Marion von Klot
| Marion von Klot | |
|---|---|
| Datei:Marion von Klot.jpg | |
| Geboren | 30. März 1897 (Puikeln) |
| Gestorben | 22. Mai 1919 (Riga) |
| Festtag | 22. Mai (Evangelischer Namenkalender) |
Anna Margreth Cecil Erika Marion von Klot (* 30. März 1897 auf dem Rittergut Puikeln (lettisch: Puikule) bei Wolmar, heute im Bezirk Aloja in Lettland; † 22. Mai 1919 in Riga), lettisch Anna Margrēta Cecīlija Erika Mariona fon Klota, war eine deutsch-baltische Adelige und Sängerin. Sie gilt als evangelische Märtyrerin.<ref name=":Namenkalender">Liturgische Konferenz: Das Kirchenjahr – Evangelischer Sonn- und Feiertagskalender 2022/23, Kapitel „Evangelischer Namenkalender“.</ref><ref name=":5">Frieder Schulz: Das Gedächtnis der Zeugen – Vorgeschichte, Gestaltung und Bedeutung des Evangelischen Namenkalenders, Göttingen 1975, S. 97.</ref>
Die Datumsangaben in diesem Artikel richten sich, wenn nicht anders angegeben, für den Zeitraum bis 1918 nach dem julianischen Kalender.
Leben
Marion von Klot wurde als Tochter des Gutsherrn Reinhold von Klot (1849–1903) und seiner Frau Albertine Wilhelmine Edith, geborene Freiin von Wolff (* 1860), geboren.<ref name="BBLD"> Baltische Historische Kommission (Hrsg.): Eintrag zu Klot, Anna Margreth Cecil Erika Marion* v.. In: BBLD – Baltisches biografisches Lexikon digital</ref> Ihre Brüder waren Friedrich Arnold Reinhold von Klot (1888–1920), Ernst Magnus von Klot (1899–1972) und Wilhelm Reinhold von Klot (1887–1960). Sie wuchs auf dem Gut Puikeln auf.<ref name="BBLD" />
1903 zog Edith von Klot nach dem Tod ihres Mannes mit ihren Kindern nach Riga. Marion wurde dort in einem privaten deutschen Schulkreis ausgebildet.<ref name="BBLD" />
Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges verhinderte die geplante Gesangsausbildung Marions in Deutschland. Stattdessen erhielt sie in Riga Gesangsunterricht von Lilly Schroeders (nach der altitalienischen Methode von Francesco Lamperti)<ref name="BBLD" /> und trat dem Kirchenchor der Jakobi-Gemeinde bei. Pfarrer Erhard Doebler, der Marion von Klot konfirmiert hatte, veranlasste dort, dass das 1901 von Hedwig von Redern geschriebene Gedicht „Weiß ich den Weg auch nicht, Du weißt ihn wohl“<ref name="Seelsorgerinnen">Adelheid von Hauff: Hedwig von Redern (1866-1935) in Peter Zimmerling (Hg.): Evangelische Seelsorgerinnen. Biographische Skizzen, Texte und Programme, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2005, ISBN 3-525-62380-1, S. 212</ref> mit einer Melodie des englischen Komponisten John Bacchus Dykes (1823–1876)<ref>"Weiß ich den Weg auch nicht": Lied des Monats Februar 2013 der Ev. Christuskirche in Hangelar</ref> von 1868 vertont wurde.<ref name="Folge mir nach">Marion von Klot in Folge mir nach, Heft 4/2011</ref> Es wurde bei der Konfirmation von Marion von Klots Bruder gesungen.<ref name="Predigt">Winrich Scheffbuch: Worauf kann man sich noch verlassen? - Predigt über Vorlage:Bibel/Link, gehalten am 22. September 1996 in der Ludwig-Hofacker-Gemeinde Stuttgart, abrufbar über www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=anna%20margreth%20cecil%20erika%20marion%20von%20klot&source=web&cd=16&ved=0CIEBEBYwDw&url=ftp%3A%2F%2Fbitflow.dyndns.org%2Fgerman%2FWinrichScheffbuch05%2FHebraeer_10_35_39_19960922.doc&ei=c7WcUef2CdDzsgb-sYGwBw&usg=AFQjCNG9j1QHs6fO7zLc1bsZ3KJERPQ1FQ&cad=rja</ref>
