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Whewellit

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Whewellit
Datei:Whewellite-md82a.jpg
Whewellitkristall aus Schlema im Erzgebirge
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Nummer

1967 s.p.<ref name="IMA-Liste">Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

IMA-Symbol

Whe<ref name="Warr"></ref>

Andere Namen
Chemische Formel Ca(C2O4)·H2O<ref name="StrunzNickel" />
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Organische Verbindungen
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

IX/A.01
IX/A.01-010

10.AB.45
50.01.01.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem monoklin
Kristallklasse; Symbol monoklin-prismatisch; 2/m
Raumgruppe P21/n (Nr. 14, Stellung 2)Vorlage:Raumgruppe/14.2<ref name="StrunzNickel" />
Gitterparameter a = 6,29 Å; b = 14,58 Å; c = 10,12 Å
β = 109,5°<ref name="StrunzNickel" />
Formeleinheiten Z = 8<ref name="StrunzNickel" />
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 2,5 bis 3<ref name="Handbookofmineralogy" />
Dichte (g/cm3) gemessen: 2,21 bis 2,23; berechnet: 2,22<ref name="Handbookofmineralogy" />
Spaltbarkeit vollkommen nach {101};
unvollkommen nach {010};
undeutlich nach {001} und {110}<ref name="Handbookofmineralogy" />
Bruch; Tenazität muschelig; spröde
Farbe farblos, weiß, grau, hellgelb, hellbraun
Strichfarbe weiß
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Glanz Glasglanz, Perlglanz
Kristalloptik
Brechungsindizes nα 1,489 bis 1,491<ref name="Mindat" />
nβ 1,553 bis 1,554<ref name="Mindat" />
nγ 1,649 bis 1,650<ref name="Mindat" />
Doppelbrechung δ 0,160<ref name="Mindat" />
Optischer Charakter zweiachsig positiv
Achsenwinkel 2V = gemessen: 80 bis 84°; berechnet: 84°<ref name="Mindat" />

Whewellit ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Organischen Verbindungen“ mit der chemischen Zusammensetzung Ca(C2O4)·H2O<ref name="StrunzNickel" /> und damit chemisch gesehen ein wasserhaltiges Calciumoxalat.

Whewellit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem und entwickelt meist farblose und durchsichtige Kristalle bis etwa 20 cm Größe von isometrischem bis kurz-prismatischem Habitus, aber auch herzförmige Zwillinge. Bei polykristalliner Ausbildung in massigen Aggregaten kann Whewellit auch weiß erscheinen und durch Fremdbeimengungen auch eine graue, gelbliche oder bräunliche Farbe annehmen. Die Strichfarbe des Minerals ist allerdings immer weiß.

Etymologie und Geschichte

Erstmals entdeckt wurde Whewellit im „Glückauf-Schacht“ bei Burgk in Sachsen und beschrieben 1852 durch Henry James Brooke (1771–1857) und William Hallowes Miller (1801–1880), die das Mineral nach dem britischen Philosophen und Wissenschaftshistoriker William Whewell (1794–1866) benannten.

Klassifikation

In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Whewellit zur Mineralklasse der „Organischen Verbindungen“ und dort zur Abteilung der „Salze organischer Säuren“, wo er zusammen mit Humboldtin, Minguzzit, Oxammit, Stepanovit, Weddellit und Zhemchuzhnikovit die „Oxalat-Gruppe“ mit der System-Nr. IX/A.01 bildete.

Im zuletzt 2018 überarbeiteten und aktualisierten Lapis-Mineralienverzeichnis nach Stefan Weiß, das sich aus Rücksicht auf private Sammler und institutionelle Sammlungen noch nach dieser alten Form der Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, erhielt das Mineral die System- und Mineral-Nr. IX//A.01-10. In der „Lapis-Systematik“ entspricht dies der Abteilung „Salze organischer Säuren“, wo Whewellit zusammen mit Antipinit, Caoxit, Coskrenit-(Ce), Deveroit-(Ce), Falottait, Glushinskit, Humboldtin, Levinsonit-(Y), Lindbergit, Middlebackit, Minguzzit, Moolooit, Natroxalat, Novgorodovait, Oxammit, Stepanovit, Weddellit, Wheatleyit, Zhemchuzhnikovit und Zugshunstit-(Ce) ebenfalls die Gruppe der „Oxalate [C2O4]2−“ (IX//A.01) bildet.<ref name="Lapis" />

Auch die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte<ref name="IMA-Liste-2009" /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Whewellit in die Abteilung der „Salze von organischen Säuren“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach der Art der salzbildenden Säure, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Oxalate“ zu finden ist, wo es als einziges Mitglied die unbenannte Gruppe 10.AB.45 bildet.

