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Simone Gbagbo

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Simone Gbabgbo (2006)

Simone Ehivet Gbagbo (* 20. Juni 1949 in Moussou, Grand-Bassam) ist eine ivorische Gewerkschafterin und Politikerin.

Leben

Jugend

Simone Gbagbo ist die Tochter des Höheren Polizeibeamten Jean Ehivet und Marie Djaha, die bei ihrer Geburt starb. Ab 1973 studierte sie Geschichte und Sprachwissenschaften an der ivorischen École normale supérieure sowie den Hochschulen Universität Cocody-Abidjan, der Universität Paris XIII und der Université Cheikh Anta Diop de Dakar. Ihr Studium schloss sie mit der Promotion ab. Zwischen 1967 und 1971 engagierte sie sich in der Katholischen Hochschuljugend JEC-F (Jeunesse estudiantine catholique).<ref name="Seck">Cheikh Yérim Seck: La vraie Simone Gbagbo. In: Jeune Afrique v. 12. Dezember 2006; s. a. Sharon T. Freeman: Conversations with powerful African women leaders. Washington DC 2002, S. 69.</ref><ref name="simonegbagbo.com"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Offizielle Website von Simone Gbagbo (Memento des Vorlage:IconExternal vom 14. Juni 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.simonegbagbo.com</ref> Aufgrund ihrer Tätigkeit in der Gewerkschaftsbewegung und ihrer damaligen marxistischen Gesinnung wurde sie in den 1970er Jahren wiederholt verhaftet. Zusammen mit ihrem späteren Ehemann Laurent Gbagbo gehörte sie 1982 zu den Gründern der Front Populaire Ivoirien (FPI). 1989 heirateten sie; die Ehe wurde 2023 geschieden.<ref name="BBC2025">Nicolas Negoce: Surprise as Ivory Coast's ex-first lady cleared to contest presidency. In: BBC News. 9. September 2025, abgerufen am 10. September 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> 1996 erlitt sie einen schweren Verkehrsunfall, woraufhin sie zum evangelikalen Christentum konvertierte.<ref name="Blinschi">Peter Blunschi: Die «eiserne Lady» der Elfenbeinküste, auf 20min.ch v. 12. April 2011.</ref> Sie arbeitete als Lehrerin und war maßgeblich in Lehrergewerkschaften aktiv.<ref name="BBC2025bio">Wedaeli Chibelushi: Ivory Coast's 'iron lady' – from hiding in a bunker to presidential hopeful. In: BBC News. 13. September 2025, abgerufen am 13. September 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Von 2000 bis 2010 war sie als Ehefrau von Laurent Gbagbo die Première Dame der Elfenbeinküste<ref name="simonegbagbo.com"/><ref>Simone Gbagbo, la « dame de fer » du régime in Le Parisien v. 11. April 2011.</ref> sowie Fraktionsführerin und eine der Vizepräsidenten der Regierungspartei FPI.<ref name="Seck"/> Sie engagierte sich karitativ im Kampf gegen Armut und Aids.<ref name="Blinschi"/> Nach der Rückkehr Laurent Gbagbos aus dem Exil 2021 leitete er die Scheidung ein; Gbagbo warf ihm über ihren Anwalt „offenen Ehebruch“ und das Verlassen der Ehewohnung vor.<ref name="BBC2025bio" />

Bürgerkrieg

Gemeinsam mit ihrem Mann führte die unter den Spitznamen „Eiserne Lady“ und „Xena – Die Kriegerprinzessin“ bekannte Simone Gbagbo das Land in einer Art „Doppelspitze“.<ref name="Seck"/> Nach Beginn des Bürgerkriegs zwischen dem christlichen Süden und dem muslimischen Norden 2002 trat sie als „nationalistische Hardlinerin“ auf. Zeitungsberichten zufolge soll sie auch maßgeblich für die Weigerung ihres Mannes verantwortlich gewesen sein, die Wahlniederlage bei der Präsidentschaftswahl 2010 gegen Alassane Ouattara anzuerkennen.<ref name="Blinschi"/> In dieser Zeit galt sie als „Macht hinter dem Thron“ ihres Mannes; innerhalb der FPI wurde sie als äußerst einflussreich und gefürchtet beschrieben, von Anhängern ehrfurchtsvoll „maman“ genannt.<ref name="BBC2025bio" /> Die Unterstützung der umstrittenen Doktrin der Ivoirité trug zur Spaltung des Landes bei; die Krise nach der Wahl 2010 forderte über 3000 Todesopfer.<ref name="BBC2025bio" />

Im Jahr 2005 wurde Simone Gbagbo in einem vertrauliche Bericht der Vereinten Nationen beschuldigt, sie habe die Tötung von Rivalen ihres Mannes durch Todesschwadronen veranlasst.<ref>Colum Lynch: Ivory Coast First Lady Leads Death Squad, Report Alleges. In The Washington Post v. 29. Januar 2005.</ref> 2008 warf ihr die Organisation „Reporter ohne Grenzen“ vor, für das spurlose Verschwinden des französisch-kanadischen Journalisten Guy-André Kieffer im Jahr 2004 verantwortlich gewesen zu sein.<ref>Mindestens 20 Journalisten weltweit vermisst. Pressemitteilung v. 30. August 2008 auf kefk.org.</ref>

