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A. Molling & Comp.

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Datei:Th Kirsten - Die Umbildung der Chromolithographie (1913) Ausschnitt aus Frontispiz.jpg
Um 1913: Linolschnitt-artige Skizze des Geländes und der Gebäude des Druck- und Verlagshauses am Schneiderberg

Die Lithographische Kunst- und Verlags-Anstalt Hannover A. Molling & Comp.<ref name="DNB">Deutsche Nationalbibliothek</ref> war eine international tätige Druck- und Verlagsgesellschaft in Hannover<ref name="Ausstellungsflyer">Edel Sheridan-Quantz: Lust und Scherz für’s Kinderherz. Von Hannover in die Welt. Faltblatt zur Ausstellung (siehe Weblinks).</ref> und Berlin.<ref name="Köln 1914">siehe dieses Plakat nach einem Entwurf von Peter Behrens.</ref>

Geschichte

Datei:Deutsche Werkbund-Ausstellung Kunst in Handwerk, Industrie und Handel Architektur Köln 1914 Oct. Peter Behrens A. Molling & Comp. KG Hannover Berlin.jpg
Plakat für eine Ausstellung des Deutschen Werkbundes 1914 in Köln; Entwurf: Peter Behrens; Lithographie/Steindruck:
A. Molling & Comp. KG Hannover-Berlin

Der jüdische Bankier Adolf Molling<ref name="Ausstellungsflyer" /> (20. November 1830 bis 9. Oktober 1894)<ref name="Thomas Krakauer">Thomas Krakauer: Family Portrait. History and Genealogy of the Gottschalk, Molling and Benjamain Families from Hannover, Germany. Durham, North Carolina 1995, S. 83; Todesanzeige für Adolf Molling. In: Hannoverscher Kurier, 11. Oktober 1894.</ref> gründete 1887 sein Unternehmen A. Molling & Comp. Mit einem eigenen Druckereigebäude am Schneiderberg in der Nordstadt war es bald eine der größten Druckereien in Hannover. Produziert wurden anfangs unter anderem „Plakate, Postkarten, Grußkarten, Zeitschriften, Verpackungen sowie Bilder- und Malbücher“, und ab circa 1900 verlegte die Gesellschaft auch eigene Kinderbücher.<ref name="Ausstellungsflyer" />

Spätestens 1901 wurde die Firma in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt, wie der Druckvermerk einer Dissertation belegt.<ref>Ludwig Hans Heynemann: Ueber das Hydrazid der Pyrazol--3,4,5--Tricarbonsäure. Dissertation, Universität Heidelberg, 1901, S. 1</ref> Von 1906 bis 1917 war Adolf Mollings Enkel Franz Rosenberg (1879–1934) Teilhaber des Unternehmens. Er reiste in jenen Jahren mehrfach mit dem Schiff nach New York.<ref>Leipziger Jahrbuch zur Buchgeschichte. Otto Harrassowitz (in Kommission), Leipzig 2010, S. 209, 242, 244; eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.</ref>

Kurz nach der Jahrhundertwende meldete Molling & Comp. ein Patent an: „Mit Reklamedruck versehener immerwährender Kalender in Verbindung mit einer farbigen Kalender-Rückwand“ lautete die Eintragung beim Kaiserlichen Patentamt 1903.<ref>Patentanmeldung M 16006 im Patentblatt, herausgegeben von dem Kaiserlichen Patentamt. Band 27. C. Heymanns Verlag, 1903, S. 1703; online als Snippet-Ansicht über Google-Bücher.</ref>

„Verlagsartikel in der ganzen Welt vertreten“, warb Molling 1904 in einem eigenen Katalog. Nachdem Molling & Comp. für das international tätige Londoner Unternehmen Raphael Tuck & Sons Bücher gedruckt hatte, wurden dessen Motive bald auch für eigene Buchproduktionen genutzt.<ref name="Ausstellungsflyer" />

In der Zeitschrift Die Woche bewarb das Unternehmen 1912 seine

„Reiche Auswahl an originellen und künstlerischen Mal- und Bilderbüchern nach Originalen namhafter Künstler.“<ref name="Ausstellungsflyer" />

