Zum Inhalt springen

Igor Levit

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 22. März 2026 um 21:53 Uhr durch imported>Thomas Dresler (Korrektur).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Datei:190514 KultAb 13 (cropped).jpg
Igor Levit (2019)

Igor Levit [<templatestyles src="IPA/styles.css" />ˈiɡɔʀ ˈlevɪt] ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value); * 10. März 1987 in Gorki, Russische SFSR, Sowjetunion) ist ein deutscher Pianist und politischer Aktivist.<ref>Carolin Pirich: Igor Levit: „Ich will nicht nur der Mann sein, der die Tasten drückt“. In: Die Zeit, Nr. 39/2019.</ref><ref name="srf-Pianist">Judith Hardegger: Pianist und Aktivist - Igor Levit hat eine Mission als Künstler und als Bürger. In: Schweizer Radio und Fernsehen (SRF). 30. November 2019, abgerufen am 4. August 2021.</ref><ref>Igor Levit: „Ich bin Aktivist, sowohl online als auch offline“. In: Augsburger Allgemeine. 14. Februar 2022, abgerufen am 17. März 2022.</ref> Seit 2019 ist er Professor für Klavier an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover. Seit der Saison 2022/23 ist er zudem Künstlerischer Co-Leiter des Musikfestivals Heidelberger Frühling an der Seite von Intendant Thorsten Schmidt. Darüber hinaus ist er durch sein politisches Engagement für Humanismus und gegen Diskriminierung bekannt.

Leben

Jugend

Levits Mutter ist Elena Levit (geb. Rafajewitsch), eine habilitierte Musikpädagogin,<ref name="iff">Honorarprofessur für Frau Dr. Elena Levit. IFF Hannover, 26. Februar 2016, abgerufen am 25. Dezember 2021.</ref> Honorarprofessorin,<ref name="iff" /> Opern-Korrepetitorin und Enkelschülerin von Heinrich Neuhaus.<ref name=":0">Kai Luehrs-Kaiser: Igor Levit nahm für Beethoven 32 Kilo ab. Die Welt, 27. August 2013, abgerufen am 13. November 2016.</ref> Sein Vater Semjon war Bauingenieur. 1995 übersiedelte die Familie als jüdische Kontingentflüchtlinge von Russland nach Hannover, wo Levit das Kaiser-Wilhelm- und Ratsgymnasium besuchte.<ref>Uwe Rademacher: Fünf Jahre KWR-Stiftung. KWR-Stiftung.de, 21. September 2013.</ref>

Künstlerisches Wirken

Datei:Igor Levit B 11-2013.jpg
Igor Levit (2013)

