Helena Rasiowa
Helena Rasiowa, eigentlich Helena Raś (* 20. Juni 1917 in Wien, Österreich-Ungarn, als Helena Bączalska; † 9. August 1994 in Warschau, Polen) war eine polnische Mathematikerin und Logikerin, Professorin an der Warschauer Universität und an der Polnischen Akademie der Wissenschaften. Sie beschäftigte sich mit Logik, Mengenlehre, Algebra – insbesondere Boolesche Algebra – und Theoretische Informatik.
Leben
Helena Rasiowa wurde in einer polnischen Familie in Wien geboren. Ihr Vater, Wiesław Gozdawa-Bączalski, arbeitete damals als Bahnspezialist.<ref name="JankowskiSkowron">Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref> Die Familie zog nach Polen um, nachdem das Land 1918 seine Unabhängigkeit wiedererlangt hatte.<ref>Rafał Natorski: Helena Rasiowa. Najwybitniejsza polska matematyczka. In: WP Kobieta. 21. Juni 2016, abgerufen am 21. August 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Sie ließen sich in Warschau nieder und der Vater bekam eine Stelle bei der Eisenbahn. In Warschau besuchte sie die von Aniela Werecka geführte Oberschule und zusätzlich die Musikschule. Nach der Oberschule absolvierte Helena Rasiowa einen Kurs in Wirtschaft und Verwaltung.<ref>Tomasz Grębski: Rasiowa Helena. In: The Mathteacher. Portal Matematyczny. Abgerufen am 24. August 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> 1938 nahm sie ein Mathematikstudium an der Warschauer Universität auf, das sie nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs abbrechen musste. Sie verbrachte zusammen mit ihrer Familie ein Jahr des Krieges in Lemberg. Dann kehrte sie nach Warschau zurück, wo sie ihre Ausbildung an den geheimen Lehrveranstaltungen begann, die von den Dozenten der Warschauen Universität (unter anderem Karol Borsuk, Jan Łukasiewicz und Andrzej Mostowski) organisiert wurden.
Ihre erste Magisterarbeit, die sie unter der Leitung von Jan Łukasiewicz und Bolesław Sobociński schrieb, verbrannte im Warschauer Aufstand. Rasiowa überlebte den Aufstand im Keller eines ruinierten Wohnhauses zusammen mit ihrer Mutter.<ref>Journalisten des Portals Onet Kobieta: „Mógłbym opowiedzieć o niej kilka siarczystych anegdotek“. Kim była królowa polskiej matematyki? In: Onet Kobieta. Abgerufen am 25. August 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Wiktor Bartol, Ewa Orłowska, Andrzej Skowron: Helena Rasiowa, 1917-1994. In: auf einer Seite der Universität Warschau. Abgerufen am 25. August 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Nach dem Krieg arbeitete sie kurz als Mathematiklehrerin, aber Andrzej Mostowski überzeugte sie, ihr Studium wieder aufzunehmen. Sie schrieb eine zweite Magisterarbeit, dieses Mal unter der Leitung von Andrzej Mostowski, und verteidigte sie 1945. Im nächsten Jahr begann sie ihre Arbeit als Assistentin an der Warschauer Universität. 1950 promovierte sie mit einer Dissertation, die ebenfalls unter der Leitung von Andrzej Mostowski entstanden war. Die Arbeit betraf die algebraischen Methoden in der Logik. 1956 wurde sie Doktor der Wissenschaften (das Äquivalent der Habilitation). Ein Jahr später begann sie ihre Arbeit als außerordentliche Professorin an der Warschauer Universität und 1967 verlieh ihr der Staatsrat den wissenschaftlicher Titel eines Professors.
Helena Rasiowa war in der Polnischen Mathematischen Gesellschaft aktiv tätig, in den Jahren 1955–1957 als Sekretärin, und in den Jahren 1958–1959 als Vizepräsidentin.
Sie war fünfzehn Jahre lang Dekanin an der Warschauer Universität (1958–1960, 1962–1966, 1968–1978). Während ihrer Amtszeit wurde der Name ihrer Fakultät einige Mal geändert. Zunächst lautete er Fakultät für Mathematik und Physik, seit 1968 dann die Fakultät für Mathematik und Mechanik und schließlich, seit 1975, Fakultät für Mathematik, Informatik und Mechanik.<ref></ref> Sie war Delegierte im Senat der Warschauer Universität, wissenschaftliche Sekretärin des Komitees für Mathematikwissenschaften der Polnischen Akademie der Wissenschaften und danach Mitglied des Präsidiums des Komitees.
In den 1970er Jahren war ein Teil ihrer Tätigkeit der theoretischen Informatik gewidmet. Sie gründete 1977, zusammen mit Zdzisław Pawlak, eine Zeitschrift Fundamenta Informaticae, die dank ihrer intensiven Arbeit internationale Bedeutung erlangte.
