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Martin Sonneborn

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Martin Sonneborn (2024) Unterschrift von Martin Sonneborn

Martin Hans Sonneborn (* 15. Mai 1965 in Göttingen) ist ein deutscher Satiriker, Journalist und Politiker (Die PARTEI). Er war Chefredakteur des Satiremagazins Titanic. Seit der Gründung der Partei Die PARTEI ist er Parteivorsitzender und seit 2014 Mitglied des Europäischen Parlaments.<ref>Home | Martin SONNEBORN | Abgeordnete | Europäisches Parlament. 5. Februar 2024, abgerufen am 19. Mai 2024.</ref>

Werdegang

Familie, Studium und Wehrdienst

Sonneborn ist der Sohn des Berufsberaters Engelbert Sonneborn. Er wuchs zusammen mit einem Bruder auf.<ref name="mopo">Britta Stuff: Der komische Mann. In: Berliner Morgenpost. 11. Juli 2010.</ref> Er besuchte die Ursulaschule, ein katholisches Privatgymnasium in Osnabrück,<ref>Daniel Benedict: Friedensschinken versaut die politische Botschaft: Partei-Mann Martin Sonneborn. In Neue Osnabrücker Zeitung, 15. September 2011.</ref> an der er sein Abitur ablegte.

Nach dem Grundwehrdienst 1990 und dem Abschluss einer Ausbildung als Versicherungskaufmann in Osnabrück studierte er Publizistik, Germanistik und Politikwissenschaft in Münster, Wien und Berlin. Ab 1993 schrieb er für die taz,<ref>martin sonneborn: Don’t talk, Thoelke! In: Die Tageszeitung: taz. 22. Februar 1993, ISSN 0931-9085, S. 18 (taz.de [abgerufen am 23. Juni 2024]).</ref> wo er später eine Kolumne hatte. Seine Magisterarbeit<ref>Martin Sonneborn: Das Satiremagazin TITANIC, Berlin, Magisterarbeit, 1994.</ref> schrieb er 1994 über das Satiremagazin Titanic und „die absolute Wirkungslosigkeit moderner Satire“.<ref>Martin Sonneborn | lit.COLOGNE. Abgerufen am 28. Mai 2021.</ref> Er fälschte dafür nach eigenen Angaben Interviews.<ref>Matze Hielscher & Mit Vergnügen: Martin Sonneborn - Bist du Politiker oder Satiriker? ~ Hotel Matze Podcast. Abgerufen am 22. Juni 2024.</ref> 1995 machte er ein Praktikum beim Satiremagazin Eulenspiegel und arbeitete anschließend als Redakteur beim Konkurrenzblatt Titanic, dessen verantwortlicher Chefredakteur<ref>"Stuckrad-Barre versteht keinen Spaß" - "Titanic"-Chef Michael Sonneborn versteht die Klage des Schriftstellers gegen das Satiremagazin nicht. Die Welt, 19. Juli 2001, abgerufen am 28. November 2024.</ref> er 2000 wurde. Diese Stellung gab er im Oktober 2005 an seinen Redaktionskollegen Thomas Gsella ab. Ab 2006 war Sonneborn verantwortlicher Redakteur der Satire-Rubrik „Spam“ auf Spiegel Online bis zu deren Einstellung 2016.<ref>Harald Staun: Die lieben Kollegen. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. 16. Juli 2016, S. 47, abgerufen am 12. Februar 2017.</ref><ref>SPAM-Verabschiedung. In: Spiegel online. Spiegelnet GmbH, 31. August 2016, abgerufen am 12. Februar 2017.</ref>

Politische Laufbahn

Gründung der PARTEI (2004 bis 2005)

