könne die Gesellschaft „einen außergewöhnlichen Menschen“ leichter akzeptieren und den „Erfolg vergeben“.<ref name="MB" /> Warum die Menschen zu seinen Konzerten kämen, interessiere ihn aber nicht, sondern, was sie aus diesen mitnehmen würden.<ref name="LAT" /> Kaiser attestierte, Pogorelich sei „nicht nur Exzentriker“ und sich seines Ruhms bewusst. Ihm gehe es musikalisch „bewundernswürdig um die Sache“, er nehme „jeden Ton todernst“.<ref name="JK" /> Dies goutiere das Publikum mit dem „Pogorelich-Phänomen“, einem „konzentriert, fasziniert, hingegeben[em]“ Zuhören.<ref>Joachim Kaiser: Ivo Pogorelich wird allmählich jung. In: Süddeutsche Zeitung, 12. Juni 1985, Seite 12.</ref> Der Musikkritiker Helmut Mauró sieht im Rückblick auf die Anfangsjahre demgemäß Pogorelichs „eigentliche Wirkung“ im Klavierspiel verortet. Er erläutert, dass nicht nur Pogorelichs „fulminante[n] Fingerfertigkeit […] einer männlich-kraftvollen Pranke“ überzeugte, sondern vor allem seine pianistische Fähigkeit, „einen Zustand der Konzentration soweit zu verdichten, dass er energiegeladene Kontemplation und schließlich Transzendenz ist“.<ref name="mö" /> Pogorelichs Andersartigkeit sei damals „glamourös kaschiert“ durch den Filter dessen attraktiver und „jugendlicher Erscheinung“ wahrgenommen worden, überwältige aber bis in die heutige Zeit durch „nachdenklich-kreative Sturheit, gepaart mit künstlerisch gelebtem Narzissmus“.<ref>Helmut Mauró: Nervenkrieg. Ivo Pogorelich schlägt auf Chopin ein und zerstückelt Liszt. In: Süddeutsche Zeitung, 20. Oktober 2011.</ref>

Pogorelich trat nach seinem fulminanten Karrierebeginn in den ersten zwei Jahrzehnten seines Musikerlebens an allen großen Konzerthäusern der Welt auf und spielte mit den renommiertesten Orchestern, so u. a. mit dem Boston Symphony Orchestra, dem London Symphony Orchestra, dem Chicago Symphony Orchestra, den Wiener Philharmonikern und den Berliner Philharmonikern. Er beschränkte sich dabei auf ungefähr 60 Konzerte pro Jahr, gemäß seiner Maxime „Kunst braucht Zeit“.<ref name="mö">Helmut Mauró: Der Mönch im Pianistenpelz. Süddeutsche Zeitung, 17. März 2003, abgerufen am 22. März 2015.</ref> Aufsehen erregte Pogorelich aber weiterhin nicht nur durch sein Klavierspiel, sondern auch durch Äußerungen über andere Musiker. Er kritisierte in Interviews u. a. Swjatoslaw Richter, Glenn Gould, Vladimir Horowitz, Luciano Pavarotti und nachdrücklich Herbert von Karajan, den er als „künstlerische Ruine“ bezeichnete.<ref>Jürgen A. Stein: Fiedeln mit Faxen. In: NZZ Folio. Dezember 1992, abgerufen am 6. Mai 2017.</ref><ref>Justo Romero: “Karajan era una ruina artística”. El País, 6. April 1990, abgerufen am 16. Januar 2016 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)): „Karajan era una ruina artística.“</ref> Der „streitbare Tastenlöwe“, dem die Musikkritik eine Vorliebe für das Extreme attestierte,<ref>Jürgen Otten: Ein Tanz auf dem Drahtseil. In: Berliner Zeitung. Berliner Verlag GmbH, 9. Juni 1994, abgerufen am 23. April 2026.</ref> hatte sich 1984 in Wien bei einer Orchesterprobe zu Tschaikowskis erstem Klavierkonzert mit dem Dirigenten aufgrund unterschiedlicher Tempi-Vorstellungen überworfen. Das für den darauffolgenden Tag angekündigte Konzert fand ohne Pogorelich statt.<ref>Lucas Wiegelmann: „Herbert von Karajan wusste, dass die Uhr tickte“. Die Welt, 16. Juli 2014, abgerufen am 16. Januar 2016.</ref>