Datei:1912 A. Molling & Comp. Los Deutsche Antarktische Expedition.jpg
Lotterie-Los für die Zweite Deutsche Antarktisexpedition mit der Deutschland und der faksimilierten Unterschrift des Expeditionsleiters Wilhelm Filchner; um 1912
Datei:A. Molling & Comp. Comm.-Ges. PC Gruß aus dem Restaurant Königs-Worth Hannover C. Halberstadt Bildseite Eingang Andertensche Wiese Eingang Bühlstraße Lithografie.jpg
Lithografierte Ansichtskarte aus dem Verlag A. Molling & Comp. Comm. Ges.
Motiv Restaurant Königsworth, Brühlstraße / Andertensche Wiese, befördert 1911
Datei:Klostergang, Künstler-Steinzeichnung von Ernst Jordan, Druck von A. Molling & Comp. KG Hannover, Blick auf den Beginenturm, Künstlersignatur.jpg
Klostergang“ mit Beginenturm;
Steindruck von Ernst Jordan, um 1920

Die Illustrationen für die Bilderbücher des Verlages stammten von Grafikern wie etwa Walther Caspari, Hanns Anker, Hellmut Eichrodt, Eugen Osswald oder Heinrich Eduard Linde-Walther. In der Druckerei Molling arbeitete Kurt Schwitters gemeinsam mit der Künstlerin Käthe Steinitz an der Gestaltung seiner Märchen vom Paradies, sammelte „im Keller des imposanten Druckereigebäudes […] Fehldrucke für seine Kunstwerke“.<ref name="Ausstellungsflyer" />

Auch traditionsbewußte, ja konservative Künstler wie etwa Ernst Jordan ließen bei Molling produzieren.<ref>Hugo Thielen: Jordan (2), Ernst Pasqual. In: Dirk Böttcher, Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein, Hugo Thielen: Hannoversches Biographisches Lexikon. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2002, ISBN 3-87706-706-9, S. 189; online über Google-Bücher.</ref><ref>Vergleiche diese Untertitelungen des Steindrucks von Molling.</ref>

Spätestens 1914 betrieb das Unternehmen eine Zweigstelle in Berlin, wie der Zudruck auf einem Plakat für die Ausstellung des Deutschen Werkbundes in Köln belegt.<ref name="Köln 1914" /> Die Firma hielt bedeutende Aktien-Anteile an der Lithographisch-Artistischen Anstalt München, vorm. Gebrüder Obpacher AG und war mit zwei Sitzen in deren Aufsichtsrat vertreten.<ref>Zeitschrift für Unternehmensgeschichte. Hrsg. von der Gesellschaft für Unternehmensgeschichte, Bde. 24–25, F. Steiner Verlag, 1979, S. 186; Snippet.</ref>

1920 druckte die A. Molling Comp. das im Januar des Jahres erschienene „Hannoverheft“ der Zeitschrift Das Plakat. Zeitschrift des Vereins der Plakatfreunde e. V. mit dem Titelbild von Ferdy Horrmeyer.<ref>Vergleiche das Digitalisat des Heftes.</ref>

Auch nach dem Tod des Firmengründers blieb das Unternehmen international ausgerichtet: So gehörte zum Verlagsprogramm eine Serie von zehn Märchenbüchern, die teilweise in mehreren Sprachen erschienen und so ihre internationale Verbreitung fanden (bis Anfang 2012 wurden Verlagsprodukte in neun verschiedenen Sprachen nachgewiesen). „Auch in der für jüdische Betriebe äußerst schwierigen Zeit des Nationalsozialismus versuchte A. Molling & Comp. diese internationale Produktion aufrechtzuerhalten“. Doch nach der „Arisierung“ der Druckerei 1939 und der erzwungenen Emigration der Inhaber geriet das Unternehmen beinahe in völlige Vergessenheit: „Selbst die Nachkommen der Familie wussten bislang wenig über die Firma“.<ref name="Ausstellungsflyer" />

