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Liselotte Funcke

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Datei:LiselotteFuncke02.jpg
Liselotte Funcke

Liselotte Funcke (* 20. Juli 1918 in Hagen, Westfalen; † 1. August 2012 ebenda<ref>Todesanzeige der Familie in der Westfälischen Rundschau, Zeitung für Hagen, bzw. WAZ Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 4. August 2012 (Digitalisat), abgerufen am 9. September 2013.</ref>) war eine deutsche Politikerin (FDP). Sie war Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages und als erste Frau in diesem Amt Ministerin für Wirtschaft, Mittelstand und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen. Von 1981 bis 1991 war sie die erste weibliche Ausländerbeauftragte der Bundesregierung.

Leben

Funcke war viertes Kind des Fabrikanten Oscar Funcke.<ref>Hagener trauern um ihre Ehrenbürgerin Liselotte Funcke. In: Westfalenpost. 2. August 2012, abgerufen am 2. August 2012.</ref> Sie legte am Hagener Realgymnasium 1937 das Abitur ab und studierte an der Wirtschaftshochschule Berlin Betriebswirtschaftslehre. Am 31. Mai 1938 beantragte sie die Aufnahme in die NSDAP und wurde zum 1. September desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 6.972.505).<ref>Bundesarchiv, R 9361-IX KARTEI/10101568.</ref><ref>Helmut Gewalt: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Angehörige des Bundestags / I.-X. Legislaturperiode ehemaliger NSDAP- & / oder Gliederungsmitgliedschaften. (Memento vom 3. Januar 2016 im Internet Archive; PDF; 61 kB) niqel.de; abgerufen am 19. November 2011.</ref> Nach dem Abschluss als Diplom-Kaufmann 1941 arbeitete sie bis 1944 als Assistentin bei einem Wirtschaftsprüfer. Anschließend war sie in der von ihrem Urgroßvater gegründeten Schraubenfabrik und Gesenkschmiede Funcke & Hueck als Prokuristin tätig. Diese Tätigkeit übte sie bis 1969 aus. Am 1. August 2012 starb Liselotte Funcke im Alter von 94 Jahren.

Ihr Vater Oscar Funcke gehörte, ebenfalls für die FDP, dem Deutschen Bundestag in der ersten Wahlperiode an.

Partei

Datei:Bundesarchiv B 145 Bild-F052015-0041, Kiel, FDP-Bundesparteitag, Lieselotte Funcke retouched.jpg
Liselotte Funcke (1977)

Funcke trat 1946 in die FDP ein, ein Jahr später wurde sie Mitglied im Landesvorstand der Partei, 1964 Mitglied des Bundesvorstandes und 1968 des Präsidiums. In den Jahren 1948 bis 1968 leitete sie zudem den Landesfrauenausschuss der nordrhein-westfälischen FDP. Von 1967 bis 1978 war sie Bezirksvorsitzende der FDP Westfalen-West. In der Zeit von 1977 bis 1983 war Funcke stellvertretende Bundesvorsitzende der Liberalen.

Um 1950 gehörte sie zur Führungsgruppe der Jungdemokraten in Nordrhein-Westfalen um Willi Weyer und Walter Scheel.<ref>Christof Brauers: Die FDP in Hamburg 1945 bis 1953. München 2007, S. 465.</ref>

Unterlagen zu ihrer politischen Tätigkeit liegen im Archiv des Liberalismus der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit in Gummersbach.

Abgeordnete

Im Zeitraum von 1950 bis 1961 saß sie im nordrhein-westfälischen Landtag, 1961 wurde sie in den Deutschen Bundestag gewählt, dessen Vizepräsidentin sie von 1969 bis 1979 war. Von 1972 bis 1979 war sie Vorsitzende des Finanzausschusses des Bundestages, nachdem sie von 1965 bis 1969 bereits dessen stellvertretende Vorsitzende war.

Öffentliche Ämter

Am 19. November 1979 wurde sie als erste Frau als Ministerin für Wirtschaft, Mittelstand und Verkehr in die von Ministerpräsident Johannes Rau geführte Landesregierung des Landes Nordrhein-Westfalen berufen. Nachdem die FDP bei der Landtagswahl 1980 an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert war, schied sie am 4. Juni 1980 aus dem Kabinett aus.

