Nachruf
Ein Nachruf, auch Nekrolog genannt, ist eine in der Regel mündliche oder schriftliche Würdigung des Lebens und der Leistungen einer vor kurzem verstorbenen Person. Nachrufe auf bekannte Persönlichkeiten erscheinen in Printmedien, in digitalen Medien und im Hörfunk.
Medienunternehmen halten Nachrufe auf prominente Personen schon zu deren Lebzeiten bereit, um im Todesfall schnell reagieren zu können (ein Beispiel sind die vorproduzierten Nachrufe der ARD in der XY-Liste).
Etymologie
Das Verb nachrufen ist seit Kaspar von Stieler belegt,<ref>Kaspar von Stieler: Der Teutschen Sprache Stammbaum und Fortwachs. 1630.</ref> er umschreibt es {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value). Für das Nomen Nachruf ist keine frühere Quelle bekannt als Philipp von Zesens „Hoch-deutscher Helikon“,<ref>Philipp von Zesen: Zum dritt- und letzten mahle ausgefärtigter Hoch-deutscher Helikon. 1649.</ref> er verwendet es jedoch abweichend von Stieler zur Verdeutschung des Fremdwortes „Echo“.<ref>Hoch-deutscher Helikon, Anzeiger der fremden Wörter [unpaginiert]: „Echo[:] Tahlmunde / widerschal / gegenhal / nachruf [Hervorhebungen durch Bearbeiter], Nachhall / widerruf.“</ref>
In den Gedichten von Johann Christian Günther tritt „Nachruf“ häufiger auf, bei ihm hat es die Bedeutung „Nachruhm“,<ref>Schweidnitz 1710–1715 Zeile „Dein Nachruf nennt die Sterne seine Brüder.“ oder „Dein Nachruf wird durch sie einst bey den Sternen stehen.“ Vorlage:Zeno.org</ref> die im Wörterbuch erst bei Johann Christoph Adelung erscheint.<ref>Vorlage:Adelung-1793</ref> Joachim Heinrich Campe vermerkt in seinem „Wörterbuch der deutschen Sprache“ (2. Auflage 1813) zusammengefasst folgende Bedeutungen von „Nachruf“: (1) einen Ruf an eine sich entfernende Person oder Sache; (2) „einen Ruf, welchen man nach seiner Entfernung, seinem Tode an andere zurückläßt“ (Text des Verstorbenen!); (3) Synonym von „Nachruhm“ (wie Adelung).
Erst Mitte des 19. Jahrhunderts löste sich das Wort aus diesen historischen Bezügen und drang als Ersatzwort für Nekrolog (ein über einen Verstorbenen verfasster Text) durch,<ref>Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 18. Auflage. Bearb. von Walther Mitzka. De Gruyter, Berlin 1960.</ref> für das es vorher keine allgemein anerkannten Verdeutschungsvorschläge gab. Als Nekrolog wurden im Mittelalter außerdem Totenverzeichnisse bezeichnet.
Alle übrigen Bedeutungsinhalte des Substantivs (Zesen, Günther, Campe) sind durch den Bedeutungswandel weitgehend verloren.<ref>Günther Drosdowski (Hrsg.): DUDEN: Das große Wörterbuch der deutschen Sprache in 6 Bänden. 1976 ff.</ref>
Siehe auch
Literatur
- Ralf Georg Bogner: Der Autor im Nachruf. Formen und Funktionen der literarischen Memorialkultur von der Reformation bis zum Vormärz. Niemeyer, Tübingen 2006, ISBN 3-484-35111-X (= Studien und Texte zur Sozialgeschichte der Literatur, 111). Zugleich Habilitationsschrift, Universität Rostock 2005.
- Terence Kardong OSB: Das Leben des Anderen. Von der Kunst, einen Nekrolog zu schreiben. In: Erbe und Auftrag 2/2018, S. 146–155 (Inhaltsangabe).
- Harald Martenstein: Über Nachrufe. In: Zeitmagazin, Nr. 43/2015; Glosse.
Weblinks
Einzelnachweise
<references />