Am 2. August 2004 gründete Sonneborn gemeinsam mit weiteren Redakteuren der Titanic die Partei Die PARTEI, als deren Bundesvorsitzender er amtiert, und in deren Jargon er „GröVaZ – Größter Vorsitzender aller Zeiten“ genannt wird; siehe Gröfaz. Während des Bundestagswahlkampfs 2005 war Sonneborn in mehreren Fernsehwahlwerbespots zu sehen. Diese wurden von seiner Partei im Vorfeld als „TV-Werbezeit im ZDFversteigert und enthielten bei Ausstrahlung massive Werbung für das Flugunternehmen Hapag-Lloyd Express. Dies führte zu einer Debatte in Medien und Politik über eine Verschärfung der Bestimmungen für Wahlwerbespots. Sonneborn erklärte, man habe sich lediglich wie die ARD verhalten: „Auffällig unauffällig Schleichwerbung platzieren.“<ref>Martin Sonneborn: Das PARTEI Buch. Verlag Kiepenheuer & Witsch, S. 145 ff.</ref>

Datei:Martin Sonneborn MEP by Olaf Kosinsky.webm
Martin Sonneborn (2014)

Mitglied des Europäischen Parlaments (seit 2014)

8. Wahlperiode (2014 bis 2019)

Bei der Europawahl 2014 wurde er als Spitzenkandidat in das Europäische Parlament gewählt. Die PARTEI erreichte 0,6 % der Stimmen.<ref>IEx-Titanic-Chef Sonneborn ins EU-Parlament gewählt. Der Tagesspiegel 26. Mai 2014.</ref> Sein „Bericht aus Brüssel“ wurde bis 2022 in der Titanic veröffentlicht.<ref>Martin Sonneborn: Bericht aus Brüssel - Folge 25 | TITANIC – Das endgültige Satiremagazin. Abgerufen am 21. Mai 2024.</ref> Er war Mitglied im Ausschuss für Kultur und Bildung sowie der Delegation für die Beziehungen zur Koreanischen Halbinsel.<ref>8. Wahlperiode | Martin SONNEBORN | Abgeordnete | Europäisches Parlament. 15. Mai 1965, abgerufen am 21. Mai 2024.</ref>

Auf Vorschlag der Fraktion der Piratenpartei wurde Sonneborn vom Landtag Nordrhein-Westfalen zum Mitglied der 16. Bundesversammlung gewählt.<ref>Ergebnis der Wahl der Mitglieder zur 16. Bundesversammlung. LANDTAG NORDRHEIN-WESTFALEN, 14. Dezember 2016, abgerufen am 16. Dezember 2016.</ref> Dort schlug er seinen Vater Engelbert Sonneborn als Bundespräsidenten vor. In der Wahl am 12. Februar 2017 unterlag dieser Frank-Walter Steinmeier und den anderen drei Kandidaten im ersten Wahlgang.

Im August 2018 traf sich Sonneborn mit dem armenischen Premierminister Nikol Paschinjan, welcher sich bei ihm für seinen Einsatz für Armenien im Europaparlament bedankt hat, insbesondere im Hinblick auf den Völkermord an den Armeniern und den Bergkarabachkonflikt.<ref>PM receives European Parliament member Martin Sonneborn. Abgerufen am 1. April 2024.</ref> Sonneborn kritisierte mehrfach den Umgang mit dem nicht anerkannten Staat Arzach, vor allem von Seiten Aserbaidschans. Er betonte, dass Arzach im Gegensatz zu Aserbaidschan eine Demokratie sei und die Europäische Union Arzach deshalb unterstützen solle.<ref>T-Online News am 2.10.2020 „Hier erleben Sie einen historischen Moment“. Abgerufen am 7. März 2022.</ref><ref>Notizen zu Bergkarabach – Martin Sonneborn MdEP. Abgerufen am 7. März 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

9. Wahlperiode (2019 bis 2024)

Sonneborn erklärte am 22. August 2018 in Brüssel, wieder zur Wahl für das Europaparlament anzutreten. Der Kabarettist Nico Semsrott gehörte zu seinem Team. Man wolle auch Kandidaten mit Nachnamen von „bekannten Nazigrößen“ aufstellen, um AfD-Wähler sowie „verwirrte CSU-Wähler“ oder „demente CDU-Wähler“ zu einem Kreuz für Die PARTEI zu verleiten. Hintergrund war, dass CDU/CSU und SPD eine Sperrklausel planten, die deutschen Kleinstparteien den Einzug ins Europaparlament erschweren würde.<ref>Deutscher Satiriker will bei Europawahl antreten orf.at, 22. August 2018, abgerufen am 22. August 2018.</ref>