Mitte der 1990er Jahre zog sich Pogorelich zunehmend aus dem regulären Konzertbetrieb zurück. Zum einen war er durch den Bürgerkrieg in seinem Heimatland, als Sohn einer serbischen Mutter und eines kroatischen Vaters,<ref>John Cunningham: The key to survival. The Guardian, 7. Mai 1999, abgerufen am 8. Oktober 2012 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> belastet, zum anderen hatte er mit gesundheitlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Nach dem krankheitsbedingten Tod seiner Frau im Jahr 1996 gab er die Konzerttätigkeit nach eigener Aussage gänzlich auf, da er es nicht ertrug, ein Klavier zu berühren, und Zeit zur Wiedererlangung seiner Kreativität benötigte.<ref name="MB" /> In den späten 1990er Jahren kehrte Pogorelich auf die Konzertbühne zurück, um sich durch Benefizkonzerte für soziale und kulturelle Einrichtungen seines auseinandergebrochenen Heimatlandes zu engagieren. Als UNESCO-Sonderbotschafter gab er weltweit Konzerte und sammelte Spenden für den Bau eines Mutter-Kind-Krankenhauses in Sarajevo.<ref>Josef Manhart: Der Pianist Ivo Pogorelich. Vom Original zur Originalität. In: Fono Forum, November 1997.</ref><ref>Pogorelich-Konzert in Zürich. Schweizer Radio und Fernsehen, 26. Februar 2000, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 21. September 2016; abgerufen am 21. September 2016.</ref> In gleicher Weise setzte er sich für den historischen Wiederaufbau des zerstörten Dubrovnik und karitative Organisationen ein.<ref>Michael Church: Classical: When a poseur gets serious. The Independent, 16. April 1999, abgerufen am 10. Oktober 2015 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Pogorelich erklärte gegenüber der Presse, dass ihn die Bilder des menschlichen Leids in seinem Heimatland krank machten und es unmöglich sei, nur zuzuschauen.<ref name="DT">The delicate sound of thunder. The Telegraph, 21. April 1999, abgerufen am 10. Oktober 2015 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Im Jahr 1999 und regelmäßig ab 2003 gastierte Pogorelich wieder auf deutschen Konzertbühnen.<ref>Rika Wettstein: Ivo Pogorelich. Baden-Baden, abgerufen am 17. September 2016 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Jan Brachmann: Laut und leise soll man nicht verwechseln. Berliner Zeitung, 19. März 2003, abgerufen am 10. Oktober 2015.</ref> Er engagierte sich wie in den vorangegangenen Jahren für die Jugendarbeit und ließ das von ihm 1989 gegründete und bis 1996 jährlich ausgetragene Festival zur Förderung junger Künstler in Bad Wörishofen 2003 für eine Saison erneut aufleben.<ref>Carolin Kober: Benefizkonzert. Ivo Pogorelich ist wunschlos glücklich. Augsburger Allgemeine, 17. September 2008, abgerufen am 10. Oktober 2015.</ref><ref>Ivo-Pogorelich-Stiftung gegründet. Neue Musikzeitung, 16. Juni 2003, abgerufen am 10. Oktober 2015.</ref> Pogorelich hatte bereits Mitte der 1980er Jahre in Kroatien eine Stiftung ins Leben gerufen, die junge talentierte Musiker auf verschiedene Weise unterstützt und fördert, sowie 1993 einen Klavierwettbewerb in Pasadena initiiert, bei dem er als „Namensgeber und Sponsor des Preisgeldes“ auftrat.<ref name="CuM">Patricia Boccadoro: A conversation with Ivo Pogorelich. Culturekiosque Magazine, 3. Dezember 2014, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 22. August 2017; abgerufen am 10. Januar 2016 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref name="FA">Kalle Burmester: „Ich bin enorm faul“. Hamburger Abendblatt, 6. April 1992, abgerufen am 10. Oktober 2015.</ref> Im Jahr 2006 konzertierte er zusammen mit der „Jungen Philharmonie Thüringen“, einem „vielversprechenden Nachwuchsorchester“, beim Kunstfest in Weimar.<ref>Max Nyffeler: Die Aufklärung und ihr Schatten. Neue Zürcher Zeitung, 22. September 2006, abgerufen am 1. November 2015.</ref> Für den 2016 erstmals ausgetragenen und jährlich stattfindenden Musikwettbewerb Manhattan International Music Competition in der Carnegie Hall, in der Pogorelich 1981 debütierte, fungiert er als Ehrenpräsident.<ref>Donal Henahan: PIANIST: Ivo Pogorelich at Carnegie. The New York Times, 20. Mai 1981, abgerufen am 23. September 2016 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Vereinzelt gibt Pogorelich jungen Musikern Meisterkurse.<ref name="CuM" />

