Zum Inhalt springen

Phosphamidon

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 24. Januar 2026 um 11:14 Uhr durch imported>ChemoBot (Entferne Parameter „Suchfunktion“ aus {{Infobox Chemikalie}} und bereinige Leerzeilen).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Strukturformel
Strukturformel von (E)- und (Z)-Phosphamidon
Etwa 70:30-Mischung aus (E)-Isomer (links) und (Z)-Isomer (rechts)
Allgemeines
Name Phosphamidon
Andere Namen
  • (E,Z)-3-Chlor-4-diethylamino-4-oxobut-2-en-2-yl-dimethylphosphat (IUPAC)
  • 2-Chlor-2-diethylcarbamoyl-1-methylvinyldimethylphosphat
  • 2-Chlor-3-diethylamino-1-methyl-3-oxo-1-propenyldimethylphosphat
  • Dimethylphosphatester-2-chlor-N,N-diethyl-3-hydroxycrotonamid
  • Handelsnamen: Apamidon®, Dimecron®, Dimenox®, Dixon®, Phosron®, Pillarcron®
Summenformel C10H19ClNO5P
Kurzbeschreibung

geruchlose, klare, gelbliche Flüssigkeit<ref name=Datchem>Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der Pesticide Properties DataBase (PPDB) der University of HertfordshireVorlage:Abrufdatum</ref><ref name=TOX1960/>

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer
EG-Nummer 236-116-5
ECHA-InfoCard 100.032.818
PubChem 25750
ChemSpider 23990
Wikidata [[:d:Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)|Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)]]
Eigenschaften
Molare Masse 299,69 g·mol−1
Aggregatzustand

flüssig

Dichte

1,2132 g·cm−3<ref name=inchem>WHO/FAO Data Sheet on Pesticides (PDS) für <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Phosphamidon (Memento vom 2. Juli 2014 im Internet Archive)</ref>

Schmelzpunkt

−45 °C<ref name=Datchem />

Siedepunkt

94 °C (5,3 Pa)<ref name=roempp>Eintrag zu Phosphamidon. In: Römpp Online. Georg Thieme VerlagVorlage:Abrufdatum</ref>

Dampfdruck

3,39 · 10−5 mbar (bei 20 °C)<ref name=Datchem />

Löslichkeit

mischbar mit Wasser, polaren organischen Lösungsmitteln<ref name=Datchem /><ref name=TOX1960/><ref name=inchem/>

Brechungsindex

1,4721<ref name=inchem/>

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung aus Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP),<ref name="CLP_100.032.818">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der Datenbank ECHA CHEM der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA)Vorlage:Abrufdatum Hersteller bzw. Inverkehrbringer können die harmonisierte Einstufung und Kennzeichnung erweitern.</ref> ggf. erweitert<ref name="GESTIS">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFAVorlage:Abrufdatum (JavaScript erforderlich)</ref>
Gefahrensymbol Gefahrensymbol Gefahrensymbol

Gefahr

H- und P-Sätze H: 300​‐​311​‐​341​‐​410
P: 202​‐​264​‐​273​‐​280​‐​301+310​‐​302+352+312<ref name="GESTIS" />
Toxikologische Daten
  • 13 mg·kg−1 (LD50Mausoral)<ref name=TOX1960>R. Jacques, Hugo J. Bein: Toxikologie und Pharmakologie eines neuen systemisch wirksamen Insektizids der Phosphorsäureester-Reihe, Phosphamidon (2-Chlor-2-diäthylcarbamoyl-1-methylvinyl-dimethylphosphat), Archiv für Toxikologie (1960) 18, S. 316–330.</ref>
  • 20 mg·kg−1 (LD50Ratteoral)<ref name=TOX1960 />
Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa). Brechungsindex: Na-D-Linie, 20 °C

Phosphamidon ist eine Mischung von zwei (cis-,trans-isomeren) organisch-chemischen Verbindungen mit der Summenformel C10H19ClNO5P, das 1960 erstmals beschrieben wurde. Dieses Gemisch gehört zu den Gruppen der Phosphorsäureester und Organophosphat-Insektizide.

Darstellung

Die Synthese geht von N,N-Diethylacetamid (1) aus. Durch Selbstkondensation mittels Phosphoroxychlorid wird es zu Diethylacetoacetamid (2) acetyliert. Mit Sulfurylchlorid wird die Methylengruppe chloriert. Das Zwischenprodukt N,N-Diethyldichloracetoacetamid (3) ergibt in der Reaktion mit Trimethylphosphit unter Abspaltung von Chlormethan als Endprodukt eine Mischung aus 4a und 4b.<ref> R. Anliker, E. Beriger und K. Schmid: Die Synthese von 14C-markiertem Phosphamidon, einem neuen systemischen Insektizid. In: Cellular and Molecular Life Sciences (1961), Bd. 17, Nummer 11, S. 492–493.</ref>

Herstellung von Phosphamidon
Herstellung von Phosphamidon

Cis-trans-Isomerie

Phosphamidon unterliegt an der Oxobutendoppelbindung der cis-trans-Isomerie. Als Insektizid (Handelsprodukt) wird ein Isomerengemisch aus etwa 70 % (Z)-(cis)-Isomer und 30 % (E)-(trans)-Isomer eingesetzt.