Die PARTEI erreichte bei der Europawahl 2019 2,4 %.<ref>Ergebnisse Deutschland - Die Bundeswahlleiterin. Abgerufen am 21. Mai 2024.</ref> Während sich Semsrott der Fraktion Grünen/EFA anschloss, blieb Sonneborn weiterhin fraktionsloser Abgeordneter. Im Februar 2023 war Sonneborn einer von 69 Erstunterzeichnern des von der Politikerin Sahra Wagenknecht und der Publizistin Alice Schwarzer initiierten Manifests für Frieden,<ref>Change.org: Manifest für Frieden</ref><ref>Schwarzer und Wagenknecht starten Petition für Verhandlungen statt Waffenlieferungen an die Ukraine. In: Deutschlandfunk. Deutschlandradio, 10. Februar 2023, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 11. Februar 2023; abgerufen am 28. Februar 2023.</ref> das einen Stopp von Waffenlieferungen an die Ukraine und einen Waffenstillstand im russisch-ukrainischen Krieg sowie Friedensverhandlungen mit Russland fordert.

10. Wahlperiode (seit 2024)

Bei der Europawahl 2024 erhielt die Partei 1,9 Prozent der abgegebenen Stimmen und damit zwei Mandate. Das zweite Mandat nach Sonneborn erhielt Sibylle Berg.<ref>Autorin Sibylle Berg zieht für Satirepartei in EU-Parlament. In: Berliner Morgenpost, 10. Juni 2024.</ref>

Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin 2021

Um Die PARTEI ins Berliner Abgeordnetenhaus zu führen, ließ sich Sonneborn trotz seiner Tätigkeit im Europaparlament bei der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) 2021 als „Maskottchen“ aufstellen. Die Partei erreichte mit 33.000 Zweitstimmen Platz 2 hinter der 5-Prozent-Hürde und zwei Sitze in der BVV von Friedrichshain-Kreuzberg.<ref>Die Kleinen bleiben klein. Abgerufen am 6. Februar 2023.</ref> Auch bei der Wahlwiederholung trat er wieder an.<ref>Neukölln Wahlkreis 5. Abgerufen am 6. Februar 2023.</ref>

Fernsehen

Rolle des Außenreporters bei der heute-show (2009 bis 2014)

Vom 26. Mai 2009 bis zum 26. September 2014 war Sonneborn in der Rolle eines Außenreporters im Ensemble der ZDF-Satiresendung heute-show zu sehen. Nach der Ausstrahlung eines Interviews zwischen ihm und dem Pharmalobbyisten Peter Schmidt am 14. Mai 2010 geriet die Sendung in die Kritik, da Sonneborn in den Interviewpausen geäußerte Aussagen Schmidts nutzte, obwohl diese nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren. Schmidt zeigte sich über die Ausstrahlung verärgert und bezeichnete sie als „echte Schweinerei“, da Sonneborn ihn mit der Anfrage für ein ZDF-Interview gelockt habe, das man „nach Möglichkeit in einer der heute-Sendungen [...] platzieren“ wolle. Thomas Bellut, Programmdirektor des ZDF, untersagte der Redaktion der heute-show daraufhin, mit den Marken heute und heute-journal zu arbeiten.<ref>ZDF-Programmchef rügt „heute-show“ In: Spiegel Online, 21. Mai 2010.</ref> Nach seiner Wahl in das Europäische Parlament wurde seine Mitwirkung an der heute-show durch den Sender beendet.<ref>Martin Sonneborn bei Fernsehkritik-TV YouTube.de, abgerufen am 21. Januar 2016, ab Minute 2:50</ref>

Folge bei Zimmer frei! (2009)