Regierungskrise

Simone Gbagbo war, gemeinsam mit ihrem Mann und dessen Vertrauten Alcide Djédjé, Désiré Asségnini Tagro und Pascal Affi N’Guessan von, am 6. Januar 2011 beschlossenen, Sanktionen der Vereinigten Staaten betroffen. Alle ihre Besitztümer wurden eingefroren und Firmen durften keine Geschäfte mit ihr machen.<ref name="AASanctions">Merle David Kellerhals Jr.: United States Imposes Sanctions On Gbagbo. In: allAfrica.com. 7. Januar 2011, abgerufen am 22. Juni 2011 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Gemeinsam mit denselben Personen war sie auch in der Resolution 1975 des UN-Sicherheitsrates vom 30. März explizit erwähnt, der das Blockieren ihres Vermögens sowie ein allgemeines Reiseverbot vorsah.<ref name="Sanktionen">UN beschließen Sanktionen gegen Gbagbo. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 31. März 2011, abgerufen am 5. April 2011.</ref> Ihnen wurde „Behinderung des Friedens- und Aussöhnungsprozesses“ und „öffentliche Aufstachelung zu Hass und Gewalt“ vorgeworfen.<ref>Amtsblatt der Europäischen Union v. 7. April 2011, I 93/22.</ref>

Am 11. April 2011 wurde sie zusammen mit ihrem Mann von Streitkräften Ouattaras, die von französischen Soldaten der Opération Licorne und UN-Soldaten der Opération des Nations Unies en Côte d’Ivoire unterstützt wurden, festgenommen.<ref>Französische Soldaten nehmen Gbagbo fest auf spiegel.de (abgerufen am 11. April 2011)</ref> Das Paar hatte sich zuvor in einem Bunker im Präsidentenpalast verschanzt, wo es aufgespürt und abgeführt wurde.<ref name="BBC2025bio" /> In einem späteren Prozess schilderte Simone Gbagbo Misshandlungen während der Festsetzung in einem Hotel in Abidjan und sprach von versuchten Vergewaltigungen in Anwesenheit französischer Soldaten.<ref name="BBC2025bio" />

Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs

Am 22. November 2012 teilte der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) mit, dass er einen Haftbefehl gegen Simone Gbagbo ausgestellt habe. Dieser war bereits am 29. Februar 2012 erlassen, aber damals als geheim eingestuft worden.<ref>Haftbefehl vom 29. Februar 2012 – The Prosecutor v. Simone Gbagbo – ICC-02/11-01/12</ref> Simone Gbagbo ist damit die erste Frau, die vom IStGH angeklagt wurde. Ihr werden Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen.<ref>Ehefrau von früherem ivorischen Präsidenten angeklagt</ref> Sie wurde jedoch 2015 von einem ivorischen Gericht zu 20 Jahren Haft verurteilt und kam am 7. August 2018 aufgrund einer allgemeinen Amnestie des ivorischen Präsidenten Alassane Ouattara frei. Die vom IStGH seit 2012 verfolgten Vorwürfe wurden etwa neun Jahre später fallengelassen.<ref name="BBC2025" /><ref name="BBC2025bio" />

Politische Aktivitäten seit 2024

Am 30. November 2024 wurde sie als Kandidatin ihrer Partei, der Movement of Capable Generations (MGC), für die Präsidentschaftswahl 2025 nominiert.<ref>Ivory Coast's ex-first lady to run for president in 2025. 1. Dezember 2024, abgerufen am 8. Februar 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Am 9. September 2025 ließ der Verfassungsrat sie als eine von fünf Bewerberinnen und Bewerbern zur Präsidentschaftswahl am 25. Oktober 2025 zu; sie tritt dabei u. a. gegen den Amtsinhaber Alassane Ouattara (83) an.<ref name="BBC2025" /> Die Kandidaturen ihres Ex-Mannes Laurent Gbagbo, des ehemaligen Premierministers Pascal Affi N’Guessan und des Ex-Bankmanagers Tidjane Thiam wurden hingegen nicht zugelassen, was Fragen nach der Legitimität des Urnengangs aufwarf und Befürchtungen neuer Instabilität schürte.<ref name="BBC2025" /> Der offizielle Wahlkampf beginnt am 10. Oktober 2025; im Land sind rund 8,7 Millionen Wahlberechtigte registriert.<ref name="BBC2025" /> Mit Simone Gbagbo und der ehemaligen Ministerin Henriette Lagou Adjoua (Political Partners for Peace) wurden zwei Frauen zur Wahl zugelassen; ihre Kandidatur gilt als symbolträchtig, da Frauen in der ivorischen Politik weiterhin unterrepräsentiert sind (Anteil im Parlament etwa 30 %).<ref name="BBC2025" /> Ihr Wahlkampfmotto ruft dazu auf, „eine neue Nation“ innerhalb „eines souveränen, würdevollen und wohlhabenden Afrika“ aufzubauen.<ref name="BBC2025" /> Nach ihrem Bruch mit der FPI baute Gbagbo ihre politische Basis schrittweise wieder auf; anders als bei Laurent Gbagbo blieb ihr trotz der 2015 verhängten Verurteilung das Wahlrecht erhalten. Ob der Ex-Präsident seine frühere Ehefrau unterstützt, blieb zunächst offen.<ref name="BBC2025" /> Darüber hinaus kündigte sie an, die Elfenbeinküste zu „modernisieren“ und „wohlhabender“ zu machen, und gilt – nicht zuletzt wegen der Disqualifikation wichtiger Rivalen – als eine der stärksten Herausforderinnen Ouattaras; Beobachter rechnen damit, dass sie Teile der Anhängerschaft ihres Ex-Mannes hinter sich vereinen kann.<ref name="BBC2025bio" />

Siehe auch

Weblinks

Commons: Simone Gbagbo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

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