Gustav Ehrhart
Gustav Ehrhart (* 21. Dezember 1894 in Ludwigshafen am Rhein; † 11. Dezember 1971 in Mainz)<ref>Gustav Ehrhart. In: gutenberg-biographics.ub.uni-mainz.de. Abgerufen am 15. Dezember 2025.</ref> war ein deutscher Chemiker. Zusammen mit Max Bockmühl synthetisierte er als Erster das opioide Analgetikum Methadon.
Werdegang
Ehrhart studierte in Heidelberg Chemie mit dem Schwerpunkt Organische Chemie. Sein Studium wurde durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen, an dem er als Artillerie-Offizier teilnahm.<ref name="PMID20506765" /> Nach Kriegsende nahm er das Studium wieder auf und wurde 1922 zum Dr. phil. promoviert. Einer seiner Professoren war Theodor Curtius. Für seine Dissertation erhielt Ehrhart den Victor-Meyer-Preis.<ref>Prof. Dr. phil. Dr. Dr. h.c. Gustav Ehrhart wurde 75 Jahre. In: Der praktische Tierarzt. Band 51, 1970, S. 64.</ref> 1923 ging er zur Farbwerke Hoechst AG. Zwei Jahre später wurde er Stellvertreter von Max Bockmühl, der Leiter des pharmazeutisch-wissenschaftlichen Labors des Unternehmens war.
Seit April 1934 gehörte er zwei Jahre der SA an, am 29. Juni 1937 beantragte er die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. Mai desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 4.376.514).<ref>Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/7451088</ref> Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er 1949 als Nachfolger von Bockmühl Leiter der gesamten Pharmaforschung der Hoechst AG. 1951 wurde er stellvertretendes Mitglied des Vorstandes und zwei Jahre später ordentliches Vorstandsmitglied der Hoechst AG. Auch während seiner Zeit im Vorstand der Hoechst AG und nach seinem Ausscheiden 1961 hatte Ehrhart ein Laboratorium, das er persönlich betreute.<ref name="bartmann">W. Bartmann: Zwischen Tradition und Fortschritt. Aus der Geschichte der Pharmabereiche von Bayer, Hoechst und Schering von 1935–1975. (PDF; 2,3 MB) Dissertation, Johann Wolfgang Goethe-Universität, 2001, S. 245.</ref>
Ehrungen
Ehrhart war Ehrendoktor der Universitäten Graz<ref>Österreichisches Ehrendoktorat für Professor Ehrhart. In: Der praktische Tierarzt. Band 51, 1970, S. 390.</ref> Mainz, Frankfurt, Stuttgart und Gießen.<ref name="PMID20506765">R. J. Defalque, A. J. Wright: The early history of methadone. Myths and facts. In: Bulletin of Anesthesia History. Band 25, Nummer 3, Oktober 2007, S. 13–16, ISSN 1522-8649. doi:10.1016/S1522-8649(07)50035-1. PMID 20506765.</ref> 1952 wurde Ehrhart die Adolf-von-Baeyer-Denkmünze überreicht und 1970 wurde ihm das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland verliehen.<ref>Großes Verdienstkreuz für Prof. Dr. Dr. h.c. Gustav Ehrhart. In: Der praktische Tierarzt. Band 51, 1970, S. 258.</ref>
Werk
Der Arbeitsschwerpunkt von Ehrhart war die Entwicklung neuer Analgetika (Schmerzmittel). Herausragend ist dabei die Entwicklung von Methadon, das Ehrhart zusammen mit seinem Chef Bockmühl 1939 erstmals synthetisierte.