Erste Unterweisung im Klavierspiel erhielt Levit im Alter von drei Jahren durch seine Mutter.<ref name="welt/119394773">Kai Luehrs-Kaiser: Igor Levit nahm für Beethoven 32 Kilo ab. In: Welt Online. 27. August 2013, abgerufen am 13. November 2016.</ref> Mit vier Jahren debütierte er als Solist mit einer Ecossaise von Ludwig van Beethoven,<ref>Volker Hagedorn: Geborstene Glöckchen. In: Die Zeit, Nr. 41/2013.</ref> das erste Konzert gab er mit sechs mit dem Philharmonie-Orchester von Nischni Nowgorod, Händels F-Dur-Klavierkonzert.<ref>Christiane Peitz: Zorn und Zärtlichkeit. Der Tagesspiegel, 25. Mai 2011, abgerufen am 13. November 2016.</ref> Levit nahm ab 1999 für ein Jahr am Mozarteum in Salzburg Klavierunterricht bei Hans Leygraf<ref>Kai Luehrs-Kaiser: «Es hat alles verändert!» Musik & Theater 03/2013, abgerufen am 13. November 2016.</ref> und begann anschließend 13-jährig sein Studium am neugegründeten Institut zur Frühförderung musikalisch Hochbegabter (IFF) der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover. An der Hochschule wurde er später von Karl-Heinz Kämmerling, Matti Raekallio und Bernd Goetzke unterrichtet. Großen Einfluss auf seinen musikalischen Werdegang weist Levit seinem Spiritus Rector, dem ungarischen Cembalisten und emeritierten Hochschulprofessor Lajos Rovátkay, zu, der ihn für die historische Aufführungspraxis begeisterte.<ref>Marco Frei: „Ich möchte mich nicht über die Töne stellen.“ Pianonews 2/2012, abgerufen am 13. November 2016.</ref> Während des Studiums war er Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes.<ref>Aktuelles Porträt. Studienstiftung des deutschen Volkes, abgerufen am 13. November 2016.</ref><ref>Igor Levit, Klavier, * 1987 in Nizhni Nowgorod. Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover, 11. November 2013, abgerufen am 13. November 2016.</ref> 2010 schloss Levit sein Studium ab. Für das Konzertexamen, u. a. mit den Diabelli-Variationen von Ludwig van Beethoven, bekam Levit die höchste Punktzahl in der Geschichte der Hochschule.<ref>Christoph Vratz: Lass es raus. Es geht auch ohne CD als Karriere-Beschleuniger. K.WEST Das Kulturmagazin des Westens, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 13. November 2016; abgerufen am 13. November 2016.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.kulturwest.de</ref><ref>Heimspiel für Igor Levit. Norddeutscher Rundfunk, abgerufen am 13. November 2016.</ref>

Seit 2000 konzertiert Levit in Europa, den USA und Israel. Klavierkonzerte spielte er mit dem English Chamber Orchestra, der NDR Radiophilharmonie Hannover, den Nürnberger Symphonikern, den Stuttgarter Philharmonikern und dem Israel Philharmonic Orchestra. Kammermusik machte er mit Mischa Maisky, Sergei Alexandrowitsch Krylow, Kim Kashkashian, Gavriel Lipkind und Daniel Müller-Schott. Mit Maxim Vengerov und Alisa Weilerstein spielte Levit im Klaviertrio. 2013 hat Sony Classical einen exklusiven, langfristigen Plattenvertrag mit Igor Levit unterzeichnet.<ref>Pianist Igor Levit signs up with Sony Classical. Abgerufen am 23. Juni 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Seine erste Aufnahme für das Label erschien im Herbst desselben Jahres und enthielt die fünf letzten Klaviersonaten von Beethoven.<ref name=":1" />

Seit Oktober 2019 ist Levit Professor für Klavier an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover.<ref>HMTM Hannover: Igor Levit wird Professor für Klavier. In: hmtm-hannover.de. Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover, abgerufen am 5. April 2019.</ref>

