Heterosit
| Heterosit | |
|---|---|
| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Symbol |
Het<ref name="Warr" /> |
| Chemische Formel | Fe3+[PO4]<ref name="StrunzNickel" details="S. 427" /> |
| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Phosphate, Arsenate und Vanadate |
| System-Nummer nach Strunz (8. Aufl.) Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) Strunz (9. Aufl.) Dana |
VII/A.02 VII/A.02-050<ref name="Lapis" /> 8.AB.10 38.04.01.01 |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | orthorhombisch |
| Kristallklasse; Symbol | orthorhombisch-dipyramidal; 2/m2/m2/m |
| Raumgruppe | Pbnm (Nr. 62, Stellung 3)<ref name="StrunzNickel" details="S. 427" /> |
| Gitterparameter | a = 4,77 Å; b = 9,79 Å; c = 5,83 Å<ref name="StrunzNickel" details="S. 427" /> |
| Formeleinheiten | Z = 4<ref name="StrunzNickel" details="S. 427" /> |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | 4 bis 4,5<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Dichte (g/cm3) | gemessen: 3,40; berechnet: [3,67]<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Spaltbarkeit | gut nach {100}; undeutlich nach {010}<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Farbe | purpurrosa, violett, grünlichbraun, schwarz<ref name="Lapis" /> |
| Strichfarbe | purpurrot bis braunrot<ref name="Lapis" /> |
| Transparenz | durchscheinend bis undurchsichtig<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Glanz | Seidenglanz auf frischen Flächen, matt bis erdig<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Kristalloptik | |
| Brechungsindizes | nα 1,861(1)<ref name="Mindat" /> nβ 1,891(1)<ref name="Mindat" /> nγ 1,911(1)<ref name="Mindat" /> |
| Doppelbrechung | δ 0,050<ref name="Mindat" /> |
| Optischer Charakter | zweiachsig negativ |
| Achsenwinkel | 2V = 37° (gemessen)<ref name="Mindat" /> |
| Pleochroismus | stark:<ref name="Mindat" /> X = grünlichgrau, grau bis rosarot Y, Z = tiefblutrot bis rotviolett Z = tiefblutrot bis rotviolett |
Heterosit ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ mit der idealisierten Zusammensetzung Fe3+[PO4]<ref name="StrunzNickel" details="S. 427" /> und ist damit chemisch gesehen Eisen(III)-phosphat. Da Heterosit eine lückenlose Mischkristallreihe mit Purpurit (Mn3+[PO4]<ref name="StrunzNickel" details="S. 427" />) bildet und deshalb in der Natur immer mit einem gewissen Anteil an Mangan in der Verbindung zu finden ist, wird die Formel von Heterosit allgemein auch mit (Fe3+,Mn3+)[PO4]<ref name="SchröckeWeiner" /> angegeben.
Heterosit kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem, bildet jedoch keine sichtbaren Kristalle aus. Wie sein Verwandter Purpurit findet sich auch Heterosit üblicherweise in Form körniger bis massiger Aggregate von purpurrosa bis violetter, selten auch grünlichbrauner Farbe. Die Oberflächen frischer Proben weisen meist einen seidigen Glanz auf. Mit der Zeit kann die Farbe durch Verwitterung in ein dunkles Braun bis Bräunlichschwarz übergehen und die Oberflächen werden matt.
Etymologie und Geschichte
Erstmals entdeckt wurde Heterosit bei Les Hureaux nahe der Gemeinde Saint-Sylvestre im französischen Département Haute-Vienne. Wissenschaftlich beschrieben wurde er 1825 durch François Alluaud (1778–1866), der das Mineral nach dem griechischen Wort ἕτερος [heteros] für „abweichend“ benannte. Alluaud selbst gab keine Begründung für den gewählten Namen an. Da er allerdings zeitgleich ein weiteres, sekundäres Mangan-Eisen-Phosphat aus derselben Typlokalität beschrieb und offensichtlich nach dieser als Hureaulith ((Mn,Fe)5[(PO3OH)2|(PO4)2]·4H2O<ref name="StrunzNickel" details="S. 474" />) bezeichnete, wird vermutet, dass er den Heterosit in Anlehnung an seine abweichende chemische Zusammensetzung benannte.<ref name="Handbookofmineralogy" />
Da der Heterosit bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Heterosit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.<ref name="IMA-Liste" /> Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Heterosit lautet „Het“.<ref name="Warr" />
Das Typmaterial des Minerals wird im Muséum national d’histoire naturelle (MHN) unter den Inventarnummern 25.24 und 30.93 (CT) sowie in der Mines ParisTech (auch École nationale supérieure des mines; ENSM) unter den Inventarnummern 1268-42 und 4611 (CT) in Paris aufbewahrt.<ref name="IMA-Typmaterialkatalog" /><ref name="IMA-Depositories" />
Klassifikation
Bereits in der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Heterosit zur Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort zur Abteilung „Wasserfreie Phosphate, Arsenate und Vanadate ohne fremde Anionen“, wo er gemeinsam mit Ferrisicklerit, Lithiophilit, Natrophilit, Purpurit, Sicklerit und Triphylin in der „Triphylin-Reihe“ mit der Systemnummer VII/A.02 steht.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VII/A.02-050. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Wasserfreie Phosphate [PO4]3−, ohne fremde Anionen“, wo Heterosit zusammen mit Ferrisicklerit, Karenwebberit, Lithiophilit, Marićit, Natrophilit, Purpurit, Sicklerit, Simferit und Triphylin eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VII/A.02 bildet.<ref name="Lapis" />
Auch die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte<ref name=IMA-Liste-2009 /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Heterosit in die Abteilung „Phosphate usw. ohne zusätzliche Anionen; ohne H2O“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit mittelgroßen Kationen“ zu finden, wo es zusammen mit Ferrisicklerit, Lithiophilit, Natrophilit, Purpurit, Sicklerit, Simferit und Triphylin die „Triphylingruppe“ mit der Systemnummer 8.AB.10 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Heterosit die System- und Mineralnummer 38.04.01.01. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Wasserfreie Phosphate etc.“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Wasserfreie Phosphate etc., A+XO4“ in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 38.04.01, in der auch Purpurit eingeordnet ist.