Die für den 4. Oktober 2009 geplante Folge der Sendung Zimmer frei! mit Sonneborn als Gast wurde vom WDR nicht wie vorgesehen ausgestrahlt. Eine Sendersprecherin erklärte, Sonneborn habe in der Sendung als Privatmann auftreten sollen, stattdessen habe er sich nur in die Rolle des „PARTEI-Chefs“ begeben. Beim WDR war man der Meinung, dass dies für eine 60-Minuten-Sendung uninteressant und nicht lustig gewesen sei. Sonneborn bestätigte, dass es von Seiten des WDR die Bitte gab, nicht als „PARTEI-Vorsitzender“ aufzutreten, jedoch habe man ihm auch die Freiheit gelassen, in der Sendung zu tun, was ihm gefällt. Sonneborn war der Ansicht, Moderatorin Christine Westermann sei nicht mit ihm klargekommen. Anschuldigungen, dass die Nichtausstrahlung der Sendung mit Sonneborns Boykottaufruf bei GEZ-Gebühren oder der Bezeichnung von Johannes B. Kerner als überbezahlten Moderator zusammenhänge, entgegnete der WDR: „Wenn man den ehemaligen Chefredakteur der Titanic einlädt, dann sicher nicht, um eine politisch korrekte Sendung zu machen“.<ref>WDR: Sonneborn ist nicht lustig. In: Der Tagesspiegel. 9. Oktober 2009.</ref><ref>Ingo Juknat: Wie Martin Sonneborn bei „Zimmer frei!“ den Fiesling gab. In: Westdeutsche Allgemeine Zeitung. Funke Mediengruppe, 23. Oktober 2009, abgerufen am 30. April 2025.</ref> Nach einem medialen Wirbel und zahlreichen Zuschaueranfragen wurde die Ausstrahlung schließlich am 20. Oktober 2009 kurz nach Mitternacht nachgeholt.<ref>Umstrittene „Zimmer frei!“-Folge mit Martin Sonneborn wird am kommenden Dienstag ausgestrahlt. Pressemitteilung Westdeutscher Rundfunk, 14. Oktober 2009.</ref>

Satire-Aktionen

Ausstellung im Historischen Museum Frankfurt

Aufsehen erregte ein „Bestechungsversuch“ bei der FIFA im Jahr 2000. Daraus entstand die Ausstellung Wie Titanic einmal die Fußball-WM 2006 nach Deutschland holte im Historischen Museum Frankfurt. Hintergrund war Sonneborns Vorschlag an die FIFA, die Fußball-WM 2006 in Deutschland stattfinden zu lassen. Im Gegenzug erhalten die Funktionäre einen „Präsentkorb mit echtem Schwarzwälder Schinken und eine Kuckucksuhr“.

Frankfurter Buchmesse

2009: Kritik an Menschenrechtsverletzungen in China

Diplomatische Verstimmungen zwischen Deutschland und der Volksrepublik China löste Sonneborn 2009 aus, als er auf der Frankfurter Buchmesse, die in jenem Jahr als Gastland China eingeladen hatte, Schriftstellern und Besuchern Sätze über Menschenrechtsverletzungen in China in den Mund legte.<ref>Andreas Lorenz: China wirft deutschen Medien vulgäre Berichterstattung vor. In: Spiegel Online, 22. Dezember 2009.</ref><ref>Martin Sonneborn testet im ZDF die Grenzen der Satire aus. In: Hannoversche Allgemeine Zeitung. 24. Juni 2010, abgerufen am 20. Mai 2024.</ref><ref>Martin Sonneborns Sekretär: Heute-Show: Martin Sonneborn auf der Frankfurter Buchmesse (China). 22. August 2012, abgerufen am 20. Mai 2024.</ref> Daraufhin wurde ihm in Staatsmedien des Landes vorgeworfen, „die Gefühle des chinesischen Volkes“ verletzt zu haben.<ref>Andreas Lorenz: Satire-Missverständnis: China wirft deutschen Medien vulgäre Berichterstattung vor. In: Der Spiegel. 22. Dezember 2009, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 20. Mai 2024]).</ref>

Datei:Martin Sonneborn and Nico Wehnemann at Frankfurt Book Fair 2018 (1).jpg
Sonneborn mit Parteikollegen Nico Wehnemann und Maximilian Hahn auf der Frankfurter Buchmesse 2018

2018: Verkleidung als Claus Schenk Graf von Stauffenberg bei Buchvorstellung von Björn Höcke