Im Neujahrsgottesdienst 1916<ref name="Folge mir nach" /><ref name="Die gute Saat"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Der Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein. in Die gute Saat 2011</ref> sang Marion von Klot es erstmals öffentlich selbst. Sie machte das Lied, das zu ihrem Lieblingslied wurde,<ref name="Seelsorgerinnen" /> mit ihrem Gesang in der Gemeinde bekannt; es wurde, oft von Marion von Klot bei entsprechenden Gelegenheiten gesungen, zum Trostlied für die Deutsch-Balten, deren Lage im Ersten Weltkrieg immer schlechter wurde.<ref name="Die gute Saat" /><ref name="ÖNK">Marion von Klot im Ökumenischen Namenkalender</ref>
Heute findet sich das Lied in verschiedenen Regionalteilen des Evangelischen Gesangbuches,<ref name="ÖNK" /> z. B. für Rheinland, Westfalen und Lippe unter der Nummer 650<ref name="EG RWL">Evangelisches Gesangbuch, Ausgabe für die Landeskirchen Rheinland, Westfalen und Lippe, Neukirchener Theologie 2006, ISBN 3788710268 und ISBN 978-3788710262</ref> und für Niedersachsen und Bremen unter der Nummer 591;<ref name="EG NB">Evangelisches Gesangbuch, Ausgabe für die Evangelisch-Lutherischen Kirchen in Niedersachsen und für die Bremische Evangelische Kirche, Schlütersche 2014, ISBN 3899939271 und ISBN 978-3899939279</ref> im Mennonitischen Gesangbuch steht es unter der Nummer 362.<ref name="Mennoniten">Mennonitisches Gesangbuch, ISBN 3245795416 und ISBN 978-3245795412</ref>
Während des Krieges leistete Marion von Klot Hilfsdienste in Lazaretten.<ref name="ÖNK" />
Ab 1918 gab Marion von Klot eigene Liederabende.<ref name="BBLD" /> Ihre Stimme wurde als weich und klar beschrieben.<ref name="Folge mir nach" /><ref name="Die gute Saat" />
Am 3. Januar 1919 räumten die deutschen Truppen das rechte Ufer der Düna, woraufhin die Bolschewiki in Riga eindrangen und die Macht übernahmen. Viele leitende Beamte, Prediger, Gutsbesitzer und Adelige, darunter Marion von Klots Mutter und der zurückgekehrte Doebler, wurden als Hauptfeinde des Kommunismus inhaftiert.<ref name="Folge mir nach" /><ref name="Die gute Saat" /><ref name="Märtyrerbuch">Oskar Schabert: Baltisches Märtyrerbuch. Furche-Verlag, Berlin 1926, S. 147f (Digitalisat)</ref> Marion von Klot selbst blieb bei ihrer Großmutter (mütterlicherseits, die andere Großmutter war 1903 verstorben), die nicht mehr fliehen konnte,<ref name="Predigt" /><ref name="ÖNK" /> und bemühte sich um die Freilassung ihrer Mutter.<ref name="Folge mir nach" />
Dies führte dazu, dass sie selbst am 7. April 1919 in das Zentralgefängnis von Riga eingeliefert wurde.<ref name="Seelsorgerinnen" /><ref name="Folge mir nach" /><ref name="Predigt" /><ref name="OstdtBio">Klot, Marion von. In: Ostdeutsche Biografie (Kulturportal West-Ost)</ref> Dort versuchte sie, ihre über 30 Zellengenossinnen, mit denen sie in einer viel zu engen Zelle unter harten Bedingungen inhaftiert war,<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Hans Greiff: Trost und Kraft in Die Christus-Post, Januar-Februar, Nr. 1/13 ( des Vorlage:IconExternal vom 22. Mai 2014 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref> mit Zuspruch, neutestamentlichen Lesungen und Gesang, allabendlich mit dem Lied „Weiß ich den Weg auch nicht, Du weißt ihn wohl“<ref name="Seelsorgerinnen" /> zu trösten, was ihr trotz einer Fleckfieberepidemie unter den Gefangenen gelang.<ref name="BBLD" /><ref name="Folge mir nach" /><ref name="Predigt" /><ref name="ÖNK" /><ref name="OstdtBio" /> Doebler konnte es von seiner benachbarten Zelle aus hören.<ref name="Märtyrerbuch" />
