Marine Stewardship Council
| Marine Stewardship Council (MSC) | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| colspan="2" class="notheme" style="text-align: center; padding:1em 0; background-color:#Vorlage:Standardfarbe; color:#202122;" | Marine Stewardship Council Logo.png | ||||||
| Rechtsform | Private Company Limited by Guarantee<ref>Company number: 3322023 - Private Company Limited by Guarantee and not having a Share Capital - ARTICLES OF ASSOCIATION of MARINE STEWARDSHIP COUNCIL (the "Charity") (PDF-Dokument MSC Articles of association). In: msc.org</ref>, Nichtregierungsorganisation | |||||
| Gründung | 17. Februar 1997 | |||||
| Auflösung | Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1686: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) | |||||
| Gründer | Unilever, WWF | |||||
| Sitz | City of London, Vereinigtes Königreich (⊙
{{#coordinates:51,516666666667|−0,10272222222222|primary
|
dim=250 | globe= | name=Marine Stewardship Council | region=GB-LND | type=building
}}) |
| Vorläufer | Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1686: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) | |||||
| Nachfolger | Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1686: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) | |||||
| Motto | Wild. Certified. Sustainable. | |||||
| Zweck | Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1686: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) | |||||
| Schwerpunkt | nachhaltige Fischerei | |||||
| Aktionsraum | weltweit | |||||
| Personen | Werner Kiene (Chairman of the Board of Trustees) Rupert Howes (Chief Executive) | |||||
| Eigentümer | Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1686: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) | |||||
| Umsatz | 19,9 Mio. Pfund (2016/17) | |||||
| Stiftungskapital | Lua−Fehler in Modul:Wikidata. Zeile 1686: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 273: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) (Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1686: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) | |||||
| Beschäftigte | Lua−Fehler in Modul:Wikidata. Zeile 1686: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) (Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1686: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) | |||||
| Freiwillige | Lua−Fehler in Modul:Wikidata. Zeile 1686: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) (Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1686: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) | |||||
| Mitglieder | Lua−Fehler in Modul:Wikidata. Zeile 1686: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) (Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1686: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) | |||||
| Website | www.msc.org | |||||
Der Marine Stewardship Council (kurz MSC) ist eine gemeinnützige Organisation mit Sitz in London.<ref>Governance. Marine Stewardship Council, abgerufen am 14. März 2018 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Sie wurde 1997 von Unilever und dem WWF ins Leben gerufen, ist seit 1999 unabhängig von diesen und finanziert sich vor allem aus Spenden (8 %<ref name=":14">Organisation und Finanzen des MSC. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 3. Dezember 2022; abgerufen am 29. Januar 2023.</ref>) und Lizenzgebühren (87,8 %<ref name=":14" />).<ref>Daniel Lingenhöhl: Fragwürdiges Ökosiegel. In: Zeit Online. 3. September 2010, abgerufen am 14. März 2018.</ref> Der MSC entwickelte ein Zertifizierungsprogramm für nachhaltige Fischereien und ein Umweltsiegel,<ref name=":1">Hans Heusser: WWF lanciert Label für den Öko-Fisch. Weissfische essen statt die Meere plündern. In: Neue Zürcher Zeitung. 12. August 1998, S. 47.</ref><ref>Hannes Koch: Gutes Gewissen an der Fischtheke. In: Die Tageszeitung. 30. März 2015, S. 9.</ref> unter dem Anfang 2000 die ersten Produkte aus nachhaltiger Fischerei auf den Markt kamen.<ref name=":6">Angelika Hillmer: Fisch mit Zukunftsperspektiven. In: Hamburger Abendblatt. 7. Januar 2003, S. 2.</ref><ref>Hannes Koch: Ein Fisch-Siegel erobert den Markt. In: Badische Zeitung. 21. April 2015, S. 15.</ref>
Die wichtige Rolle, die der MSC als unabhängige Kontrollinstanz zum Erhalt der marinen Artenvielfalt und dem Schutz der Weltmeere leisten kann, wird regelmäßig von Institutionen und Verbänden wie der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen,<ref>Food and Agriculture Organization of the United Nations: Terminal evaluation of the areas beyond national jurisdiction (ABNJ) Tuna project, part of the “Global sustainable fisheries management and biodiversity conservation in ABNJ". (PDF) S. 15, 70, abgerufen am 10. November 2021.</ref> der Global Sustainable Seafood Initiative, Verbraucherinitiativen und -zentralen<ref>MSC-Siegel für nachhaltige Fischerei. 29. April 2014, abgerufen am 10. November 2021.</ref><ref>MSC | LABEL-ONLINE - Das Portal mit Informationen und Bewertungen zu Labeln in Deutschland. Abgerufen am 10. November 2021.</ref><ref>MSC-Siegel für nachhaltige Fischerei. Abgerufen am 10. November 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> sowie der Politik gewürdigt.<ref>Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft: Für eine nachhaltige Fischerei. (PDF) Abgerufen am 10. November 2021.</ref><ref>WELT: MSC-Gütesiegel für Schleswig-Holsteins Muschelfischer. In: Die Welt. 25. Oktober 2016 (welt.de [abgerufen am 10. November 2021]).</ref>
