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Sulfadiazin

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
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Strukturformel
Struktur von Sulfadiazin
Allgemeines
Name Sulfadiazin
Andere Namen
  • 4-Amino-N-(pyrimidin-2-yl)benzensulfonamid (IUPAC)
  • N1-(Pyrimidin-2-yl)sulfanilamid
  • Sulfapyrimidin
Summenformel C10H10N4O2S
Kurzbeschreibung

Kristallines, weiß bis gelblich weißes oder hellrosa Pulver<ref name="EP9.0" />

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer Vorlage:CASRN
EG-Nummer 200-685-8
ECHA-InfoCard 100.000.623
PubChem 5215
ChemSpider 5026
DrugBank DB00359
Wikidata [[:d:Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)|Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)]]
Arzneistoffangaben
ATC-Code

J01EC02,QJ01EQ10

Wirkstoffklasse

Sulfonamid

Eigenschaften
Molare Masse 250,28 g·mol−1
Aggregatzustand

Fest

Schmelzpunkt

252–256 °C<ref name="römpp" />

pKS-Wert

6,5 (25 °C)<ref name="Clarke's2011" />

Löslichkeit

Praktisch unlöslich in Wasser, schwer löslich in Aceton, sehr schwer löslich in Ethanol 96 %, löslich in Alkalihydroxid-Lösungen und verdünnten Mineralsäuren.<ref name="EP9.0" />

Sicherheitshinweise
Bitte die Befreiung von der Kennzeichnungspflicht für Arzneimittel, Medizinprodukte, Kosmetika, Lebensmittel und Futtermittel beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung<ref name="Sigma">Datenblatt Vorlage:Linktext-Check bei Sigma-AldrichVorlage:Abrufdatum (PDF).</ref>
Datei:GHS-pictogram-exclam.svg Datei:GHS-pictogram-silhouete.svg

Gefahr

H- und P-Sätze H: 302​‐​315​‐​317​‐​319​‐​334​‐​335
P: 261​‐​280​‐​284​‐​304+340​‐​342+311<ref name="Sigma" />
Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa).

Sulfadiazin ist ein antiparasitär und bakteriostatisch wirksamer Arzneistoff aus der Gruppe der Sulfonamide. Dort gehört er zu den Pyrimidin-Sulfonamiden, die ab etwa 1946 im Markt eingeführt wurden.<ref name="auterhoff" /> Es ist oral wirksam, wird rasch im Magen-Darm-Trakt resorbiert und zählt mit einer Plasmahalbwertszeit von 8 bis 17 Stunden<ref name="mutsch" /> zu den mittellang wirksamen Sulfonamiden.

Medizinische Verwendung

Angezeigt ist Sulfadiazin zur Behandlung der Toxoplasmose beim Menschen in Kombination mit Pyrimethamin.<ref name="mutsch" /><ref name="heyl" /> Die Wirkung entsteht durch die strukturelle Verwandtschaft mit der p-Aminobenzoesäure und der dadurch bedingten Hemmung der Folsäuresynthese der Erreger. Als sehr seltene, schwere Nebenwirkungen wurden das Auftreten des Stevens-Johnson-Syndroms (SJS) und der Agranulozytose beobachtet.<ref name="heyl" />

Das wasserlösliche Sulfadiazin-Natrium<ref>Externe Identifikatoren von bzw. Datenbank-Links zu Sulfadiazin-Natrium: CAS-Nr.: Vorlage:CASRN, EG-Nr.: 208-919-0, ECHA-InfoCard: Vorlage:ECHA, GESTIS: Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 273: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 273: attempt to index field 'wikibase' (a nil value), PubChem: 15899898, ChemSpider: 10565, DrugBank: Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 273: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 273: attempt to index field 'wikibase' (a nil value), Wikidata: Q27269521.</ref> ist nur für die parenterale Gabe geeignet. Eine unlösliche Form ist das Silbersulfadiazin, das in der lokalen Wundbehandlung angewendet wird.

In der Tiermedizin wird Sulfadiazin in Kombination mit Trimethoprim gegeben, um eine synergistische Wirkungsverstärkung zu erzielen.