Helena Rasiowa war Hochschullehrerin für viele Studenten und Wissenschaftler. Sie betreute ungefähr 20 Doktoren. Die meisten von ihnen wurden Hochschullehrer sowohl in Polen als auch im Ausland. Unter ihren Doktoranden waren: Michael Bleicher (1961), Vladimir G. Kirin (1966), Andrzej Salwicki (1969), Nguen Cat Ho (1971), Cecylia Rauszer (1971), Ewa Orłowska (1971), Grażyna Mirkowska (1972), Maria Semeniuk-Polkowska (1972), Wiktor Bartol (1973), Antoni Kreczmar (1973), Jerzy Tiuryn (1975), Lech Banachowski (1975), Anita Wasilewska (1975), Michał Krynicki (1976), Bolesław Szymański (1976), Dimiter Vakarelov (1977), Bogdan Sabalski (1977), Halina Przymusińska (1979), Leszek Rudak (1986). Sie war Autorin des Buches Wstęp do matematyki współczesnej, das die Grundlagen der Logik und Mengenlehre behandelt und das grundlegende Lehrbuch dieser Fächer für viele Generationen von Studierenden wurde. Das Buch wurde ins Englische übersetzt und unter dem Titel Introduction to Modern Mathematics veröffentlicht.
Forschung
Die Forschung von Helena Rasiowa konzentrierte sich auf die Anwendungen algebraischer, topologischer und mengentheoretischer Methoden im Bereich der Logik.<ref></ref> Sie lieferte zusammen mit Roman Sikorski den ersten Beweis des gödelschen Vollständigkeitssatzes, der mittels algebraischer Methoden durchgeführt wurde. Einen wichtigen Höhepunkt ihrer Arbeiten war eine Monographie The Mathematics of Metamathematics, die sie zusammen mit Roman Sikorski 1963 veröffentlichte. Diese Zusammenarbeit brachte unter anderem ein bekanntes Lemma von Rasiowa-Sikorski hervor. Das Buch enthielt eine systematische und umfassende Darstellung der Ergebnisse zu Algebren die als Grundlage für logische Kalküle dienen, insbesondere für klassische, intuitionistische, modale und positive Logiken.<ref name="JankowskiSkowron"></ref>
Eine andere bekannte Monographie von Helena Rasiowa war das Buch „Algebraic Approach to Non-Classical Logics“. Sie führte die Themen aus dem Buch mit Sikorski weiter, die nichtklassische Logiken betrafen. Das Ziel des Buchs war es, möglichst weit gefasste Klasse von Logiken zu identifizieren, für die eine allgemeine algebraische Theorie entwickelt werden kann.
Ihre Erfahrungen im Bereich der Logik führten später dazu, dass sie sich in der Forschung den logischen Grundlagen der Informatik, und insbesondere der Algorithmik und Künstlichen Intelligenz widmete.
Privatleben
Sie heiratete 1937 Stanisław Raś.<ref>Anna Brożek (Text), Alicja Chybińska (Redakteur), Alicja Brożek (Grafik): Women from in the Lvov-Warsaw school. Der Ausstellungskatalog. Abgerufen am 31. August 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Sie hatte zwei Kinder, den Sohn Zbigniew Raś und die Tochter Krystyna Kijewska.<ref name="JankowskiSkowron"></ref> Der Sohn trat in die Fußstapfen seiner Mutter und beschäftigte sich mit Algebra und Informatik. Er wurde 1973 mit der Arbeit „Algebraiczne własności semi-programów w maszynach adresowych stałoprogramowych“ promoviert und später wurde er Professor an der University of North Carolina at Charlotte.<ref>Zbigniew W. Raś. Instytut Informatyki, Wydział Elektroniki i Technik Informacyjnych, Politechnika Warszawska, abgerufen am 31. August 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Zbigniew Wieslaw Ras ( vom 15. Juli 2020 im Internet Archive)</ref> Sie wurde Franziskanische Terziarin.<ref name="JankowskiSkowron"></ref> Helena Rasiowa wurde auf dem Powązki-Friedhof beigesetzt.<ref>Powązki-Friedhof: BĄCZALSCY. Cmentarz Stare Powązki. In: Warszawskie Zabytkowe Pomniki Nagrobne. Abgerufen am 31. August 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Schriften
Ehrungen und Mitgliedschaften
- Stefan-Mazurkiewicz-Preis der Polnischen Mathematischen Gesellschaft (1963)
- Ritterkreuz und Offizierskreuz des Ordens Polonia Restituta
Einzelnachweise
<references />
Weblinks
- Deutschsprachige
- Helena Rasiowa (1917 – 1994). In: Philosophenlexikon.de. Abgerufen am 31. August 2025.
- Polnischsprachige
- Bartłomiej Uzar: Miłośniczki Mądrości: Helena Rasiowa. Logika i sztuczna inteligencja. In: Centrum Kopernika Badań Interdyscyplinarnych – Uniwersytet Jagielloński (CKBI UJ), Kanal „Copernicus“ na YouTube. 12. Juli 2025, abgerufen am 31. August 2025.
- Englischsprachige
- John J. O’Connor, Edmund F. Robertson: Helena Rasiowa. In: {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) (englisch).
- Wiktor Bartol, Ewa Orłowska, Andrzej Skowron: HELENA RASIOWA, 1917 - 1994. In: auf einer Seite der Fakultät der Mathematik, Informatik und Mechanik, Warschauer Universität. Abgerufen am 31. August 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Rasiowa, Helena |
| ALTERNATIVNAMEN | Raś, Helena (wirklicher Name); Bączalska, Helena (Geburtsname) |
| KURZBESCHREIBUNG | polnische Mathematikerin und Logikerin |
| GEBURTSDATUM | 20. Juni 1917 |
| GEBURTSORT | Wien, Österreich-Ungarn, |
| STERBEDATUM | 9. August 1994 |
| STERBEORT | Warschau, Polen |