Der gleichen Ansicht sind WWF<ref>Der Marine Stewardship Council MSC. Abgerufen am 10. November 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Wiener Zeitung Online: Konserven - Thunfisch aus der Dose kann nachhaltig sein. Abgerufen am 10. November 2021.</ref> und Stiftung Warentest,<ref>Stiftung Warentest: MSC: Ein Siegel im Check. Abgerufen am 10. November 2021.</ref><ref>Stiftung Warentest: Ratgeber Fischkauf: Bedrohte Fischarten schützen, Qualität erkennen. Abgerufen am 10. November 2021.</ref> betonen aber zugleich, dass sie das MSC-Siegel als Mindeststandard ansehen und wünschen sich höhere Ansprüche an eine nachhaltige Fischerei.<ref name="Erklaerung WWF" />
An der Zertifizierung des MSC wurde immer wieder Kritik geäußert,<ref name=":7">Bob Geisler: Das fragwürdige Siegel für Ökofisch. In: Hamburger Abendblatt. 8. Dezember 2011, S. 25.</ref><ref>Kritik am MSC-Siegel wächst. In: Ruhr Nachrichten. 9. März 2018, S. 14.</ref><ref>Irene Altenmüller: Fischeinkauf: Wie gut ist das MSC-Siegel? Norddeutscher Rundfunk, 4. Februar 2016, abgerufen am 14. März 2018.</ref> unter anderem vom WWF und von Greenpeace.<ref name=":11" /><ref>Laute Kritik an Standards des Fisch-Gütesiegel MSC. Bayerischer Rundfunk, 25. Januar 2018, abgerufen am 14. März 2018.</ref> Ebenso wie andere Interessengruppen hat der WWF Deutschland zuletzt in einer Stellungnahme 2018 Reformen vom MSC gefordert.<ref name="Erklaerung WWF">Erklärung des WWF zu Reformen des Marine Stewardship Council. (PDF) WWF Deutschland, März 2018, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 4. Januar 2022; abgerufen am 26. April 2018.</ref> Greenpeace Österreich stuft das MSC-Siegel als „nicht vertrauenswürdig“ ein.<ref>Raffaela Angstmann: Das MSC-Siegel garantiert nicht immer einen nachhaltigen Fischfang. In: Neue Zürcher Zeitung. 23. April 2018, abgerufen am 26. April 2018.</ref>
Geschichte
In den 1990er Jahren wurde die Überfischung der Meere zunehmend debattiert, da rund 70 Prozent aller konventionell genutzten Arten bedroht waren.<ref>Gideon Heimann: Naturschutz-Zertifikat auf der Fischdose. In: Der Tagesspiegel. 24. Oktober 1996, S. 27.</ref> Die Fischereiwirtschaft sah ihre Existenz bedroht:<ref>Nicola Liebert: Schützt Fische und Fischer! In: Die Tageszeitung. 3. August 1996, S. 6.</ref><ref name=":8">Käpt’n Iglo in Seenot. In: Der Spiegel. 13. Mai 1996, S. 106.</ref> Mit dem Zusammenbruch der Kabeljaufischerei in Kanada hatten schon im Jahr 1992 tausende Fischer und Fischverarbeiter ihre Arbeitsplätze verloren.<ref name=":0">Geschichte. In: 20 Jahre Marine Stewardship Council. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 19. April 2018; abgerufen am 14. März 2024.</ref> Vor diesem Hintergrund kündigten 1996 der Konsumgüterkonzern Unilever, einer der größten Vertreiber von Speisefisch,<ref>WWF hilft jetzt Käpt’n Iglo. In: Wiesbadener Kurier. 26. Juni 1998.</ref> sowie die internationale Natur- und Umweltschutzorganisation WWF an, gemeinsam Standards für nachhaltige Fischerei zu erarbeiten.<ref>Nachhaltiger Fisch. In: Der Tagesspiegel. 10. März 1996.</ref> Als Vorbild diente der Initiative das 1993 gegründete Forest Stewardship Council (FSC).<ref>Alfred Neukom: Schutz der 200 ökologisch wichtigsten Gebiete. Auftakt zu einer weltweiten Kampagne des WWF. In: Neue Zürcher Zeitung. 2. Oktober 1996, S. 20.</ref> Der Einsatz für nachhaltige Fischerei war Teil der globalen Kampagne des WWF gegen die Zerstörung der Natur.<ref>Stephan Hebel: WWF startet Kampagne für ökologisches Fischen. Umweltorganisation präsentiert ihre nächsten Vorhaben. In: Frankfurter Rundschau. 25. Oktober 1996, S. 28.</ref>
1997 nahm der MSC seine Arbeit auf.<ref name=":0" /> Nach der Starthilfe von Unilever und dem WWF wurde die Organisation unter Leitung des ehemaligen britischen Umweltministers John Gummer schnell unabhängig.<ref name=":9">Joachim Fahrun: Fauler Stempel: Mit dem Fisch-Öko-Siegel auf du und du. In: Die Tageszeitung. 8. Juni 1998, S. 9.</ref> Zusammen mit Fachleuten aus Umweltverbänden, Industrie und Wissenschaft erarbeitete man Grundlagen für ein Umweltsiegel, welches umweltverträgliche Fischereien kennzeichnen und so Konsumenten die Wahl nachhaltiger Fischprodukte erleichtern sollte.<ref>Philip Bethge: Machtvolles Werkzeug des Marktes. In: Der Spiegel. 31. März 1997, S. 186.</ref> Durch ihr Kaufverhalten sollten Verbraucher direkt Einfluss auf Fangmethoden und eine verantwortungsvolle Befischung der Meere nehmen können.<ref name=":2">Paula Carega: Ein Label für das gute Gewissen beim Fischessen. In: Basler Zeitung. 12. August 1998, S. 9.</ref> Der MSC wollte so kurzfristig das Überleben der akut bedrohten Bestände sichern und langfristig die globale Fischereiwirtschaft in nachhaltige Bahnen lenken.<ref name=":10">Leo Frühschütz: Streit um Fischfang-Siegel: Läßt sich wenigstens das Überleben der Bestände sichern? In: Der Tagesspiegel. 26. November 1998, S. 45.</ref> Anfang 2000 kamen die ersten zertifizierten Produkte in den Handel, zunächst in Großbritannien und der Schweiz.<ref>Katja Trippel: Gütesiegel für schonenden Fischfang. In: Die Tageszeitung. 4. März 2000, S. 9.</ref><ref>Angelika Hillmer: Neues Öko-Label für Meeresgetier. In: Hamburger Abendblatt. 9. März 2000, S. 11.</ref> Als eine der ersten Fischereien qualifizierte sich die Wildlachsfischerei Alaskas.<ref>Reiner Luyken: Aus kleinen Fischen große zaubern. In: Die Zeit. 6. September 2001 (zeit.de [abgerufen am 14. März 2018]).</ref>