Pogorelich konzertierte seit 2010 auf europäischen und ostasiatischen Bühnen und trat regelmäßig mit Orchester- und Soloprogrammen auf.<ref name="mö" /> Im Dezember 2017 war er erstmals wieder nach 28 Jahren Abwesenheit in seiner Geburtsstadt Belgrad zu hören.<ref>Suđić: Simfonijski orkestar RTS-a i Pogorelić večeras tragaju za vrhunskom umetnošću. Radio-Televizija Srbije, 16. Dezember 2017, abgerufen am 17. Dezember 2017 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Er hat die Angewohnheit, sich nach Einlass des Publikums bis wenige Minuten vor Konzertbeginn in Freizeitkleidung auf der Bühne einzuspielen und während seiner Konzerte eine Partitur zu nutzen.<ref>Robert Fraunholzer: Namen, Nachrichten, Nettigkeiten: Neues von der Hinterbühne. Rondo, 2014, abgerufen am 6. Mai 2017 (Ausgabe 1/2014).</ref><ref>Bertrand Boissard: Ivo Pogorelich: le retour du roi. In: Diapason. 11. Dezember 2013, abgerufen am 15. Juli 2017 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Im Frühjahr 2015 wurden die Aufnahmen Pogorelichs aus den Veröffentlichungsjahren 1981 bis 1997 von der Deutschen Grammophon neu aufgelegt.<ref>Ivo Pogorelich. Complete Recordings. Deutsche Grammophon, abgerufen am 11. Oktober 2015.</ref> Die 12 Einspielungen zählen bis in die Gegenwart „zu den bestverkauften aus dem Klavierkatalog“ des Labels.<ref name="MO" /> Im Mai 2015 wurde die CD-Kollektion von der französischen Musikzeitschrift Diapason mit der „Goldenen Stimmgabel“ ausgezeichnet.<ref>Les Diapason d’Or. In: Diapason. Abgerufen am 9. Oktober 2015 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Im November 2016 veröffentlichte Idagio, eine Internet-Plattform für klassische Musik, erstmals eine mehrere Monate verfügbare Aufzeichnung Pogorelichs nach 1998 mit Werken von Beethoven.<ref>Kein Fall für das CD-Regal. Fono Forum, 1. November 2016, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 4. November 2016; abgerufen am 3. November 2016.</ref> Im April 2019 unterzeichnete Pogorelich einen Plattenvertrag mit Sony Classical.<ref>Ivo Pogorelich. Sony Classical announces exclusive long-term recording contract. Sony Classical, 4. April 2019, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 12. April 2019; abgerufen am 12. April 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Pogorelichs Repertoire reicht vom Barock über die Klassik und Romantik bis ins 20. Jahrhundert.<ref name="DRK">Arkadiusz Luba: Pianist voller Temperament. Deutschlandradio Kultur, 12. März 2015, abgerufen am 6. November 2015.</ref> Er blieb weiterhin seinem Postulat der Anfangsjahre, eine begrenzte Anzahl von kompositorischen Werken intensiv über einen langen Zeitraum zu studieren, treu.<ref>Douglas Kennedy: From wunderkind to guardian angel. The Independent, 19. Mai 1995, abgerufen am 9. Juli 2017 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Pogorelich lebt in Lugano.<ref name="MB" />