Der AfD-Politiker Björn Höcke stellte sein Buch Nie zweimal in denselben Fluss unter Polizeischutz auf der Frankfurter Buchmesse 2018 vor. Sonneborn versuchte – verkleidet als Claus Schenk Graf von Stauffenberg – eine Aktentasche in Höckes Nähe abzustellen, um an Stauffenbergs Attentat vom 20. Juli 1944 auf Adolf Hitler zu erinnern. Sonneborn wurde jedoch nicht eingelassen.<ref>Als Hitler-Attentäter auf der Buchmesse: Martin Sonneborn kommt als Stauffenberg zu Höcke-Lesung. In: Der Tagesspiegel Online. ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 16. Mai 2024]).</ref>

Parodien auf verschiedene Politiker bei Wahlkämpfen

Sonneborn trat gemeinsam mit Redaktionskollegen der Titanic mehrfach als vermeintlicher Politiker großer deutscher Parteien auf und parodierte mit fiktiven politischen Positionen bei Wahlkämpfen.

Gerhard Frey Mirko Mokry (1998)

1998 mobilisierte er als angeblicher Büroleiter des damaligen Bundesvorsitzenden der DVU Gerhard Frey, Mirko Mokry und andere DVU-Landtagsabgeordnete zum „Marsch auf Berlin“ unter dem Motto „Arbeit macht Frey“.<ref>Satire-Magazin "Titanic" foppte die DVU : D ie V olltrottel- U nion | News - Hamburger Morgenpost. 29. Juni 2015, abgerufen am 20. Mai 2024.</ref>

Klaus Schneider (2002)

In Eisenach trat Sonneborn als Klaus Schneider im Straßenwahlkampf auf und verwendete dabei Parolen wie „Deutsche wehrt euch – Wählt FDP“ und „Gib endlich Friedman – Judenfrei und Spaß dabei.“ Hintergrund waren Angriffe des damaligen FDP-Spitzenpolitikers Jürgen Möllemann auf den Journalisten und Politiker Michel Friedman.<ref>"Titanic" verschaukelt FDP: "Gib endlich Friedman!" In: Der Spiegel. 9. Juni 2002, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 20. Mai 2024]).</ref> Schneider kündigte daraufhin an, ihn zu verklagen.<ref>Wolfgang Büchner: Satire-Aktion in Eisenach: FDP-Politiker will "Titanic" verklagen. In: Der Spiegel. 10. Juni 2002, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 20. Mai 2024]).</ref>

Gerhard Bökel (2003)

In Hessen gab sich Martin Sonneborn 2003 als SPD-Spitzenkandidat Gerhard Bökel aus und leistete in einer Wohnsiedlung mit gefälschten Wahlhandzetteln „Basiswahlkampf“, indem er von Tür zu Tür ging und sich vorstellte. Den meisten Anwohnern fiel der Schwindel nicht auf.<ref>Martin Sonneborn: Das Partei Buch. Verlag Kiepenheuer & Witsch, S. 30 ff.</ref>

Kontroversen

„Ick bin ein Obama“-Wahlplakat

Im Wahlkampf für die Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin 2011 ließ sich Sonneborn vor einem PARTEI-Wahlplakat abbilden, auf dem er mit schwarz angemaltem Gesicht und dem Slogan „Ick bin ein Obama“ in Anspielung auf John F. Kennedys Ausspruch „Ich bin ein Berliner“ und den damaligen US-Präsidenten Barack Obama abgebildet war. In der britischen Presse wurde er für die rassistisch konnotierte Praxis des Blackfacings kritisiert.<ref>Daily: Outrage at German comedian's blackface Obama billboard. 17. September 2011, abgerufen am 9. August 2020.</ref> Sonneborn erklärte später gegenüber der Berliner Zeitung, er stehe zu der Aktion, obwohl er sie nicht wiederholen würde.<ref>Berliner Zeitung: Martin Sonneborn: „Das ist nicht Rassismus, das ist Schuhcreme“. Abgerufen am 9. August 2020.</ref>