Parallel zu den ersten nachhaltigen Fischprodukten, die mit dem MSC-Siegel auf den Markt kamen, setzte ein Umdenken bei den Verbrauchern und im Handel ein.<ref>Dirk Jensen: Der weite Weg zum Öko-Fisch. In: Hamburger Abendblatt. 12. Februar 2002, S. 5.</ref><ref>Ronald Schenkel: Der globale Fisch. In: Neue Zürcher Zeitung. 31. Dezember 2005, S. 69.</ref> So kündigten immer mehr internationale Handelskonzerne ihre Unterstützung der Initiative an, darunter Migros und Tesco.<ref>Delf Bucher: Krach der Grossverteiler um Öko-Labels. In: Sonntagszeitung. 19. November 2000, S. 79.</ref><ref></ref> 2002 stellte Metro mit seiner Handelskette Real seine Eigenmarken auf zertifizierten Fisch um.<ref name=":0" /> 2005 weitete Unilever das Angebot nachhaltiger Fischereiprodukte deutlich aus: Der Anteil zertifizierter Produkte sollte konzernweit von fünf auf 40 Prozent erhöht werden.<ref></ref> 2009 gab Edeka bekannt, mit Unterstützung des WWF nur noch Fisch aus nachhaltiger Fischerei anzubieten, darunter vor allem Produkte mit dem Umweltsiegel des MSC.<ref>Micaela Buchholz: Edeka setzt auf MSC-Siegel. In: Allgemeine Hotel- und Gastronomie-Zeitung. 16. Mai 2009, S. 12.</ref> Im selben Jahr erklärte die Fast-Food-Kette McDonald’s, in allen europäischen Filialen nur noch MSC-zertifizierten Fisch anzubieten.<ref>McDonalds: Filet-o-Fish europaweit demnächst aus MSC-Fisch. In: Fischmagazin. 8. Juni 2011, abgerufen am 14. März 2018.</ref>
2018 kamen in Deutschland – dem Markt mit dem weltweit höchsten Anteil an MSC-zertifiziertem Fisch – etwa 40 Prozent aller Wildfisch-Produkte aus MSC-zertifizierter Fischerei<ref>Sibylle Wilke: Umsatz und Marktanteil von Fischerzeugnissen aus nachhaltiger Fischerei. 23. März 2015, abgerufen am 10. November 2021.</ref>. Was die globalen Fangmengen betrifft, bleibt der MSC weiterhin ein Nischenprodukt: Erst rund 15 Prozent (2019) der weltweiten Fänge kommen von kontrollierten, MSC-zertifizierten Fischereien.<ref name=":3">MSC-Siegel für nachhaltige Fischerei. 29. April 2014, abgerufen am 10. November 2021.</ref><ref name=":12">United Nations: Global Biodiversity Outlook 5. (PDF) United Nations Environment Program (UNEP), abgerufen am 10. November 2021.</ref>
2011 gab es erstmals Berichte über ungenaue Zertifizierungen.<ref>Fabio Bergamin: Fische ungenau zertifiziert. MSC-Produkte am Pranger. In: Neue Zürcher Zeitung. 24. August 2011, S. 60.</ref> Der MSC reagierte darauf im Jahr 2011 mit einer Studie, die positive Auswirkungen auf Fischbestände nachwies.<ref>Merle Schonvogel: Zertifizierung hilft Fischbestände schützen. In: Hamburger Abendblatt. 17. November 2011, S. 23.</ref> 2017 wurde der MSC als erstes Zertifizierungsprogramm für nachhaltige Fischerei von der Global Sustainable Seafood Initiative anerkannt.<ref>Cliff White: MSC achieves GSSI recognition. In: SeafoodSource. 14. März 2017, abgerufen am 13. März 2018 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> 2022 kam eine in der Fachzeitschrift Frontiers in Marine Science veröffentlichte Studie von MSC und der University of Washington zu dem Ergebnis, dass Fischbestände, die von MSC-zertifizierten Fischereien befischt werden, im Vergleich zu anderen Fischbeständen, deutlich gesündere und stabile Bestandsgrößen aufweisen.<ref name="Melnychuk">Michael C. Melnychuk, Alessio Veneziano, Samantha Lees, Jennifer Rasal, Lauren M. Koerner, Peter Hair, David Costalago, Daniel Hively, Ernesto Jardim and Catherine Longo: Wild-caught fish populations targeted by MSC-certified fisheries have higher relative abundance than non-MSC populations. In: Frontiers in Marine Science. Band 2022, Nr. 9, 1. September 2022, ISSN 2296-7745, doi:10.3389/fmars.2022.818772.</ref> Dennoch gibt es neben positiven Stimmen immer wieder auch Kritik an den Zertifizierungen einzelner Fischereien oder den MSC-Umweltstandards.<ref name=":11">Birger Nicolai: MSC-Siegel verspielt das Vertrauen. In: Die Welt. 8. Februar 2018, S. 14.</ref>
Zertifizierung
Der MSC-Standard wurde in Zusammenarbeit mit Experten aus Wissenschaft, Fischerei und Umweltschutz entwickelt.<ref>Ferdinand Knauss, Helmut Steuer: Fischfang: Ödnis in der Tiefe. In: Handelsblatt. 25. August 2006, abgerufen am 28. Mai 2018.</ref><ref>Annegret Mathari: Grönlands Crevettenfischer möchten mehr, als sie dürfen. In: Neue Zürcher Zeitung. 18. November 2014, S. 26.</ref> Das Regelwerk umfasst einen Umweltstandard für Fischereien und einen Rückverfolgbarkeitsstandard für Unternehmen der Lieferkette sowie ergänzende Richtlinien und Dokumente.<ref>Scheme Documents Master List. Marine Stewardship Council, abgerufen am 14. März 2018 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Im Zentrum steht der Schutz von Fischbeständen und Meereslebensräumen.<ref>MSC: Ein Siegel im Check. Stiftung Warentest, 23. März 2018, abgerufen am 18. April 2018.</ref> Zu den wichtigsten Kriterien gehört die Vermeidung von Überfischung. Die Bestimmungen unterscheiden sich je nach Fischart, Ort und Fangmethode.<ref name=":2" /> Die Zertifizierungen selbst erfolgen durch rechtlich selbstständige Zertifizierungsstellen.<ref>Karin Schuh: Der Fisch und die Nachhaltigkeit. In: Die Presse am Sonntag. 13. Mai 2018, S. 12.</ref>