Wirkung

Pogorelich ist für seinen „eigenwilligen, manieristischen Interpretationsstil“ klassischer Klavierkompositionen bekannt, der die „Grenzen der Werktreue“ hinsichtlich Tempivorgaben überschreitet.<ref name="MO">Matthias Nöther: Ivo Pogorelich – der rebellische Pianist. Berliner Morgenpost, 2. Januar 2014, abgerufen am 6. Oktober 2015.</ref> Durch seine individuelle Gestaltung der „dynamischen Vorschriften“ und des Zeitmaßes der Originalkomposition erzeugt er „ungewöhnlich starke Kontraste“ und „subtile Nuancierungen“ der „Klangfarben-Dynamik“.<ref name="JH" /> Er „versteht sich nicht als notengetreuer Anwalt der Partitur, er sucht vielmehr die Essenz, die hinter ihr steht“ und die „vielleicht nicht einmal dem Komponisten bewusst war“.<ref>Gerhard Schroth: Auf der Suche nach der Essenz. Ivo Pogorelich unerbittlich konsequent im Kurhaus Wiesbaden. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18. Juli 2005.</ref> Seine radikalen Interpretationen werden demzufolge entweder als Erlebnis oder als Zumutung,<ref>Ivo Pogorelich und das neue Bild des alten Bach. Abgerufen am 20. Oktober 2023.</ref><ref name="KUm">Klaus Umbach: Der Narziß als Goldfinger. In: Der Spiegel. Nr. 48, 1986 (online).</ref> als „genial“ oder als „undiskutabel“ beschrieben.<ref>Walter Dobner: Konzerthaus: Buhrufe und Jubel fürs Enfant terrible. Die Presse, 30. Mai 2010, abgerufen am 6. Oktober 2015.</ref> Die „Verfremdungstechniken, mit denen Pogorelich die Originalwerke“ vorträgt, werfen in Konzertkritiken immer wieder die Frage auf: „Wie viel kreative Freiheit darf sich ein Interpret herausnehmen?“.<ref>Walter Weidringer: Pogorelichs zerbrochener Klavier-Spiegel. Die Presse, 13. Oktober 2010, abgerufen am 16. Januar 2016.</ref><ref>Felix Stephan: Ein provozierender Klavierabend in der Philharmonie. Berliner Morgenpost, 10. November 2016, abgerufen am 6. Januar 2017.</ref>

1980 schied Pogorelich in der dritten Runde des X. Internationaler Chopin-Wettbewerbs in Warschau aus, was zu geteilten Meinungen der Jury führte. Eine der Juroren, Martha Argerich, bezeichnete ihn als „Genie“ und trat aus Protest aus der Jury aus. Zwei weitere Juroren erklärten, es sei „undenkbar, dass ein solcher Künstler es nicht ins Finale schafft“. Andere Richter äußerten sich jedoch über ihre Missbilligung von Pogorelichs Exzentrizitäten. Eugene List gab ihm eine sehr niedrige Punktzahl und erklärte: „Er respektiert die Musik nicht. Er verwendet Extreme bis zur Verzerrung. Und er spielt zu viel auf.“<ref name=McCormick /> Louis Kentner trat zurück, nachdem alle seine Studenten in der ersten Stufe aus dem Wettbewerb ausgeschieden waren,<ref name="Institute">Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig The 10th International Fryderyk Chopin Piano Competition.] In: Fryderyk Chopin Institute. , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 29. Juli 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> und sagte: „Wenn Leute wie Pogorelich es in die zweite Stufe schaffen, kann ich nicht an der Arbeit der Jury teilnehmen. Wir haben unterschiedliche ästhetische Kriterien.“<ref name=McCormick /> Nichtsdestotrotz half die Bekanntheit des Skandals Pogorelich beim Start seiner Karriere.<ref name=McCormick />

