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dayli

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TAP dayli Vertriebs GmbH

colspan="2" class="notheme" style="background:#Vorlage:Standardfarbe; color:#Vorlage:Standardfarbe; padding:1em 0;" | Daily logo.svg
Rechtsform GmbH
Gründung 2012 (Rechtsübergang und Umfirmierung<ref name="FB-Nr">Firmenbuchnummer FN 86077i, vormals Anton Schlecker Gesellschaft m.b.H.</ref>);
1987 (Anton Schlecker Gesellschaft m.b.H.)
Auflösung 12. August 2013
Auflösungsgrund Insolvenz
Sitz OsterreichÖsterreich Pucking, Österreich
Leitung Peter Krammer,<ref name=KZ-15082012 />
Hanno Rieger
Mitarbeiterzahl 2200
Branche Drogerie,
Nahversorgung
Website dayli-shop.com

Die TAP dayli Vertriebs GmbH, als Wortmarke dayli mein shop, war eine auf Nahversorgung fokussierte österreichische Drogeriekette, die 2012 aus Schlecker Österreich hervorging.

Markenname

Ursprünglich war geplant, die Kette „daily“ (engl. täglich) zu nennen, da sie ein „Nahversorger für den täglichen Bedarf“ sein soll. Dieser Name war markenrechtlich jedoch nicht schützbar, weshalb kurzfristig zwei Buchstaben vertauscht und der neue Name kreiert wurde.<ref>Schlecker heißt nun doch "dayli". In: derstandard.at, 2. August 2012. Abgerufen am 2. August 2012.</ref> Die Wortmarke lautete daher auf dayli mein shop.

Konzept

Laut dem früheren Unternehmenschef Rudolf Haberleitner sollte dayli über ein „völlig neues Nahversorgerkonzept“ verfügen. Er sprach von einem „Revival des früheren Kaufmanns“<ref name="DiePresse01082012" /> (siehe Greißler).<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Schlecker: Greisslerladen statt Drogeriemarkt. (Memento des Vorlage:IconExternal vom 3. August 2012 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/kurier.at In: Kurier, August 2012.</ref> So sollten einerseits das Schlecker-Drogeriesortiment um Lebensmittel und Zeitschriften erweitert, andererseits auch verschiedene Dienstleistungen, wie etwa eine Putzerei, ein Copyshop oder eine Postpartnerstelle, angeboten werden.<ref name="DiePresse01082012">Schlecker-Verkauf: „Daily“ soll rasch wachsen. In: diepresse.com, 1. August 2012. Abgerufen am 2. August 2012.</ref> Rund 60 Prozent des Umsatzes sollten weiterhin mit Drogerieartikeln, bis zu acht Prozent mit Lebensmitteln, fünf bis sechs Prozent mit Dienstleistungen, etwa zehn Prozent mit Markenartikeln und „deutlich mehr“ als zehn Prozent mit Homeshopping erzielt werden. Wo es gesetzlich möglich sei, wie in Tourismusregionen, wollte er die Geschäfte auch sonntags offen halten.<ref>"dayli" Idee entstand im Mariazeller Land. In: Mariazell online, 7. August 2012. Abgerufen am 25. August 2012.</ref>

Geschichte

Die am 27. August 1987 gegründete österreichische Firma Anton Schlecker Gesellschaft m.b.H. (Schlecker Österreich), war eine 100-%-Tochtergesellschaft der Schlecker International GmbH. Diese ist eine Tochter des insolventen deutschen Schlecker-Konzerns (firmiert als Einzelunternehmen Anton Schlecker e.K. i.L.). Ende Juli 2012 wurde Schlecker Österreich von einer österreichischen Investorengruppe rund um den Unternehmenssanierer Rudolf Haberleitner mit dessen Private-Equity-Fonds TAP 09 akquiriert. Mit der Restrukturierung und der Umfirmierung zu dayli sollen die insgesamt rund 900 Filialen in Österreich, sowie 450 Filialen in Belgien, Luxemburg und Polen, sowie einem Teilgebiet in Italien erhalten bleiben. Die Zahl der Mitarbeiter soll von 5.000 auf 4.600, davon 3.000 in Österreich, reduziert werden.