Bis 2017 waren weltweit 315 Fischereien MSC-zertifiziert. In Bewertung befanden sich 86 Fischereien.<ref name=":11" /> Darunter befinden sich sowohl kleine lokale als auch große international tätige Fischereien.<ref>MSC: 100. Fischerei in der Zertifizierung. In: Fischmagazin. Abgerufen am 28. Mai 2018.</ref> Nach Angaben des MSC waren 2017 weltweit etwa 20.000 Produkte mit MSC-Siegel im Handel.<ref name=":5">Annual Report 2016-17. (PDF) Wild. Certified. Sustainable. Marine Stewardship Council, S. 11, 45, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 18. Oktober 2017; abgerufen am 18. April 2018 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Fisch aus MSC-zertifizierter Fischerei macht rund 15 % der globalen Fangmengen aus.<ref name=":3" /><ref name=":12" /> 2020 waren weltweit 409 Fischereien MSC-zertifiziert (davon wurden 22 suspendiert). In Bewertung befanden sich 89 Fischereien. Nach Angaben des MSC waren 2020 weltweit etwa 19.000 Produkte mit MSC-Siegel im Wert von ca. 10 Milliarden US-Dollar im Handel.<ref name=":13">Celebrating and supporting sustainable fisheries The Marine Stewardship Council Annual Report 2019 - 20. (PDF) Marine Stewardship Council (MSC), abgerufen am 10. November 2021.</ref> Die UN-Welternährungsorganisation (FAO) sieht die Entwicklung von nachhaltigen Fischereien durch Zertifizierung als Schritt zur Erreichung von Ziel 14 („Leben unter Wasser“) der Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) der Vereinten Nationen.<ref>Umar Papalia. FAO, abgerufen am 4. Januar 2023.</ref><ref>Incentivising sustainable fisheries through certification. UN, abgerufen am 13. Februar 2023.</ref>
Organisation
Rechtsform
Der MSC ist eine gemeinnützige Organisation in der Rechtsform einer Private Company Limited by Guarantee.<ref>MARINE STEWARDSHIP COUNCIL - Charity 1066806. Abgerufen am 10. November 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Sie wurde am 17. Februar 1997 ins Handelsregister des Companies House eingetragen. Die Tätigkeit der Organisation erstreckt sich auf alle Bereiche der (Wildfisch-)Fischerei. Das Memorandum der Gesellschaft nennt als Gegenstand insbesondere den Erhalt der Meeres- und Süßwasserwelt im Interesse der Allgemeinheit sowie die Aufklärungsarbeit in diesem Bereich.<ref>Marine Stewardship Council. Companies House, abgerufen am 14. März 2018 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die Tochtergesellschaft Marine Stewardship Council International (MSCI) ist für den Bereich Lizenzierung zuständig.<ref>Marine Stewardship Council International Limited. Companies House, abgerufen am 14. März 2018 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Gremien
Das operative Geschäft des MSC führt Rupert Howes in der Position des sogenannten Chief Executive.<ref>Rupert Howes, CEO, Marine Stewardship Council. In: The Guardian. Abgerufen am 14. März 2018 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die strategische Leitung obliegt dem Board of Trustees, das aus mindestens zehn und maximal 18 Mitgliedern besteht.<ref>Board of Trustees. Marine Stewardship Council, abgerufen am 14. März 2018 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Ihre Amtszeit beträgt höchstens drei Jahre, eine Wiederwahl ist möglich.<ref name=":4">Articles of Association. (PDF) Marine Stewardship Council, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 1. Mai 2015; abgerufen am 14. März 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> An der Spitze des Gremiums steht derzeit Werner Kiene.<ref>MSC Appoints New Chairman. In: SeafoodSource. 14. November 2012, abgerufen am 14. März 2018 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Das Board of Trustees wird in fischereitechnischen und wissenschaftlichen Fragen vom Technical Advisory Board beraten.<ref>Technical Advisory Board. Marine Stewardship Council, abgerufen am 14. März 2018 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Zusätzlich gibt es ein Stakeholder Advisory Council, das die Interessen von Umweltschutzorganisationen, Fischereien und Handel vor dem Board of Trustees und dem Technical Advisory Board vertritt.<ref>Stakeholder Advisory Council. Marine Stewardship Council, abgerufen am 14. März 2018 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die Vorsitzenden des Technical Advisory Board, des Stakeholder Advisory Council und des MSCI sind von Amts wegen Mitglieder des Board of Trustees.<ref name=":4" />
Standorte
Der Geschäftssitz der Zentrale des MSC befindet sich in der City of London. Weltweit gibt es Regionalbüros, Repräsentanzen und Vertretungen in Berlin, Busan, Cronulla, Den Haag, Fremantle, Kapstadt, Kopenhagen, Madrid, Mailand, Paris, Peking, Reykjavík, Seattle, Singapur, Stockholm, Tokio, Toronto, Warschau und Washington. Damit ist die Organisation in allen wichtigen Fischereimärkten präsent. Die Präsenz im Nahen Osten wird von der Zentrale in London organisiert, die Präsenz in Südamerika vom Büro in Seattle.<ref>Offices and Staff. Marine Stewardship Council, abgerufen am 14. März 2018 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Finanzen
Im Geschäftsjahr 2019/20 beliefen sich die Einnahmen des MSC auf rund 29,3 Millionen Pfund. Davon entfiel die überwiegende Mehrheit (80,5 %) auf Lizenzgebühren von Herstellern und Handelspartnern. 14,9 % stammten aus Spenden und Erbschaften. Der MSC bezieht keine Einnahmen aus dem Zertifizierungsprozess von Fischereien und Unternehmen, diese bezahlen die Zertifizierungsgesellschaften direkt für ihre Arbeit. Die Ausgaben lagen 2019/20 bei rund 26,9 Millionen Pfund. Hiervon gab der MSC 35 % für Dienstleistungen und Öffentlichkeitsarbeit aus. Knapp dahinter lagen mit 34,5 % die Ausgaben für Bildungsarbeit und Aufklärung. 20,4 % entfielen auf die Weiterentwicklung der Zertifizierungsrichtlinien und der MSC-Standards. Die Ausgaben für die Lizenzierung des Logos und das Fundraising spielten eine untergeordnete Rolle.
