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Bertelsmann Stiftung

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Bertelsmann Stiftung
Logo der Bertelsmann Stiftung
Rechtsform Stiftung des bürgerlichen Rechts
Bestehen seit 1977
Stifter Reinhard Mohn<ref>Im Auftrag des Patriarchen. Bertelsmann Stiftung erinnert an Reinhard Mohn. In: Neue Westfälische. 1. Mai 2010.</ref>
Sitz Gütersloh, DeutschlandDatei:Flag of Germany.svg Deutschland
Zweck Förderung von gesellschaftlicher Teilhabe (politisch, wirtschaftlich und kulturell)<ref name="wofür_wir_stehen">Wofür wir stehen – Leitbild. Über uns. In: bertelsmann-stiftung.de. Bertelsmann Stiftung, abgerufen am 1. August 2025.</ref>
Vorsitz Brigitte Mohn
(Vorstandsvorsitzende)
Bodo Uebber
(Kuratoriumsvorsitzender)<ref name="impressum">Impressum. Bertelsmann Stiftung, abgerufen am 1. August 2025.</ref><ref name="struktur">Der Vorstand. Wer wir sind – Struktur. In: bertelsmann-stiftung.de. Bertelsmann Stiftung, abgerufen am 1. August 2025.</ref>
Mitarbeiterzahl ca. 330<ref name="mitarbeiter">Mitarbeiter. Wer wir sind. In: bertelsmann-stiftung.de. Bertelsmann Stiftung, abgerufen am 1. August 2025.</ref>
Website bertelsmann-stiftung.de

Die Bertelsmann Stiftung ist eine rechtsfähige Stiftung des bürgerlichen Rechts mit Sitz in Gütersloh.<ref>Bertelsmann Stiftung. In: Stiftungsverzeichnis. Ministerium des Innern des Landes Nordrhein-Westfalen, abgerufen am 9. September 2024.</ref> Sie wurde 1977 von Reinhard Mohn errichtet und ist heute eine der größten deutschen Stiftungen.<ref>Tod eines Wirtschaftsweisen. In: Spiegel. 4. Oktober 2009, abgerufen am 1. Oktober 2016.</ref><ref>Liste der größten Stiftungen. Bundesverband Deutscher Stiftungen, abgerufen am 9. September 2024.</ref>

Die Bertelsmann Stiftung arbeitet operativ und ist in verschiedenen Bereichen wie Bildung, Gesundheit, soziale Gerechtigkeit und Digitalisierung tätig, um gesellschaftliche Herausforderungen zu bewältigen und das Gemeinwohl zu fördern.<ref>Die Tonangeber. In: Der Freitag. 16. Juni 2006, abgerufen am 1. Oktober 2016.</ref> Sie führt Forschungsprojekte durch, entwickelt neue Lösungsansätze und setzt sich für Reformen ein.<ref>Bertelsmann: Eine Stiftung vermisst die Welt. In: Süddeutsche Zeitung. 8. März 2018, abgerufen am 24. Mai 2024.</ref> Zu den bekanntesten Projekten der Stiftung zählt der seit 2011 vergebene Reinhard-Mohn-Preis.<ref>Reinhard Mohn-Preis will Beteiligung stärken. Verleihung im Juni 2011 in Gütersloh. In: Neue Westfälische. 24. Juli 2010.</ref> Ihr Einfluss auf Politik und Gesellschaft wurde wiederholt kritisiert.<ref>Thomas Schuler: Die Methode Bertelsmann: Eine Stiftung regiert das Land. In: Die Tageszeitung. 9. August 2010, abgerufen am 1. Oktober 2015.</ref>

Geschichte

Datei:Reinhard Mohn Portrait 2008.jpg
Reinhard Mohn (2008), Gründer der Bertelsmann Stiftung

Gründung und erste Jahre

Ende der 1970er Jahre gab es Diskussionen um die Nachfolge von Reinhard Mohn als Vorstandsvorsitzender von Bertelsmann. Vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Verantwortung als Unternehmer errichtete Mohn am 8. Februar 1977 die Bertelsmann Stiftung.<ref>Steffen Grimberg: Bertelsmann-Gründer gestorben: Abschied von einem Scheinlinken. In: Die Tageszeitung: taz. 4. Oktober 2009, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 1. Januar 2026]).</ref> Sie wurde am 14. März 1977 durch den Innenminister des Landes Nordrhein-Westfalen, Burkhard Hirsch, offiziell genehmigt.<ref>Bertelsmann-Personalien: Der Patriarch ordnet sein Erbe – und geht. In: Spiegel Online. 19. Juli 2004, abgerufen am 5. Juni 2024.</ref> Die Bertelsmann Stiftung war zunächst mit einem Kapital von 100.000 DM ausgestattet.<ref>Bernhard Hänel: Mohns Denkfabrik. In: Neue Westfälische. 5. Oktober 2009.</ref>

1979 wurde mit Hans-Dieter Weger der erste Geschäftsführer eingestellt. Er entwickelte das Konzept einer operativen Stiftung, die selbst Projekte initiiert und betreut.<ref>Ein Anstifter des Guten. In: Neue Westfälische. 16. September 2004.</ref> Zu den ersten Aktivitäten der Bertelsmann Stiftung zählte die Grundlagenstudie „Kommunikationsverhalten und Buch“ in Kooperation mit Infratest.<ref>Klaus Colberg: Wer stiftet zum Buchkauf an? Zur Studie über „Kommunikationsverhalten und Buch“. In: Nordwest-Zeitung. 27. August 1980.</ref> Außerdem beteiligte sich die Bertelsmann Stiftung an der „Spendenaktion Watteau“ und unterstützte nach dem Konzern den Aufbau der Stadtbibliothek Gütersloh.

Ein erster Tätigkeitsbericht erschien im Jahr 1982. Bundespräsident Karl Carstens verfasste das Vorwort und lobte dabei unter anderem die „Leistung von Stiftungen in der Öffentlichkeit“.<ref>Thomas Schuler: Bertelsmannrepublik Deutschland. Eine Stiftung macht Politik. Campus Verlag, Frankfurt am Main 2010, ISBN 978-3-593-40832-3, S. 49.</ref>

Ausbau der Stiftungsarbeit

Datei:Richtfest mit Liz und Reinhard Mohn 1990.jpg
Richtfest der Zentrale der Bertelsmann Stiftung mit Liz (r.) und Reinhard Mohn (l.) im Jahr 1990
Datei:Reinhard Mohn Carl Bertelsmann-Preis 1997.jpg
Reinhard Mohn bei der Verleihung des Carl Bertelsmann-Preises 1997

Die Bertelsmann Stiftung war mittlerweile zum Kern des gesellschaftspolitischen Engagements von Reinhard Mohn geworden.<ref>Personalien. In: Handelsblatt. 27. Juni 1986, S. 24.</ref> Der Stifter war der einzige Vorstand und bekam ab 1983 Unterstützung von einem neu eingerichteten Beirat. Zu diesem Gremium gehörten neben Reinhard Mohn und Hans-Dieter Weger auch Kurt Biedenkopf, Gerd Bucerius, Friedhelm Farthmann und Eberhard Witte. Die wachsende Zahl an Publikationen führte 1985 zur Gründung des Verlags Bertelsmann Stiftung.<ref>Verlag Bertelsmann Stiftung. Deutsche Digitale Bibliothek, abgerufen am 14. Juni 2024.</ref>