Von 1981 bis zum 15. Juli 1991 war sie Ausländerbeauftragte der Bundesregierung. Aufgrund ihres Engagements für die in Deutschland lebenden Türken wurde sie als „Engel der Türken“ bezeichnet.<ref>Schon komisch. In: Der Spiegel. Nr. 43, 1983 (online).
Warum sind alle gegen uns? In: Die Zeit, 31. Januar 1986, abgerufen am 10. August 2018.</ref> Ihren Rücktritt begründete sie in einem Brief an Bundeskanzler Helmut Kohl damit, dass sie "kaum je Kontakt zur Bundesregierung und ihren Entscheidungen" gehabt habe.<ref>Heribert Prantl: Prantls Blick. Hrsg.: Süddeutsche Zeitung. München 9. Dezember 2018.</ref>

Sonstiges

Funcke war von 1961 bis 1991 Mitglied der Kammer für öffentliche Verantwortung der Evangelischen Kirche in Deutschland.<ref>Kammer der EKD für Öffentliche Verantwortung – FOR 1765 Public – DARIAH Wiki. Abgerufen am 20. Mai 2017.</ref> Von 1970 bis 1993 gehörte sie dem Kuratorium der Friedrich-Naumann-Stiftung an.

Würdigungen

Die Fernuniversität Hagen würdigte ihre Ehrendoktorin Liselotte Funcke 2012 in einem Nachruf:<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Dr. h.c. Liselotte Funcke verstorben (Memento vom 6. Oktober 2012 im Internet Archive) fernuni-hagen.de, 3. August 2012; abgerufen am 19. Mai 2022.</ref>

„In Anerkennung ihrer Verdienste um die Förderung der demokratischen Toleranz, der Gleichberechtigung der Geschlechter und des friedlichen und solidarischen Zusammenlebens von Einheimischen und Zugewanderten in der Bundesrepublik Deutschland verlieh ihr der damalige Fachbereich Erziehungs-, Sozial- und Geisteswissenschaften der FernUniversität in Hagen ... am 26. Mai 1999 den Titel einer Doktorin honoris causa.

Demokratie, Gerechtigkeit, Toleranz, Verständnis, Zukunftsorientierung, aber auch Kritik und das Streben nach Erkenntnis waren für Liselotte Funcke immer Eckpfeiler ihres Denkens und ihres Handelns. Indem sie sich um die politische Kultur in Deutschland verdient machte, förderte sie das gute Klima für Lehre und Forschung.“

2024 verlieh die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit erstmals den Liselotte-Funcke-Preis für Integration und Gleichberechtigung, den die Journalistin Dunja Hayali erhielt.<ref>Liselotte-Funcke-Preis. Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, 25. Januar 2024; abgerufen am 26. März 2025.</ref>

Datei:Grab Liselotte Funcke.jpg
Das Grab von Liselotte Funcke auf dem Buschey-Friedhof in Hagen

Auszeichnungen

Schriften (Auswahl)

  • (Hrsg.): Frauen sprechen im Bundestag. Verlag Bonn Aktuell, Stuttgart 1979, ISBN 978-3-87959-111-4.
  • (Hrsg.): Frei sein, um andere frei zu machen. Frauen in der Politik. Die Liberalen. Seewald Verlag, Stuttgart/Herford 1984, ISBN 3-512-00707-4.
  • Bericht der Beauftragten der Bundesregierung für die Integration der ausländischen Arbeitnehmer und ihrer Familienangehörigen, März 1991; undesregierung.de (PDF); abgerufen am 7. Februar 2023.
  • Hagener Straßen erzählen Geschichte(n). Ardenkuverlag, Hagen 1999, ISBN 978-3-932070-16-7.
  • Hagener Industriebetriebe. Tuche, Sensen, Federn, Stahl. Ardenkuverlag, Hagen 2003, ISBN 978-3-932070-44-0.
  • Wo unsere Großeltern einkauften – Hagener Einzelhandel. Ardenkuverlag, Hagen 2009, ISBN 978-3-932070-92-1.
  • 265 Jahre Bürgermeister der Stadt Hagen. Ardenkuverlag, Hagen 2011, ISBN 978-3-942184-17-5.

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

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