Weiterhin begann der MSC im März 2020, durch den Ocean Stewardship Fund Forschungsprojekte zum Thema nachhaltige Fischerei sowie kleine Fischereien insbesondere aus dem Globalen Süden finanziell zu unterstützen. Dafür wurden 2019/20 insgesamt 2,5 % des MSC-Budgets aufgewendet.<ref name=":13" />
Kritik
Wissenschaft
2011 wurden Zweifel an der Rückverfolgbarkeit von Schwarzem Seehecht bekannt. Eine Wissenschaftlerin des Fridtjof-Nansen-Instituts in Lysaker wies nach, dass rund ein Fünftel ihrer Proben aus nicht zertifizierten Beständen stammte. Des Weiteren handelte es sich bei einigen Proben gar nicht um Schwarzen Seehecht.<ref>Erik Stokstadt: Eco-Friendly Chilean Sea Bass May Not Be so Green. In: Science News. American Association for the Advancement of Science, 22. August 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 1. Februar 2014; abgerufen am 14. März 2018 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Das Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel untersuchte Bestände, die von zertifizierten Fischereien befischt werden, auf ihren Zustand.<ref>Carla Marconi: Fischkauf ohne Haken. In: Allgemeine Hotel- und Gastronomie-Zeitung. 19. Mai 2012, S. 13.</ref> Stichproben deuteten an, dass nicht wenige von MSC-zertifizierten Fischereien befischte Bestände entweder zu hart befischt werden oder deutlich zu klein sind. Die entsprechende Studie aus dem Jahr 2012 wies nach, dass einige der untersuchten Bestände überfischt und weitere Bestände bis an ihre nachhaltige Grenze befischt wurden.<ref>Hannes Koch: Mit gutem Gewissen an die Fischtheke. In: Bonner General-Anzeiger. 24. März 2015, S. 6.</ref> Grundlage der Auswertung waren die durch internationale Seerechtsabkommen festgelegten Richtlinien. Diese seien strenger als die Referenzwerte des MSC.<ref>arte Nano: Kein Verlass. Forscher kritisieren gängige Fischschutz-Label. 18. April 2012, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 1. Februar 2014; abgerufen am 14. März 2024.</ref> Die Wissenschaftler monierten, dass den überfischten Beständen das Umweltsiegel nicht entzogen wurde.<ref>Kein Verlass: Forscher kritisieren gängige Fischschutz-Label. In: 3sat. 18. April 2012, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 1. Februar 2014; abgerufen am 14. März 2018: „Man könne sich auf die Fischschutz-Label nicht verlassen, sagt der Fischereibiologe Rainer Froese vom Geomar-Institut für Ozeanforschung in Kiel.“</ref> Eine Studie des MSC und der University of Washington kam 2022 zum gegenteiligen Ergebnis.<ref name="Melnychuk">Michael C. Melnychuk, Alessio Veneziano, Samantha Lees, Jennifer Rasal, Lauren M. Koerner, Peter Hair, David Costalago, Daniel Hively, Ernesto Jardim and Catherine Longo: Wild-caught fish populations targeted by MSC-certified fisheries have higher relative abundance than non-MSC populations. In: Frontiers in Marine Science. Band 2022, Nr. 9, 1. September 2022, ISSN 2296-7745, doi:10.3389/fmars.2022.818772.</ref>
Die David Suzuki Foundation übte 2012 scharfe Kritik an der Zertifizierung einer Schwertfischfischerei, durch die sowohl Haie als auch Schildkröten mitgefangen wurden.<ref>Endangered Turtles and Sharks Lose out in MSC Longline Swordfish Certification. David Suzuki Foundation, 2. September 2012, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 5. Dezember 2014 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Diese Einschätzung untermauerte 2013 ein Konsortium unabhängiger Wissenschaftler der New York University. Sie stellte ebenfalls hohe Bei- und Zweitfangraten in der MSC-zertifizierten Schwertfischfischerei fest.<ref>'Sustainable Fishing' Certification Too Lenient and Discretionary. In: ScienceDaily. 10. April 2013, abgerufen am 4. Mai 2013.</ref> Auf 20.000 gefangene Schwertfische kämen pro Jahr circa 100.000 Haie (zweite Zielfischart der Fischerei), 1.200 Karettschildkröten und 170 Lederschildkröten, wobei letztere auf der Roten Liste gefährdeter Arten der Weltnaturschutzunion IUCN stehen.<ref>Sustainable Fishing Certification Too Lenient and Discretionary. In: ScienceDaily. 10. April 2013, abgerufen am 14. März 2018 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Greenpeace
Greenpeace betrachtete die Initiative zunächst mit Sympathie. Allerdings mahnte man 1996 schon im Vorfeld der Gründung des MSC konkrete Standards an, die zu einer Reduzierung der Fangmengen führen müssten.<ref>Hermann-Josef Tenhagen: Mehr Zukunft für die Fische. In: Die Tageszeitung. 26. Februar 1996, S. 6.</ref> Später wuchs die Skepsis von Greenpeace, da man befürchtete, dass Kooperationen von Industrie und Umweltschutz häufig nicht über „Lippenbekenntnisse“ hinausgehen würden.<ref name=":8" /> Man argumentierte, der „Happy Fisch“ des MSC sei kein „Öko-Label, sondern höchstens ein Zeichen für den besseren Fisch auf dem Markt“. Hering, Kabeljau und Scholle dürften eigentlich überhaupt nicht zertifiziert werden.<ref name=":9" />
Nach Ansicht von Greenpeace seien die Standards des MSC zu niedrig.<ref>Sven-Michael Veit: Öko-Siegel trotz Umweltschäden. In: Die Tageszeitung. 25. Oktober 2016, S. 25.</ref> Nur ein absoluter Fangstopp ermögliche es bedrohten Beständen, sich nachhaltig zu erholen.<ref name=":6" /> Dafür müssten auch Verbraucher auf den Konsum vieler Arten komplett verzichten.<ref>Überfischung: Wie öko ist dieses Logo? In: Hamburger Morgenpost. 24. September 2012, S. 10.</ref> Man monierte insbesondere die Zertifizierung von Fischereien, die Grundschleppnetze verwenden, da diese den Meeresboden aufwühlen und das betroffene Ökosystem dauerhaft schädigen könnten.<ref name=":7" /> Ein Beispiel dafür ist dieser Bericht von Greenpeace über die Nordsee-Seelachs-Fischerei, die ebenfalls mit Grundschleppnetzen fischt.<ref>Wolfgang Hassenstein: Die Seelachsjäger. In: Greenpeace Magazin. Nr. 2, 2012 (greenpeace-magazin.de [abgerufen am 18. April 2018]).</ref>