Während der Corona-Pandemie 2020 gab Levit ab dem 12. März eine Reihe von 52 „Hauskonzerten“ über Twitter und Instagram.<ref>Alex Ross: Igor Levit Is Like No Other Pianist. Abgerufen am 26. Juni 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Fiona Maddocks: Igor Levit: 'These concerts were life-saving for me'. In: The Guardian. 24. Mai 2020, ISSN 0261-3077 (theguardian.com [abgerufen am 26. Juni 2020]).</ref> Diese wurden größtenteils live aus seiner Berliner Wohnung übertragen.<ref>Carolin Pirich, Britta Stuff: Pianist Levit und das Corona-Protokoll: „Ich bin doch nicht nur der Trost-Igor“. In: Der Spiegel. Nr. 36, 2020 (online).</ref> Eines fand auf Einladung von Frank-Walter Steinmeier im Berliner Schloss Bellevue statt, wo er Beethovens Waldstein-Sonate spielte.<ref>Ein Mann gegen die Einsamkeit: Igor Levit spielt Beethoven bei Bundespräsident Steinmeier. In: SWR2. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 29. Juni 2020; abgerufen am 26. Juni 2020.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.swr.de</ref> Nach eigener Aussage hätten Menschen ihm nach den Live-Ausstrahlungen geschrieben und unendlich viele Geschichten mit ihm geteilt.<ref>Jacqueline Krause: Klassikstar Igor Levit: «Ich bin kein Aktivist – ich bin Bürger». 17. Mai 2023, abgerufen am 3. Oktober 2024.</ref> Im Anschluss an diese Serie gab er in der Nacht vom 30. zum 31. Mai 2020 eine 15-stündige Live-Darbietung von Eric Saties Vexations, die auch über das Internet übertragen wurde.<ref>Joshua Barone: ‘I Just Let Myself Go’: Igor Levit on Surviving a Satie Marathon. In: The New York Times. 31. Mai 2020, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 26. Juni 2020]).</ref> Im Juni 2021 war er der Solist beim weltweit übertragenen Sommernachtskonzert der Wiener Philharmoniker vor Schloss Schönbrunn, es dirigierte Daniel Harding. Am 31. Juli 2021 bewirkte er bei den Salzburger Festspielen, bei welchen er seit 2017 Solistenkonzerte gibt, mit einem Beethoven-Schubert-Prokofjew-Programm standing ovations. Das Konzert fand im Großen Festspielhaus statt.<ref>Heidemarie Klabacher: Igor Levit in Salzburg: Jubel für Heldensang und Totenklage. In: Der Standard (Wien), 1. August 2021; Kritik.</ref> Wenige Tage später sprang er – ebenfalls in Salzburg – für Martha Argerich ein und übernahm den Klavierpart im Solistenkonzert des Geigers Renaud Capuçon.<ref>Levit trifft Capucon: Eleganz und Charme. In: Wiener Zeitung, 4. August 2021</ref> Am 20. April 2022 wurde im Rahmen des Internationalen Musikfestivals das 2. Klavierkonzert von William Bolcom durch Igor Levit und das Mahler Chamber Orchestra unter der Leitung von Elim Chan in der Aula der Neuen Universität Heidelberg uraufgeführt. Der Kompositionsauftrag des Musikfestivals Heidelberger Frühling wurde von Dietrich Götze gefördert.<ref>Ein Abbild unserer Zeit rnz.de, 21. April 2022, abgerufen am 11. November 2023</ref>

Politisches Engagement

Datei:Igor Levit Erik Satie Vexations.jpg
Eines von 840 signierten Notenblättern aus Levits
15-stündigem Konzert Ende Mai 2020. Mit dem Verkaufserlös unterstützte er Musiker während der COVID19-Pandemie

Levit meldete sich mehrfach auf Twitter mit politischen Äußerungen zu Wort, in denen er sich unter anderem gegen Antisemitismus und Ausgrenzung Geflüchteter wandte.<ref>Felix Zimmermann: Pianist Igor Levit über Zivilcourage: Passivität ist keine Option mehr. In: Die Tageszeitung, 22. September 2018.</ref>

Im Jahr 2014 wurde Levit mit einem Echo Klassik ausgezeichnet. Aus Protest gegen die Auszeichnung der Rapper Farid Bang und Kollegah bei der Echoverleihung 2018 gab Levit, der aus einer jüdischen Familie stammt, seinen Echo zurück und erklärte: „Antisemitischen Parolen eine solche Plattform und Auszeichnungen zu geben, ist unerträglich.“<ref>Nach Antisemitismus-Eklat: Pianist Levit gibt Echo-Preis zurück. Abgerufen am 17. April 2018.</ref><ref name="SPON-2018-04-17">Fotostrecke – Bild 2 – Echo 2018: Diese Künstler geben ihre Trophäe zurück. In: Spiegel Online Fotostrecke. 17. April 2018, abgerufen am 9. Juni 2018.</ref>