Die Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Whewellit ebenfalls in die Klasse und dort in die gleichnamige Abteilung der „Organischen Minerale“ ein. Hier ist er als einziges Mitglied in der unbenannten Gruppe 50.01.01 innerhalb der Unterabteilung „Salze organischer Säuren (Oxalate)“ zu finden.

Datei:Whewellite-md82c.jpg
Perfekt ausgebildeter Whewellitkristall aus Schlema im Erzgebirge (Größe 2,9 cm × 2,8 cm × 2,3 cm)

Kristallstruktur

Whewellit kristallisiert monoklin in der Raumgruppe P21/n (Raumgruppen-Nr. 14, Stellung 2)Vorlage:Raumgruppe/14.2 mit den Gitterparametern a = 6,29 Å; b = 14,58 Å; c = 10,12 Å und β = 109,5° sowie 8 Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />

Bildung und Fundorte

Auch wenn es sich bei Whewellit um das Salz einer organischen Säure handelt, so müssen bei der Bildung keine biologischen Prozesse beteiligt sein. Whewellit bildet sich als selten vorkommendes Primärmineral in niedriggradigen hydrothermalen Carbonat-Sulfid-Adern oder -Geoden. Begleitminerale sind unter anderem Calcit, Baryt, Sphalerit, Pyrit, Weddellit und wachsartige Kohlenwasserstoffe.

Als seltene Mineralbildung konnte Whewellit nur an wenigen Fundorten nachgewiesen werden, wobei bisher rund 70 Fundorte (Stand 2017) als bekannt gelten.<ref name="MindatAnzahl" /> Neben seiner Typlokalität Burgk konnte das Mineral in Deutschland noch bei Freiberg, Schlema und Hartenstein in Sachsen; bei Peine in Niedersachsen; bei Ibbenbüren in Nordrhein-Westfalen; im „Hannebacher Ley“ in der rheinland-pfälzischen Gemeinde Spessart (Brohltal) sowie bei Gera in Thüringen. In Österreich fand sich Whewellit bisher nur am Graukogel in den Hohen Tauern.

Weitere Fundorte befinden sich in Australien, Brasilien, Frankreich, Grönland, Italien, Mexiko, Rumänien, Russland, Slowakei, Tschechien, Ukraine, Ungarn, England im Vereinigten Königreich und in mehreren Regionen in den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).<ref name="Fundorte" />

Whewellit kann im Urin auskristallisieren und zur Bildung von Harnsteinen führen. Ursache ist meist eine hohe Oxalsäure- oder Calciumoxalataufnahme mit der Nahrung (Sauerampfer, Spinat, Mangold, Rote Beete, Kakao). Etwa zwei Drittel aller Harnsteine des Menschen sind Whewellit, womit es das häufigstes Harnsteinmineral ist.<ref>S2k-Leitlinie zur Diagnostik, Therapie und Metaphylaxe der Urolithiasis. Arbeitskreis Harnsteine der Akademie der Deutschen Urologen, Deutsche Gesellschaft für Urologie e. V, 1. Mai 2019, abgerufen am 20. Februar 2024.</ref> In der Tiermedizin treten Whewellit-Steine vor allem bei Hunden und Katzen immer häufiger auf.<ref name="Hesse" />

Siehe auch

Literatur

  • H. J. Brooke, W. H. Miller: An Elementary Introduction to Mineralogy Longman. Whewellite. Brown, Green, and Longmans, London 1852, S. 523–524 (rruff.info [PDF; 153 kB]).
  • Friedrich Klockmann: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. Hrsg.: Paul Ramdohr, Hugo Strunz. 16. Auflage. Enke, Stuttgart 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 798 (Erstausgabe: 1891).
  • Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien-Enzyklopädie (= Dörfler Natur). Nebel Verlag, Eggolsheim 2002, ISBN 978-3-89555-076-8, S. 281.

Weblinks

Einzelnachweise

<references> <ref name="Handbookofmineralogy"> Whewellite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (handbookofmineralogy.org [PDF; 179 kB; abgerufen am 19. November 2021]). </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Whewellit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 19. November 2021. </ref> <ref name="Hesse"> A. Hesse: Harnsteinarten. Die Herkunft der Namen. In: Animal Stone Letter. Band 13, Nr. 7,1, 2013 (harnsteinanalysezentrum-bonn.de [PDF; 1,9 MB; abgerufen am 19. November 2021]). </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Lapis"> </ref> <ref name="Mindat"> Whewellite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 19. November 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="MindatAnzahl"> Localities for Whewellite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 19. November 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="StrunzNickel"> </ref> </references>