2010 veröffentlichte Greenpeace Deutschland eine Bewertung von Umweltsiegel für Fischereiprodukte. Neben den bereits dargestellten Punkten kritisierte man, dass das Regelwerk des MSC „schwach und unklar formuliert“ sei. Fischereien müssten nur 60 bis 80 % der Vorschriften erfüllen, um zertifiziert zu werden. Positiv werden unter anderem die regelmäßige Überprüfung der Standards sowie die Dokumentation und Transparenz der Zertifizierungen hervorgehoben.<ref>Zertifizierungen: Wie glaubwürdig sind die Gütesiegel von Fischprodukten? (PDF) Greenpeace, 23. August 2010, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 4. März 2011; abgerufen am 20. Mai 2025.</ref> Ungeachtet dessen wies Greenpeace Deutschland in seinem Fischratgeber darauf hin, dass Verbraucher dem Umweltsiegel nicht bedenkenlos vertrauen könnten.<ref>Fischratgeber 2014. (PDF) Greenpeace Deutschland, 2014, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 1. November 2014; abgerufen am 14. März 2018.</ref>
Noch schärfer kritisierte Greenpeace Österreich den MSC. Im 2013 herausgegebenen Marktcheck begrüßte man grundsätzlich die Entwicklung des Umweltsiegels, bemängelte aber unter anderem die Zertifizierung von Fischereien, die in überfischten Beständen tätig sind. Das Vorsorgeprinzip als Kerngedanke ökologischer Fischerei sei in den Standards des MSC zu schwach umgesetzt. Außerdem seien wiederholt Fischereien mit hohen Beifangraten zertifiziert worden.<ref>Marine Stewardship Council (MSC). Greenpeace Österreich, 23. Januar 2013, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 19. Oktober 2013; abgerufen am 14. März 2018.</ref> 2021 stufte Greenpeace Österreich das MSC-Siegel als „absolut nicht vertrauenswürdig“ ein, da es eine nicht nachhaltige Praxis als ökologisch darstellt.<ref>Zeichen-Tricks Update 2021 Der Gütezeichen-Guide für Lebensmittel von Greenpeace in Österreich. (PDF) Greenpeace, Mai 2021, abgerufen am 7. November 2022.</ref>
2018 forderte Greenpeace den MSC gemeinsam mit anderen Umweltschutzorganisationen auf, seine Umweltstandards und Zertifizierungsrichtlinien zu verbessern.<ref name=":11" /> Rupert Howes, CEO des MSC, betonte in einem Interview mit Spiegel Online, der MSC sei von jeher offen für Anregungen anderer NGOs und berücksichtige diese auch bei der regelmäßigen Aktualisierung seiner Umweltstandards und Zertifizierungsrichtlinien.<ref>Christoph Seidler: MSC-Chef Rupert Howes: Kann man wirklich noch Fisch essen? In: Spiegel Online. 24. Februar 2018, abgerufen am 18. April 2018.</ref>
WWF
In den Anfangsjahren des MSC wurde von verschiedener Seite kritisiert, in den Gremien des MSC seien Industrie und Wirtschaft zu stark vertreten. Dadurch sei eine unabhängige Meinungsbildung nicht gewährleistet. Der WWF wies diesen Vorwurf zurück, da alle Entscheidungen im Konsens getroffen würden. Keine der am MSC beteiligten Gruppen könne überstimmt werden. Entscheidend für den Erfolg der Organisation sei die Bereitschaft von Fischereien und Industrie, tatsächlich umzudenken.<ref name=":10" />
2011 beantragten Teile der Krabbenfischerei und der Miesmuschelfischerei mit Aktivitäten im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer eine MSC-Zertifizierung. Der WWF begrüßte das Vorhaben zunächst, mahnte jedoch strukturelle Veränderungen in verschiedenen Bereichen an.<ref>Unterwasserwelt im Wattenmeer fast schutzlos. WWF Deutschland, 25. August 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 1. April 2020; abgerufen am 14. März 2018.</ref> Da diese bis zum Zertifizierungsprozess im Jahr 2013 nicht umgesetzt waren, legten der WWF Deutschland und der Naturschutzbund Deutschland im Jahr 2013 formell Einspruch gegen die Zertifizierung von fünf Kuttern der Niedersächsischen Muschelfischer-Gesellschaft ein. Nach Ansicht der Organisationen standen ihre Methoden im Widerspruch zum Naturschutz. Unter anderem hätten die betroffenen Fischereien ökologisch bedenkliche Hängekulturen genutzt. Die Zertifizierung wurde darum zeitweise ausgesetzt.<ref>Hans-Christian Wöste: Muschelfischer erhalten Öko-Siegel. Umweltschützer kritisieren Zertifizierung für nachhaltige Nutzung des Wattenmeeres. In: Weser Kurier. 30. Oktober 2013, abgerufen am 14. März 2018.</ref>
2017 sprach sich unter anderem WWF erneut gegen die Zertifizierung der Krabbenfischerei in der Nordsee aus.<ref>Sven-Michael Veit: Natürlich Krabben fangen. In: Die Tageszeitung. 31. August 2017, S. 42.</ref> Nach Ansicht von Experten seien zwar durchaus positive Veränderungen erkennbar. Allerdings hätten die Fischereien insgesamt noch nicht genug getan.<ref>Birger Nicolai: Viel mehr Krabben im Netz. In: Die Welt. 4. September 2017, S. 12.</ref> Ein Teil der Krabbenfischerei finde im Nationalpark Wattenmeer und anderen Schutzgebieten statt, was besondere Vorsorge erfordere.<ref>Für ein Ökolabel nicht genug getan. WWF Deutschland, 30. August 2017, abgerufen am 14. März 2018.</ref> Nach intensiven Verhandlungen und einer Vereinbarung zwischen Naturschutzverbänden und Krabbenfischern zog der WWF seinen Einspruch zurück. Zusammen mit dem Naturschutzbund Deutschland und der Schutzstation Wattenmeer forderte man aber einen konkreten Aktionsplan der Fischerei und dessen Überwachung. Die Zertifizierung der Fischerei war mit entsprechenden Auflagen verbunden.<ref>Hoffnung auf eine naturverträgliche Krabbenfischerei. WWF Deutschland, 13. Dezember 2017, abgerufen am 14. März 2018.</ref>