1988 verlieh die Bertelsmann Stiftung erstmals den Carl Bertelsmann-Preis. Ausgezeichnet wurden die Tarifparteien der Wirtschaftsbereiche Bau, Chemie und Metall.<ref>Carl-Bertelsmann-Preis. In: Handelsblatt. 18. April 1988, S. 5.</ref> Mit dem Preis werden bis heute international renommierte Persönlichkeiten gewürdigt, die sich um wegweisende Lösungen zu gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen verdient gemacht haben.<ref>„Weitblick und Geschick“: Schwab erhält Reinhard-Mohn-Preis. In: n-tv. 16. Juni 2016, abgerufen am 12. Dezember 2016.</ref> Neben der Arbeit im Inland initiierte die Bertelsmann Stiftung in den 1980er Jahren mehrere internationale Projekte, etwa zum „Kulturraum Europa“. Weitere Beispiele sind das Studienprogramm der Hebräischen Universität Jerusalem und der Aufbau der Biblioteca Can Torró in Alcúdia auf Mallorca.<ref>Thomas Veser: Die Ausbildung israelischer und palästinensischer Journalisten: Eine knappe Autostunde von Tel Aviv entfernt erlernen palästinensische Journalisten ihr Handwerk. In: Wiener Zeitung. 16. Juni 2000, S. 7.</ref><ref>Alcudia macht Reinhard Mohn zum Ehrenbürger. In: Neue Westfälische. 14. September 2005.</ref>

Nachdem Kurt Biedenkopf 1987 zum ersten Vorsitzenden des Beirats gewählt worden war,<ref>Personalien. In: Handelsblatt. 11. September 1987, S. 22.</ref> übernahm Reinhard Mohn 1990 selbst diesen Sitz. Größere mediale Beachtung erhielt der Wechsel Horst Teltschiks zur Bertelsmann Stiftung.<ref>Kohls Kopf bei Bertelsmann. In: Die Tageszeitung. 6. Dezember 1990, S. 2.</ref> Er wurde 1991 als Geschäftsführer bestellt, schärfte das Profil der Stiftung und forcierte die Internationalisierung.<ref>Teltschik will Profil der Bertelsmann Stiftung schärfen. In: Bonner General-Anzeiger. 6. Februar 1991, S. 9.</ref><ref>Bertelsmann Stiftung: Teltschik setzt auf Expertenseminare und Projektförderung. Arbeit soll auf neue Länder ausgedehnt und Aktuelles schneller umgesetzt werden. In: Handelsblatt. 6. Februar 1991, S. 7.</ref> Das führte beispielsweise zum Besuch von Michael Gorbatschow.<ref>Ludger Osterkamp: Als Gorbi sein Bad in der Menge nahm. In: Neue Westfälische. 9. März 2017, S. 11.</ref><ref>Der Osten ist tot. In: Focus. 18. Oktober 1993, S. 13.</ref>

1993 wurden neben Reinhard Mohn auch Ulrich Saxer und Werner Weidenfeld in den Vorstand der Bertelsmann Stiftung berufen. Die Geschäftsführung wurde ebenfalls neu besetzt.<ref>Leistungen der Ämter meßbar machen. Ein Mäzen besonderer Art: Die Bertelsmann Stiftung feiert ein Jubiläum. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 29. Mai 1993, S. 28.</ref>

Im selben Jahr übertrug Reinhard Mohn die Mehrheit der Kapitalanteile am Bertelsmann-Konzern auf die Stiftung. Dadurch erhöhte sich ihr Anteil auf 68,8 %.<ref>Neues Rekordjahr für Bertelsmann-Konzern. Reinhard Mohn übertrug Stiftung Kapitalmehrheit Gütersloh. In: Bonner General-Anzeiger. 24. September 1993, S. 21.</ref> Sie stieg dadurch zum größten Aktionär des Konzerns auf.<ref>Nach dem Tod von Reinhard Mohn: Bertelsmann bewahrt Tradition. In: n-tv. 5. Oktober 2009, abgerufen am 1. Oktober 2016.</ref> Im Schenkungsvertrag wurden Kapitalbeteiligung und Stimmrechte getrennt.<ref>Bertelsmann gehört jetzt mehrheitlich der Stiftung. In: Deutscher Drucker. 14. Oktober 1993, S. 4.</ref> Da die Bertelsmann Stiftung Dividenden für ihre Beteiligung am Konzern erhält, kam es mit Übertragung der Anteilsmehrheit zu einer Erhöhung des Etats.<ref>Bertelsmann Stiftung: Mohn kündigt deutliche Etataufstockung für 1993/94 an. Forschungsprogramm soll Reform der sozialen Marktwirtschaft ausloten. In: Handelsblatt. 28. Mai 1993, S. 10.</ref>

In den 1990er Jahren erfuhr die Hochschulpolitik der Bertelsmann Stiftung eine breite öffentliche Beachtung. Aufmerksamkeit erregte die Gründung des CHE (Centrum für Hochschulentwicklung) durch die Bertelsmann Stiftung und die Hochschulrektorenkonferenz im Jahr 1994.<ref>Thomas Veser: Verbraucherzentrale für die Unis: „Centrum für Hochschulentwicklung“ in Gütersloh nimmt die Arbeit auf. In: Der Tagesspiegel. 3. März 1994.</ref> Die Einrichtung versteht sich als „Reformwerkstatt“ für das deutsche Hochschulwesen.<ref>Sabine Etzold: Ein Grund zum Feiern. In: Die Zeit. 10. Februar 2000 (zeit.de [abgerufen am 1. Oktober 2016]).</ref><ref>Der Meister-Ranker. In: NZZ am Sonntag. 22. Mai 2005, S. 78.</ref>

Ebenfalls 1994 unterstützte die Bertelsmann Stiftung die Gründung des Centrums für Krankenhausmanagement (CKM) an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.<ref>Bertelsmann Stiftung. Sieben Millionen DM für innovative Medizinprojekte. In: Ärzte-Zeitung. 2. November 2000, S. 4.</ref> Neben Forschungsarbeit bietet es Weiterbildung von Klinikpersonal für Managementaufgaben.<ref>Kurse in Münster. Reha-Manager werden Strategen im Wettbewerb. In: Ärzte-Zeitung. 4. Mai 1998, S. 13.</ref><ref>Vom Praxischef zum Gesundheitsmanager. In: Ärzte-Zeitung. 8. Dezember 2004, S. 24.</ref> 2008 schied die Stiftung aus dem Kreis der Gesellschafter des CKM aus.