Für den 1. Mai erwarteten die Gefangenen eine Amnestie, die aber ausblieb. Sie waren zwischen Hoffnung und Schicksalsergebenheit hin- und hergerissen.<ref name="Märtyrerbuch" /> Auch am Vorabend ihrer Exekution sang Marion von Klot ihr Lied.<ref name="Seelsorgerinnen" />
Am Donnerstag, dem 22. Mai 1919 stand Riga vor der Rückeroberung durch die Baltische Landeswehr,<ref name="Predigt" /> wovon die Gefangenen nichts wussten. Kurz vor dem Rückzug der Bolschewiki wurden die 22-jährige Marion von Klot und 32 Mitgefangene<ref name="Seelsorgerinnen" /> am Nachmittag aus ihren Zellen geführt. Sie wurden in geordnetem Zug durch die langen Korridore unter schwerer Bewachung auf den Gefängnishof geführt.<ref name="Märtyrerbuch" /> Dort hatten Soldaten der Roten Armee Aufstellung genommen, welche nun alle Hinausgeführten erschossen.<ref name="Seelsorgerinnen" /><ref name="Folge mir nach" /><ref name="ÖNK" /><ref name="Märtyrerbuch" /><ref name="OstdtBio" /> Marion von Klots letzte Worte sollen gewesen sein: "Jetzt nur nicht schwach werden."<ref name="BBLD" /><ref name="Predigt" />
Sofort danach flohen die Soldaten und Kommissare. Wenig später bahnte ein Panzerwagen der Landeswehr sich den Weg zum Gefängnis, die Verwandten der Gefangenen folgten ihm in den Hof. Sie waren erschüttert von dem Anblick, der sich ihnen bot.<ref name="Märtyrerbuch" />
Nachleben und Rezeption
Nach ihrem Tod wurde in Marion von Klots Neuen Testament ein Zettel gefunden, auf dem sie aus dem Gedächtnis Melodie und Text des Liedes „Weiß ich den Weg auch nicht, Du weißt ihn wohl“ notiert hatte. Marion von Klot wurde am 27. Mai 1919 beerdigt, neben ihrer Großmutter, die nur wenige Tage zuvor gestorben war.
Marion von Klot wird in dem Roman Ein Mannsbild namens Prack von Friedrich Reck-Malleczewen erwähnt, der 1936 im Schützen-Verlag in Berlin erschien.<ref>Das neue Buch in der Rigaschen Rundschau, Nr. 70, 25. März 1936 (<templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />von Klot|issueType:P Periodika.lv ( des Vorlage:IconExternal vom 28. April 2020 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.)</ref> (Reck-Malleczewen starb 1945 im KZ Dachau als christlicher Gegner des Nationalsozialismus.)
Gedenktag
22. Mai im Evangelischen Namenkalender unter der Kategorie „Märtyrerin“.
Der Gedenktag wurde vor der Einführung des offiziellen Namenkalenders bereits geführt in:
- Jörg Erb: Die Wolke der Zeugen, Kassel 1951/1963, Bd. 4, S. 508–520
- Friedrich Hauß: Väter der Christenheit, Wuppertal 1956/1959, Neuauflage Haan: Brockhaus, 1991, ISBN 3-417-24625-3
Literatur
- Oskar Schabert: Baltisches Märtyrerbuch. Furche-Verlag, Berlin 1926, S. 147 (Digitalisat)
- Oskar Schabert: Marion von Klot. Die Sängerin des Chorals „Weiß ich den Weg auch nicht“, ermordet zu Riga d. 22. Mai 1919 E. H. Ungelenk, Dresden 1935
- Friedrich Wilhelm Bautz: Marion von Klot. In: Sonntagsblatt für die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern. München, Nr. 21/1949.
- Anna Katterfeld: Weiß ich den Weg auch nicht. Das Martyrium der baltischen Kirche. Stuttgart 1955
- Erik Thomson: Marion von Klot. Trösterin der Gefangenen, in: Gotteszeugen, Heft 49. Verlag Junge Gemeinde, Stuttgart 1957
- Georg Baron Manteuffel-Szoege: Marion von Klot, in: Jahrbuch des baltischen Deutschtums, Jg. 1960, S. 77–80
- Heiko Wulfert: Marion von Klot. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 4, Bautz, Herzberg 1992, ISBN 3-88309-038-7, Sp. 92–93.
