Sessellift Plabutsch
| Sessellift Plabutsch (†) | |
|---|---|
| Standort: | Graz, Datei:Flag of Austria.svg Österreich |
| Bauart: | Umlaufbahn mit fixen Sesseln |
| Baujahr: | 1954, 1971 stillgelegt, Ende 1980er abgebaut |
| Berg: | Plabutsch |
| Talstation: | Graz-Gösting, 425 m |
| Höhendifferenz: | 331 m |
| Bergstation: | Fürstenstand, 756 m |
| Streckenlänge: | 825 m |
| Fahrdauer: | 6 min |
| Anzahl der Sessel: | 86 Stk. |
| Anzahl der Stützen: | 10 Stk. |
| Hersteller: | Girak |
| Betreiber: | privat |
Der Sessellift Plabutsch war ein Sessellift in der steirischen Landeshauptstadt Graz. Er führte von 1954 bis 1971 vom Stadtbezirk Gösting zum Gipfel des Plabutsch.
Geschichte
Bereits in den 1920er Jahren bestand die Idee zum Bau einer Seilbahn auf den Plabutsch,<ref>Technik und Wirtschaft. Grazer Verkehrsaufgaben.. In: Grazer Tagblatt / Grazer Tagblatt. Organ der Deutschen Volkspartei für die Alpenländer / Neues Grazer Tagblatt / Neues Grazer Morgenblatt. Morgenausgabe des Neuen Grazer Tagblattes / Neues Grazer Abendblatt. Abendausgabe des Neuen Grazer Tagblattes / (Süddeutsches) Tagblatt mit der Illustrierten Monatsschrift „Bergland“, 12. Dezember 1926, S. 12 (online bei ANNO).</ref> für die sich unter anderem der Universitätsprofessor Karl Later einsetzte; zudem existierten bereits erste konkrete Pläne zum Bau einer Schöckl-Seilbahn.<ref>Rundschau – Seilbahnen.. In: Die Wasserkraft. Zentral-Organ für wasserwirtschaftliche u(nd) wasserrechtliche Interessen. Erste Fachzeitschrift Oesterreich-Ungarns auf diesem Gebiete / Österreichische Wasserwirtschaft. (vorm(als) „Die Wasserkraft“). Organ des Wasserwirtschaftsverbandes der österreichischen Industrie und des Zentralvereines für Fluß- und Kanalschiffahrt in Oesterreich. Erste Fachzeitschrift Oesterreich-Ungarns auf diesem Gebiete / Die Wasserwirtschaft. (vorm. „Oesterr. Wasserwirtschaft“ und „Die Weiße Kohle“). Zeitschrift für alle technischen, volkswirtschaftlichen und juristischen Fragen der Binnenschiffahrt und Wasserwirtschaft (…) / Die Wasserwirtschaft. Zeitschrift für alle technischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Fragen der Wasser- und Elektrowirtschaft (…), Jahrgang 1929, S. 367 (Nr. 19.) (online bei ANNO).</ref>
Im Jahr 1948 gründeten drei Unternehmer in Graz die Fürstenstand-Seilschwebelift-Ges. m. b. H. und leisteten zu dieser Zeit bereits die Vorarbeiten für die Durchführung des Projektes zum Bau der Sesselliftanlage.<ref name="AWI, 23.04.1948">Der Lift auf den Plabutsch. In: Arbeiterwille. Sozialdemokratisches Organ der Alpenländer / Arbeiterwille. Organ des arbeitenden Volkes der Alpenländer / Arbeiterwille. Organ des arbeitenden Volkes für Steiermark und Kärnten / Arbeiterwille. Organ des arbeitenden Volkes für Steiermark, Kärnten (und Krain) Neue Zeit. Organ der Sozialistischen Partei Steiermarks, 23. April 1948, S. 3 (online bei ANNO).