Mitte August wurde mit der Umbenennung der Filialen begonnen. Schrittweise sollte bis 2013 ein sparsamer Umbau älterer Filialen erfolgen. Danach war eine Expansion nach Süddeutschland und später nach Ost- und Südosteuropa vorgesehen. Bis 2016 sollte eine Vergrößerung des europaweiten dayli-Filialnetzes auf 3.500 Standorte und eine Umsatzsteigerung von 400 Mio. auf 1,2 Milliarden Euro bringen.<ref name="OOEN-030812"> Elisabeth Eidenberger: Schlecker-Käufer Haberleitner: „Wir konkurrieren nicht mit Spar und Billa“. Großinvestor Rudolf Haberleitner erläutert im OÖN-Gespräch seine Pläne für „dayli“. In: Oberösterreichische Nachrichten, 3. August 2012. Abgerufen am 6. August 2012.</ref>

Am 15. August wurde bekannt, dass mit Peter Krammer ein früherer dm-Manager in die Geschäftsleitung geholt wurde. Der Umbau der Filialen zu Nahversorgern sollte für 10 Mio. Euro, d. h. 7.400 Euro pro Filiale, umgesetzt werden.<ref name=KZ-15082012>Schlecker engagiert langjährigen dm-Manager. In: Kleine Zeitung, 15. August 2012. Abgerufen am 30. April 2020.</ref> Die bisherige Anton Schlecker Gesellschaft m.b.H. wurde in TAP dayli Vertriebs GmbH umfirmiert.<ref name="FB-Nr" />

Im November 2012 stieg das Glücksspielunternehmen Novomatic als Hälfteeigentümer in das Unternehmen ein, gab aber an, operativ nicht mitreden zu wollen.<ref>Novomatic versucht sein Glück bei dayli im Standard vom 23. November 2012, abgerufen am 16. Dezember 2012.</ref> Haberleitner gab bekannt, dass er auch in Deutschland bis Ende 2013 600 ehemalige Schlecker-Filialen mieten und sie wieder als „Tante Emma-Läden“ eröffnen wolle.<ref>Dayli will deutsche Tante Emma werden im Standard vom 30. November 2012, abgerufen am 16. Dezember 2012.</ref>

Haberleitner plante, über die Einrichtung einer Imbiss-Ecke und die Nutzung von Gastronomiekonzessionen die Läden auch sonntags geöffnet zu halten und die Waren als Reiseproviant bzw. Geschenkbedarf zu verkaufen.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Dayli überrascht mit neuem Konzept (Memento des Vorlage:IconExternal vom 14. März 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.handelszeitung.at, handelszeitung.at vom 23. Januar 2013, abgerufen am 30. Juli 2013.</ref> Dies sei rechtlich abgesichert; die Gewerkschaft sah darin jedoch eine Umgehung des Handelstarifs und erstattete nach Eröffnung zweier Testfilialen Anfang Februar 2013 Anzeige.<ref>Manfred Neuper: Sonntagsöffnung: Gewerkschaft kontert mit Anzeigen, Kleine Zeitung vom 4. Februar 2013, abgerufen am 30. April 2020.</ref> Zu diesem Zeitpunkt sollten auch erste Testmärkte in Süddeutschland starten. Nach eigener Aussage hatte sich dayli mehr als 400 Standorte gesichert und Vorverträge mit Vermietern abgeschlossen. Weitere Mietverträge sollten folgen. Haberleitner verhandle auch mit der Insolvenzverwaltung von Schlecker über den Kauf der Schlecker-Logistikzentrale in Ehingen, alternativ sei die Übernahme regionaler Logistikstandorte möglich.<ref>Ehemalige Schlecker-Läden sollen bald als "Dayli" öffnen. Die Welt vom 7. Januar 2013, abgerufen am 7. Januar 2013</ref>

Der Streit mit den Gewerkschaften um die Sonntagsöffnung spitzte sich im März und April weiter zu, auch aus der Politik kamen kritische Stimmen.<ref>dayli will Sonntagsöffnung erzwingen, format.at vom 29. März 2013, abgerufen am 30. Juli 2013.</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Schlecker-Nachfolger dayli will flott expandieren (Memento vom 13. April 2013 im Internet Archive), APA-Meldung auf wirtschaftsblatt.at vom 9. April 2013, abgerufen am 30. Juli 2013.</ref><ref>Sonntagsöffnung: dayli-Fall sorgt für Aufregung, orf.at vom 19. April 2013, abgerufen am 30. Juli 2013.</ref> Eine auf Veranlassung von Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) kurzfristig beschlossene Verschärfung der Gewerbeordnung,<ref>Sonntagsöffnung für Händler wird schwieriger, Die Presse vom 26. April 2013, abgerufen am 7. August 2013.</ref> auch „Lex Dayli“ genannt, und der Einfluss von Novomatic-Chef Franz Wohlfahrt verhinderte endgültig die Umsetzung der flächendeckenden Sonntagsöffnung.<ref>Verena Kainrath: Dayli: "Kein Sonntag, keine Jobs" vom 24. April 2013, abgerufen am 7. August 2013.</ref>

Die Unternehmensführung wurde mit den aus der Handelsbranche stammenden Managern Andreas Bachleitner und Hanno Rieger ergänzt.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Dayli-Führungsspitze komplett (Memento des Vorlage:IconExternal vom 23. Januar 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.cash.at, CASH Handelsmagazin vom 9. April 2013, abgerufen am 30. Juli 2013.</ref>