Abstimmungsverhalten

2019 stimmte Sonneborn bei einer Abstimmung im EU-Parlament im Rahmen eines nichtlegislativen Berichts über die Lage der Menschenrechte in der Europäischen Union gegen einen Änderungsantrag, der die Mitgliedsstaaten unverbindlich dazu aufgefordert hat, ein Verbot sogenannter Konversionstherapien durchzusetzen.<ref>Situation of fundamental rights in the EU in 2016 - VoteWatch Europe. Abgerufen am 11. Januar 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Änderungsanträge 9 bis 11 zum Bericht über die Lage der Menschenrechte in der Europäischen Union 2016. (PDF) Europäisches Parlament, abgerufen am 10. Januar 2021.</ref> Er wurde für sein Abstimmungsverhalten von verschiedenen Medien kritisiert.<ref>Markus Kowalski: Die Homophobie des Martin Sonneborn. Abgerufen am 9. August 2020.</ref><ref>Protest der Privilegierten. Abgerufen am 9. August 2020.</ref>

Rassismus-Vorwürfe wegen Witz auf T-Shirt

2021 wurde Sonneborn erneut Rassismus vorgeworfen, als er auf Twitter ein Bild teilte, das eine klischeehafte Darstellung eines chinesischen Akzents verwendete.<ref>Wenn Sonneborn nicht bald aufhört, wird er zum peinlichen Onkel auf der Familienfeier. Abgerufen am 10. Januar 2021.</ref> Nach einem kritischen Bericht von Vice kündigte sein Parteikollege Nico Semsrott die Mitgliedschaft und begründete seine Entscheidung in einem Schreiben vom 13. Januar 2021.<ref>Humorlose Erklärung, warum ich aus Die PARTEI austrete. Abgerufen am 13. Januar 2021.</ref> Sonneborn entschuldigte sich am selben Tag und gab an, die Wirkung des Witzes unterschätzt zu haben.<ref>Rassismusvorwürfe: Martin Sonneborn entschuldigt sich für T-Shirt-Aufdruck. In: Die Zeit. 14. Januar 2021, abgerufen am 14. Januar 2021.</ref> Die Zielsetzung des Witzes sei eigentlich gewesen, „die wiederholten sinophoben Ausfälle und Polemiken“ Donald Trumps zu karikieren.<ref name="FAZ" /> Der Medienjournalist Michael Hanfeld kommentierte in der FAZ, dass Sonneborn den „Kotau“ vollzogen habe, den Semsrott „und mit ihm eine Shitstorm-Truppe, angestachelt unter anderem vom Magazin Vice“, gefordert hätten.<ref name="FAZ">Michael Hanfeld: Semsrotts „Die Partei“-Austritt: Satirepartei wird satirefrei. In: FAZ.NET. 14. Januar 2021, ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 14. Januar 2021]).</ref>

Parteiinterne Debatte zum Umgang mit der „Querdenken“-Bewegung

Als Teile der Linkspartei mit Sahra Wagenknecht austraten, bezeichnete Sonneborn bei Tilo Jung jene Linke-Mitglieder als „die Besten“, namentlich Fabio De Masi, mit dem er öfter zusammen auftrat.<ref>Jung & Naiv: Deine Politiksprechstunde mit Martin Sonneborn (Die PARTEI) | Jung & Naiv - Spezial. 21. September 2021, abgerufen am 1. November 2025.</ref> Er geriet für seine Haltung zu Corona-kritischen Demonstrationen auch in die offene Kritik seiner eigenen Partei. Während die Partei-Basis gegen „Querdenken“ auf die Straße ging, wandte er sich mehrmals gezielt gegen diese: „Schwurbler oder Spaziergänger sind keine Gegner, die Pharmaindustrie und Frau von der Leyen dagegen schon. Die Aufgabe der PARTEI ist es, Regierungspolitik zu kritisieren.“<ref>Michael Angele: Satire in der Krise - Martin Sonneborn über Satire: Tabus brechen? Ist nicht mehr. In: Der Freitag. ISSN 0945-2095 (freitag.de [abgerufen am 1. November 2025]).</ref> Nico Wehnemann nannte im Namen des hessischen Landesverbands Sonneborns Äußerung „Alleingänge“: „Wir gehen weiter gegen Nazis, Esoterikspinner, Reichsbürger, fundamentale Christen, Dimensionsfreaks, Impfverweigerer und andere Spinner auf die Straße.“<ref>Streit über Umgang mit „Querdenkern“: PARTEI Hessen kritisiert Martin Sonneborn. 12. Januar 2022, abgerufen am 1. November 2025.</ref> Anlass bot ein geleakter Post von Sonneborn an seine „Kader“, in dem er sich mit „Querdenken“ solidarisiert und sich auf UN-Sonderbeauftragter Nils Melzer und die Aktivistin Nicole Reese („Bielefeld steht auf“, „Friedlich zusammen“) berief.<ref>antiverschwurbelte🦖aktion. Abgerufen am 1. November 2025.</ref><ref>JFDA: “friedlich zusammen” Demonstration in Berlin am 12. März 2022. 13. März 2022, abgerufen am 23. November 2025.</ref>