</ref> Zu dieser Zeit waren bereits 40.000 Schilling in das Projekt investiert worden.<ref name="AWI, 23.04.1948"/> Vorgesehen war zu diesem Zeitpunkt der Betrieb eines Schwebelifts als Einseilbahn mit Umlaufbetrieb bei selbstständigem Ein- und Auskuppeln der Zweisitzsesselgehänge in den Stationen für eine Stundenleistung bis 400 Personen.<ref name="AWI, 23.04.1948"/> Damals plante man zudem noch rund 50 Gehänge zu je zwei Sitzen sowie fünf weitere Lastengehänge.<ref name="AWI, 23.04.1948"/> Der Betrieb sollte von der Talstation in der Hinterbrühl bei Gösting auf 395 m Seehöhe hinauf zur Bergstation am Gipfel des Plabutsch auf 741 m Seehöhe, rund 60 Meter vom Fürstenstand entfernt, führen.<ref name="AWI, 23.04.1948"/> Die Kosten bis zur Inbetriebnahme, einschließlich der Ausgaben für die provisorischen Berg- und Talstationen, wurden mit rund 570.000 Schilling veranschlagt.<ref name="AWI, 23.04.1948"/> Da die Projektanten nicht in der Lage waren, weitere Mittel für die Umsetzung aufzubringen, übernahm in der Folge die Stadtgemeinde Graz das Projekt und nahm dafür einen Kredit in Höhe von 600.000 Schilling auf.<ref name="AWI, 23.04.1948"/>
Das Projekt kam in der ursprünglich geplanten Ausführung nicht zustande. Nach einer Überarbeitung der Planungen entschied man sich, das Vorhaben in verkleinerter Form umzusetzen und letztlich als Einersessellift zu realisieren.
Am 1. Mai 1954 um 10 Uhr wurde die Einer-Sesselliftanlage,<ref name="kz54">Kleine Zeitung vom 4. Mai 1954 (7. Jahrgang), S. 9</ref> die durch öffentliche Mittel (ERP-Fremdenverkehrskredit; heute erp-Tourismuskredit) subventioniert worden war,<ref>Wieder 18. Mill. S Fremdenverkehrskredite. In: Salzburger Nachrichten. Herausgegeben von den amerikanischen Streitkräften für die österreichische Bevölkerung / Salzburger Nachrichten. Unabhängige demokratische Tageszeitung, 3. Juli 1954, S. 4 (online bei ANNO).</ref><ref>18 Millionen für Investitionen. In: Neues Oesterreich/Neues Österreich. Organ der demokratischen Einigung, 3. Juli 1954, S. 2 (online bei ANNO).</ref> an der Ostseite des Plabutsch eröffnet. Eine ähnliche Anlage war ein Jahr zuvor auf der Nordseite des Schöckls eröffnet worden. Neben der Bergstation befand sich ein Restaurant, das 1966<ref>Kronen Zeitung vom 21. Jänner 1976, S. 11</ref> um ein Berghotel erweitert wurde. Die Talstation war mit der Straßenbahn (Linie 3) zu erreichen. So konnte man in weniger als 40 Minuten vom Jakominiplatz aus den Fürstenstand am Gipfel des Plabutsch erreichen.<ref name="kz54"/>
Am ersten Wochenende wurden bereits über 2.000 Fahrgäste befördert. 1956 wurde die Anlage nach einem Unfall technisch überholt. Sie beförderte bis zu ihrer Stilllegung im Jahre 1971<ref>Süd-Ost Tagespost vom 28. Februar 1973, S. 8</ref> mehr als 1.100.000<ref name="stat5470">Statistisches Jahrbuch der Landeshauptstadt Graz, Jahrgänge 1954–1970</ref> Gäste auf den Plabutsch.