2015 bezeichnete er auf Twitter einen Politiker der Partei Alternative für Deutschland als „widerwärtigen Drecksack“ und sprach deren Mitgliedern das „Menschsein“ ab.<ref>Stefan Arndt: Star-Pianist macht Musik und Meinung. In: Haz.de. 7. November 2015, abgerufen am 25. Oktober 2020.</ref><ref>Lucas Wiegelmann: Flüchtlinge: AfD-Schelte von Pianist Igor Levit ist kontraproduktiv. In: Welt.de. 1. November 2015, abgerufen am 25. Oktober 2020.</ref> Nach Kritik erklärte Levit dazu, er habe das Wort „Menschsein“ im Sinne des jiddischen Wortes „Mentsch“ gebraucht, welches einen „ehrenhaften, umsichtigen Menschen“ meint.<ref name="bachmann">Jan Brachmann: SZ und Igor Levit: Der Druck der Masse. In: FAZ.net. 21. Oktober 2020, abgerufen am 25. Oktober 2020.</ref>

Mitte November 2019 erhielt er eine E-Mail mit einer Morddrohung. Daraufhin veröffentlichte er am 29. Dezember 2019 im Tagesspiegel einen Gastbeitrag unter dem Titel Habe ich Angst? Ja, aber nicht um mich.<ref>Igor Levit: „Habe ich Angst? Ja, aber nicht um mich“. In: Der Tagesspiegel. 29. Dezember 2019 (tagesspiegel.de [abgerufen am 2. Januar 2020]).</ref> Diesen nahm anschließend Bundestagspräsident Schäuble zum Anlass, alle Bürger aufzufordern, „dem Antisemitismus in Deutschland Einhalt zu gebieten“.<ref name="juedische-allgemeine">»Damit muss Schluss sein« Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble fordert Eintreten gegen Antisemitismus. In: Jüdische Allgemeine. 30. Dezember 2019 (juedische-allgemeine.de [abgerufen am 2. Januar 2020]).</ref> Auch der damalige Grünen-Parteivorsitzende Robert Habeck zollte Levit für seinen Beitrag Respekt.<ref name="juedische-allgemeine" />

Levit ist Mitglied von Bündnis 90/Die Grünen.<ref>Schließ, Gero: Starpianist Igor Levit: Man kann nicht einfach auf den Mond ziehen. In: Deutsche Welle, 14. Januar 2020; abgerufen am 15. Januar 2020.</ref> 2019 unterstützte er Fridays for Future mit seinem Klavierspiel auf der Straße.<ref>Deutschlandfunk vom 23. September 2019</ref> Unter dem Motto „Flügel statt Flügel“ protestierte Levit im Oktober 2020 mit anderen Musikern vor dem Potsdamer Landtag musikalisch gegen die rechtsextreme Strömung Der Flügel innerhalb der AfD.<ref>Künstler spielen vor Potsdamer Landtag gegen AfD an. In: Rbb24. 24. Oktober 2020, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 26. Januar 2021; abgerufen am 7. April 2021.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.rbb24.de</ref><ref>Klavierkonzert gegen die Wahl des neuen AfD-Fraktionschefs. In: Rbb24. 27. Oktober 2020, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 28. Januar 2021; abgerufen am 7. April 2021.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.rbb24.de</ref> Am 4. Dezember 2020 unterstützte er die Demonstrationen im Dannenröder Forst mit einem Auftritt am Klavier im Wald.<ref>www.faz.net; abgerufen am 5. Dezember 2020</ref>

Levit verkaufte Anfang März 2021 die 840 Notenblätter seiner Live-Darbietung von Erik Saties Vexations, um Musiker in der Pandemie zu unterstützen.<ref>Pianist Igor Levit: Notenblätter für Corona-Nothilfefonds: „Wir lassen euch nicht alleine“. In: BR-Klassik. Bayerischer Rundfunk, 4. März 2021, abgerufen am 13. März 2021.</ref>

Auf Vorschlag der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen wurde Levit 2022 zum Mitglied der 17. Bundesversammlung für Niedersachsen gewählt.

