Jean-Yves Le Drian
Jean-Yves Le Drian (* 30. Juni 1947 in Lorient, Département Morbihan) ist ein französischer Politiker (Territoires de Progrès, bis 2018 Parti Socialiste) und war von 2017 bis 2022 Außenminister Frankreichs. Zuvor war er langjähriger Abgeordneter in der Nationalversammlung, von 1981 bis 1998 Bürgermeister von Lorient, von 2004 bis 2012 und von 2015 bis 2017 Präsident des Regionalrates der Bretagne sowie von 2012 bis 2017 Verteidigungsminister.
Leben
Herkunft und Ausbildung
Le Drian wuchs in einer katholischen Arbeiterfamilie in der bretonischen Kleinstadt Lanester, einem Vorort der Hafenstadt Lorient, auf. Bereits als Schüler war er Erster Sekretär der katholischen Jugendorganisation Jeunesse étudiante chrétienne (JEC) im Département Morbihan. Er begann 1966 ein Studium der Geschichtswissenschaften an der Universität Rennes 2. Während seines Studiums war er Vorsitzender des Studentenverbandes Union nationale des étudiants de France (UNEF) und leitete deren Protestaktionen im Mai 1968.
Nach Abschluss des Studiums mit einem Diplom wurde er 1968 Geschichtslehrer an einem Lycée in Hennebont. Er bestand 1971 die Agrégation (Lehrbefugnis für höhere Schulen), anschließend leistete er Wehrdienst beim 512. Trainregiment in Saint-Lô. Danach kehrte er 1973 als Wissenschaftlicher Assistent und Lehrbeauftragter für Zeitgeschichte an die Universität Rennes 2 zurück.
Kommunalpolitik
Le Drian wurde 1974 Mitglied der PS und 1975 Sekretär der PS in Lorient. Im März 1977 wurde er Beigeordneter für Wirtschaft des Bürgermeisters von Lorient. Von Juli 1981 bis März 1998 war er dort Bürgermeister. Anschließend blieb er bis April 2004 einfaches Mitglied des Gemeinderates von Lorient.
Abgeordneter und Staatssekretär
Im April 1978 wurde er als Kandidat der PS erstmals zum Abgeordneten der Nationalversammlung gewählt; dort vertrat er bis zu seiner Mandatsniederlegung im Juni 1991 den 5. Wahlkreis des Départements Morbihan. Le Drian verzichtete auf seinen Parlamentssitz, nachdem er am 16. Mai 1991 zum Staatssekretär für Meeresangelegenheiten in das Kabinett von Premierministerin Edith Cresson berufen worden war, dem er bis zum Ende von Cressons Amtszeit am 2. April 1992 angehörte.
Am 12. Juni 1997 wurde er dann abermals zum Abgeordneten der Nationalversammlung und vertrat in dieser bis zu seiner Ablösung durch Françoise Olivier-Coupeau am 19. Juni 2007 wiederum den 5. Wahlkreis des Départements Morbihan.
Regionalratspräsident der Bretagne
Im März 1998 wurde Le Drian in den Regionalrat der Region Bretagne gewählt. Ab dem 28. März 2004 war er als Nachfolger von Josselin de Rohan Präsident des Regionalrates der Bretagne. Im ersten Wahlgang erhielt er 38,5 Prozent, während Amtsinhaber de Rohan von der konservativen UMP 25,6 Prozent und der Kandidat der zentristischen UDF 11,1 Prozent erhielten. In der zweiten Wahlrunde vereinigte sich die von Le Drian geführte Liste aus PS, PCF und PRG mit der der Grünen und der bretonisch-nationalistischen UDB. Zusammen erhielten sie 58,7 Prozent sowie 57 der 83 Sitze im Regionalrat; UMP und UDF bekamen zusammen 41,4 Prozent und 26 Sitze.<ref>vom 21. März 2004 (rulers.org)</ref> Das Amt des Regionalratspräsidenten trat er offiziell am 2. April 2004 an.<ref>vom 2. April 2004 (rulers.org)</ref> Bei seiner Wiederwahl im März 2010 erhielt Le Drians PS-PCF-Liste (diesmal ohne Grüne und UDB) im zweiten Wahlgang 50,27 Prozent der Stimmen.<ref>Bretagne : la liste PS de Le Drian frôle la majorité absolue. In: Le Monde vom 21. März 2010 (Seitenaufruf am 1. Juni 2012)</ref> Nach seiner Ernennung zum Minister trat er im Juni 2012 von der Präsidentschaft zurück, sein Nachfolger wurde der bisherige Vizepräsident Pierrick Massiot (ebenfalls PS). Le Drian blieb aber einfaches Mitglied des Regionalrates.