Ein verändertes Freizeitverhalten Ende der 1960er Jahre bewirkte einen merklichen Rückgang an Fahrgästen.<ref name="stat5470"/> Zudem waren Hotel und Restaurant über die Jahre hinweg, neben dem Lift, nur mittels einer provisorisch errichteten Straße zu erreichen, die bis Anfang der 1970er Jahre stark verfallen war.<ref name="kz71">Kleine Zeitung vom 6. März 1971, S. 14</ref> Ohne sanierte Straße sah sich der damalige Pächter veranlasst, der hohen Unkosten wegen, aufzuhören<ref>Grazer Montag vom 4. Oktober 1971, S. 3</ref><ref>Grazer Montag vom 8. Mai 1972, S. 5</ref>. Versuche des Besitzers scheiterten, mittels bereits zugesicherter Subventionen<ref name="kz71"/> von der Stadt Graz und vom Land Steiermark eine sanierte Zufahrtsstraße auf den Berg zu bekommen und so an einen neuen Pächter zu gelangen. Im Dezember 1971 wurde auch der Lift eingestellt, nachdem Hotel und Restaurant Monate zuvor geschlossen worden waren. Unfreiwillig wurde so der Lift eingemottet und nur unregelmäßig, angeblich für Lastenbeförderungen, wieder in Betrieb genommen.
1982 errichtete der Eigentümer aus Eigenmitteln eine neue Straße.<ref>Neue Zeit (Graz) vom 16. Juli 1982, S. 7</ref> Hotel und Restaurant wurden nach zehnjährigem Verfall mit hohem finanziellen Aufwand und mit neuem Pächter wiedereröffnet. Der hohen Kosten wegen und erneut auf finanzielle Unterstützung von Stadt und Land wartend, unterblieb vom Besitzer die Sanierung bzw. ein Neubau der veralteten Sesselliftanlage.
Ende der 1980er Jahre baute man die Anlage daher Schritt für Schritt ab. Zuerst wurde die Liftanlage demontiert, Ende der 1990er Jahre folgte der Abriss der verbliebenen Reste der Bergstation. Die Talstation existierte bis 2026, galt als Lost Place und befand sich in einem schlechten Bauzustand. Zuletzt war in den Jahren 2023/24 die komplette Dachkonstruktion des ehemaligen Ein- und Ausstiegsbereiches des Stationsgebäudes eingestürzt. Anfang des Jahres 2026 wurde öffentlich bekannt, dass die Talstation abgetragen werden soll, um Platz für zwei Wohnhäuser mit insgesamt 14 Wohneinheiten zu schaffen.<ref name="Kleine Zeitung, 31.01.2026">Das letzte Überbleibsel des Plabutsch-Sessellifts ist bald Geschichte, abgerufen am 2. Februar 2026</ref> Die Abbruchbewilligung war bereits im Frühjahr 2021 erteilt worden.<ref name="Kleine Zeitung, 31.01.2026"/>
Unfall 1956
Am späten Nachmittag des 2. April 1956 (Ostermontag) kam es kurz vor Betriebsschluss um 17 Uhr zu einem Unfall. Nachdem die Anlage für das Zusteigen einer gehbehinderten Frau kurz abgeschaltet und die erste Bremse gezogen worden war, setzte sie sich von selbst wieder in Gang und beschleunigte auf das Fünffache der Betriebsgeschwindigkeit. Zu diesem Zeitpunkt war der Lift fast ausschließlich talwärts besetzt und damit einseitig belastet.<ref>Im wildgewordenen Sessellift zu Tal. In: Arbeiter-Zeitung. Wien, 4. April 1956, S. 3.</ref>