Chemismus
In chemisch reiner Form von Heterosit (FePO4) besteht das Mineral aus je einem Teil Eisen (Fe) und Phosphor (P) sowie vier Teilen Sauerstoff (O) pro Formeleinheit. Dies entspricht einem Massenanteil (Gewichtsprozent) von 37,03 Gew.-% Fe, 20,54 Gew.-% P und 42,43 Gew.-% O<ref name="Mineralienatlas" /> oder in der Oxidform 52,94 Gew.-% Fe2O3 und 47,06 Gew.-% P2O5.<ref name="Webmineral" />
Bei natürlichen Mineralproben von Heterosit, unter anderem gemessen am Material aus Hill City im Pennington County des US-Bundesstaates South Dakota, können dagegen auch Fremdbeimengungen von 12,08 Gew.-% Mangan(III)-oxid (Mn2O3), 1,37 Gew.-% Calciumoxid (CaO) und 4,82 Gew.-% Wasser (H2O) sowie Spuren von Magnesiumoxid (MgO), Lithiumoxid (Li2O) und Natriumoxid (Na2O) enthalten sein, die einen Teil des Eisens und Phosphors ersetzen (siehe auch Substitution, Diadochie).<ref name="Handbookofmineralogy" />
Kristallstruktur
Heterosit kristallisiert orthorhombisch in der Raumgruppe Pbnm (Raumgruppen-Nr. 62, Stellung 3) mit den Gitterparametern a = 4,77 Å; b = 9,79 Å und c = 5,83 Å sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" details="S. 427" />
Bildung und Fundorte
Heterosit bildet sich wie Purpurit überwiegend sekundär als krustenbildendes Oxidationsprodukt aus Triphylin (LiFe[PO3]) oder Lithiophilit (LiMn[PO3]). Selten kann er auch primär in Form körniger Massen in granitischen Pegmatiten entstehen.<ref name="Klockmann" /> Als Begleitminerale treten neben Triphylin bzw. Lithiophilit unter anderem noch Ferrisicklerit und viele andere sekundäre Phosphat-Minerale auf.
Als eher seltene Mineralbildung kann Heterosit an verschiedenen Fundorten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er aber wenig verbreitet. Weltweit sind bisher rund 230 Vorkommen dokumentiert (Stand 2025).<ref name="Mindat-Anzahl" /> Neben seiner Typlokalität Les Hureaux trat das Mineral in Frankreich unter anderem noch an mehreren Orten nahe Razès, bei Montesquieu-des-Albères (Pyrénées-Orientales) sowie bei Auzat (Département Ariège) und im Vallée d’Aure (Département Hautes-Pyrénées) auf.
In Deutschland fand sich Heterosit bisher nur in Bayern, genauer im Kusserbruch (Granodiorit mit Pegmatit) bei Hötzendorf (Tittling), am Hennenkobel (Hühnerkobel) und am Pauliberg bei Zwiesel, an mehreren Orten nahe Hagendorf (Waidhaus) und bei Pleystein im Oberpfälzer Wald.
In Österreich fand man das Mineral bei einem Spodumen-Versuchsabbau am Brandrücken (siehe auch Bergbau in Kärnten) sowie nahe dem Laggerhof am Millstätter See und bei Wolfsberg in Kärnten.
Der bisher einzige bekannte Fundort in der Schweiz ist das Pontetal nahe Brissago TI im Kanton Tessin.
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Angola, Argentinien, Australien, Bolivien, Brasilien, Finnland, Italien, Kasachstan, Madagaskar, Marokko, Namibia, Polen, Portugal, Ruanda, Schweden, Spanien, Südafrika, Südkorea, Tschechien und den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).<ref name="Fundorte" />
Siehe auch
Literatur
Weblinks
- Heterosit. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung
- IMA Database of Mineral Properties – Heterosite. In: rruff.info. RRUFF Project (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
- Heterosite search results. In: rruff.info. Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF) (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
- American-Mineralogist-Crystal-Structure-Database – Heterosite. In: rruff.geo.arizona.edu. (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
Einzelnachweise
<references> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für MineralName beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 20. Oktober 2025. </ref> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="Klockmann"> </ref> <ref name="IMA-Depositories"> Catalogue of Type Mineral Specimens – Depositories. (PDF; 311 kB) Commission on Museums (IMA), 18. Dezember 2010, abgerufen am 20. Oktober 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste"> Vorlage:IMA-Liste </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Typmaterialkatalog"> Catalogue of Type Mineral Specimens – H. (PDF 217 kB) Commission on Museums (IMA), 9. Februar 2021, abgerufen am 20. Oktober 2025 (Gesamtkatalog der IMA). </ref> <ref name="Lapis"> </ref> <ref name="Mindat"> Heterosite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 20. Oktober 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Mindat-Anzahl"> Localities for Heterosite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 20. Oktober 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Mineralienatlas"> Heterosit. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung, abgerufen am 20. Oktober 2025. </ref> <ref name="SchröckeWeiner"> </ref> <ref name="StrunzNickel"> </ref> <ref name="Warr"> </ref> <ref name="Webmineral"> David Barthelmy: Heterosite Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 20. Oktober 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> </references>