Neuordnung der Gremien

Reinhard Mohn war bis 1998 an der Spitze der Bertelsmann Stiftung tätig. Danach wurde Mark Wössner erst Vorstandsvorsitzender, später auch Beiratsvorsitzender.<ref>Thomas Hoffmann: Der Leitwolf verläßt das Rudel. In: Horizont. 24. September 1998, S. 14.</ref> Er trat im Jahr 2000 zurück, anschließend wurden die Führungsgremien neu geordnet: Das Präsidium ersetzte den Vorstand, das Kuratorium den Beirat.<ref>Mohn stellt die Weichen. In: Allgemeine Zeitung. 29. September 2000.</ref><ref>Bertelsmann Stiftung erhält neue Führungsstruktur. In: Neue Zürcher Zeitung. 29. September 2009, S. 28.</ref> Reinhard Mohn übernahm vorübergehend selbst wieder die Leitung beider Gremien,<ref>Mohn wird Präsident der Bertelsmann Stiftung. In: Die Welt. 29. September 2000, S. 17.</ref> bis er sie Mitte 2001 an Gunter Thielen abgab.<ref>Der Patriarch zieht sich zurück. In: Berliner Zeitung. 5. August 2001, S. 18.</ref> Damit hatte Reinhard Mohn alle Führungspositionen aufgegeben,<ref>Reinhard Mohn tritt ab. In: Bonner General-Anzeiger. 25. August 2001, S. 25.</ref> er blieb einfaches Kuratoriumsmitglied.<ref>Der Patriarch schont die Kräfte. In: Der Tagesspiegel. 25. August 2001, S. 31.</ref>

Heribert Meffert folgte 2002 auf Gunter Thielen als Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung.<ref>Meffert leitet künftig Bertelsmann-Stiftung. In: Stuttgarter Zeitung. 10. August 2002, S. 15.</ref> Er blieb bis 2005 in dieser Funktion.<ref>Thomas Knüwer, Hans-Peter Siebenhaar: Meffert verlässt Bertelsmann Stiftung. In: Handelsblatt. 17. Juni 2005, S. 20.</ref> In seiner Zeit wurden die Gremien wieder angepasst, aus dem Präsidium wurde wieder ein Vorstand.<ref>Stefan Brams: Der Stifter als Bauherr. In: Neue Westfälische. 20. Juli 2004.</ref> Damit wollte man die Corporate Governance im Sinne größerer Transparenz und Unabhängigkeit verbessern.<ref>Marc Beise, Hans-Jürgen Jakobs: „Wir wollen keine geheimen Ministerien sein“. In: Süddeutsche Zeitung. 29. April 2005 (Interview mit Heribert Meffert).</ref> Nachdem Heribert Meffert die Bertelsmann Stiftung verlassen hatte, war der Vorstand mit Liz Mohn und Johannes Meier besetzt.<ref>Meffert geht früher. In: Manager Magazin. 16. Juni 2005, abgerufen am 1. Oktober 2016.</ref>

2008 kam Gunter Thielen als Vorstandsvorsitzender zur Bertelsmann Stiftung zurück.<ref>Thielen wird Stiftungsleiter. In: Manager Magazin. 19. Juli 2004, abgerufen am 1. Oktober 2016.</ref><ref>Gunter Thielen geht zurück zur Bertelsmann Stiftung. In: Horizont. 3. Januar 2008, abgerufen am 1. Dezember 2016.</ref> Ab 2012 übernahm der ehemalige niederländische Arbeits- und Sozialminister Aart De Geus diese Funktion.<ref>Oliver Horst: Stühlerücken bei Bertelsmann. In: Westfalen-Blatt. 28. April 2012.</ref><ref>Regierungswechsel in Gütersloh. In: Westfalen-Blatt. 4. August 2012.</ref><ref>David Hein: Ab August Chef der Bertelsmann Stiftung. In: Horizont. 3. Mai 2012, S. 10.</ref> Er gab sie im Dezember 2019 auf eigenen Wunsch ab.<ref>Neuer Chef für Bertelsmann-Stiftung: Heck löst De Geus ab. In: Welt Online. 2. Oktober 2019, abgerufen am 12. Dezember 2019.</ref> Sein Nachfolger ist der promovierte Volkswirt Ralph Heck. Dieser gehörte bis zum Amtsantritt als Vorstandsvorsitzender dem Kuratorium der Bertelsmann Stiftung an.<ref>Ralph Heck hat den Vorstandsvorsitz der Bertelsmann Stiftung übernommen. Neue Westfälische, 3. August 2020, abgerufen am 5. Juli 2021.</ref>

Aktuellere Ereignisse

Im Jahr 2017 startete Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Zusammenarbeit mit der Bertelsmann Stiftung das Forum Bellevue zur Zukunft der Demokratie.<ref>Dotzauer Gregor: Wenn das Alte stirbt: Das Forum Bellevue zur Zukunft der Demokratie. In: Der Tagesspiegel. 25. Mai 2018, S. 19.</ref> Die Veranstaltungsreihe wurde bis 2021 durchgeführt und sollte unter anderem der Politikverdrossenheit entgegenwirken.<ref>Martin Fröhlich: Ein Präsident kämpft um sein Land. In: Neue Westfälische. 25. Mai 2018, S. 3.</ref> Sie knüpfte an die Berliner Rede (1997 bis 2011) von Roman Herzog und Horst Köhler sowie das Bellevue Forum (2013 bis 2016) von Joachim Gauck an. Das Forum Bellevue erreichte eine breite mediale Rezeption.

Nach dem Tod von Reinhard Mohn im Jahr 2009 prägte seine Ehefrau Liz Mohn die Bertelsmann Stiftung.<ref>Liz Mohn tritt die Nachfolge an. In: Neue Zürcher Zeitung. 10. Oktober 2009, S. 29.</ref> Sie war stellvertretende Vorsitzende des Vorstands und des Kuratoriums. 2021 gab sie ihre Position in beiden Gremien auf.<ref>Bertelsmann-Stiftung: Liz Mohn verlässt Vorstand. In: Die Stiftung. 3. August 2021, abgerufen am 23. Mai 2024.</ref> Später wurde sie als Ehrenmitglied in das Kuratorium berufen. Zudem repräsentiert sie weiterhin die Bertelsmann Stiftung weltweit, nicht zuletzt als Präsidentin der spanischen Fundación Bertelsmann und der US-amerikanischen Bertelsmann Foundation.

2021 initiierte die Bertelsmann Stiftung das gemeinnützige Liz Mohn Center, dessen Gesellschafterin sie war.<ref>Familienoberhaupt tritt kürzer: Bertelsmann Stiftung gründet Liz-Mohn-Center. In: n-tv. 21. Juni 2021, abgerufen am 23. Mai 2024.</ref> Das Zentrum führte Liz Mohns Projekte weiter, darunter insbesondere das Deutsch-Spanische Forum, den Salzburger Trilog und den Internationalen Gesangswettbewerb Neue Stimmen. 2024 ging das Liz Mohn Center zusammen mit der Liz Mohn Kultur- und Musikstiftung in der neuen Liz Mohn Stiftung auf, die rechtlich unabhängig von der Bertelsmann Stiftung ist.<ref>Stiftungsgründung: Liz-Mohn-Stiftung bündelt Aktivitäten. In: Die Stiftung. 15. Februar 2024, abgerufen am 23. Mai 2024.</ref>

Organisationsstruktur

Die Bertelsmann Stiftung ist selbstständige Stiftung des bürgerlichen Rechts. Sie ist eine voll rechtsfähige juristische Person, die im Innen- und Außenverhältnis ausschließlich dem in der Satzung definierten Zweck verpflichtet ist.<ref>Bertelsmann Stiftung. Ministerium des Innern des Landes Nordrhein-Westfalen, abgerufen am 3. Juli 2024.</ref> Die Bertelsmann Stiftung untersteht der Aufsicht durch die Bezirksregierung Detmold und verfolgt ausschließlich und unmittelbar steuerbegünstigte Zwecke im Sinne der Abgabenordnung.

Gremien

Datei:Brigitte Mohn, 2016 (cropped).jpg
Brigitte Mohn (2016), Vorstandsvorsitzende seit August 2025

Vorstand

Die Geschäftsführung und organschaftliche Vertretung der Bertelsmann Stiftung obliegen dem Vorstand, der aus mindestens drei Mitgliedern besteht. Diese werden vom Kuratorium ernannt und abberufen. Der Vorstand entwickelt die strategische Ausrichtung der Bertelsmann Stiftung, stimmt sie mit dem Kuratorium ab und sorgt für ihre Umsetzung. Vorstände, die gleichzeitig dem Management des Bertelsmann-Konzerns angehören, können die Stiftung nur zusammen mit einem weiteren Mitglied des Vorstands vertreten, das nicht gleichzeitig dem Management des Bertelsmann-Konzerns angehört.