Pogorelichs Auftritte waren oft umstritten. Seine Interpretationen kamen beim Konzertpublikum gut an, aber nicht immer bei der Kritik. Der englische klassische Pianist Peter Donohoe bemerkte während Pogorelichs Karriere eine Reihe von „demütigenden Angriffen“ (“humiliating attacks”) von Kritikern, während er meinte, sein Ruhm sei eher auf „LKW-Ladungen von Werbung im Pop-Stil basierend auf seinen Exzentrizitäten“ als auf sein Talent zurückzuführen.<ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: Vorlage:Cite book/URL In: Slipped Disc, 12. April 2005 (english).Vorlage:Cite book/URL Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref> Seine frühe Aufnahme von Prokofievs Sechster Sonate wurde hoch gelobt, darunter eine Rosette im Penguin Guide to Classical Recordings. Der Kritiker der New York Times, Harold C. Schonberg, kritisierte Pogorelich jedoch für sein ungewöhnlich langsames Tempo in Beethovens Op. 111 Sonate, und sagte, Pogorelich „scheint verzweifelt zu versuchen, der Glenn Gould des romantischen Pianismus zu sein (mit einigen von Goulds Exzentrizitäten, aber nicht von seiner besonderen Art von Genie)“.<ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: Vorlage:Cite book/URL In: The New York Times, 6. Juli 1986 (english).Vorlage:Cite book/URL Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref> Zwanzig Jahre später rezensierte ein anderer Kritiker der New York Times, Anthony Tommasini, eine Aufführung desselben Stücks und schrieb: „Hier ist ein immenses Talent auf tragische Weise vom Weg abgekommen. Was ist schief gelaufen?“<ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: Vorlage:Cite book/URL In: The New York Times, 28. Oktober 2006 (english).Vorlage:Cite book/URL Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref>

Pogorelichs Rezital-Programm 2015 an der Royal Festival Hall polarisierte wie in den Jahren zuvor und wurde von der Musikkritik sehr unterschiedlich aufgenommen. Seine Leistung wurde von britischen Kritikern weithin verrissen.<ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: Vorlage:Cite book/URL In: Slipped Disc, 12. April 2005 (english).Vorlage:Cite book/URL Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref><ref name=McCormick /> Im Guardian wurde sein Vortrag als „erbärmlich“ und „zutiefst unmusikalisch“ bezeichnet.<ref>Andrew Clements: Ivo Pogorelich review – a wretched, profoundly unmusical affair. The Guardian, 25. Februar 2015, abgerufen am 6. Oktober 2015 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)): „[…] a wretched, profoundly unmusical affair.“</ref> In der Süddeutschen Zeitung wurde das gleiche Programm hingegen als „Hartes Tongeröll, beidhändig aufgetürmt zu Gebirgen von expressionistischer Bildkraft“ gewertet und Pogorelich als das Gegenteil eines „Tastencharmeurs“ oder „Gefälligkeitskünstlers“ beschrieben. Seine Kunst sei „die Begegnung mit der Kunst, der Prozess des Wiedererschaffens, […] des Verstehens und des Wiederbelebens“ der Klangwelten, dem „Denken und Empfinden“ der alten Meister.<ref>Helmut Mauró: Ivo Pogorelich im Zwischenreich romantischer Klaviergeister. In: Süddeutsche Zeitung, 18. Februar 2015.</ref>

Von seinem Stammpublikum „junger und jung gebliebener Klavierliebhaber“<ref name="MO" /> wird Pogorelich aufgrund seiner Werkinterpretationen beinah kultisch verehrt.<ref name="KU">Klaus Umbach: Ein geläuterter Heiland. Das Kulturmagazin des Westens, 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 7. Oktober 2015; abgerufen am 6. Oktober 2015.</ref> Pogorelich sei „der radikalste und spannendste Denker der großen Pianisten“,<ref>Reinhard J. Brembeck: Der Prophet. In: Süddeutsche Zeitung, 21. März 2003.</ref> „das grandiose Gegenteil des Klassik-Zirkus“, seine Konzerte die „Kunst der perfekten Freiheit“.<ref>Adrain Prechtel: Pogorelich spielt in München gegen den Teufel an. Abendzeitung, 24. Oktober 2015, abgerufen am 9. Oktober 2015.</ref> Durch sein „grundsätzliches Misstrauen gegenüber den kompositorischen Vorgaben“ würden Pogorelichs Interpretationen „zum Nachdenken der Musik über sich selbst“.<ref name="Kiel">Sven Ingold: Der schwierige Meister. Die Welt digital, 9. August 2016, abgerufen am 9. August 2016.</ref>