Bei der Regionalwahl 2015 trat Le Drian erneut als Spitzenkandidat in der Bretagne an. Nachdem seine Liste aus PS und PRG (ohne Grüne und Kommunisten) bereits im ersten Wahlgang mit 34,9 Prozent der Stimmen klar in Führung gelegen hatte, erhielt sie im zweiten Wahlgang 51,4 Prozent der abgegebenen Stimmen.<ref>Elections régionales et des assemblées de Corse, Guyane et Martinique 2015. Résultats en Bretagne. Ministère de l'Interieur, 13. Dezember 2015, abgerufen am 13. Dezember 2015 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Le Drian kündigte an, bis auf weiteres gleichzeitig Präsident des Regionalrates und Verteidigungsminister bleiben zu wollen: „Ich bleibe so lange Verteidigungsminister, wie der Präsident dies für notwendig hält.“<ref>Yvon Corre: Le Drian. Comment gérer le cumul. Le Télégramme (online), 11. Dezember 2015, abgerufen am 13. Dezember 2015 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die Regelungen für die Kabinettsmitglieder unter Präsident Hollande verboten eigentlich ein solches Kumulieren von Funktionen. Nach seiner Ernennung zum Außenminister unter Präsident Emmanuel Macron trat Le Drian als Regionalratspräsident zurück. Nachfolger wurde sein Parteikollege und bisheriger 1. Stellvertreter Loïg Chesnais-Girard.
Verteidigungs- und Außenminister
Le Drian wurde nach der Wahl von François Hollande zum Staatspräsidenten und der Benennung von Jean-Marc Ayrault zum Premierminister von diesem am 16. Mai 2012 Verteidigungsminister in dessen Kabinett.<ref>Kabinett in Frankreich - Weggefährten und junge Senkrechtstarter. In: Süddeutsche Zeitung vom 16. Mai 2012 (Seitenaufruf am 1. Juni 2012)</ref><ref>Jean-Yves Le Drian, l'homme qui voulait devenir à tout prix ministre de la Défense. In: La Tribune vom 16. Mai 2012 (Seitenaufruf am 1. Juni 2012)</ref><ref>Jean-Yves Le Drian, un "transcourant"à la Défense. In: Le Monde vom 16. Mai 2012 (Seitenaufruf am 1. Juni 2012)</ref> Er übte dieses Amt auch in allen folgenden Regierungen (Ayrault II, Valls I, Valls II, Cazeneuve) aus. In seine Amtszeit fällt unter anderem der Rückzug der französischen Truppen aus dem ISAF-Einsatz in Afghanistan 2012, die Militärintervention in Mali 2013 und deren Fortsetzung in der Opération Barkhane in der Sahelzone seit 2014. Ebenso verantwortete er als Verteidigungsminister die französischen Luftschläge in Syrien, die nach den Terroranschlägen am 13. November 2015 in Paris verstärkt wurden.
Bei der Vorwahl der Sozialisten im Vorfeld der Präsidentschaftswahl 2017 unterstützte Le Drian den bisherigen Premierminister Manuel Valls. Als dieser jedoch Benoît Hamon vom linken Parteiflügel unterlag, wandte sich Le Drian dem Zentristen Emmanuel Macron zu, der aus der PS ausgetreten war und seine eigene Bewegung En Marche gründete. Macron gewann die Wahl und ernannte Le Drian am 17. Mai 2017 zum Außenminister im Kabinett des Premierministers Édouard Philippe. Da die Sozialistische Partei jedoch in Opposition zu Macrons Regierung steht, bedeutete dies einen Bruch mit seiner Partei. Am 8. März 2018 trat er aus der PS aus.<ref>lefigaro.fr</ref> Anfang 2020 gründete er zusammen mit Olivier Dussopt die Partei Territoires de progrès (TDP), die den „linken Flügel“ der Macron-Unterstützer bildet.<ref>Avec le mouvement "Territoires de progrès", Emmanuel Macron travaille son aile gauche. Europe1, 20. September 2020.</ref> Im Kabinett Castex (ab Juli 2020) wurde Le Drian als Außenminister bestätigt und hatte dieses Amt bis Mai 2022 inne. Im neuen Kabinett Borne übernahm Catherine Colonna das Amt.<ref>Composition du Gouvernement. Abgerufen am 30. Mai 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
2019 wurde ihm der große Orden der Aufgehenden Sonne am Band verliehen.<ref>2019 Autumn Conferment of Decoration on Foreign Nationals, Internetseite des japanischen Außenministeriums (englisch)</ref>
Literatur
- Jean-Yves Le Drian in: Internationales Biographisches Archiv 17/2013 vom 23. April 2013, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
Weblinks
- Eintrag auf der Homepage der Französischen Regierung (Seitenaufruf am 1. Juni 2012)