Derzeit besteht der Vorstand aus Brigitte Mohn (Vorsitz), Daniela Schwarzer und Wilhelm-Friedrich Uhr.<ref>Bertelsmann Stiftung stellt Vorstand neu auf. In: Die Stiftung. 6. Juni 2025, abgerufen am 13. Juni 2025.</ref>

Kuratorium

Der Vorstand wird vom Kuratorium der Bertelsmann Stiftung beraten und kontrolliert. Das Kuratorium hat mindestens sechs Mitglieder und ist in alle Entscheidungen von grundlegender Bedeutung eingebunden. Zu seinen Aufgaben zählen ferner die Genehmigung des Jahresabschlusses, die Kontrolle der Wirtschaftsführung, die Entgegennahme der Rechenschaftsberichte des Vorstands und seine Entlastung. Das Kuratorium setzt sich zusammen aus einem Nachfolger des Stifters Reinhard Mohn, einem Mitglied der Aufsichtsräte des Bertelsmann-Konzerns und weiteren Personen.

Derzeit ist das Kuratorium der Bertelsmann Stiftung besetzt mit Bodo Uebber (Vorsitzender),<ref>Führungswechsel bei der Bertelsmann-Stiftung. In: Die Stiftung. 1. Oktober 2024, abgerufen am 3. Januar 2025.</ref> Liz Mohn (Ehrenmitglied),<ref>Bertelsmann Stiftung: Liz Mohn scheidet zum 80. Geburtstag aus. In: WirtschaftsWoche. 21. Juni 2021, abgerufen am 25. Juni 2021.</ref> Anna Maria Braun, Alena Buyx, Saori Dubourg, Arancha González Laya, Ralph Heck, Christoph Mohn, Andreas Pinkwart und Matthias Schulz.

Finanzen

Die Bertelsmann Stiftung finanziert sich im Wesentlichen aus Erträgen der mittelbaren Beteiligung an Bertelsmann. Die Stiftung hält ihre Anteile am Konzern über eine Zwischengesellschaft, deren Mehrheitsgesellschafterin sie ist. Diese Anteile sind reine Kapitalanteile, das Stimmrecht liegt bei der Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft.<ref>Reinhard Mohn gibt seine Stimmrechte bei Bertelsmann ab. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 2. Juli 1999, S. 16.</ref> Weitere Erträge stammen aus Kooperationen mit anderen gemeinnützigen Organisationen, der Verwaltung eigenen Vermögens und Spenden. Die Bertelsmann Stiftung bildet Rücklagen, um den Stiftungszweck unabhängig von laufenden Einnahmen erfüllen zu können.

Seit ihrer Gründung hat die Bertelsmann Stiftung rund zwei Milliarden Euro für gemeinnützige Arbeit zur Verfügung gestellt.<ref>Andreas Schnadwinkel: Brigitte Mohn: „Keiner kann es alleine.“ In: Westfalen-Blatt. 22. März 2023, abgerufen am 23. März 2023.</ref> Im Geschäftsjahr 2024 flossen rund 168 Millionen Euro zu. Die Ausgaben beliefen sich auf 77 Millionen Euro. Der größte Teil (41 Millionen Euro) wurde für Programme, Zentren und Sonderprojekte aufgewendet. Außerdem tätigte die Bertelsmann Stiftung Zuwendungen in Höhe von 15 Millionen Euro an verbundene gemeinnützige Organisationen, darunter auch die Bertelsmann Foundation North America und die Fundación Bertelsmann.<ref>Jahresbericht 2024. (PDF) Bertelsmann Stiftung, 29. April 2025, S. 40–43, abgerufen am 14. Mai 2025.</ref>

Standorte

Datei:Bertelsmann Stiftung 2007-01.jpg
Zentrale der Bertelsmann Stiftung in Gütersloh (2007)

Die ersten Büros der Bertelsmann Stiftung befanden sich in einem Wohnhaus in der Gütersloher Carl-Miele-Straße. 1980 wurden stattdessen Räumlichkeiten des Bertelsmann-Konzerns angemietet. 1986 bezog die Bertelsmann Stiftung das Gebäude an der Moltkestraße 10, das 1893 als Nebenstelle der Reichsbank errichtet worden war und bis 1985 der Landeszentralbank von Nordrhein-Westfalen gehörte.

1989 gewann das Architekturbüro Gerkan, Marg und Partner einen Wettbewerb für den Neubau der Zentrale der Bertelsmann Stiftung gegenüber dem Hauptsitz des Bertelsmann-Konzerns. Das Richtfest des Gebäudes fand 1990 statt, die Gebäude wurden in den folgenden Jahren mehrfach erweitert.<ref>Bertelsmann Stiftung. Gerkan, Marg und Partner, abgerufen am 3. Juli 2024.</ref> Neben der Zentrale in Gütersloh gibt es ein Haus am Werderschen Markt in Berlin in unmittelbarer Nähe zum Auswärtigen Amt sowie zum Humboldt Forum.<ref>Die Neuerfindung des Schinkelplatzes. Entwicklungsstadt Berlin, abgerufen am 3. Juli 2024.</ref> Außerdem ist die Bertelsmann Stiftung in Brüssel vertreten.

1995 wurde die selbständige Tochterstiftung Fundación Bertelsmann mit Sitz in Barcelona gegründet. Ziel war es damals, die spanische Lese- und Medienkultur zu fördern. Heute konzentriert sich die Fundación auf die duale Berufsausbildung und Berufsorientierung von Jugendlichen in Spanien. Neben Barcelona ist die Fundación auch in Madrid und Sevilla präsent.

Seit 2008 ist die Bertelsmann Stiftung auch in Washington, D.C. vertreten. Dort wurde mit der Bertelsmann Foundation North America eine weitere selbständige Stiftung errichtet. Sie beschäftigt sich mit den transatlantischen Beziehungen.

Stiftungsarbeit

Die Bertelsmann Stiftung ist eine operative Stiftung, die alle Projekte eigenständig konzipiert, initiiert und bis zur Umsetzung begleitet.<ref>Bertelsmann Stiftung – Info. In: Rheinische Post. 3. November 2010.</ref> Ihr Zweck erstreckt sich auf die „Förderung der Wissenschaft und Forschung, der Religion, des öffentlichen Gesundheitswesens, der Jugend- und Altenhilfe, der Kunst und Kultur, der Volks- und Berufsausbildung, des Wohlfahrtswesens, der internationalen Gesinnung, des demokratischen Staatswesens und des bürgerschaftlichen Engagements.“<ref>Satzung. (PDF) Bertelsmann Stiftung, 12. Mai 2023, abgerufen am 10. Februar 2025.</ref>