Ausstellungen

  • In einer Ausstellung vom 18. Januar bis zum 15. April 2012 (siehe das Ausstellungs-Faltblatt bei den Weblinks) präsentierte das Historische Museum Hannover „eine von der Forschung bisher wenig beachtete Serie von zehn Märchenbüchern [… als] Bilderbuchkunst in großem Format und bester Qualität […] zum ersten Mal zusammen“. Zum Programm gehörten auch Führungen.<ref name="Ausstellungsflyer" />

Werke (unvollständig)

Kinderbücher

Den Auftakt zu der Kinderbuch-Serie von A. Molling & Co. bildete<ref name="nobilis.de">KULTURpur: Lust und Scherz für’s Kinderherz.</ref>

  • Aschenbrödel,<ref name="Ausstellungsflyer" /> mit Illustrationen von Hanns Anker<ref name="nobilis.de" />
  • Lust und Scherz für's Kinderherz, Text von Marie Ille-Beeg, gemalt von W. Zirges
  • Vom dicken fetten Pfannekuchen (6 Blatt, überwiegend illustriert von Heinrich-Eduard Linde-Walther, 34 cm, mit Frakturschrift), ohne Jahr (1920)<ref name="DNB" />
  • Ein Streifzug durch Ostasien<ref name="Ausstellungsflyer" />
  • Kling-Klang. Das tönende Bilderbuch<ref name="Literatur">siehe Literatur.</ref>
  • Das Reich der Kinder<ref name="Literatur" />
  • Dideldumdei, 16 farb. Bildern von Linde-Walther. Mit Versen von L. Linde (1921)<ref name="Molling & Co.">Angaben der Deutschen Nationalbibliothek.</ref>
  • Karl Rohr: Beim Osterhasen, [Eingedrückte farbige] Bilder und Reime [auf Pappe, ausgestanzt]<ref name="Molling & Co." />
  • Gullivers Reisen von Jonathan Swift
  • Der Streik der Tiere von Max Brinkmann und Frank Jüttner

Verschiedene

  • Hans Kaiser (Hrsg.): Das Hohe Ufer, spätexpressionistische Monatszeitschrift, Verlag Ludwig Ey, Jhrg. 1919–1920<ref>Das hohe Ufer. 1969 (google.de [abgerufen am 5. Februar 2026]).</ref>
  • Hans Borth: Deutsche Schiffahrt in Wort und Bild, Hannover 1902, Verlag A. Molling & Co.<ref>Nauticus: Jahrbuch für Seefahrt und Weltwirtschaft. E. S. Mittler., 1903 (google.de [abgerufen am 5. Februar 2026]).</ref>

Literatur

  • Edel Sheridan-Quantz: A. Molling & Comp. und „Kling-Klang. Das tönende Bilderbuch“ – Ausklang einer Firmengeschichte. In: Aus dem Antiquariat, Heft 6/2011.
  • Edel Sheridan-Quantz: „Das Reich der Kinder“ – Bilderbücher des Molling-Verlags, Hannover. In: Hans-Peter Schramm (Hrsg.): Hannoverscher Bibliophilen Abend – 51. bis 75. Abend, 2011, S. 50–61.
  • Edel Sheridan-Quantz: Aschenbrödel reist um die Welt – Mollings Märchenbücher. In: Imprimatur. Jahrbuch für Bücherfreunde, Bd. 22, 2011, S. 63–102.
  • Edel Sheridan-Quantz: “Our publications are available worldwide”: A forgotten German printer and his global connections 1887–1939. (in englischer Sprache), in: Chimera, No. 26, Geographical Journal of the University College Cork, S. 38–51; online
  • Thomas Krakauer: Family portrait: history and genealogy of the Gottschalk, Molling, and Benjamin families from Hannover, Germany (englisch), 1995; Vorschau über Google-Bücher

Weblinks

Commons: A. Molling & Comp. – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise und Anmerkungen

<references />

Koordinaten: 52° 23′ 15″ N, 9° 42′ 53″ O

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