Der WWF sah den MSC 2018 „an einem Wendepunkt“. Man müsse sicherstellen, dass das Wachstum nicht zu Lasten der Qualität gehe.<ref>Scharfe Kritik an Fischerei-Siegel. In: Nordkurier. 26. Januar 2018, S. 9.</ref> Man teilte die Kritik verschiedener Umweltschutzorganisationen und Wissenschaftler, die Änderungen an den Umweltstandards und Zertifizierungsrichtlinien des MSC forderten. Für die Meeresschutzarbeit des WWF sei das MSC-Siegel jedoch ein wichtiges ergänzendes Werkzeug.<ref>Am Wendepunkt: WWF Deutschland unterstützt Forderung von Umweltorganisationen das MSC-Siegel für Wildfisch zu verbessern. WWF Deutschland, 24. Januar 2018, abgerufen am 14. März 2018.</ref> Trotz des deutlichen Reformbedarfs sei das MSC-Siegel für Verbraucher gegenwärtig noch die einfachste Orientierungshilfe beim Fischkauf.<ref>Der Marine Stewardship Council (MSC). WWF Deutschland, abgerufen am 10. November 2018.</ref>
Naturschutzbund Deutschland
Im Oktober 2018 hat der NABU den Ausstieg aus der Hoki-Zertifizierung bekannt gegeben.<ref>Ausstieg aus Zertifizierungsprozess für neuseeländischen Hoki. NABU, 5. Oktober 2018, abgerufen am 29. Oktober 2018.</ref><ref>Peter Carstens: MSC-Siegel: Wie nachhaltig ist zertifizierter Fisch? GEO, 11. Oktober 2018, abgerufen am 29. Oktober 2018.</ref>
Dokumentation Das Geschäft mit dem Fischsiegel – Die dunkle Seite des MSC
In der WDR-Dokumentation Das Geschäft mit dem Fischsiegel – Die dunkle Seite des MSC untersuchte das Rechercheteam die Nachhaltigkeit der vom MSC zertifizierten Fischereibetriebe und filmte dabei unter anderem die mexikanische Thunfischfischerei. Der MSC wird beschuldigt, zu übersehen, dass jährlich tausende Delfine als Beifang in Thunfischnetzen verenden. Das soll ein versteckt aufgenommenes Video des amerikanischen Biologen Sam LaBudde belegen. Eine Aufnahme zeigt, wie mit einem Fangschiff und mehreren Schnellbooten eine Schule Delfine verfolgt wird und schließlich um sie herum ein Ringwadennetz zugezogen wird. Unter den Delfinen befinden sich die gesuchten Thunfische, die mit den Delfinen eine Fressgemeinschaft bilden. Allerdings stammen diese Aufnahmen aus 1997, während die Fischerei erst 2017 erstmals einen MSC Zertifizierungsprozess durchlaufen hat und zertifiziert wurde. Laut der 1950 gegründeten Inter-American Tropical Tuna Commission (IATTC) hatte der Beifang von Delfinen bereits bis Mitte der 90er Jahre um über 95 % abgenommen.<ref>AIDCP Dolphin Safe, 10. Februar 2020. In: IATTC.org</ref> Inzwischen werden Taucher eingesetzt, die den Delfinen dabei helfen, das Netz zu verlassen, bevor es eingeholt wird. Der MSC bezifferte die im Rahmen der Thunfischfischerei getötete Delfine auf lediglich 482 pro Jahr.
Der Dokumentarfilm stellt die Behauptung auf, dass vom MSC entsendete Observer, die für den MSC die Fischerboote begleiten und die Fänge dokumentieren, durch die mexikanischen Fischereimannschaften bestochen oder eingeschüchtert werden, um das Delfinsterben zu vertuschen. Diese Observer fahren auf jedem Thunfischfangschiff mit und sollen die Anzahl der getöteten Delfine dokumentieren. Eine anonyme Person, gibt abseits der Kamera mit einem weiteren Zeugen ein Interview und erklärt, wenn eine große Anzahl von Delfinen beim Fang getötet werden, würden sie als Observer das nicht notieren. Davon hinge auch ihre Bonuszahlung von bis zu 10.000 Euro ab. Pro Boot würden rund 100 Delfine auf einer zweimonatigen Fangfahrt getötet. Die Observer gehören zur Fidemar. Die Fidemar wird laut einem Mitarbeiter sowohl von Staat als auch Industrie finanziert und ihre Mitarbeiter seien nicht autorisiert, Auskünfte zu geben. Nach eigener Angabe bat der MSC die Filmemacher, den Behörden oder dem AIDCP Informationen zum Bestechungsverdacht weiterzuleiten, erhielt darauf aber keine Antwort und wurde auch von den Behörden nicht kontaktiert.
Der Regisseur des Films Wilfried Huismann wird kritisiert, bei seinen journalistischen und dokumentarischen Arbeiten der Sorgfaltspflicht nach Pressekodex nicht immer zu genügen, so auch beim Film Der Pakt mit dem Panda. Einige der in Das Geschäft mit dem Fischsiegel – Die dunkle Seite des MSC postulierten Tatbestände wurden durch den Biologen Christopher Zimmermann<ref>Christopher Zimmermann: Nachhaltigkeitssiegel sind auch nur Verbrauchertäuschung? Das Meeresfisch-Beispiel in DAS GESCHÄFT MIT DEM FISCHSIEGEL. DIE DUNKLE SEITE DES MSC. (PDF) Susanne Kaul, Stephan Lange, 2020, abgerufen am 26. September 2021.</ref> sowie den Medienwissenschaftler Markus Kügle widerlegt.<ref>Markus Kügle: „No one wants to see dolphins dying!“ – Die audiovisuellen Totschlagargumente in DAS GESCHÄFT MIT DEM FISCHSIEGEL. DIE DUNKLE SEITE DES MSC. In: Susanne Kaul, Stephan Lange (Hrsg.): Thünen Report. 1. Auflage. Band 70. Thünen Report, Braunschweig, 2020, ISBN 978-3-86576-205-4, S. 101–116.</ref>
Dokumentation „Seaspiracy“
In der Netflix-Dokumentation „Seaspiracy“ wurde aufgezeigt, dass es so gut wie keine Kontrolle darüber gibt, ob Delfine als Beifang sterben oder nicht. „Man vertraue dabei auf die Angaben der Kapitäne“ so eine interviewte Person. Laut der Organisation Sea Shepherd Global, die Fischerboote beim Einholen ihrer Netze filmt, kämen viele Delfine ums Leben, ohne dass dies dokumentiert würde. Der Produzent schlussfolgert, dass Fischerei-Siegel nicht garantieren können, dass keine Delfine ums Leben kommen. Auch stellt er fest, dass ein Antrag auf Erteilung des MSC-Siegels so gut wie nie abgelehnt würde, was dafür spreche, dass es der Organisation vor allem um die Einnahmen für die Vergabe des Siegels ginge.