Die Initiativen der Bertelsmann Stiftung zeigen nicht nur Lösungen auf, sondern schaffen empirisch gestützte Orientierung in einer breiten Öffentlichkeit.<ref>Thorsten Gödecker: Fingerzeige aus der Denkfabrik. In: Neue Westfälische. 30. April 2014, S. 12.</ref><ref>Die Bertelsmann Stiftung setzt sich für das Gemeinwohl ein. In: Taunus-Zeitung. 19. Januar 2008, S. 7 (Ausgabe Bad Homburg).</ref> Sie evaluiert und verbreitet die Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschungsvorhaben und -projekte sowie der Modellversuche und Konzeptentwicklungen im Rahmen der Förderung der genannten Zwecke und Aufgaben. Zum Zweck der Verbreitung ist die Stiftung verlegerisch tätig, das heißt sie gibt Bücher, Broschüren, Arbeitshilfen, Ratgeber und andere Publikationen in gedruckter oder in elektronischer Form heraus.<ref>Bertelsmann Stiftung. In: Lobbyregister. Deutscher Bundestag, 14. Januar 2025, abgerufen am 10. Februar 2025.</ref>

Programme

Bildung und Next Generation

Die Bertelsmann Stiftung fördert gesellschaftliche Teilhabe durch Bildung. Sie setzt sich für den fairen Zugang zu hochwertiger Bildung ein und betrachtet die frühkindliche, schulische sowie berufliche Weiterbildung als Schlüssel zur Beteiligung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Ziel ist es, zukunftsrelevante Kompetenzen zu vermitteln und individuelles Lernen lebenslang zu unterstützen.<ref>„Mehr Ganztagsschulen“. In: Neue Osnabrücker Zeitung. 5. August 2013.</ref><ref>Michaela Ernst: „Lernen lernen und Kenner kennen“. In: Profil. 12. Oktober 2015, S. 92–93.</ref><ref>Christian Güntlisberger: Bertelsmann Stiftung mit Angebot zur beruflichen Weiterbildung. In: Neue Zürcher Zeitung. 23. Juni 1994, S. 83.</ref>

Vor diesem Hintergrund vergleicht die Stiftung beispielsweise regelmäßig die frühkindlichen Bildungssysteme in den deutschen Bundesländern. Der sogenannte Ländermonitor gibt unter anderem Auskunft über die Personalausstattung in Kindertagesstätten und Grundschulen.<ref>Jeannette Otto: Der Kita-Report. In: Die Zeit. 5. Juni 2008 (zeit.de [abgerufen am 1. Oktober 2016]).</ref><ref>Jördis Früchtenicht: „Zweiter Platz für Bremen“. In: Die Tageszeitung. 29. Juni 2016 (taz.de [abgerufen am 1. Oktober 2016]).</ref>

Zudem betont die Stiftung das Recht von Kindern und Jugendlichen auf Bildung und Teilhabe unabhängig von ihrer sozialen, ökonomischen oder kulturell-ethnischen Herkunft. Zur Verknüpfung der Familien-, Bildungs- und Sozialpolitik setzt sie sich für die Einführung einer Kindergrundsicherung ein.<ref>Thomas Krüger: Bertelsmann Stiftung: Kindergrundsicherung ist gute Investition. In: Kölner Stadt-Anzeiger. 5. Juli 2023.</ref>

Demokratie und Zusammenhalt

Die Bertelsmann Stiftung will die Demokratie in Deutschland und weltweit schützen und weiterentwickeln.<ref>Bertelsmann-Stiftung: Demokratie und Rechtsstaatlichkeit weltweit geschwächt. In: Zeit Online. 29. April 2020, abgerufen am 10. Februar 2025.</ref><ref>Furcht vor gesellschaftlicher Spaltung. In: Neue Westfälische. Herforder Kreiszeitung. 18. April 2024, S. 7.</ref> Hierzu will sie insbesondere junge Menschen für mehr Demokratie begeistern, den gesellschaftlichen Zusammenhalt in der Einwanderungsgesellschaft verbessern und die politischen Institutionen der Bundesrepublik Deutschland robuster und partizipativer machen.<ref>Simone Lutz: Mehr direkte Demokratie. In: Badische Zeitung. 5. September 2014, S. 22.</ref><ref>Mehr Bürgerbeteiligung stärkt die Demokratie. In: Aachener Zeitung. 6. September 2014, S. 2.</ref>

2025 steht die Stärkung der Demokratie im Mittelpunkt des Reinhard-Mohn-Preises.<ref>Reinhard-Mohn-Preis 2025: Engagierte Kämpfer für Demokratie. In: Die Glocke. 3. Dezember 2024, S. 17.</ref> Der Preis zeichnet international renommierte Persönlichkeiten aus, die sich um wegweisende Lösungen zu gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen verdient gemacht haben.

Da Kinder und Jugendliche nicht als Demokraten geboren werden, wurden Angebote im Bereich der politischen Bildung entwickelt, etwa für Kindertagesstätten,<ref>Bertelsmann-Stiftung besucht Kindergarten. In: Neue Westfälische. Paderborner Kreiszeitung. 10. Februar 2020, S. 10.</ref> Schulen und außerschulische Bildungseinrichtungen.<ref>Katrin Lange: 2,9 Millionen Euro für neues Bildungsprojekt: Bertelsmann-Stiftung fördert Jugendliche. In: Berliner Morgenpost. 25. März 2010, S. 16.</ref><ref>Sebastian Hamm: Jugend soll das Ehrenamt entdecken. In: Rhein-Zeitung. 28. September 2011, S. 3.</ref> Ein Ergebnis dieser Bemühungen ist etwa die Buchreihe „Leon und Jelena“.<ref>Anna Pannen: Mitbestimmen: Die Bilderbuchreihe „Leon und Jelena“ handelt von Demokratie in der Kita. In: Der Tagesspiegel. 22. Juli 2022, S. 13.</ref>

Digitalisierung und Gemeinwohl

Die Bertelsmann Stiftung befasst sich mit den Auswirkungen von Algorithmen und künstlicher Intelligenz auf Gesellschaft und Lebenschancen. Sie warnt vor der Gefahr, dass automatisierte Entscheidungen ohne klare ethische und regulatorische Leitlinien Diskriminierung und soziale Ungleichheit verstärken können.<ref>Bertelsmann-Studie: Kaum jemand weiß, was ein Algorithmus ist. In: Der Spiegel. 23. Mai 2018 (spiegel.de [abgerufen am 17. April 2024]).</ref> Gleichzeitig hebt sie das ungenutzte Potenzial für das Gemeinwohl hervor.<ref>Patrick Beuth: Algorithmen: Mitreden bei der Automatisierung der Welt. In: Die Zeit. Hamburg 7. Dezember 2017 (zeit.de [abgerufen am 17. April 2024]).</ref>

Ein wichtiges Arbeitsfeld sind Analysen zu Risiken und Chancen digitaler Technologien. Die Stiftung möchte positive Narrative für den digitalen Wandel entwickeln. Zugleich will sie digitale Technologien am Gemeinwohl ausrichten,<ref>Am Gemeinwohl ausrichten. In: Süddeutsche Zeitung. 28. Dezember 2020, S. 16.</ref> um deren Akzeptanz zu fördern.<ref>Das Potenzial von Algorithmen und KI. In: Achimer Kreisblatt. 8. Februar 2021, S. 24.</ref>

Die Stiftung sieht Desinformation als große Bedrohung der Demokratie in Deutschland und weltweit. Daher hat sie verschiedene Strategien und Methoden entwickelt, gezielte Kampagnen antidemokratischer Kräfte zu erkennen und zu bekämpfen.<ref>EU-Bürger wollen mehr Einsatz gegen Fake News. In: Kölnische Rundschau. 11. August 2023, S. 21.</ref>

