Voslapper Groden-Nord
Voslapper Groden-Nord
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Das NSG zwischen der Wilhelmshavener Raffinerie (Vordergrund) und dem Chemiewerk Voslapp (Hintergrund) | ||||||
| Lage | Nördlich vom Stadtzentrum der niedersächsischen kreisfreien Stadt Wilhelmshaven, westlich der Innenjade | |||||
| Fläche | 267 ha | |||||
| Kennung | NSG WE 253 | |||||
| WDPA-ID | 378374 | |||||
| Natura-2000-ID | {{#property:p3425}} | |||||
| Geographische Lage | 53° 37′ N, 8° 5′ O
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| Meereshöhe | von −1 m bis 0 m | |||||
| Einrichtungsdatum | 17. Mai 2007 | |||||
| Verwaltung | NLWKN | |||||
Voslapper Groden-Nord ist der Name eines Naturschutzgebietes in der niedersächsischen Stadt Wilhelmshaven.
Das Naturschutzgebiet liegt im Voslapper Groden südlich des PVC-Werkes und nördlich der Wilhelmshavener Raffinerie. Die Fläche des Naturschutzgebiets beträgt 267 Hektar. Zuständige untere Naturschutzbehörde ist die Stadt Wilhelmshaven.
Folgende geschützte Vogelarten sind im NSG zu finden:<ref>Naturschutzgebiet „Voslapper Groden Nord“ (Kennzeichen: NSG WE 253). nlwkn-niedersachsen.de, abgerufen am 25. Januar 2026.</ref>
- Rohrdommel (Botaurus stellaris)
- Tüpfelsumpfhuhn (Porzana porzana)
- Blaukehlchen (Luscinia svecica)
- Rohrschwirl (Locustella luscinioides)
- Schilfrohrsänger (Acrocephalus schoenobaenus)
- Wasserralle (Rallus aquaticus)
Geschichte
In der Zeit von April 1971 bis Dezember 1974 entstand durch Eindeichung und Aufspülung des Voslapper Grodens mit einer Gesamtfläche von 13,2 km². Die neu entstandenen Flächen waren für Industrieansiedlungen vorgesehen. Im September 1976 ging zunächst die Erdölraffinerie der Mobil Oil AG in Betrieb, im Juni 1981 nahm das PVC-Werk der ICI seinen Betrieb auf. Bis 1979 wurden weitere Teilbereiche als Spülflächen genutzt. Weitere Ansiedlungspläne, u. a. für ein Flüssigerdgasterminal<ref>Wilhelmshavener Heimatlexikon Band 3, Brune, Wilhelmshaven 1986–1987, S. 408</ref> konnten nicht umgesetzt werden und so entwickelte sich auf den langjährig nicht genutzten Flächen unbeabsichtigt eine Vielfalt von Biotoptypen, die insbesondere geschützten Vogelarten günstige Lebensbedingungen bietet.
Parallel zu dieser Entwicklung führte die Europäische Union mit der Vogelschutzrichtlinie ein Netz streng geschützter Gebiete ein. Nach diesen Regeln mussten viele Flächen, die für den Vogelschutz besonders wichtig sind, von den Mitgliedstaaten der EU gemeldet und geschützt werden. Im Fall des heutigen NSG Voslapper Groden-Nord wurde daher das Gebiet zunächst als EU-Vogelschutzgebiet V62 gemeldet und auf dieser Grundlage national durch niedersächsische Verordnung am 9. Mai 2007 zum Naturschutzgebiet Voslapper Groden-Nord erklärt.<ref>Verordnung über das Naturschutzgebiet „Voslapper Groden-Nord“ in der kreisfreien Stadt Wilhelmshaven, abgerufen am 25. Januar 2026.</ref> Entscheidend war also nicht die ursprüngliche Flächennutzungsplanung zur Industrieansiedlung, sondern der tatsächliche Zustand und dessen ökologische Bedeutung bei der Bewertung im Jahr 2006/2007, als die Schutzentscheidung vorbereitet wurde.
