Tonic Water
Tonic Water [<templatestyles src="IPA/styles.css" />] () ist ein chininhaltiges, meist farbloses, mit Kohlensäure versetztes Erfrischungsgetränk und zählt zu den Bitterlimonaden. Aufgrund seines Chiningehalts leuchtet es unter UV-Licht.
Historische Bedeutung
Bis ins 20. Jahrhundert gehörte Tonic Water (englisch tonic für „kräftigend, stärkend“, siehe Tonikum) zur Standardausrüstung vieler europäischer Kolonialarmeen. Der damals höhere Chiningehalt des Getränkes war eine Form der Malaria-Prophylaxe, da erst ab 1934 mit Chloroquin dafür ein synthetisches Arzneimittel auf den Markt kam.<ref>Klaus Roth: Chemische Leckerbissen. Wiley-VCH-Verlag, 2014. S. 56. ISBN 978-3-527-33739-2.</ref> Die einzelligen Malaria-Parasiten befallen nach Ausbruch der Krankheit die roten Blutkörperchen und ernähren sich vom Protein Globin des Hämoglobins. Der hierbei zurückbleibende Blutfarbstoff Häm ist für den Parasiten giftig, weshalb er das Häm in kristallines Hämozoin umwandelt. Ein ausreichend hoher Chininspiegel im Blut unterbindet diese Umwandlung und der Parasit vergiftet sich selbst. Um eine Wirkung zu erzielen, musste das Tonic Water regelmäßig getrunken werden. Zur Abmilderung des bitteren Geschmacks wurde es unter anderem von den Soldaten mit Gin gemischt, woraus sich der Longdrink Gin Tonic entwickelte.<ref name=":0">S. Streller, K. Roth: Von der Apotheke an die Bar Eine Rinde erobert die Welt. In: Chem. Unserer Zeit. 46. Auflage. 2012, S. 228 – 24.</ref>
Herstellung
Zur Herstellung von Tonic Water wird eine Chinin- und eine Zucker-Säure-Lösung vermischt. Chinin wird aus der Rinde des Chinarindenbaums gewonnen. Sie wird gemahlen und in Wasser eingeweicht. Die entstandene Lösung wird durch Filtern und Reduzieren konzentriert. Zucker und Zitronensäure werden in Wasser gelöst, um einen Sirup zu bilden. Die in einem bestimmten Verhältnis gemischte und durch Filtrieren von Feststoffen gereinigte Lösung wird anschließend in eine Kohlensäurequelle gegeben.<ref>Wie wird Tonic Water hergestellt? In: deutschergin.de, 18. Februar 2023.</ref>
Hersteller
Hersteller von Tonic-Getränken gibt es weltweit. Ein Produzent von Tonic Water ist die Dr Pepper Snapple Group (Marken „Schweppes“ und „Canada Dry“). In Schweppes Tonic Water sowie Schweppes Tonic Water Zero sind 68 mg und in Schweppes Dry Tonic Water sind 74 mg Chinin (als Alkaloid) pro Liter enthalten.<ref>Information zu Chiningehalten von Schweppes-Produkten auf Anfrage bei Schweppes November 2021</ref> Weitere Marken sind beispielsweise Fevertree, 1724, Fentimans und Thomas Henry.<ref>Der Gin des Lebens. Abgerufen am 24. Februar 2016.</ref> In manchen Supermärkten und bei Discountern ist Tonic Water als Eigenmarke erhältlich.<ref>Produktinformation der Edeka zu Tonic Water, abgerufen am 1. März 2016.</ref>
Sorten
Im Handel üblich sind die Sorten Dry- und Indian Tonic Water, von vielen Herstellern werden aber auch Sorten wie z. B. Hibiskus- oder Kräuter-Tonics angeboten.
Gesundheitliche Risiken
Tonic-Getränke sollten nicht während einer Schwangerschaft getrunken werden, da das Kind von Chinin abhängig werden kann, was sich nach der Geburt durch starke Entzugserscheinungen deutlich macht.<ref>Chininhaltige Getränke sind nichts für Schwangere! BfR hält entsprechende Kennzeichnung für nötig. Bundesinstitut für Risikobewertung, 7. Juni 2005, abgerufen am 16. Oktober 2012.</ref> Außerdem kann das Chinin die Wehen einleiten, da es gebärmutterstimulierend wirkt.
Auch Patienten mit Tinnitus sollen nach Angaben des deutschen Bundesinstituts für Risikobewertung größere Mengen chininhaltiger Getränke meiden. Bei Überempfindlichkeit können bereits kleine Mengen Chinin verschiedenste Reaktionen, wie zum Beispiel gastrointestinale oder neurologische Störungen – etwa Sehstörungen und Verwirrtheit – bewirken.
Tonic Water sollte aufgrund seines Chiningehalts nicht im Zusammenhang mit dem Arzneistoff Loperamid eingenommen werden.<ref>Anästhesie und Intensivmedizin - 5/2018. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 31. Oktober 2018; abgerufen am 31. Oktober 2018.</ref><ref>https://www.youtube.com/watch?v=lb1qcLesN0w Tonic und Medikamente – Junge Frau stirbt überraschend! | Achtung</ref>
Weblinks
- Chininhaltige Getränke können gesundheitlich problematisch sein (PDF; 126 kB) – Informationen des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR)
- <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Chinin ( vom 3. August 2014 im Internet Archive) – Informationen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) – archiviert von archive.org
Einzelnachweise
<references />