Europas Zukunft

Die Bertelsmann Stiftung betont die Notwendigkeit eines souveränen Europas.<ref>Europa im Fokus der Bertelsmann Stiftung. In: Neue Westfälische. 19. Mai 2016, S. 1.</ref><ref>Schwerpunkt Europa. Bertelsmann Stiftung reagiert auf kritische Umfrageergebnisse. In: Westfalen-Blatt. 17. September 2012.</ref> Sie thematisiert die Herausforderungen durch wirtschaftliche Abhängigkeiten und setzt sich für eine Reduktion sozialer und wirtschaftlicher Ungleichgewichte ein. Die Stiftung sieht Digitalisierung und Nachhaltigkeit als Schlüsselbereiche, in denen Europa durch wertebasierte Strategien weltweit Standards setzen kann.<ref>Martin Krause: Bertelsmann-Stiftung mahnt EU. In: Neue Westfälische. 23. März 2023, S. 5.</ref>

Zur Unterstützung der Grundsatzdebatte über Europas Zukunft holt die Stiftung regelmäßig die Meinung der europäischen Bürger zu zentralen Zukunftsfragen ein. Nach wissenschaftlichen Standards ermittelt sie ein Stimmungsbild, das auch die politische Debatte unterstützen soll.<ref>Bertelsmann-Studie: Europäer sind gleichzeitig Optimisten und Pessimisten. In: Zeit Online. 28. Mai 2020, abgerufen am 10. Februar 2025.</ref><ref>Mareike Köstermeyer: Furcht vor gesellschaftlicher Spaltung. In: Neue Westfälische. 18. April 2024, S. 7.</ref>

Zudem untersucht die Stiftung, wie Europa seine Handlungsfähigkeit bewahren und ausbauen kann.<ref>Christof Roche: Europa muss Handlungsfähigkeit demonstrieren. In: Börsen-Zeitung. 18. Juni 2008, S. 8.</ref> In Zeiten angespannter Geopolitik setzt sie sich für gute Beziehungen zwischen der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten ein, etwa auf Veranstaltungen wie dem Deutsch-Amerikanischen Zukunftsforum.<ref>Claudia Kramer-Santel: G7-Treffen in Münster: Blinken und Baerbock debattieren im Hotel Atlantic. In: Westfälische Nachrichten. 28. Oktober 2022, abgerufen am 14. Februar 2025.</ref>

Gesundheit

Die Bertelsmann Stiftung sieht Innovation und Patientenzentrierung als wesentliche Faktoren für ein zukunftsfähiges und solidarisches Gesundheitssystem. Sie setzt sich für mehr Qualität und Sicherheit ein,<ref>Qualität im Gesundheitswesen verlangt. Bertelsmann Stiftung: Deutsche wünschen sich Bundesinstitut – auch Transparenz hoch im Kurs. In: Rhein-Zeitung. 24. Juni 2003.</ref> auch durch Digitalisierung.<ref>Jeder Achte geht krank zur Arbeit. Bertelsmann-Stiftung: Steigende Anforderungen gefährden die Gesundheit. In: Westfalen-Blatt. 17. März 2015.</ref> Sie will veraltete Versorgungsstrukturen zugunsten integrierter regionaler Modelle erneuern und die Gesundheitskompetenz der Bürger fördern.<ref>Gesundheitliche Versorgung: Große Mehrheit für grundlegende Reform des Gesundheitswesens. 15. Juni 2023, abgerufen am 13. Februar 2025.</ref>

Unter anderem entwickelt die Stiftung Verfahren zur Bewertung der Versorgungseffekte von digitalen Gesundheitsanwendungen. Zudem unterstützt sie die Ausrichtung der Gematik als digitale Gesundheitsagentur, nicht zuletzt nach Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA).<ref>Jennifer Evans: Bertelsmann-Studie: E-Patientenakte wichtiger als E-Rezept. In: Pharmazeutische Zeitung. 1. April 2022, abgerufen am 13. Februar 2025.</ref>

Des Weiteren arbeitet die Stiftung an der Erfassung von Patient-Reported Outcomes (PROs).<ref>Andrea Fürchtenicht, Hannah Wehling, Marion Grote Westrick, Sina Busse: Patient-Reported Outcomes: Wie die Patientenperspektive die Versorgung transformieren wird. 2023, doi:10.11586/2023067 (bertelsmann-stiftung.de [abgerufen am 13. Februar 2025]).</ref> Diese Angaben von Patienten über ihren selbst wahrgenommenen Gesundheitszustand sind international anerkannt, werden in Deutschland bisher nicht standardmäßig erhoben.

Nachhaltige Soziale Marktwirtschaft

Die Bertelsmann Stiftung betont die Notwendigkeit, die soziale Marktwirtschaft angesichts globaler Herausforderungen wie Klimawandel, Ressourcenknappheit, Demografie und Digitalisierung zu einer nachhaltigen sozialen Marktwirtschaft weiterzuentwickeln.<ref>Globalisierung hilft Reichen. Deutschland gehört laut der Bertelsmann Stiftung zu den Gewinnern der weltweiten Verflechtung. In: Badische Zeitung. 25. März 2014, S. 19.</ref><ref>Jakob Pontius: „Die Industrieländer müssen ihre Märkte öffnen“. In: Zeit Online. 2. September 2016, abgerufen am 1. Oktober 2016.</ref> Dadurch soll die soziale Marktwirtschaft als verlässliches Leitbild für zukünftige Generationen erhalten bleiben.<ref>Länder-Stresstest: Deutschland bei Nachhaltigkeit nur gut. In: Thüringer Allgemeine. 9. September 2015, S. 2.</ref>

Um die Innovations- und Gründungsdynamik zu stärken, werden evidenzbasierte Konzepte und Reformvorschläge erstellt.<ref>Julia Gesemann: Heimat für Gründer. In: Neue Westfälische. 12. September 2018, S. 42.</ref> Dabei beschäftigt sich die Stiftung unter anderem mit der politischen Governance und dem Transfer aus Wissenschaft und Forschung in den Mittelstand.<ref>Guido M. Hartmann: Mittelstand in Ostwestfalen: Ideen suchen Geld. In: Die Welt. 24. Juni 2024, abgerufen am 14. Februar 2025.</ref>

Seit 2006 erscheint alle zwei Jahre der Transformationsindex der Bertelsmann Stiftung (BTI).<ref>Der Lohn der weitsichtigen Reformer. Wer umfassenden Wandel in der Welt fördern will, muss Eigenverantwortung stärken. In: Frankfurter Rundschau. 6. Oktober 2005, S. 7.</ref> Dieser gibt Auskunft über die politische und wirtschaftliche Transformation von Entwicklungs- und Schwellenländern zu Demokratie und Marktwirtschaft. Er zeigt globale Trends in diesen Bereichen.<ref>Unfreiheit macht arm. In: Rheinische Post. 25. März 2024, S. 2.</ref>

Zentren

Zentrum für Datenmanagement

Das Zentrum für Datenmanagement der Bertelsmann Stiftung stellt hochwertige Datensätze für journalistische und wissenschaftliche Analysen bereit, um den demokratischen Diskurs zu fördern und evidenzbasierte Entscheidungen auf allen politischen Ebenen zu unterstützen.<ref>Alexander Ebert: Musterkatalog gibt Überblick über offene kommunale Daten. In: Springer Professional. 31. März 2021, abgerufen am 17. April 2024.</ref>

Ein weiterer Schwerpunkt des Zentrums liegt darauf, das Bewusstsein für die Bedeutung offener Daten für das Gemeinwohl zu stärken und Barrieren abzubauen. Ziel ist es, gut aufbereitete und vielfältige Daten als Basis für fundierte Entscheidungen bereitzustellen.<ref>Bertelsmann Stiftung veröffentlicht Leitfaden für Open Data in der Zivilgesellschaft. In: Tagesspiegel Background. 7. Dezember 2023, abgerufen am 10. April 2024.</ref>

Zentrum für Nachhaltige Kommunen

Das Zentrum für Nachhaltige Kommunen der Bertelsmann Stiftung unterstützt lokale Akteure bei der Umsetzung der Agenda 2030 der Vereinten Nationen und der Nachhaltigkeitsziele (SDGs).<ref>Christian Kroll: Nachhaltige Entwicklung: Noch darf man hoffen. In: Der Tagesspiegel. 22. September 2020, S. 18.</ref><ref>Britta Wenninger: Nachhaltigkeit steht immer stärker im Fokus. In: tz. 28. Mai 2024, S. 12.</ref> Ein Schwerpunkt ist die Entwicklung eines wirkungsorientierten Nachhaltigkeitsmanagements.