Nach Angaben des MSC träfen die Aussagen des Films nicht auf die vom MSC zertifizierten Thunfisch-Fischereien zu, da in der Regel auf jeder Fahrt ein Beobachter dabei sei.<ref>siehe Kommentar vom 8. Dezember 2021 von Benutzer:MSC DE auf der Diskussionsseite</ref> Mehr als 50 Prozent der interessierten Fischereien fielen bei den Vorprüfungen durch und viele Fischereien würden suspendiert, wenn die Kriterien nicht mehr erfüllt seien.<ref>Fischerei: Hering aus dem Nordostatlantik verliert Umweltsiegel MSC. In: Die Zeit. 8. Oktober 2020, abgerufen am 10. November 2021.</ref><ref>WELT: Kein Ökosiegel mehr für Ostsee-Hering. In: Die Welt. 21. September 2018 (welt.de [abgerufen am 10. November 2021]).</ref><ref>WELT: Kabeljau-Fischer in der Nordsee verlieren MSC-Umweltsiegel. In: Die Welt. 25. September 2019 (welt.de [abgerufen am 10. November 2021]).</ref><ref>SN-Verlag, Hamburg Germany: Fischmagazin - Nordsee-Kabeljau verliert MSC-Siegel. Abgerufen am 10. November 2021.</ref>
Sonstige
2012 lösten Medienberichte über Missbrauchsfälle Zweifel an der Rückverfolgbarkeit der Lieferkette aus. Der MSC könne nicht lückenlos zwischen zertifiziertem und nicht zertifiziertem Seelachs differenzieren. Selbst DNA-Analysen würden eine Verwechslung nicht ausschließen. Vom MSC zertifizierte Verarbeiter in China, wo Fischereiprodukte für einen Großteil des Marktes bearbeitet werden, sollen nachhaltige Produkte gegen andere Ware austauschen oder mittels falscher Papiere als zertifiziert deklarieren.<ref>Tom Seaman: Sources: MSC can’t distinguish between certified, non-certified salmon. In: Undercurrent News. 5. Oktober 2012, abgerufen am 14. März 2018 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Eine spätere DNA-Studie mit repräsentativer Stichprobengröße konnte jedoch zeigen, dass die Mislabeling-Rate bei MSC-zertifiziertem Fisch insgesamt bei unter 1 % lag.<ref name="Barendse">Jaco Barendse, Alison Roel, Catherine Longo, Laura Andriessen, Lucy M. I. Webster: DNA barcoding validates species labelling of certified seafood. In: Current Biology. Band 29, Nr. 6, 18. März 2019, ISSN 0960-9822, S. R198–R199, doi:10.1016/j.cub.2019.02.014, PMID 30889387.</ref> Weltweit liegt die Mislabeling-Rate bei 30 Prozent.<ref>Miguel Ángel Pardo, Elisa Jiménez, Begoña Pérez-Villarreal: Misdescription incidents in seafood sector. In: Food Control. Band 62, 1. April 2016, ISSN 0956-7135, S. 277–283, doi:10.1016/j.foodcont.2015.10.048 (sciencedirect.com [abgerufen am 10. November 2021]).</ref>
Die DNA-Studie wäre ohne die Finanzierung durch den MSC nicht zustande gekommen.
In dieser umfassenden Bewertung von MSC-zertifizierten Produkten arbeitete der MSC mit Laboren des TRACE Wildlife Forensics Network und der SASA (Science and Advice for Scottish Agriculture) Wildlife DNA Forensic Unit zusammen, um die Arten in 1402 MSC-zertifizierten Fischprodukten aus 18 Ländern mittels DNA-Barcoding zu identifizieren.
Weblinks
- Offizielle Website des Marine Stewardship Council für Deutschland, Österreich und die Schweiz
- Janis Beenen: Streit um die Glaubwürdigkeit des MSC-Siegels für Fisch. In: Süddeutsche Zeitung. 15. März 2018, abgerufen am 27. Juni 2018.
- Dieter Nürnberger: MSC-Siegel: Nachhaltiger Fischgenuss oder PR-Siegel? In: Deutschlandfunk. 26. März 2018, abgerufen am 26. April 2018.
- Nicolai Kwasniewski: Nachhaltigkeitslabel für Fisch: Die dunkle Seite des MSC-Siegels. In: Spiegel Online. 23. April 2018, abgerufen am 26. April 2018.
- Simone Panteleit, Mark Schubert: „Darf man Fisch noch essen?“ In: Berliner Rundfunk. 27. Mai 2021, abgerufen am 10. November 2021.
- Sebastian Ramspeck: „Überfischung der Weltmeere“. In: SRF Global. 2. Juli 2021, abgerufen am 10. November 2021.
- Peter Kaiser: „20 Jahre MSC-Siegel: Kann Fischfang nachhaltig sein?“ In: ARD. 2. Juni 2021, abgerufen am 10. November 2021.
- Paul Urban Blaha: „20 Jahre MSC-Siegel für Nachhaltigkeit im Fischfang“ In: ORF. 18. November 2017, abgerufen am 10. November 2021.
- Lena Corner: Can Eating Fish Ever Be Sustainable? In: Vice. 8. Juni 2022, abgerufen am 7. November 2022.
Einzelnachweise
<references responsive />
- Seiten mit Skriptfehlern
- Wikipedia:Vorlagenfehler/Vorlage:Literatur/Interner Fehler
- Wikipedia:Defekter Dateilink
- Organisation (City of London)
- Verbandsgründung 1997
- Internationale Organisation (London)
- Organisation (Meeresschutz)
- Non-Profit-Organisation
- Organisation (Fischerei)
- Umweltzeichen
- Unilever
- WWF
- Internationale Organisation (Naturschutz)