Im Winter 1937/38 begannen Ehrhart und Bockmühl mit der Synthese von über 300 Verbindungen, die als zentrales Strukturelement Diphenylmethan haben.<ref>G. Ehrhart, O. Schaumann: Polamidon, ein neues, stark wirkendes Analgetikum. In: Med Monatsschr. Band 3, 1949, S. 605–606.</ref> Ende 1939 erhielten sie die Verbindung (±)-6-Dimethylamino-4,4-diphenylheptan-3-on die den Entwicklungscode VA 10820 erhielt. In ersten Tierversuchen stellten Ehrhart und Bockmühl fest, dass VA 10820 eine fünf- bis zehnfach stärkere analgetische Wirkung als Pethidin hat.<ref>M. Bockmühl, G. Ehrhart: Über eine neue Klasse von spasmolytisch und analgetisch wirkenden Verbindungen (I). In: Liebig Ann Chem. Band 561, 1949, S. 52–85.</ref> VA 10820 erhielt dann Mitte 1941 den generischen Namen Amidon.<ref name="PMID20506765" /> Ein Patent<ref>M. Bockmühl, G. Ehrhart: Verfahren zur Darstellung von basischen Estern. Deutsches Reichspatent Nr. 711069, Anmeldedatum: 11. September 1938, Veröffentlichung: 25. September 1941.</ref> meldeten Bockmühl und Ehrhart bereits am 11. September 1938 für die gesamte Stoffklasse an.<ref name="PMID15409516">P. O. Wolff: On pethidine and methadone derivatives. In: Bulletin of the World Health Organization. Band 2, Nummer 2, 1949, S. 193–204, ISSN 1564-0604. PMID 15409516. PMC 2553950 (freier Volltext).</ref> Durch die Wirren des Zweiten Weltkriegs wurde Amidon nicht weiter klinisch getestet. Im Rahmen der Patent- und Vorschriftenenteignung der I.G. Farben kam VA 10820 in die Vereinigten Staaten. 1947 erhielt VA 10820 den Freinamen Methadon bzw. in den USA Methadone. Im gleichen Jahr erfolgte von Eli Lilly die Markteinführung unter dem Markennamen Dolophine. Im Januar 1949 konnte die nach der Auflösung der I.G. Farben neu gegründete Hoechst AG mit dem Forschungsleiter Ehrhart Methadon unter dem Markennamen Polamidon als stark wirkendes Schmerzmittel selbst auf den Markt bringen.<ref>E. M. Stoya: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Der Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein. In: Die PTA IN DER APOTHEKE. 11, 2011, S. 20.</ref>
Veröffentlichungen (Auswahl)
- mit Heinrich Ruschig (Hrsg.): Arzneimittel. Entwicklung, Wirkung, Darstellung, 2 Bände, Verlag Chemie, Weinheim 1968;
- H. Alpermann, G. Ehrhart: Arzneimittel: Entwicklung, Wirkung, Darstellung. Band 1, Verlag Chemie, 1973, ISBN 3-527-25375-0.
- E. Bäumler, G. Ehrhart, V. Muthesius: Ein Jahrhundert Chemie. Econ Verlag, 1963.
Weiterführende Literatur
- E. Lindner: Zum 75. Geburtstag von Professor Dr. Gustav Ehrhart. In: Arzneimittel-Forschung. Band 19, Nummer 12, Dezember 1969, S. 2030, ISSN 0004-4172. PMID 4908264.
Weblinks
- G. Ehrhart: Some New Analgesics and Antispasmodics. Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC)
- Gustav Ehrhart im Mainzer Professorenkatalog
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Ehrhart, Gustav |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Chemiker |
| GEBURTSDATUM | 21. Dezember 1894 |
| GEBURTSORT | Ludwigshafen am Rhein |
| STERBEDATUM | 11. Dezember 1971 |
| STERBEORT | Mainz |
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- Person (I.G. Farben)
- Chemiker (20. Jahrhundert)
- Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes
- Ehrendoktor der Universität Graz
- Ehrendoktor der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
- Ehrendoktor der Goethe-Universität Frankfurt am Main
- Ehrendoktor der Universität Stuttgart
- Ehrendoktor der Justus-Liebig-Universität Gießen
- SA-Mitglied
- NSDAP-Mitglied
- Deutscher
- Geboren 1894
- Gestorben 1971
- Mann
- Entwickler eines Medikaments