Zum Inhalt springen

Glasaal

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 12. April 2026 um 16:18 Uhr durch imported>Wheeke (HC: Ergänze Kategorie:Larve).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Datei:Glasseelskils.jpg
Glasaale am Übergang vom Meer ins Süßwasser. Die Haut ist noch durchscheinend und die roten Kiemen und das Herz sind sichtbar. Länge ca. 8 cm. Foto: Uwe Kils

Als Glasaal bezeichnet man das Jugendstadium der Aale (Anguillidae), das auf das Weidenblattlarven-Stadium folgt. Der Jungfisch wird als „Glasaal“ bezeichnet, weil er in diesem Stadium noch durchscheinend ist.

Glasaale ziehen durch das Meer und können in die Unterläufe (Potamal) der Flüsse zu den Lebensräumen der erwachsenen Aale einwandern oder sich im Bereich von Flussmündungen ansiedeln, insbesondere in kaltem Meerwasser.<ref>Eric Edeline, Patrick Lambert, Christian Rigaud, Pierre Elie: Effects of body condition and water temperature on Anguilla anguilla glass eel migratory behavior. In: Journal of Experimental Marine Biology and Ecology, Band 331, Nr. 2, 18. April 2006, S. 217–225, doi:10.1016/j.jembe.2005.10.011.</ref>

Glasaal und Mensch

Ausbeutung

Die Befischung von Glasaalen kann lokal oder regional erheblich sein. Am Arzal-Mündungsdamm in Vilaine, Bretagne, Frankreich wurden Fangausbeuten und Bestände 1996 bis 2000 analysiert. Dabei stellte sich heraus, dass nur 0,3 bis 3,9 % der Glasaalpopulation den Fluss oberhalb des Dammes erreichte.<ref>C. Briand, D. Fatin, G. Fontenelle, E. Feunteun: Estuarine and fluvial recruitment of the European glass eel, Anguilla anguilla, in an exploited Atlantic estuary. In: Fisheries Management and Ecology, Band 10, Nr. 6, Dezember 2003, S. 377–384, doi:10.1111/j.1365-2400.2003.00354.x.</ref> Diese Überfischung, so schlussfolgern die Untersucher, hat einen Bestandsrückgang zur Folge. Daher werden Glasaale in den Meeren gefangen und in Binnengewässern ausgesetzt.<ref>Über zwei Millionen Glasaale in Berliner Gewässern ausgesetzt. In: berlin.de. 7. März 2019, abgerufen am 17. März 2019.</ref><ref>Überlebt der Aal? In: maz-online.de. 28. März 2018, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 26. Dezember 2018; abgerufen am 5. April 2026.</ref>

Es werden immer weniger Glasaale des Europäischen Aals gefangen, weil seine Bestände in den letzten Jahrzehnten massiv zurückgegangen sind, sodass der Europäische Aal vom Aussterben bedroht ist.<ref>Europäischer Aal - Fischbestände. Abgerufen am 8. April 2026.</ref> Das führt zu sehr hohen Preisen für europäische Glasaale: So wurden kurz vor Weihnachten 2025 in Nordspanien Glasaale für 13.000 € pro Kilogramm versteigert.<ref name=":0">Reiner Wandler: Spanien streitet über bedrohte Aalart: Essen oder schützen? In: Die Tageszeitung: taz. 31. Januar 2026, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 8. April 2026]).</ref>

Glasaale sind nicht nur in spanischen Luxusrestaurants eine Weihnachts-Spezialität, auch in Asien gelten Glasaale als Delikatesse.<ref name="GAS1">Beschlagnahmte Glasaale werden im Rhein ausgesetzt. Frankfurter Neue Presse, 4. Dezember 2018, abgerufen am 5. April 2026.</ref><ref name=":0" /> Inzwischen ist ein lukrativer illegaler Handel mit Glasaalen von Europa nach Asien entstanden.<ref>Der Europäische Aal – eine vom Aussterben bedrohte Fischart. (PDF; 286 KB) Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen, 6. Februar 2019, abgerufen am 1. Dezember 2019.</ref> Das Schweizer Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit bezifferte 2025 die Erträge der organisierten Kriminalität aus dem illegalen Handel mit europäischen Glasaalen auf etwa 400 Millionen Euro pro Jahr.<ref>Anja Mägli: Interview zum Schmuggel von Glasaalen. Hrsg.: Schweizerische Eidgenossenschaft - Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit. 22. Dezember 2025 (admin.ch [abgerufen am 8. April 2026]).</ref> Von 2015 bis 2025 wurden über 850 Personen im Zusammenhang mit europäischem Glasaal-Schmuggel festgenommen (Europol Operation LAKE).<ref>Major blow to billion-euro glass eel trafficking networks – DNA testing in the US and raids in France expose global reach of trafficking networks. Europol, 25. September 2025, abgerufen am 8. April 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Während Glasaale des Europäischen Aals in den letzten Jahrzehnten immer seltener geworden sind, nahm der Handel mit Glasaalen des Amerikanischen Aals stark zu (2004: 2 Tonnen, 2022: 157 Tonnen).<ref>Hiromi Shiraishi, Kenzo Kaifu: Early warning of an upsurge in international trade in the American Eel. In: Marine Policy. Band 159, 1. Januar 2024, ISSN 0308-597X, S. 105938, doi:10.1016/j.marpol.2023.105938 (sciencedirect.com [abgerufen am 8. April 2026]).</ref> Dabei floriert besonders der illegale Handel, denn er ist ähnlich lukrativ wie der Kokain-Handel.<ref>ARTE.de: Milliarden Dollar Babies - Große Gewinne mit kleinen Aalen | Doku HD | ARTE. 25. März 2026, abgerufen am 8. April 2026.</ref><ref>CRFM Communications: Illegal trafficking of eels a growing problem, and traffickers are benefiting at the expense of our fishers! Abgerufen am 8. April 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Ersatzprodukt

Datei:Gulas con ajo y guindilla 02.jpg
Gulas aus Surimi

Glasaale sind vor allem im Baskenland ein traditionell zu Weihnachten sehr beliebtes Gericht (Angulas). In den letzten Jahren hat man wegen der sehr hohen Preise einen „Angulas-Ersatz“ aus Surimi (Fischprotein mit Aromastoffen) entwickelt, genannt Gulas. Die Masse wird zuerst in Formen gepresst, danach erhält jedes Stück zwei mit Lebensmittelfarbe gemalte Pünktchen als Augen, um das Produkt wirklichkeitsnäher zu gestalten.

Rechtlicher Status

Als migrierende Population, soweit sie nationale Zuständigkeitsgrenzen überquert, unterliegen Glasaale dem Schutz der Bonner Konvention von 1983 (Übereinkommen zur Erhaltung der wandernden wild lebenden Tierarten).

Einzelnachweise

<references responsive="" />