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Sepiapterin

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
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Strukturformel
Strukturformel von Sepiapterin
Allgemeines
Name Sepiapterin
Andere Namen
  • 2-Amino-6-[(2S)-2-hydroxy­propanoyl]-7,8-dihydro-4(1H)-pteridinon (IUPAC)
  • 6-(S)-Lactoyl-7,8-dihydropterin
Summenformel C9H11N5O3
Kurzbeschreibung

gelbes Kristallpulver<ref name="Pfleiderer" />, drusenförmige Kristalle<ref name="Schircks" />

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer Vorlage:CASRN
PubChem 135398579
ChemSpider 58746
Wikidata [[:d:Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)|Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)]]
Eigenschaften
Molare Masse 237,09 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Löslichkeit

löslich in Wasser, unlöslich in Aceton und den meisten organischen Lösungsmitteln<ref name="Forrest" />

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung
keine Einstufung verfügbar<ref name="NV">Dieser Stoff wurde in Bezug auf seine Gefährlichkeit entweder noch nicht eingestuft oder eine verlässliche und zitierfähige Quelle hierzu wurde noch nicht gefunden.</ref>
Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa).

Sepiapterin ist ein chiraler hetero­cyclischer Naturstoff aus der Klasse der Pterine bzw. Pteridine.

Ent­deckung

In den Augen der Fruchtfliege Drosophila kommen gelbe und rote Pigmente vor, die zum Teil fluoreszieren.<ref>E. Hadorn, K. H. Mitchell, Proc. Natl. Acad. Sci. USA, 37, S. 650 (1951).</ref> Ein gelbes Pigment wurde in Drosophila melanogaster (Wildtyp), in erhöhter Konzentration in der Mutante Sepia entdeckt und in den 1950er Jahren von Forrest und Mitchell am California Institute of Technology (Pasadena) in Form gelber Kristalle isoliert.<ref name="Forrest">H. S. Forrest, H. K. Mitchell, J. Am. Chem. Soc., 76, S. 5656 (1954).</ref> Viscontini und Möhlmann fanden neben Sepiapterin ein Isomer, welches Isosepiapterin genannt wurde.<ref>M. Viscontini, E. Möhlmann, Helv. Chim. Acta, 42, S. 836–841 (1959).</ref> Die Strukturformel des Sepiapterins konnte erst 1978/1979 durch Max Viscontini und Mitarbeiter (Zürich) sowie Wolfgang Pfleiderer (Konstanz) ermittelt werden.<ref name="Schircks">B. Schircks, H. J. Bieri, M. Viscontini, Helv. Chim. Acta, 61, S. 2731–2738 (1978).</ref><ref name="Pfleiderer">W. Pfleiderer, Chem. Ber., 112, S. 2750–2755 (1979).</ref> Es handelt sich um ein 7,8-Dihydropterin, das mit dem Biopterin verwandt ist, aber in Position 6 eine C3-Kette mit einer Carbonylgruppe trägt. Die Seitenkette hat die Struktur der Milchsäure (Lactoyl-Rest) und besitzt die (S)-Konfiguration.

Weitere Vorkommen

Die Verbindung wurde auch in der Epidermis des Seidenspinners (Bombyx mori, Mutante lem) sowie in der Haut von Amphibien und Fischen gefunden.<ref> Wolfgang Pfleiderer: Neuere Entwicklungen in der Pteridin-Chemie, Angew. Chem., 75, S. 993–1014 (1963), doi:10.1002/ange.19630752102.</ref> Das spurenweise Vorkommen im Harn von Säugetieren und Menschen deutet darauf hin, dass Sepiapterin ein Zwischenprodukt (Intermediat) im Stoffwechsel vieler Organismen ist.