- Eintrag auf der Homepage der Nationalversammlung (Seitenaufruf am 1. Juni 2012)
- Eintrag auf der Homepage der Bretagne
- French Regions (rulers.org)
- Ministries, political parties, etc. from 1870 (rulers.org)
Einzelnachweise
<references />
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Maurice Couve de Murville | Michel Debré | Maurice Schumann | André Bettencourt | Michel Jobert | Jean Sauvagnargues | Louis de Guiringaud | Jean François-Poncet | Claude Cheysson | Roland Dumas | Jean-Bernard Raimond | Roland Dumas | Alain Juppé | Hervé de Charette | Hubert Védrine | Dominique de Villepin | Michel Barnier | Philippe Douste-Blazy | Bernard Kouchner | Michèle Alliot-Marie | Alain Juppé | Laurent Fabius | Jean-Marc Ayrault | Jean-Yves Le Drian | Catherine Colonna | Stéphane Séjourné | Jean-Noël Barrot
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Charles de Gaulle (Nationale Verteidigung) und Pierre Guillaumat (Armeen) | Pierre Guillaumat | Pierre Messmer | Michel Debré | Robert Galley | Jacques Soufflet | Yvon Bourges | Joël Le Theule | Robert Galley | Charles Hernu | Paul Quilès | André Giraud | Jean-Pierre Chevènement | Pierre Joxe | François Léotard | Charles Millon | Alain Richard | Michèle Alliot-Marie | Hervé Morin | Alain Juppé | Gérard Longuet | Jean-Yves Le Drian | Sylvie Goulard | Florence Parly | Sébastien Lecornu
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Jean-Marc Ayrault (Premierminister) | Laurent Fabius | Vincent Peillon | Christiane Taubira | Pierre Moscovici | Marisol Touraine | Cécile Duflot | Manuel Valls | Nicole Bricq | Arnaud Montebourg | Michel Sapin | Jean-Yves Le Drian | Aurélie Filippetti | Geneviève Fioraso | Najat Vallaud-Belkacem | Stéphane Le Foll | Marylise Lebranchu | Victorin Lurel | Valérie Fourneyron
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Jean-Marc Ayrault (Premierminister) | Laurent Fabius | Vincent Peillon | Christiane Taubira | Pierre Moscovici | Marisol Touraine | Cécile Duflot | Manuel Valls | Nicole Bricq | Arnaud Montebourg | Philippe Martin (seit 2. Juli 2013) | Delphine Batho (bis 2. Juli 2013) | Michel Sapin | Jean-Yves Le Drian | Aurélie Filippetti | Geneviève Fioraso | Najat Vallaud-Belkacem | Stéphane Le Foll | Marylise Lebranchu | Victorin Lurel | Sylvia Pinel | Valérie Fourneyron
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Manuel Valls (Premierminister) | Laurent Fabius | Ségolène Royal | Benoît Hamon | Christiane Taubira | Michel Sapin | Arnaud Montebourg | Marisol Touraine | François Rebsamen | Jean-Yves Le Drian | Bernard Cazeneuve | Najat Vallaud-Belkacem | Marylise Lebranchu | Aurélie Filippetti | Stéphane Le Foll | Sylvia Pinel | George Pau-Langevin
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Manuel Valls (Premierminister) | Jean-Marc Ayrault (ab 2/2016) | Audrey Azoulay (ab 2/2016) | Jean-Michel Baylet (ab 2/2016) | Bernard Cazeneuve | Emmanuelle Cosse (ab 2/2016) | Jean-Yves Le Drian | Stéphane Le Foll | Marylise Lebranchu (bis 2/2016) | Patrick Kanner | Myriam El Khomri (ab 9/2015) | Laurent Fabius (bis 2/2016) | Emmanuel Macron | George Pau-Langevin | Sylvia Pinel (bis 2/2016) | Fleur Pellerin (bis 2/2016) | François Rebsamen (bis 9/2015) | Laurence Rossignol (ab 2/2016) | Ségolène Royal | Michel Sapin | Christiane Taubira (bis 1/2016) | Marisol Touraine | Jean-Jacques Urvoas (ab 1/2016) | Najat Vallaud-Belkacem
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Bernard Cazeneuve (Premierminister) | Jean-Marc Ayrault | Audrey Azoulay | Ericka Bareigts | Jean-Michel Baylet | Emmanuelle Cosse | Jean-Yves Le Drian | Matthias Fekl (ab 3/2017) | Stéphane Le Foll | Patrick Kanner | Myriam El Khomri | Annick Girardin | Laurence Rossignol | Bruno Le Roux (bis 3/2017) | Ségolène Royal | Michel Sapin | Marisol Touraine | Jean-Jacques Urvoas | Najat Vallaud-Belkacem
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Le Drian, Jean-Yves |
| KURZBESCHREIBUNG | französischer Politiker, Mitglied der Nationalversammlung |
| GEBURTSDATUM | 30. Juni 1947 |
| GEBURTSORT | Lorient, Département Morbihan |
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