- Frieder Schulz und Gerhard Schwinge (Herausgeber): Synaxis: Beiträge zur Liturgik, Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 1997, ISBN 3-525-60398-3
- Adelheid von Hauff: Hedwig von Redern (1866-1935) in Peter Zimmerling (Hg.): Evangelische Seelsorgerinnen. Biographische Skizzen, Texte und Programme, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2005, ISBN 3-525-62380-1, S. 212
- Ilse Lenz (Hrsg.): Die neue Frauenbewegung in Deutschland. Abschied vom kleinen Unterschied, VS Verlag für Sozialwissenschaften, Springer Fachmedien Wiesbaden 1. Aufl. 2008, 2. Aufl. 2010, S. 841 zur Kriegsdienstverweigerung von Frauen: "Keine Florence Nightingale, keine Marion von Klot, keine Anna Matterfeld, keine Maria Naepflin, keine Elsa Brandström, keine Mathilda Wrede, keine „Engel der Gefangenen und der Schlachtfelder“.
Weblinks
- Baltische Historische Kommission (Hrsg.): Eintrag zu Klot, Anna Margreth Cecil Erika Marion* v.. In: BBLD – Baltisches biografisches Lexikon digital
- Klot, Marion von. In: Ostdeutsche Biografie (Kulturportal West-Ost)
- Marion von Klot in Folge mir nach, Heft 4/2011
- <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Der Wert des Parameters
archive-todaymuss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein. - Winrich Scheffbuch: Worauf kann man sich noch verlassen? – Predigt über Vorlage:Bibel/Link, gehalten am 22. September 1996 in der Ludwig-Hofacker-Gemeinde Stuttgart.
- Porträtfoto Marion von Klots (ganz unten, ganz links)
Einzelnachweise
<references />
Baltische Todesopfer kommunistisch motivierter Gewalt und christliche Märtyrer, getötet in den Jahren 1905–1907 und 1918–1920
Im ENK aufgeführt: Ludwig Zimmermann | Walther Paucker | Traugott Hahn | Xaver Marnitz | Marie Schlieps | Karl Schlau | Marion von Klot
Orthodoxe Heilige: Platon Kulbusch | Michael Bleive | Nikolai Stefanowitsch Beschanizki
Weitere Märtyrer von 1905 bis 1907: Jānis Līcis | Karl Schilling | Albert Grühn | Wilhelm Taurit | Julius Busch
1. Welle 1918/19: Heinrich Leonhard Adolphi | Ludwig Johannes Tschischko | Adam Jende
2. Welle 1918/19, Estländer: Carl Immanuel Philipp Hesse | Moritz Wilhelm Paul Schwartz
2. Welle 1918/19, Kurländer: Hans Bielenstein | Alexander Bernewitz | Karl Moltrecht | Arnold von Rutkowski | Christoph Strautmann | Paul Wachtsmuth
2. Welle 1918/19, Livländer: Wilhelm Grüner | Heinrich Bosse | Eugen Berg | Theodor Scheinpflug | Paul Fromhold-Treu | Edgar Haßmann | Richard Alexander Georg Wühner
22. Mai 1919: Hermann Bergengruen | Erhard Doebler | August Eckhardt | Theodor Hoffmann | Eberhard Savary | Eugen Scheuermann | Theodor Taube | Ernst Fromhold-Treu
Nach dem Sturm: Konstantin Uhder | Wilhelm Gilbert
Bekenner: Arthur Walter | Wilhelm Kaspar | Eduard Paul Benedict Frese | Gustav Cleemann | Peter Rosenberg | Oskar Bidder | Alfred Geist | Erwin Gross
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Klot, Marion von |
| ALTERNATIVNAMEN | Klot, Anna Margreth Cecil Erika Marion von (vollständiger Name); Klota, Mariona fon; Klota, Anna Margrēta Cecīlija Erika Mariona fon |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsch-baltische evangelische Märtyrerin |
| GEBURTSDATUM | 30. März 1897 |
| GEBURTSORT | Rittergut Puikeln, Kreis Volmar, Lettland |
| STERBEDATUM | 22. Mai 1919 |
| STERBEORT | Riga |
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- Hingerichtete Person (Lettische Sozialistische Sowjetrepublik, 1918–1920)
- Opfer einer Christenverfolgung
- Person des Christentums (Lettland)
- Geisel
- Person (Gouvernement Livland)
- Person des evangelischen Namenkalenders
- Adliger
- Sänger
- Deutsch-Balte
- Geboren 1897
- Gestorben 1919
- Frau