Im Juni 2022 kritisierte Levit Äußerungen des damaligen ukrainischen Botschafters Andrij Melnyk über den ukrainischen Partisanenführer und NS-Kollaborateur Stepan Bandera.<ref>»Schämen Sie sich«: Aussagen von Botschafter Melnyk über Nationalisten Bandera sorgen für Streit. In: Der Spiegel. 30. Juni 2022, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 1. Juli 2022]).</ref>

Rezeption

Eleonore Büning bescheinigte ihm 2010 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, schon vor dem Examen „einer der großen Pianisten dieses Jahrhunderts“ zu sein.<ref>Eleonore Büning: Eine große Erschütterung. In: FAZ, 3. Mai 2010.</ref> Wilhelm Sinkovicz nannte ihn wenig später in der Presse einen „Künstler, der mit Bravour alle technischen Kniffligkeiten löst. Bei aller Virtuosität macht Levit jedoch immer voll Poesie Musik.“<ref>Wilhelm Sinkovicz: Das hohe C auf hoher See In: Die Presse, 9. September 2010.</ref> Im Oktober 2011 strahlte 3sat den 45-minütigen Dokumentarfilm Igor Levit – mein Liszt über den Pianisten und seine Vorliebe für die Musik Franz Liszts aus. Kai Luehrs-Kaiser erklärte 2013, was Levits Talent wirklich sei, könne man erst in zehn Jahren wissen.<ref name="welt/119394773" />

2020 löste der Musikkritiker Helmut Mauró von der Süddeutschen Zeitung eine Kontroverse aus. Mauró kritisierte im Artikel Igor Levit ist müde vom 16. Oktober 2020, Levit habe jenseits seiner Aktivitäten auf Twitter keine Leistungen erbracht, die das ihm zuvor verliehene Bundesverdienstkreuz rechtfertigen würden. Nutzern von Twittern warf er vor, eine „Opferanspruchsideologie“ zu vertreten und ein „opfermoralisch begründbares Recht auf Hass und Verleumdung“ auszuüben. Neben diesen Vorwürfen bewertete er Levits Einspielung der Klaviersonaten Beethovens als „unerheblich“ und bezeichnete den russischen Pianisten Daniil Trifonow als Levit überlegen.<ref>Helmut Mauró: Igor Levit ist müde. In: Süddeutsche Zeitung. 16. Oktober 2020, abgerufen am 21. Oktober 2020.</ref> Bereits 2019 hatte Mauró ihm in einer Konzertrezension vorgeworfen, dass seine Musikalität nur „erarbeitet“, „aufgesagt“ und „vorgespielt“ sei. Christiane Peitz vom Tagesspiegel sah in dieser Argumentation die antisemitischen Stereotype der Angriffe Richard Wagners gegen Felix Mendelssohn Bartholdy.<ref>Christiane Peitz: Was die Fälle Maron und Levit verbindet. In: Der Tagesspiegel. 21. Oktober 2020, abgerufen am 21. Oktober 2020.</ref>

