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Thiophenol

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Strukturformel
Strukturformel von Thiophenol
Allgemeines
Name Thiophenol
Andere Namen
  • Phenylmercaptan
  • Benzolthiol
  • Benzenthiol (IUPAC)
Summenformel C6H6S
Kurzbeschreibung

farblose Flüssigkeit mit unangenehmem Geruch<ref name="GESTIS">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFAVorlage:Abrufdatum (JavaScript erforderlich)</ref>

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer Vorlage:CASRN
EG-Nummer 203-635-3
ECHA-InfoCard 100.003.306
PubChem 7969
ChemSpider 7681
Wikidata [[:d:Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)|Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)]]
Eigenschaften
Molare Masse 110,18 g·mol−1
Aggregatzustand

flüssig<ref name="GESTIS" />

Dichte

1,08 g·cm−3 (20 °C)<ref name="GESTIS" />

Schmelzpunkt

−15 °C<ref name="GESTIS" />

Siedepunkt

169 °C<ref name="GESTIS" />

Dampfdruck

1,5 hPa (20 °C)<ref name="GESTIS" />

pKS-Wert

6,62 (25 °C)<ref name="CRC90_8_45">David R. Lide (Hrsg.): CRC Handbook of Chemistry and Physics. 90. Auflage. (Internet-Version: 2010), CRC Press / Taylor and Francis, Boca Raton FL, Dissociation Constants of Organic Acids and Bases, S. 8-45.</ref>

Löslichkeit
  • sehr schlecht in Wasser (0,94 g·l−1 bei 20 °C)<ref name="GESTIS" />
  • löslich in Ethanol, Diethylether und Benzol<ref name="ABC Chemie">Brockhaus ABC Chemie. VEB F. A. Brockhaus Verlag, Leipzig 1965, S. 1411.</ref>
Brechungsindex

1,5893 (20 °C)<ref name="CRC90_3_36">David R. Lide (Hrsg.): CRC Handbook of Chemistry and Physics. 90. Auflage. (Internet-Version: 2010), CRC Press / Taylor and Francis, Boca Raton FL, Physical Constants of Organic Compounds, S. 3-36.</ref>

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung<ref name="GESTIS" />
Gefahrensymbol Gefahrensymbol Gefahrensymbol Gefahrensymbol

Gefahr

H- und P-Sätze H: 226​‐​300+310+330​‐​315​‐​319​‐​335​‐​361​‐​372​‐​410
P: 210​‐​273​‐​280​‐​303+361+353​‐​304+340+310​‐​305+351+338<ref name="GESTIS" />
MAK

Schweiz: 0,5 ml·m−3 bzw. 2,3 mg·m−3<ref>Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva): Grenzwerte – Aktuelle MAK- und BAT-Werte (Suche nach 108-98-5 bzw. Thiophenol)Vorlage:Abrufdatum</ref>

Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa). Brechungsindex: Na-D-Linie, 20 °C

Thiophenol ist eine organische Schwefelverbindung, eine farblose giftige Flüssigkeit mit üblem Geruch. Es ist ein wichtiger Ausgangsstoff für die organische Synthese. Thiophenole sind eine Stoffgruppe von Verbindungen, die an einem Benzolring eine Thiolgruppe (–SH) aufweisen.

Geschichte

Thiophenol wurde erstmals 1861 vom deutschen Chemiker Carl Friedrich Gustav Vogt (1839–1886), als Benzylmercaptan bezeichnet, hergestellt.<ref name="Vogt">C. Vogt: Ueber Benzylmercaptan und Zweifach-Schwefelbenzyl, Ann. Chem. Pharm 119 (1861) 142.</ref><ref name="Soukup_org">Rolf Werner Soukup: Chemiegeschichtliche Daten organischer Substanzen, Version 2020, S. 157 (PDF).</ref>

Gewinnung

Thiophenol kann unter anderem hergestellt werden durch:

Eigenschaften

Thiophenol hat die Formel C6H5–SH. Es liegt bei Raumtemperatur als mäßig flüchtige, aber extrem übelriechende und giftige Flüssigkeit vor. Thiophenole sind stärker sauer als Phenole, die entsprechenden Sauerstoffverbindungen.

Reaktionen

Mit Alkyliodiden ergeben sich Thioether.<ref>O. Campopiano: Thiophenol. In: L. Paquette (Hrsg.): Encyclopedia of Reagents for Organic Synthesis J. Wiley & Sons, New York 2004.</ref> Eine Oxidation erzeugt Diphenyldisulfid, das mit Natriumborhydrid wieder zu Thiophenol reduziert werden kann. Daher kann Thiophenol bei chemischen Reaktionen als Quelle für Wasserstoff dienen. Mit Chlor entsteht Phenylsulfenylchlorid.<ref>A. G. M. Barrett, D. Dhanak, G. G. Graboski, S. J. Taylor: Vorlage:Linktext-Check In: Organic Syntheses. 68, 1990, S. 8, doi:10.15227/orgsyn.068.0008; Coll. Vol. 8, 1993, S. 550 (PDF).</ref> Durch Reaktion von Thiophenol mit Alkalihydroxiden (Natriumhydroxid, Kaliumhydroxid) entstehen die entsprechenden Salze (Thiophenolate). Bei der Umsetzung mit Carbonsäurechloriden in Gegenwart von Basen wie Triethylamin entstehen Thiolester.<ref name="Buchholz">Gerd Buchholz, Jürgen Martens, Klaus Praefcke: 2- und 4-Azathioxanthone durch Photoumlagerung von Thionicotinsäure-S-arylestern. In: Angewandte Chemie. Band 86, 1974, S. 562; Angewandte Chemie International Edition English. Band 13, 1974, S. 550.</ref>

Unfälle

In der Nacht auf den 16. Februar 2011 wurden aus Unachtsamkeit etwa 30 Liter Thiophenol auf dem Gelände einer Spedition im nordhessischen Homberg (Efze) freigesetzt. Etwa 180 Personen wurden mit den Dämpfen kontaminiert, 101 davon mussten ins Krankenhaus gebracht werden.<ref>Großalarm und mehr als 30 Verletzte bei Giftunfall. In: faz.net, 16. Februar 2011. (faz.net)</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Gefahrgutunfall: Zahl der Verletzten steigt auf 101. (Memento vom 19. Februar 2011 im Internet Archive) In: nh24.de, abgerufen am 17. Februar 2011.</ref>

Siehe auch

Thiophenol ist formal das Monomer von Polyphenylensulfid, das aber industriell nicht aus dem Monomer erzeugt wird.

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Hinweisbaustein