Eigenschaften und Verwendung

Unter Normalbedingungen ist Phosphamidon eine klare, hellgelbliche, geruchlose Flüssigkeit. Es mischt sich mit vielen polaren organischen Lösungsmitteln und in jedem Verhältnis mit Wasser. Phosphamidon kann als Handelsprodukt brennbare Lösungsmittel enthalten, deren Einfluss die chemischen, physikalischen und auch toxikologischen Eigenschaften völlig verändern kann. Beim Erhitzen oder Verbrennen zersetzt sich der Stoff unter Bildung von Chlorwasserstoffen, Phosphoroxiden und Stickoxiden. Mit Basen reagiert Phosphamidon unter Hydrolyse. Metalle wie Aluminium, Eisen und Zinn werden angegriffen, gegen Säuren und in neutraler Lösung ist es stabil.

Phosphamidon wurde erstmals 1960 beschrieben und als systemisch wirkendes Insektizid eingeführt. Die Großproduktion als Insektizid wurde 1990 eingestellt, für wissenschaftliche Zwecke ist es weiterhin erhältlich.

Zulassung

Für die Staaten der Europäischen Union ist Phosphamidon nicht als Wirkstoff in Pflanzenschutzmitteln zugelassen.<ref>Verordnung (EG) Nr. 2076/2002 der Kommission vom 20. November 2002 zur Verlängerung der Frist gemäß Artikel 8 Absatz 2 der Richtlinie 91/414/EWG des Rates und über die Nichtaufnahme bestimmter Wirkstoffe in Anhang I dieser Richtlinie sowie den Widerruf der Zulassungen von Pflanzenschutzmitteln mit diesen Wirkstoffen (PDF)Vorlage:Abrufdatum.</ref> Auch in der Schweiz ist Phosphamidon wie in Österreich und Deutschland kein Wirkstoff in zugelassenen Pflanzenschutzmitteln.<ref name="PSM">Generaldirektion Gesundheit und Lebensmittelsicherheit der Europäischen Kommission: Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der EU-Pestiziddatenbank; Eintrag in den nationalen Pflanzenschutzmittelverzeichnissen der Schweiz, Österreichs und DeutschlandsVorlage:Abrufdatum</ref>

Toxizität

Als Phosphorsäureester ist Phosphamidon sehr toxisch für Mensch und Tier und damit hoch umweltgefährdend, besonders für die Wasserfauna. Von der WHO ist es in der Gefahrenklasse Ia („extrem gefährlich“ oder „extremly hazardous“) gelistet. Phosphamidon wirkt als Cholinesterasehemmer (Acetylcholinesterase (AChE) und Butyrylcholinesterase (BuChE)). Es wirkt toxisch bei Kontakt mit der Haut (Kontakt- und Nervengift), bei Inhalation und oraler Aufnahme. Durch Speicherung in Fett und Gehirn kann eine Langzeitwirkung hervorgerufen werden, abhängig von Dosis, Gentyp und Zusatzgiften. Die LD50 p.o. (per os, oral) liegt für Mäuse bei 13 mg/kg, für Ratten bei 20 mg/kg.<ref name=TOX1960/>

Literatur

  • R. Jacques, Hugo J. Bein: Toxikologie und Pharmakologie eines neuen systemisch wirksamen Insektizids der Phosphorsäureester-Reihe, Phosphamidon (2-Chlor-2-diäthylcarbamoyl-1-methylvinyl-dimethylphosphat). In: Archiv für Toxikologie (1960) 18, S. 316–330.
  • R. Jacques, Hugo J. Bein: Toxicology and pharmacology of a new systemic phosphoric acid ester insecticide phosphamidon (2-chloro-2-diethylcarbamoyl-1-methylvinyl dimethyl phosphate). In: Archiv für Toxikologie (1960) 18, S. 316–330.
  • Fritz Bachmann: Phosphamidon, a new phosphate ester with systemic action. In: Proc. Intern. Cong. Crop. Protection, 4. Kongress, Hamburg 1960; Bd. 2, S. 1153–1155.
  • S. Gitelson, J. T. Davidson, A. Werczberger: Phosphamidon poisoning. In: British Journal of Industrial Medicine (1965) 22, S. 236–239.

Weblinks

Einzelnachweise

<references/>

Vorlage:Hinweisbaustein