Die Stiftung arbeitet mit gesellschaftlichen Akteuren zusammen, um Nachhaltigkeit auf kommunaler Ebene zu fördern. Ein wichtiges Mittel ist der kommunale Finanzreport, der Entwicklungen in den Haushalten abbildet.<ref>Arme Stadt, reiche Stadt. In: Focus. 14. August 2015, S. 20–25.</ref> Dabei wird Nachhaltigkeit zum Schlüsselfaktor für die Steuerung der Finanzen erhoben.

Kritik

Die Kritik an der Bertelsmann Stiftung konzentrierte sich Anfang der 2010er-Jahre hauptsächlich auf drei Kernbereiche:<ref>Bertelsmann Stiftung. In: Lobbypedia. Abgerufen am 12. Juni 2025.</ref> die potenzielle Verfolgung kommerzieller Interessen des Bertelsmann-Konzerns,<ref>Caspar Busse, Hans-Jürgen Jakobs: Elefant im Dickicht. In: Süddeutsche Zeitung. 16. September 2010, S. 15.</ref> eine unzulässige politische Einflussnahme sowie mangelnde Transparenz.<ref>Die Bertelsmann Stiftung kritisch im Blick. In: Neue Westfälische. 29. März 2007.</ref> Der Stiftung wurde vor allem vorgeworfen, ihre gesellschaftliche und politische Stellung zu nutzen, um Entwicklungen im Sinne der Unternehmens- und Familieninteressen zu lenken.<ref>Thomas Schuler: Selbstloser Eigennutz. In: Das Parlament. 13. Dezember 2010, abgerufen am 11. November 2025.</ref><ref>„Debatte über Bertelsmann befördert“. In: Neue Westfälische. 3. August 2007.</ref>

Kommerzielle Interessen

Ein Kritikpunkt war die mögliche Vermischung der gemeinnützigen Stiftungsarbeit mit den kommerziellen Zielen des Bertelsmann-Konzerns, an dem die Stiftung die Mehrheit der stimmrechtlosen Kapitalanteile hält.<ref>Stefan Brams: Im Sitzen durchs Netzwerk. In: Neue Westfälische. 9. Juni 2007.</ref> Kritiker führten an, dass die Stiftung durch ihre Studien, Empfehlungen und Projekte möglicherweise Bedarfe generiere, die anschließend von Tochterunternehmen des Konzerns bedient werden könnten.<ref>Beziehungen auf Eis: Verdi setzt Zusammenarbeit mit Bertelsmann aus. In: Neue Westfälische. 13. Oktober 2007.</ref><ref>Gerrit Dinkels: Bertelsmann: Stiftung kurz vor der Wahl erneut in der Kritik. In: Die Glocke. 22. Mai 2014.</ref>

Vertreter der Bertelsmann Stiftung wiesen diese Vorwürfe zurück.<ref>Hans-Peter Siebenhaar: Die Bertelsmann-Republik: Der Mohn-Vertraute Thielen weist Kritik an der Gemeinnützigkeit scharf zurück. In: Handelsblatt. 11. August 2010, S. 23.</ref> Sie betonen stets, nicht als „Speerspitze“ des Konzerns zu agieren.<ref>Gunter Thielen: „Wir sind nicht die Speerspitze für die Bertelsmann AG“. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 28. April 2012, S. 14.</ref> Die Stiftung komme in den Genuss der Erträge des Konzerns, ohne die Unternehmenspolitik beeinflussen zu können. Es besteht eine klare Trennung zwischen der gemeinnützigen Arbeit der Stiftung und den unternehmerischen Entscheidungen des Konzerns.<ref>Ingrid Scheithauer: Konsens statt Streitkultur. Reinhard Mohn will für Bertelsmann Kontinuität. In: Frankfurter Rundschau. 2. Juli 1999, S. 11.</ref>

Ein weiterer Aspekt der Kritik betraf den Status der Gemeinnützigkeit.<ref>Hans-Peter Siebenhaar: Gütersloher Gemeinnützigkeiten. In: Handelsblatt. 31. Oktober 2007, S. 10.</ref> Es wurde argumentiert, die Stiftung profitiere von Steuererleichterungen, während ihre Aktivitäten den Interessen des Konzerns dienten und nicht uneingeschränkt dem Gemeinwohl entsprächen.<ref>Anna Marohn: Verschwommene Grenzen. In: Frankfurter Rundschau. 10. November 2004, S. 10.</ref> In diesem Zusammenhang wurde angeführt, Reinhard Mohn habe die Stiftungskonstruktion auch genutzt, um Schenkungs- und Erbschaftssteuern zu minimieren.<ref>Thomas Schuler: Unbequeme Wahrheiten. In: Berliner Zeitung. 20. August 2010, S. 26.</ref> Kritisiert wurden zudem personelle Verflechtungen zwischen Stiftung und Konzern.

Die Stiftung stellte klar, die Gemeinnützigkeit werde regelmäßig vom Finanzamt geprüft und bestätigt.<ref>„Gemeinnützigkeit wurde anerkannt“. Bertelsmann Stiftung Wernickes Kritik zurück. In: Neue Westfälische. 23. Mai 2007.</ref> Sie orientiert sich zudem an den Grundsätzen guter Stiftungspraxis.<ref>Bundesverband Deutscher Stiftungen (Hrsg.): Die Grundsätze guter Stiftungspraxis. Erläuterungen, Hinweise und Anwendungsbeispiele aus dem Stiftungsalltag. Berlin 2014, ISBN 978-3-941368-55-2, S. 30 ff.</ref>

Politische Einflussnahme

Ein weiterer Punkt der öffentlichen Auseinandersetzung war die Kritik an einer politischen Einflussnahme der Bertelsmann Stiftung.<ref>Isabel Kusche: Politikberatung und die Herstellung von Entscheidungssicherheit im politischen System. Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-531-16048-1, S. 236.</ref> Kritiker, vor allem aus dem linken Spektrum,<ref>Bernhard Hänel: Die Linke will Mohn vernaschen. In: Neue Westfälische. 26. August 2008.</ref> warfen der Stiftung vor, unzulässigen Einfluss auf die politische Willensbildung jenseits etablierter demokratischer Wege zu nehmen.<ref name=":0">Harald Schumann: Macht ohne Mandat. In: Der Tagesspiegel. 24. September 2006, S. 7.</ref> Durch enge, oft informelle Kontakte zu Politikern und Beamten betreibe sie eine Art „Privatisierung der Politik“.<ref>Harald Schumann: Politik aus Gütersloh. In: Der Tagesspiegel. 13. September 2010, S. 7.</ref>