Biochemie

Eine enzymatische Synthese von Sepiapterin aus D-erythro-Dihydroneopterin-triphosphat durch Extrakte aus den Nieren von Hühnerküken wurde beschrieben.<ref>K. Tanaka, M. Akino, Y. Hagi, M. Doi, and T. Shiota, The enzymatic synthesis of sepiapterin by chicken kidney preparations. J. Biol. Chem., 256, S. 2963–2972 (1981).</ref>

Das Enzym Sepiapterin-Reduktase katalysiert die Hydrierung der Carbonylgruppe an C-1‘ durch NADPH, wodurch Dihydrobiopterin<ref group="S">Externe Identifikatoren von bzw. Datenbank-Links zu Dihydrobiopterin: CAS-Nr.: Vorlage:CASRN, EG-Nr.: Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 273: attempt to index field 'wikibase' (a nil value), ECHA-InfoCard: Vorlage:ECHA, GESTIS: Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 273: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 273: attempt to index field 'wikibase' (a nil value), PubChem: 252, ChemSpider: Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 273: attempt to index field 'wikibase' (a nil value).html Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 273: attempt to index field 'wikibase' (a nil value), DrugBank: Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 273: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 273: attempt to index field 'wikibase' (a nil value), Wikidata: Q5276421.</ref> gebildet wird.<ref>Masako Matsubara, Setsuko Katoh, Miki Akino, Seymour Kaufman: Sepiapterin reductase. In: Biochimica et Biophysica Acta - Enzymology and Biological Oxidation, 122(2), S. 202–212 (1966); doi:10.1016/0926-6593(66)90062-2.</ref> Zum Schluss wird dieses zu Tetrahydrobiopterin (BH4) reduziert.

Bildung und Umwandlung von Sepiapterin

Enzymatische Bildung von Sepiapterin aus D-erythro-Dihydroneopterin-triphosphat und Hydrierung zu Dihydrobiopterin.

Medizinische Verwendung

Unter dem Präparatenamen Sephience wurde Sepiapterin im Juni 2025 in der EU zugelassen zur Behandlung von Hyperphenylalaninämie (HPA) bei Erwachsenen und Kindern mit Phenylketonurie (PKU).<ref>Eintrag EU/1/25/1939 im Unionsregister, abgerufen am 7. Juli 2025.</ref> Die Anwendung erfolgt peroral (Einnahme). Sepiapterin ist ein natürlicher Vorläufer von Tetrahydrobiopterin (BH4, Sapropterin), in das es nach Resorption weitgehend umgewandelt wird und ähnliche pharmakologische Effekte entfaltet. Es wirkt als duales pharmakologisches Chaperon, indem es die Fehlfaltung der Phenylalaninhydroxylase (PAH) verbessert und als Co-Faktor der PAH deren Aktivität erhöht. Dadurch werden die krankhaft erhöhten Phenylalaninspiegel im Blut gesenkt.<ref name="smpc">Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels, ec.europa.eu, 19, Juni 2025.</ref>

Die Zulassung basiert auf den Ergebnissen dreier klinischer Studien bei Patienten mit PKU,<ref name="smpc" /> darunter die Phase-3-APHENITY-Studie.<ref name="Muntau2024">Ania C. Muntau, Nicola Longo, Fatih Süheyl Ezgü, Ida Vanessa Döederlein Schwartz, Melissa Lah, Drago Bratkovic, Lali Margvelashvili, Ertuğrul Kıykım, Roberto T. Zori, Jaume Campistol Plana, Amaya Bélanger-Quintana, Allan M. Lund, Laura Guilder, Anupam Chakrapani, Neslihan Önenli Mungan, Arlindo Guimas, Ixiu del Carmen Cabrales Guerra, Anita MacDonald, Kimberly Ingalls, Neil Smith: Effects of oral sepiapterin on blood Phe concentration in a broad range of patients with phenylketonuria (APHENITY): results of an international, phase 3, randomised, double-blind, placebo-controlled trial. In: The Lancet. 2024, Band 404, Nummer 10460, S. 1333–1345 doi:10.1016/S0140-6736(24)01556-3.</ref>

Einzelnachweise

<references />

Externe Links zu erwähnten Verbindungen

<references group="S" />