Positionen zur Russischen Invasion der Ukraine

Im Februar 2023 unterzeichnete Sonneborn das „Manifest für Frieden“ von Sarah Wagenknecht (BSW) und Alice Schwarzer (Emma-Herausgeberin) als Erstunterzeichner, das sich gegen Waffenlieferungen an die Ukraine ausspricht.

Aktivitäten 2025

Auf die Frage, ob er sich vor dem Rechtsruck fürchte, antwortete er „Ich habe eigentlich wenig Angst davor“ in einem Interview mit Hotel Matze ein halbes Jahr nach Bekanntwerden des Treffens in Potsdam „weil der Rechtsruck schon längst erfolgt ist“. Am 19. Januar 2025 veröffentlichte er ein Video mit Fabio De Masi vom BSW, für den er schon 2024 seinen Respekt aussprach.<ref>Martin Sonneborn: »Die EU muss zurück zu den alten Griechen«. 7. Juni 2024, abgerufen am 23. November 2025.</ref><ref>Martin Sonneborn: De Masi vs. Sonneborn. 19. Januar 2025, abgerufen am 1. November 2025.</ref>

Im Juli 2025 stimmten er und Sibylle Berg im EU-Parlament gemeinsam mit dem BSW für den Misstrauensantrag gegen Von der Leyen, der von Rechtsaußen-Parteien wie AfD und RN eingereicht wurde. Der Misstrauensantrag wurde mit 360:175 Stimmen abgelehnt.<ref>Kreml-Propaganda im Visier: Wollte Russland den Sturz von der Leyens erwirken? 22. Juli 2025, abgerufen am 31. Oktober 2025.</ref><ref>Abgeordnete lehnen Misstrauensantrag gegen Europäische Kommission ab | Aktuelles | Europäisches Parlament. 10. Juli 2025, abgerufen am 23. November 2025.</ref> T-Online vermutet, dass es sich bei dem Misstrauensvotum um eine gezielte Aktion russischer Propagandanetzwerke handelte.<ref>Kreml-Propaganda im Visier: Wollte Russland den Sturz von der Leyens erwirken? 22. Juli 2025, abgerufen am 23. November 2025.</ref> Das Abstimmungsverhalten rief Kritik hervor, da die linken Parteien im Europaparlament nicht für Vorschläge der Rechten stimmen, sondern eigene Misstrauensvoten gegen Von der Leyen initiieren.<ref>S&Ds lehnen rechtsextremen Misstrauensantrag gegen die Europäische Kommission ab | Socialists and Democrats. 10. Juli 2025, abgerufen am 23. November 2025.</ref><ref>Misstrauensantrag der Rechtsparteien gegen EU-Kommission gescheitert. Abgerufen am 23. November 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Im Oktober 2025 veranstalteten Sonneborn und Sibylle Berg mehrere Aktionen unter dem Titel „Revolution Nr. 01“, darunter ein Bed-in. Dabei nutzten sie 60.000 Euro an EU-Mitteln für politische Veranstaltungen.<ref>60.000 Euro EU-Gelder genutzt: Sibylle Berg und Martin Sonneborn und ihr wirres Friedensspektakel in der Volksbühne. In: Der Tagesspiegel Online. ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 1. November 2025]).</ref><ref>Revolution Nr. 1 – Krieg und Frieden. Abgerufen am 1. November 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Am 10. Oktober 2025 trat Sonneborn im Berliner Kino Babylon bei einer Veranstaltung des „Kulturkreis Pankow“ auf. Die Diskussion mit Holger Friedrich (Besitzer Berliner Zeitung), Vizeadmiral a. D. Kay-Achim Schönbach (Partei Bündnis Deutschland) und BSW-Politiker Michael von der Schulenburg wurde von Ex-Russia-Today-Online-Chef Florian Warweg moderiert.<ref>Ralf Fischer: Nationale Friedenstruppe. Abgerufen am 31. Oktober 2025.</ref> Es gab gleich vier Gegenproteste gegen die Veranstaltung – sowohl von Seiten pro-ukrainischer und pro-georgischer als auch pro-israelischer und antifaschistischer Gruppen.<ref>Großes Interesse und Protest bei Debatte mit Martin Sonneborn und Holger Friedrich. 14. Oktober 2025, abgerufen am 1. November 2025.</ref>