Allgemein anerkannt ist seine souveräne Beherrschung höchster technischer Schwierigkeiten, insbesondere bei Maurice Ravels Gaspard de la nuit<ref>Matthias Kornemann: Gaspard de la nuit. Ivo Pogorelich. Rondo, abgerufen am 9. Oktober 2015.</ref> und der von ihm bis heute favorisierten Zugabe Islamej von Balakirew.<ref>Günter Berard: Pogorelich spielt wieder. Hamburger Abendblatt, 26. März 2008, abgerufen am 1. November 2015.</ref><ref>Walter Dobner: Der entfesselte Exzentriker am Klavier. Die Presse, 7. Oktober 2015, abgerufen am 9. Oktober 2015.</ref> Als „brillanter Techniker“ verfügt er über „sämtliche Anschlagnuancen“.<ref name="Kiel" />

Aufnahmen (Auswahl)

Tonträger

DVDs

  • Ivo Pogorelich Recital. Bach – Scarlatti – Beethoven. J. S. Bach: Englische Suiten Nr. 2 a-Moll BWV 807 und Nr. 3 g-Moll BWV 808. D. Scarlatti: Sonaten C-Dur K.487, E-Dur K.20, e-Moll K.98, g-Moll K.450, d-Moll K.1, C-Dur K.159. Beethoven: Klaviersonate Nr. 11, Für Elise. (Deutsche Grammophon, 2005. Bach-Aufnahme, Vicenza, Italien im Oktober 1986, Scarlatti- und Beethovenaufnahmen im Schloss Eckartsau, Österreich im Januar 1987.)
  • Ivo Pogorelich in Castello Reale Di Racconigi. Chopin – Haydn – Mozart. Chopin: Polonaise Nr. 2 c-Moll op. 40, Klaviersonate Nr. 3, Nocturn Nr. 2 Es-Dur op. 55, Prélude cis-Moll op. 45, Hayden: Sonate in As-Dur Hob.XVI:46. Mozart: Sonate Nr. 11 A-Dur KV 331. (Deutsche Grammophon, 2007. Aufnahme in Turin, Italien im April und Mai 1987.)
  • Ivo Pogorelich – RECITAL – Beethoven/Chopin/Scriabin. Chopin: Sonate Nr. 2 b-Moll, Polonaise fis-Moll, Préludes Nr. 21 B-Dur op. 28. Beethoven: Klaviersonate Nr. 27 op. 90, Klaviersonate Nr. 32 in c-Moll op. 111, Alexander Scriabin: Etüde Nr. 2 fis-Moll op. 8, Deux Poémes Fis-Dur und D-Dur op. 32. (Naxos, 2009. Aufnahme in der Villa Contarini, Italien zwischen dem 2. und 14. August 1987.)

Auszeichnungen (Auswahl)

  • 1978: 1. Preis beim Casagrande-Wettbewerb im italienischen Terni
  • 1980: 1. Preis beim Internationalen Musikwettbewerb in Montreal
  • 1980: außerordentlich originelles Pianistentalent, Sonderpreis der polnischen Musikkritiker
  • 1981: Orlando (Nationaler kroatischer Fernseh- und Radiopreis für die beste Aufführung beim Sommer-Festival in Dubrovnik)<ref>History. Website des Dubrovnik Sommer-Festivals, abgerufen am 31. Oktober 2015 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
  • 1993: Abrassador Award for Excellence der Weltweiten Kirche Gottes, Pasadena.<ref>David Hulme: Pianist honored by chairman for youth-training projects. (PDF) In: Herbert W. Armstrong.org. The Worldwide News of the Worldwide Church of God, 26. Januar 1993, abgerufen am 27. August 2018 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
  • 1985: Vladimir Nazor Award des kroatischen Kulturministeriums<ref>Dobitnici „Nagrade Vladimir Nazor“ od 1959. do 2005. Website des kroatischen Kulturministeriums, abgerufen am 31. Oktober 2015 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
  • 1990: Rosette des Penguin Guide to Recorded Classical Music für die Einspielung der Klaviersonate Nr. 6 A-Dur op. 82 von Sergei Prokofjew.<ref>Edward Greenfield, Robert Layton, Ivan March: The Penguin Guide to Compact Discs. 3. Auflage, Penguin Books, London 1990, ISBN 978-0-14-046887-8. (englisch)</ref>
  • 1997: Porin Award für das Lebenswerk (Nationaler kroatischer Musikpreis)<ref>Dobitnici nagrada za životno djelo. Website des Nationalen kroatischen Musikpreises, abgerufen am 31. Oktober 2015 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
  • 1997: ECHO Klassik in der Kategorie Instrumentalist des Jahres für die Einspielung Bilder einer Ausstellung von Modest Mussorgski<ref>GEMA-Nachrichten 156 – Echo-Klassikpreise 1997. (PDF) Gema, November 1997, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 4. März 2016; abgerufen am 9. Oktober 2015.</ref>
  • 1999: Orden Kroatischer Morgenstern mit dem Antlitz von Marko Marulić<ref>Ivo Pogorelić. Večernji list, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 11. Dezember 2015; abgerufen am 10. Dezember 2015 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
  • 2002: Milka Trnina Award der Gesellschaft der kroatischen Musiker<ref>nagrada Milka Trnina. Website der Gesellschaft der kroatischen Musiker, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 4. März 2016; abgerufen am 31. Oktober 2015 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
  • 2015: Goldene Stimmgabel der französischen Musikzeitschrift Diapason
  • 2016: Fürst-Branimir-Orden mit Halsband<ref>Branimir Pofuk: Odlikovanje Pogoreliću, Gavranu, Domjanu i akademiku Bašiću. Večernji list, 16. August 2016, abgerufen am 20. August 2016 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Literatur (Auswahl)