Levit bezeichnete Maurós Text als „unzweideutig antisemitisch konnotiert“. Laut Levit hatte SZ-Chefredakteur Wolfgang Krach zunächst betont, hinter Maurós Beitrag zu stehen.<ref>René Gröger: Kritik an der Kritik. Bayerischer Rundfunk, 18. Oktober 2020, abgerufen am 21. Oktober 2020.</ref> Dieser erregte jedoch öffentlich starken Widerspruch: So bezeichnete es Bernhard Neuhoff, Klassik-Redaktionsleiter beim Bayerischen Rundfunk, als „klassische Opfer-Täter-Umkehr“, dass es als „ideologisch und verleumderisch bezeichnet wird, wenn sich ein Jude darüber aufregt, dass Juden in Deutschland mit dem Tod bedroht werden“.<ref>Bernhard Neuhoff: So unterirdisch kann «Musikkritik» sein. Bayerischer Rundfunk, 16. Oktober 2020, abgerufen am 21. Oktober 2020.</ref> Johannes Schneider wies in diesem Kontext in der Zeit darauf hin, dass die AfD-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bereits zuvor öffentlich beschuldigt hatte, mit der Auszeichnung Levits „die Spaltung in unserem Land zu vertiefen“.<ref>Auf der falschen Klaviatur. In: Zeit Online. 16. Oktober 2020, abgerufen am 21. Oktober 2020.</ref> Am 20. Oktober 2020 veröffentlichte Krach zusammen mit Co-Chefredakteurin Judith Wittwer einen Text, in dem sie sich bei Levit und den Lesern der SZ dafür entschuldigten, dass manche den Text als antisemitisch empfänden und etliche Levit durch diesen Beitrag als Künstler und Menschen herabgewürdigt sähen.<ref>Wolfgang Krach, Judith Wittwer: In eigener Sache: Chefredaktion bittet Igor Levit und SZ-Leser um Entschuldigung. In: sueddeutsche.de. 20. Oktober 2020, abgerufen am 23. Oktober 2020.</ref><ref>»Süddeutsche Zeitung« entschuldigt sich. In: Jüdische Allgemeine. 21. Oktober 2020, abgerufen am 21. Oktober 2020.</ref><ref name="bachmann" /> Der Schriftsteller Maxim Biller widersprach Levit und bezeichnete Maurós Artikel in einer Zeit-Kolumne ironisch als „so antisemitisch […] wie die dunkelrote Nachmittagssonne“.<ref>Maxim Biller: „Zwei Freunde im Park. Warum der Pianist Igor Levit und ich lieber diskutieren als streiten“. In: Die Zeit, Nr. 48/2020, S. 55.</ref> Auch Anna Schneider bewertete in der NZZ die Antisemitismusvorwürfe als substanzlos und kritisierte das Einknicken der Chefredaktion der SZ als hasenfüßig. Dass sich Levit, der „gerne polemisch und oft unter der Gürtellinie“ twittere, laut SZ „als Mensch herabgewürdigt“ sehe, sei „schon deshalb interessant, weil Levit selbst schon Andersdenkenden das Menschsein abgesprochen hat.“<ref>Anna Schneider: Wenn Gefühle die Debatte verdrängen: Die «Süddeutsche Zeitung» wirft sich vor Igor Levit in den Staub. In: NZZ, 21. Oktober 2020.</ref>

Diskografie (Auswahl)

Lua-Fehler in package.lua, Zeile 80: module 'Module:Musikcharts/countries' not found

Auszeichnungen (Auswahl)

Audio

Filme (Auswahl)

  • Igor Levit – Mein Liszt. Dokumentarfilm (2011), 43:00 Min., Regie: Andreas Morell, Produktion: AVE Gesellschaft für Fernsehproduktion, Erstsendung: 8. Oktober 2011 auf 3sat, Deutschland, Inhaltsangabe von AVE Gesellschaft für Fernsehproduktion.
  • Igor Levit – No Fear. Regie Regina Schilling, Deutschland 2022; Zero one film in Koproduktion mit ARTE/rbb.<ref>Zero one film, abgerufen am 4. Oktober 2022</ref>

Schriften

  • mit Florian Zinnecker: Hauskonzert. Carl Hanser, München 2021, ISBN 978-3-446-26960-6.

Schüler

Sonstiges

Das Artwork zu Igor Levits auf CD und Vinyl veröffentlichtem Album On DSCH (2021) gestaltete Christoph Niemann.<ref>Jonas Kiß: Sony Classical und Igor Levit präsentierten neues Album. In: Musikwoche. 18. September 2021, abgerufen am 15. November 2021.</ref>

Literatur

Interviews

Weblinks

Einzelnachweise

<references responsive />

Vorlage:Hinweisbaustein