Einige Fahrgäste, die zu diesem Zeitpunkt in die Talstation einfuhren, wurden im Bereich der unteren Umlenkungs-Seilscheibe aus ihren Sitzen geschleudert. Als baulicher Mangel stellte sich zudem der zu geringe Abstand zwischen den Sesseln und den Säulen der Talstation dar, da durch die hohe Geschwindigkeit die Sessel nach außen schwangen und so mehrere wartende Fahrgäste trafen<ref name="nz56">Neue Zeit (Graz) vom 6. April 1956, S. 3–4</ref>, was die Anzahl der Verletzten erhöhte. Als die mechanische Zusatzbremse, die zuerst nicht betriebsbereit war, griff, schleuderte das Förderseil in der Nähe der Bergstation aus der Führung des Stützpfeilers 9. Ein Fahrgast fiel aus seinem Sitz und stürzte zehn Meter in die Tiefe. Er starb kurz nach Einlieferung in das Grazer Unfallkrankenhaus. Zehn weitere Fahrgäste wurden zum Teil schwer verletzt.<ref>Kleine Zeitung vom 4. April 1956 (9. Jahrgang), S. 6</ref> Die Feuerwehr barg bis 20 Uhr 48 Fahrgäste mittels Sicherheitsgürtel, Haken- und Stahlseilleitern.<ref name="nz56"/>
Anschließende Untersuchungen ergaben, dass beide Bremsen einschließlich des an beide Bremsen gekoppelten Geschwindigkeitsmessers versagt hatten, was auf Wartungsfehler zurückzuführen war. Versuche, bei denen die Sessel mit Sandsäcken, deren Masse der eines Durchschnittsfahrgastes entsprach, belastet wurden, zeigten, dass bei 20 belasteten Sesseln die erste Bremse den Lift noch halten konnte. Bei 30 Sesseln jedoch setzte sich die Anlage nach wenigen Sekunden wieder in Gang. In diesem Fall musste die zweite Bremse gezogen werden. Weiters zeigte sich, dass die Sicherheitsbügel der Sessel sich bei starken Erschütterungen von selbst öffnen konnten. Anfängliche Vermutungen, der Fahrgast hätte diesen nie geschlossen und so selbst seinen Tod mit verursacht, wurden somit nicht bestätigt.<ref>Kleine Zeitung vom 7. April 1956 (9. Jahrgang), S. 6</ref>
Pläne für einen neuen Lift
Nach der Jahrtausendwende 2000 gab es immer wieder Pläne der Stadt Graz, eine Aufstiegshilfe zu errichten, um den Plabutsch als Naherholungszentrum für die Grazer Bevölkerung zu revitalisieren.<ref>Stefan Marschnig: Aufstiegshilfe auf den Plabutsch tugraz.at, Diplomarbeit TU Graz, abgerufen am 13. Februar 2013.</ref>
Am 7. November 2018 präsentierten ÖVP und FPÖ, die zusammen eine knappe Mehrheit im Gemeinderat aufwiesen, das Projekt einer Gondelbahn von einer Talstation an der Peter-Tunner-Gasse in Graz-Eggenberg mit Kurven über eine Bergstation nahe dem Gipfel und weiter westwärts bergab zum Thalersee. Gesamtkosten von 35 Mio. Euro und eine Fertigstellung für Frühjahr 2022 wurden genannt.<ref>Erste Details : Neue Seilbahn: Ab 2022 gondelt man über den Plabutsch zum Thalersee. In: www.kleinezeitung.at. (kleinezeitung.at [abgerufen am 7. November 2018]).</ref><ref>Plabutschgondel ab 2022 – Seilbahn auf den Plabutsch blounge.at, 8. November 2018</ref>
Die Grazer KPÖ sammelte ab etwa 2019 7.500 Unterschriften für eine Volksbefragung zur Gondelbahn.
Mit Hinweis auf die durch die Krise im Zuge der Corona-Pandemie reduzierten Geldmittel der Stadt Graz sagte die schwarz-blaue Stadtregierung am 13. Mai 2020 das Projekt Plabutschgondel ab.<ref>Endgültiges Aus für Grazer Plabutschgondel orf.at, 13. Mai 2020, abgerufen am 12. Juli 2020.</ref>
Weblinks
- Sessellift Plabutsch, ÖPNV Graz – Fotos und Text
- Sessellift Plabutsch, Lost Ropeways.de – Fotos
Einzelnachweise
<references/>
Koordinaten: 47° 5′ 25,1″ N, 15° 23′ 9″ O
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