Mediale Kritik

Die jungleworld kritisiert, dass bei Sonneborn progressive Inhalte einem „Altherren-Humor“ und dem „Vertreten von Wirtschaftsinteressen“ gewichen wären und betitelt seine Partei seit 2021 als „unwählbar“.<ref>Franziska Stein: Unwählbar. Abgerufen am 31. Oktober 2025.</ref><ref>Jörn Schulz: Ein Smiley für den Standort. Abgerufen am 31. Oktober 2025.</ref>

Privates

Sonneborn ist mit einer Armenierin verheiratet und hat zwei Töchter.<ref name="mopo" /><ref>Unser Gast vom 22. März 2009: Martin Sonneborn, Satiriker, „Gästeliste“ zum Gespräch mit Hajo Schumacher. Deutsche Welle, 22. März 2009.</ref><ref>Martin Sonneborn Internationales Biographisches Archiv 06/2009 vom 3. Februar 2009, ergänzt um Nachrichten durch MA-Journal bis KW 35/2013, im Munzinger-Archiv, abgerufen am 29. November 2013. (Artikelanfang frei abrufbar)</ref>

Auszeichnungen

Schriften (Auswahl)

  • Das Satiremagazin TITANIC. (Berlin, Freie Univ., Magisterarbeit, 1994).
  • „Ich tat es für mein Land.“ Wie Titanic einmal die Fußball-WM 2006 nach Deutschland holte: Protokoll einer erfolgreichen Bestechung. Bombus, München 2005, ISBN 3-936261-37-7
  • Das PARTEI-Buch: Wie man in Deutschland eine Partei gründet und die Macht übernimmt. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2009, ISBN 978-3-462-04090-6
  • Ich will auch mal Kanzler werden … 999 Fotowitze aus der Berliner Republik. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2011, ISBN 978-3-462-04257-3
  • Quatsch: Und mehr. Kiepenheuer & Witsch, 2012, ISBN 978-3-462-04475-1.
  • Beerdigung von Herrn Krodinger im Biergarten: Ein Schild sagt mehr als 1000 Worte. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2015, ISBN 978-3-462-04775-2
  • Titanic BoyGroup Greatest Hits – 20 Jahre Krawall für Deutschland. Rowohlt Berlin 2015, ISBN 978-3-87134-818-1
  • Herr Sonneborn geht nach Brüssel. Abenteuer im Europaparlament. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2019, ISBN 978-3-462-05261-9
  • 99 Ideen zur Wiederbelebung der politischen Utopie: Das kommunistische Manifest. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2021, ISBN 978-3-462-00214-0.
  • Herr Sonneborn bleibt in Brüssel. Neue Abenteuer im Europaparlament. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2024, ISBN 978-3-462-00600-1

Filmografie

Weblinks

Commons: Martin Sonneborn – Sammlung von Bildern und Videos

Einzelnachweise

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