  • David Dubal: Reflections from the Keyboard: The World of the Concert Pianist. Summit Books, New York 1981, ISBN 978-0-671-49240-3. (englisch)
  • Joachim Kaiser: Große Pianisten in unserer Zeit. 5. erweiterte Auflage, Piper Verlag, München 1982, ISBN 3-492-02810-1.
  • Harold C. Schonberg: The Great Pianists. 1. aktualisierte Taschenbuchausgabe. Simon & Schuster, New York 1987, ISBN 978-0-671-63837-5. (englisch)
  • Clauspeter Koscielny: In: Orpheus (Hrsg.) Band 16: Ivo Pogorelich. Cool mit Sinnlichkeit. Clauspeter Koscielny Verlag, Berlin 1988, S. 179 ff., ISSN 0932-6111
  • Klaus Umbach: Geldschein-Sonate. Das Millionenspiel mit der Klassik. Ullstein Verlag, Berlin 1990, ISBN 3-550-06450-0.
  • Elysa March: Great contemporary pianists speak for themselves. Dover Publications, New York 1991, ISBN 978-0-486-26695-4. (englisch)<ref></ref>
  • Ivo Pogorelich: In: Frankfurter Allgemeine Magazin (Hrsg.): Warum brauchen große Pianisten Vorbilder? Frankfurter Allgemeine Zeitung, Frankfurt 1998.
  • Christoph Rueger (Hrsg.): Harenberg Klaviermusikführer. Harenberg Verlag, Dortmund 1998, ISBN 978-3-611-00679-1.
  • Der Brockhaus Musik. Personen, Epochen, Sachbegriffe. 2. Auflage. F. A. Brockhaus, Mannheim 2001, ISBN 978-3-7653-0374-6.
  • Vladimir Arsenijević, Đorđe Matić, Iris Adrić: Leksikon YU mitologije. Postscriptum, Zagreb und Rende, Belgrad 2004, ISBN 953-99584-0-7. (kroatisch)<ref>Đorđe Matić: YU mitologija. Pogorelić, Ivo. Postscriptum und Rende, abgerufen am 11. September 2016 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
  • Hanno Rinke: Zerrissen. Ein Tagebuch in Briefen. Europäische Verlagsanstalt, Hamburg 2008, ISBN 978-3-434-50625-6.
  • Jürgen Otten: Die großen Pianisten der Gegenwart: Mit ausführlichem Lexikonteil. Henschel Verlag, Berlin 2009, ISBN 978-3-89487-530-5.
  • YuanpuÌ Chao, Ivo Pogorelich, YoÌ Morioka: Pianisuto ga kataru: gendai no sekaiteki pianisutotachi tono taiwa. (Titel international: The colours between black and white.) Tankobon Softcover, Tankōbon 2014, ISBN 978-4-87198-584-0. (japanisch)
  • Stephen Siek: A Dictionary for the Modern Pianist. Rowman & Littlefield, London 2016, ISBN 978-0-8108-8879-1. (englisch)<ref></ref>

Filme (Auswahl)

Weblinks

Commons: Ivo Pogorelich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

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