Konkretisiert wurde diese Kritik unter anderem durch die angenommene Beteiligung der Stiftung an wichtigen Gesetzgebungsvorhaben. Als Beispiel dient ihre Rolle bei der Entwicklung von Arbeitsmarktreformen wie „Hartz IV“. Die Stiftung soll durch Studien, Expertisen und die Organisation von Diskussionsformaten direkten Einfluss auf Inhalte und Ausrichtung von Reformen genommen haben.<ref>Bertelsmann oder: Die diskrete Form der Herrschaft. In: Süddeutsche Zeitung. 27. September 2004, S. 14.</ref> Weiterhin wird kritisiert, dass die Stiftung in Politikfeldern wie Bildung und <ref>Tim Engartner: Die Bertelsmann Stiftung als aktiver Akteur im Bildungswesen. In: Rosa-Luxemburg-Stiftung (Hrsg.): Ökonomisierung schulischer Bildung. Analysen und Alternativen. 2000, ISSN 2194-2242, S. 12.</ref> Gesundheit ihre Konzepte durch Beratung von Entscheidungsträgern und Initiierung von Modellprojekten zu etablieren versuchte.<ref>Rudolf Stumberger: Die heimliche Regierung aus Gütersloh. In: VDI-Nachrichten. 2. November 2007.</ref>

Die Stiftung entgegnete, ihre Politikberatung sei weder kommerziell noch parteipolitisch motiviert.<ref>Gunter Thielen: „Wir sind keine heimliche Regierung“. In: Handelsblatt. 25. Oktober 2010, S. 26 (<templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Handelsblatt Online (Memento vom 18. August 2017 im Internet Archive)).</ref><ref>Kritik an den Kritikern. In: Neue Westfälische. 15. Dezember 2018.</ref> Alle Empfehlungen seien evidenzbasiert und stünden allen politischen Parteien sowie gesellschaftlichen Gruppen zur Verfügung. Die Stiftung verstehe sich als ideologisch unabhängig und wolle Impulse für gesellschaftliche Veränderungen geben.<ref>Gerrit Dinkels: Reformfabrik nutzt ihren Einfluss. In: Die Glocke. 4. Mai 2017, S. 17.</ref>

Ein weiterer Aspekt der Kritik war die Frage der demokratischen Legitimierung und Transparenz dieser Einflussnahme.<ref name=":0" /> Kritiker bemängelten, dass die Stiftung für den Einsatz ihrer erheblichen Mittel und ihren Einfluss keine Rechenschaft vor Parlamenten oder Rechnungshöfen ablegen müsse.

Die Stiftung wies die Vorwürfe zurück und betont ihre Gemeinnützigkeit. Zudem unterstützte sie die von Kritikern geforderte Reform des deutschen Stiftungsrechts.<ref>Thomas Veser: Steckenpferde im Philanthropen-Dschungel. In: Frankfurter Rundschau. 24. April 1996, S. 9.</ref> Ein Beispiel hierfür ist die im Dezember 1998 in Zusammenarbeit mit dem Maecenata-Institut für Philanthropie und Zivilgesellschaft eingerichtete Expertenkommission. Diese entwickelte konkrete Reformvorschläge zur Stärkung des Gemeinwohls.<ref>Maecenata Stiftung (Hrsg.): Vorschläge, Kommentare und Stellungnahmen zur Reform des Gemeinnützigkeitsrechts. Ein Kompendium 1999 – 2020. September 2020, S. 11 ff. (maecenata.eu [PDF; abgerufen am 11. November 2025]).</ref>

Mangelnde Transparenz

Auch die Transparenz der Bertelsmann Stiftung war ein Thema der Kritik. Ein zentraler Vorwurf betraf die mangelnde Offenheit hinsichtlich ihrer internen Entscheidungsprozesse und der genauen Mechanismen ihrer politischen Einflussnahme.<ref>Antje Vollmer: „Bertelsmann ist unberührbar“. In: Die Tageszeitung. 16. September 2010, S. 4.</ref>

Während Studien und Publikationen der Stiftung öffentlich zugänglich sind, wurden Treffen und informelle Kontakte mit politischen Entscheidungsträgern als intransparent kritisiert.<ref>Thomas Schuler: Die Bertelsmann Methode. In: Die Tageszeitung. 9. August 2010, S. 13.</ref><ref>Indira Gurbaxani: Lobbyarbeit – steuerlich absetzbar. In: Süddeutsche Zeitung. 4. September 2010, S. 34.</ref>

Ein weiterer Kritikpunkt zielte auf die finanzielle Transparenz und die Rechenschaftspflicht ab.<ref>Thomas Schuler: „Bei Fragen zu Details stieß ich an Grenzen“. In: Westfalen-Blatt. 9. August 2010.</ref> Als private Stiftung unterliegt die Bertelsmann Stiftung nicht derselben öffentlichen Kontrolle wie staatliche Institutionen.

Die Stiftung bestreitet diese Kritikpunkte. Man könne sich umfassend über die Stiftungsarbeit in den öffentlich zugänglichen Publikationen informieren. Seit Gründung der Stiftung erschien in regelmäßigen Abständen ein Tätigkeitsbericht,<ref>Bernhard Hänel: Bertelsmann-Stiftung wartet auf Mohns neues Buch. In: Neue Westfälische. 26. April 2005.</ref><ref>Lothar Schmalen: Finanzspritze für zwei Stiftungen. In: Neue Westfälische. Bielefelder Tageblatt. 6. Mai 2015, S. 26.</ref> der über die Standards der Initiative Transparente Zivilgesellschaft hinausgeht. Zudem verweist die Stiftung auf die Aufsicht durch staatliche Behörden.

Literatur

  • Frank Böckelmann, Hersch Fischler: Bertelsmann. Hinter der Fassade des Medienimperiums. Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-8218-5551-7, S. 213–250.
  • Ulrich Brömmling: Die Kunst des Stiftens. 20 Perspektiven auf Stiftungen in Deutschland. Edition Pro Arte, Berlin 2005, ISBN 3-9805009-6-9, S. 22–25.
  • Werner Biermann, Arno Klönne: Agenda Bertelsmann. Ein Konzern stiftet Politik. Papyrossa Verlag, Köln 2007, ISBN 978-3-89438-372-5.
  • Jens Wernicke, Torsten Bultmann (Hrsg.): Netzwerk der Macht – Bertelsmann. Der medial-politische Komplex aus Gütersloh. Bund demokratischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Marburg 2007, ISBN 978-3-939864-02-8.
  • Regina Hannerer, Christian Steininger: Die Bertelsmann Stiftung im Institutionengefüge. Medienpolitik aus Sicht des ökonomischen Institutionalismus. Nomos Verlag, Baden-Baden 2008, ISBN 978-3-8329-3982-3.
  • Thomas Schuler: Bertelsmannrepublik Deutschland. Eine Stiftung macht Politik. Campus Verlag, Frankfurt am Main 2010, ISBN 978-3-593-39097-0.
  • Joachim Scholtyseck: Reinhard Mohn. Ein Jahrhundertunternehmer. C. Bertelsmann Verlag, München 2021, ISBN 978-3-570-10441-5, S. 111–129.

Weblinks

Commons: Bertelsmann Stiftung – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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Koordinaten: 51° 54′ 30,9″ N, 8° 25′ 8,3″ O

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