Flächennutzungskonflikt 2026
Im Januar 2026 wurde der Plan öffentlich bekannt, im Voslapper Groden-Nord einen Energiepark zu errichten. Konkret soll eine 145 Hektar große Fläche auf dem Groden, die sich im Eigentum der Stadt Wilhelmshaven befindet, der belgischen Firma Tree Energy Solutions (TES) und dem Joint Venture Deutsche Grüngas und Energieversorgung GmbH zur Verfügung gestellt werden. Das Konsortium plant die Entwicklung des „Jade Energy Terminals“.<ref>Jörg Schürmeyer: Voslapper Groden Nord in Wilhelmshaven: Trotz Protesten grünes Licht für Energiepark in Naturschutzgebiet. nwzonline.de, 22. Januar 2026, abgerufen am 23. Januar 2026.</ref>
Die Stadt Wilhelmshaven begründet die für die Planungen erforderliche Änderung des betreffenden Bebauungsplans damit, dass damit „die Weichen für die industrielle Entwicklung des Voslapper Grodens Nord gestellt“ würden. Geplant sei, „dass damit sich zwischen der bestehenden Raffinerie und dem PVC-Werk weitere Industrien ansiedeln können, die ihren Beitrag zum Gelingen der Umrüstung der Energieversorgung leisten werden.“ Es sei an der Innenjade möglich, einen Wasserstoffpark zu errichten. Die Stadt Wilhelmshaven erinnert auch daran, dass der Voslapper Groden bereits in den 1970er-Jahren für die Ansiedlung von Industrien ausgewiesen worden sei. Flora und Fauna hätten sich auf dem Nordteil des Grodens deshalb prächtig entwickelt, weil es nicht die erwartete Nachfrage seitens der Industrie gegeben habe und sich deshalb das Gebiet nicht wie geplant habe entwickeln können. Nur deshalb habe sich der Voslapper Groden zu einem Natur- und Vogelschutzgebiet entwickeln können.
Im Zuge der bundespolitischen Entscheidung zur Transformation der Energiewirtschaft in den 2020er-Jahren und nach dem Beschluss, dass Deutschland auf den Import russischen Erdgases verzichten werde, entstand der Plan, dass in Wilhelmshaven das „größte Gasimportterminal Deutschlands“ entstehen solle.<ref>Größtes deutsches Gasimportterminal soll in Wilhelmshaven entstehen. ndr.de, 10. April 2024, abgerufen am 25. Januar 2026.</ref> Vor allem dadurch sei – so die Stadt Wilhelmshaven – das Interesse am Voslapper Groden wieder gestiegen: „die ersten Unternehmen möchten hier Flächen erwerben, um sich hier in unmittelbarer Nähe des tiefen Fahrwassers [der Innenjade] niederzulassen. Diese industrielle Entwicklung ist gut für Deutschland, und die wirtschaftliche wird gut für Wilhelmshaven sein: Mit neuen Arbeitsplätzen und höheren Gewerbesteuereinnahmen will die Stadt maßgeblich von der Entwicklung profitieren, damit die Wohn- und Lebensbedingungen nachhaltig verbessert werden können“.<ref>Voslapper Groden. Stadt Wilhelmshaven, abgerufen am 24. Januar 2026.</ref>
Der Rat der Stadt Wilhelmshaven stimmte am 21. Januar 2026 mehrheitlich dem Bebauungsplan zu.<ref>LNG-Terminal im Vogelschutzgebiet: Stadtrat gibt grünes Licht. ndr.de, abgerufen am 24. Januar 2026.</ref>
Die politischen Planungen, nicht nur der regionalen Politik und Wirtschaft, sondern auch des Bundes und des Landes Niedersachsen, lösten vor allem bei Naturschützern heftige Proteste aus. Ein Bündnis aus mehreren Naturschutzverbänden, darunter der Naturschutzbund Deutschland (Nabu), die Deutsche Umwelthilfe und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), kritisiert, dass mit dem Bau der Industrieanlagen das EU-Vogelschutzgebiet im Voslapper Groden und damit der Lebensraum bedrohter Arten zerstört werde. „Mit der Freigabe des Voslapper Groden Nord für industrielle Bebauung wird eines der wertvollsten Schutzgebiete Niedersachsens unwiderruflich zerstört und das für ein Projekt, welches weder nachhaltig noch zukunftsfähig ist.“<ref>Jörg Schürmeyer: Voslapper Groden Nord in Wilhelmshaven: Trotz Protesten grünes Licht für Energiepark in Naturschutzgebiet. nwzonline.de, 22. Januar 2026, abgerufen am 23. Januar 2026.</ref>
Weblinks
- Naturschutzgebiet „Voslapper Groden-Nord“ in der Datenbank des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN)
- Schutzgebiet Voslapper Groden: Umweltverbände schließen Schutzbündnis. NABU Niedersachsen. 2026
Einzelnachweise
<references />
Bordumer Busch | Voslapper Groden-Nord | Voslapper Groden-Süd Vorlage:Klappleiste/Ende