Mitte Mai 2013 berichtete die Presse, dass dayli Liquiditätsprobleme habe und bei mehreren Lieferanten um Zahlungsaufschub gebeten habe, der jedoch größtenteils nicht gewährt wurde, da mehrere Unternehmen auch in der Vergangenheit noch nie Zahlungen erhalten hätten. Die geplante Expansion sowie die Modernisierung der Filialen soll ausgesetzt worden sein.<ref>Dayli will Zahlungsaufschub von Lieferanten, orf.at, 18. Mai 2013, abgerufen am 30. Juli 2013.</ref> Infolgedessen kündigte Novomatic seine 50-%-Beteiligung auf. Ein zuvor gewährter Kredit sollte jedoch vorerst nicht fällig gestellt werden.<ref>Verena Kainrath: Novomatic springt bei Dayli wieder ab, derstandard.at vom 23. Mai 2013, abgerufen am 30. Juli 2013.</ref> Am 29. Mai 2013 gab TAP eine Restrukturierung bekannt. 180 dayli-Filialen und ein Verteilzentrum in der Obersteiermark sollten vorerst wieder geschlossen werden, wodurch zusammen 628 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren.<ref>Dayli schließt 180 Filialen: Schlecker-Nachfolger setzt 628 Mitarbeiter vor die Tür. Handelsblatt vom 29. Mai 2013</ref>

Am 4. Juli 2013 reichte das Unternehmen beim Landesgericht Linz einen Antrag auf Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung ein,<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Schlecker-Nachfolger Dayli ist pleite (Memento des Vorlage:IconExternal vom 3. Dezember 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.zeit.de dpa-Meldung auf zeit.de, 4. Juli 2013.</ref> laut Dayli betrifft dies 3468 Arbeitnehmer.<ref>Dayli rutscht in die Pleite, n-tv.de, 4. Juli 2013.</ref> Unmittelbar zuvor hatte Haberleitner seine Geschäftsanteile für kolportiert einen Euro an die ICU Unternehmensberatung GmbH von Martin Zieger (ehemaliger Geschäftsführer der Textilhandelsketten Hunkemöller, Charles Vögele und Palmers) übertragen. Als Ursache für die Pleite wurden „ein miserables Management, katastrophale Mitarbeiterführung und markttechnische Orientierungslosigkeit“ genannt,<ref>Norbert Rief: Wie man ein Unternehmen nicht führt, Die Presse vom 3. Juli 2013, abgerufen am 7. August 2013.</ref> die Verzögerungstaktik Haberleitners habe dem anfangs noch profitablen Unternehmen massiv geschadet.<ref>Eva Steindorfer: Hoch gepokert und verloren, Die Presse vom 5. Juli 2013, abgerufen am 7. August 2013.</ref>

Am 19. Juli 2013 teilte Zieger mit, er habe Haberleitner, dessen Jahresgehalt 400.000 Euro betrug,<ref>Dayli-Ex-Chef Haberleitner verdiente 150.000 Euro, APA-Meldung auf derstandard.at vom 4. August 2013, abgerufen am 7. August 2013.</ref> mit sofortiger Wirkung als Dayli-Geschäftsführer abberufen und an dessen Stelle Peter Krammer und Hanno Rieger gesetzt.<ref>Dayli: Haberleitner wird abberufen. In: derstandard.at, 19. Juli 2013. Abgerufen am 19. Juli 2013</ref> Am 30. Juli wurden alle Arbeitsplätze beim AMS zur Kündigung angemeldet.<ref>Dayli meldet alle Jobs zur Kündigung an, APA-Meldung auf derstandard.at vom 30. Juli 2013, abgerufen am 30. Juli 2013.</ref>

Bis zum 12. August 2013 waren keine weiteren Investoren bereit Dayli zu unterstützen. Gläubigerausschuss und Gericht bewilligten daraufhin die vom Insolvenzverwalter beantragte Schließung des Unternehmens mit der Folge der Entlassungen von rund 2.200 Mitarbeitern.<ref>Drogeriekette Dayli sperrt endgültig zu, APA-Meldung auf derstandard.at vom 12. August 2013, abgerufen am 12. August 2013.</ref>

2017 reichte der Insolvenzverwalter gegen drei Mitglieder der Familie eine Zivilklage am Landgericht Linz ein. Angeblich seien zwischen 2008 und 2011 unrechtmäßig Gelder von dayli zu Schlecker in Deutschland transferiert worden.<ref>Klage gegen Schlecker nun auch in Österreich, Rheinische Post vom 21. April 2017, abgerufen am 21. April 2017.</ref>

Weblinks

Einzelnachweise

<references />