Eigenschaften

Vor allem in saurer wässriger Lösung zersetzt sich Sulfadiazin, wobei die Sulfonamidbindung hydrolytisch gespalten wird. Es entstehen Sulfanilsäure und 2-Aminopyrimidin neben Sulfanilamid und Hydroxypyrimidin. Die Hydrolyse ist abhängig vom pH-Wert und der Temperatur. Lösungen des Natriumsalzes sind stark basisch und verfallen rasch.<ref name="vetpharm.uzh.ch" /><ref name="ABKomm" />

Sulfadiazin ist an der Luft stabil, durch Lichteinwirkung verfärbt es sich. Deshalb sollte es vor Licht geschützt, trocken und bei Raumtemperatur gelagert werden.<ref name="vetpharm.uzh.ch" /> Die Substanz ist durch trockenes Erhitzen auf 140 bis 150 °C über 1 bis 3 Stunden sterilisierbar.<ref name="ABKommZit" />

Der pKa beträgt 6,5 (bei 25 °C), der log P (dekadischer Logarithmus des Octanol-Wasser-Verteilungskoeffizienten) beträgt −1,3 (wässrige Phase: pH 7,5).<ref name="Clarke's2011" />

Synthese

4-Acetamidobenzolsulfonsäurechlorid wird mit 2-Aminopyrimidin zu N4-Acetylsulfadiazin kondensiert, das bei alkalischer oder saurer Hydrolyse zu Sulfadiazin deacetyliert wird.<ref name="Roblin1940" />

Letzte Stufen der Sulfadiazin-Synthese
Letzte Stufen der Sulfadiazin-Synthese

Eine alternative Synthese stellt die Umsetzung von Sulfaguanidin mit β-Dimethylaminoacrolein dar. Durch Ringschluss unter Abspaltung von Dimethylamin und Wasser entsteht unmittelbar Sulfadiazin.<ref name="ABKomm" />

Alternative Synthese für Sulfadiazin
Alternative Synthese für Sulfadiazin

Handelsnamen

Debenal (hist.), Sulfadiazin-Heyl (D)

Einzelnachweise

<references> <ref name="römpp"> Eintrag zu Sulfadiazin. In: Römpp Online. Georg Thieme VerlagVorlage:Abrufdatum</ref> <ref name="EP9.0"> European Pharmacopoeia 9.0, 2016, S. 3673. </ref> <ref name="auterhoff"> Harry Auterhoff: Lehrbuch der Pharmazeutischen Chemie, 9. Auflage 1977, WVG Stuttgart. S. 464.</ref> <ref name="heyl"> Fachinformation Sulfadiazin-Heyl 500 mg Tabletten, Heyl Chem.-pharm. Fabrik. Stand Dezember 2016.</ref> <ref name="mutsch"> G. Geisslinger et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen. 11. Auflage. WVG, Stuttgart 2019, S. 1019 f.</ref> <ref name="Roblin1940">R.O. Roblin, Jr., J.H. Williams, P.S. Winnek, J.P. English: Chemotherapy. II. Some sulfanilamide heterocycles. In: J. Am. Chem. Soc. Band 62, Nr. 8, 1940, S. 2002–2005, doi:10.1021/ja01865a027.</ref>

<ref name="ABKomm"> J. Haag: Sulfadiazin, Kommentar zum Europäischen Arzneibuch, Ph. Eur. 5.0. In: Arzneibuch-Kommentar. Wissenschaftliche Erläuterungen zum Arzneibuch. Loseblattsammlung, 23. Lieferung 2006, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart und Govi-Verlag – Pharmazeutischer Verlag, Eschborn.</ref>

<ref name="ABKommZit">ÖAB 1981, BP 1980, HELV 6 (zitiert nach: J. Haag: Sulfadiazin, Kommentar zum Europäischen Arzneibuch, Ph. Eur. 5.0. In: Arzneibuch-Kommentar. Wissenschaftliche Erläuterungen zum Arzneibuch. Loseblattsammlung, 23. Lieferung 2006, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart und Govi-Verlag – Pharmazeutischer Verlag, Eschborn).</ref>

<ref name="Clarke's2011"> Anthony C Moffat, M David Osselton, Brian Widdorp (Hrsg.): Clarke's Analysis of Drugs and Poisons. Fourth Edition Auflage. Pharmaceutical Press, London/Chicago 2011, ISBN 978-0-85369-711-4, S. 2075 f.</ref>

<ref name="vetpharm.uzh.ch"> Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check bei VetpharmVorlage:Abrufdatum</ref>

</references>

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